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Daymoon

All Tomorrows

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2011
Besonderheiten/Stil: ArtPop; Canterbury; New Artrock; Rock / Pop / Mainstream; RetroProg
Label: Eigenverlag / Bandcamp
Durchschnittswertung: 10.33/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Fred Lessing guitar, bass, keyboards, woodwinds, percussion, ethniticities, vocals
Luca Calabrese flugelhorn
Bruno Capelas acoustic & electronic drums and percussion
Paulo Catroga keyboards, vocals
Paulo Chagas sax, flute
Luís Estorninho bass
Hugo Flores vocals
Fernando Guiomar guitar
Adriano Pereira clarinet, vocals
Maria João Tavares clarinet
Thomas Olsson guitar
Mats Johansson keyboards
Andy Tillison keyboards, cameo vocals
Mark Lee Fletcher vocals
Pete Prown guitar
Jay Schankman keyboards

Tracklist

Disc 1
1. All Tomorrows 4:48
2. TranscendenZ 2:28
3. Human Again 7:34
4. Marrakech 2:36
5. Sorry 10:58
6. Bell Jar 6:03
7. First Rain 5:24
8. Arklow 6:26
9. News From The Outside 4:43
10. The Sum 13:50
Gesamtlaufzeit64:50


Rezensionen


Von: Thomas Kohlruß (Rezension 1 von 3)


Wann ist ein Album abwechslungsreich? Wann ist es zerrissen? Unwillkürlich ist das die Fragestellung, die einen beim Debüt "All Tomorrows" von Daymoon, einem in Portugal beheimateten Projekt des Deutschen Fred Lessing, beständig begleitet. Damit ist schon klar, dass "All Tomorrows" nicht unbedingt einer stringenten Linie folgt, aber auch einiges an Abwechslung und Zu-Entdeckendem bereithält. Begründet ist das sicherlich unter anderem darin, dass Lessing teils über Jahre hinweg an der Musik gearbeitet hat und diese denn auch immer wieder ganz unterschiedlichen Einflüssen ausgesetzt war. Und dann ist es Lessing schließlich auch gelungen unterschiedlichste Musiker aus aller Welt für sein Projekt zu begeistern - von denen die bekanntesten vermutlich Andy Tillison, Hugo Flores und die beiden Isildurs Bane-Musiker Thomas Olsson und Mats Johanssen sein dürften -, die wiederum auch ihre Spuren hinterlassen haben. Was soweit geht, dass die Isildurs Bane-Jungs anscheinend den Track "Sorry" beispielsweise ordentlich umgekrempelt haben. Darüberhinaus hat sich Andy Tillison auch der Produktion, des Mixes und des Mastering des Albums angenommen.

"All Tomorrows" ist ein Füllhorn interessanter Musik. Damit kann ich auch gleich die Eingangsfrage beantworten: Abwechslungsreichtum wird hier groß geschrieben, ohne dass das Album willkürlich, zerfleddert oder zerstückelt wirken würde. Schwelgerischer Symphorock mit gelungenen Melodie- und Spannungsbögen - sozusagen als Basis des Albums - wird begleitet von Ausflügen in jazzrockige und folkige Gefilde, einmal wird es gar ein bisschen kammerproggig, dann auch mal afrikanisch-orientalisch angehaucht. Floydige Passagen, erdig röhrende Hammond und nette Chor-Spielereien mit übereinander gelegten Gesangspassagen runden alles ab. Dabei sind die allgegenwärtigen Melodien keine klassischen Ohrwürmer, sondern eher sanfte Ohrenschmeichler, die sich ins Unterbewusstsein schleichen und die Songs mit der Zeit wie gute alte Bekannte erscheinen lassen.

Eigentlich verläuft kein Song des Albums wirklich linear. Immer wieder gibt es überraschende Wendungen, die vielleicht nicht immer gelungen sind (so viel Ehrlichkeit muss sein), aber die trotzdem die Spannung beim Hörer hoch halten. Am kuriosesten (aber eben vielleicht auch am gelungensten) ist sicherlich die Vermischung von Retroprog und modernen elektronischen Klängen in "Bell Jar". Aber auch die Gentle Giant-Chöre gleich im Opener oder das kreischende Sax im völlig aus der Art schlagenden "TranscendenZ" sind so Beispiele für die witzigen und unterhaltsamen Widerhaken, die hier in ansonsten eher musikalischem Wohlklang versteckt sind. Im abschließenden Longtrack vermeine ich immer mal wieder Wiederaufnahmen musikalischer Themen aus den anderen Tracks zu vernehmen (wobei mir aber der Komponist in einem Mailaustausch mitgeteilt hat, dass das Zufälle wären und so nicht geplant war).

Fred Lessing beherrscht diverse Instrumente in hervorragender Art und Weise, so dass er eigentlich sein ganz eigenes Orchester ist. Singen hingegen ist vielleicht nicht so direkt seine Stärke. Aber ganz ähnlich wie beispielsweise ein Roine Stolt, macht er aus einer Schwäche eine Stärke, in dem er eben seine Gesangspassagen auf seine Art des Singens gut abstimmt und auch mal mit technischen Gimmicks wie Überlagerung mehrerer Gesangspassagen oder Vocoder-Effekten arbeitet. So unterstreicht der Gesang vor allem die atmosphärische Seite des Albums und sorgt insbesondere in den melancholisch-nachdenklichen Passagen für die nötige Portion Wehmut oder Verträumtheit. Schließlich sprechen wir hier von einem Album, in dem es um die Liebe an sich geht.

So ist "All Tomorrows" ein interessantes und unterhaltsames Debütalbum geworden, welches eigentlich jeden Freund symphonischen Progressive Rocks erfreuen sollte.

Anspieltipp(s): All Tomorrows, Bell Jar The Sum (reinhören ist bei Bandcamp möglich)
Vergleichbar mit: siehe Rezitext...
Veröffentlicht am: 24.7.2011
Letzte Änderung: 24.7.2013
Wertung: 10/15

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Von: Nik Brückner @ (Rezension 2 von 3)


Thomas Olsson, Luca Calabrese, Mats Johansson, Andy Tillison - holla, die kenn ich ja alle! Das muss ja gut sein! Aber halt: ein Deutscher dabei - ob das was werden kann? Deutscher Prog.....

Nee, umsonst gesorgt, gleich ganz klassisch geht's los. Raue Orgel, bissi verwickelte Gesangsparts, nicht so intelligent wie manches von Gentle Giant aber intelligent genug, um auch den verwöhnten mit Genuss zu versorgen. Hihi, und der Schluss, den kenn' ich doch. Mann, da mag aber einer Brian May.

Alben, die die Welt nicht braucht? Gibt so Alben. "All Tomorrows" ist keins davon. Prog im besten Sinne, abwechslungsreich, mal klassisch, mal jazzig, mal sogar avantgardistisch und ganz oft symphonisch. Krumme Takte, klar, müssen sein, müssen aber nicht. Abwechslungsreich eben. "Human Again" klimpert sanft, "TranscendenZ" rockt fünftaktig. Füllhornig und doch nicht zerrissen, da hat Thomas ganz Recht. Und schön melodiös, dissonant wird's zwar auch mal, aber ganz ganz selten. Gentlemen sind die Musiker, sanfte Männer, und so gehen sie auch mit unsren Ohren um, sanft.

Kann man einem Album, das alles hat, etwas vorwerfen? Aber sicher: Dass es von allem zu wenig hat. Die Freunde dieser Scheibe werden folgerichtig auch seine Feinde sein: den Symphonikfans wird's zu wenig Symphonik haben, den Schrägfans zu wenig Schräg, den Jazzfans zu wenig Jazz, den Klassikfans zu wenig klassischen Prog, den Ethnofans zu wenig Ethno. Ist aber eben auch alles drauf auf "All Tomorrows". Das Hauptproblem liegt aber woanders: Der Sänger singt. Das ist nicht gut. Es ist offensichtlich, dass er anderes besser kann. Aber einer muss es ja machen und wer weiß, wer es macht, wenn er es nicht macht. Man steckt nicht drin.

Andy Tillison könnte es machen. Der hat ne ähnliche Stimme, singt aber besser.

Nicht viel besser, aber besser.

Darf's ein bisschen mehr sein? Aber gerne doch, und zwar von allem. Vielleicht ein bissl weniger sanft das nächste Mal. Aber ich weiß ja wie's is, wenn ich jetzt schreib', auf Songs wie "News From The Outside" könnte ich verzichten, weil mir das zu konventionell ist, dann findet die Band grade den besonders wichtig, weil er ihr so viel bedeutet. So ist das mit der Musik, des einen große Liebe ist des anderen große Langweile. Aber womit ist das nicht so! Es kann ja nicht alles objektiv schlecht sein.

Wenn sanft, dann mag ich's schräg-sanft, "Arklow" verbindet beides. Schön, wie das schräg ist, ohne schräg zu sein. Es geht also auch ohne Staccati im 17/13-Takt. Wusste ich nicht.

Und so ist "All Tomorrows" ein Album geworden, das viele mögen könnten - und auch sollten. Und so sollten das Album alle kaufen, die es mögen könnten, es besteht die Chance, dass es ihnen gefallen könnte. Und wieviele Platten gibt es schon, die einem gefallen könnten...

Anspieltipp(s): "All Tomorrows", "The Sum": Liebe es (auch wenn's ein wenig lahmarschig ist)! Load it down for feel gayld!
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 26.7.2011
Letzte Änderung: 27.7.2011
Wertung: 10/15
Ein Punkt pro Song. Na gut: Tendenz zur elf

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Von: Roland Heil @ (Rezension 3 von 3)


Ein Deutscher in Sintra/Portugal - Fred Lessing - ist der "spiritus rector" des Projektes DAYMOON und damit auch Kompositeur und Texter der meisten Titel, die sich über mehrere Jahre bei ihm angesammelt hatten und der Veröffentlichung im Kontext einer CD harrten, ohne den Eindruck eines Flickenteppichs beim Hörer zu hinterlassen. Ein schwieriges Unterfangen. Aber dank seiner guten Kontakte in der internationalen Musikszene bekam er Unterstützung von solch illustren Musikern wie Andy Tillison (THE TANGENT), Mats Johansson und Thomas Olsson (ISILDURS BANE) und einigen anderen aus Übersee und Europa.

ALL TOMORROWS, das Titelstück eröffnet den Reigen dieser Sammlung, ein Rocksong mit eingängigem Aufbau, sehr zupackend und rockig arrangiert, endend mit einem Zitat aus der Welt der sog. E-Musik, der "Lustigen Witwe" von F.Lehar. Ein humoriger Schluss, der andeutet, dass Humor und Ironie eine Rolle spielen in der Welt des F. Lessing.

Das zweite Stück ist eine musikalische Kurzbeschreibung eines Lieblingsfilms des Autoren: TRANSZENDENZ der Titel des Stückes, ExistenZ der Filmtitel, mir unbekannt. Ein wilder Ausbruch von Sax, Gitarre auf solidem Rockrhythmus. Ein wenig King Crimson der frühen Jahre assoziiere ich hier.

Als 3. folgt der erste "richtige" Progsong mit "HUMAN AGAIN", der fast alles das mitbringt, was ein "gut abgehangener" Retroprogsong braucht. So z.B. eine akustische Einleitung, Bridges, Bombast, Melodien, Mitsingrefrains, ein bißchen Italoprog (PFM) und ein schönes Akkordeonende. Fred's Affinität zur islamischen Kultur in Verbindung mit seinem speziellen Humor kommt bei "MARRAKESH" als nächstem Titel zum Ausdruck, mit orienttypischem Instrumentarium und passender Rhythmussektion. Dann wird's stimmungsmäßig etwas "depro", wie Fred's Gitarrenfreund Paolo gerne lästert. Etwas ruhiger, mit 6/8-Rhythmus beginnt "SORRY - a theatre play" - ach so -Theaterstück, o.k. Da komme ich mit meinem 50 Jahre altem Schulenglisch beim Text nicht mehr mit. Also versuche ich über die Musik hinter den Sinn zu kommen. Ergebnis: Fehlanzeige. Vielleicht erwarte ich mehr als gute Musik, denn dies ist das Stück allemal. Es bleibt nicht bei "depro", sondern es geht auch schon mal das Licht an und ein Ohrwurm ist der Refrain zweifellos mit anschließendem G-Solo von Th. Ollson, begleitet von schweren Keyboardsounds (Mats Johannson). "When they smile at you on the TV-show does anything mean anything at all?" sind die letzten Worte des Helden des Stückes. Vielleicht helfen dem Interessierten einige Klicks auf die DAYMOON-HP http://www.daymoon-music.com/ zu größerem Verständnis des Gehörten.

Stimmungsmäßig auf gleichem Niveau geht es mit "BELL JAR" weiter, ein Titel, der mich an die Werke eines Rupert Hine (THINKMAN) erinnert, der Miite der 80er mit Synthierhythmusteppichen dieser Art einiges vorwegnahm, was in den 90ern zum "Mainstream"-Sound wurde. Stimmungswechsel: akustische Gitarre mit viel Raum eröffnet ein Stimmungsbild Sintras im November nach einem heißen Sommer, FIRST RAIN eben. Ein fast schon meditatives Stück.Einfach schön. Fast ohne Pause und mit einem bombastischen orientalischen Intro beginnt mit "ARKLOW" ein weiteres Ortsportrait. Nur befinden wir uns laut Booklet in Irland in der Nähe Dublins. Ein weiterer Progtitel, bei dem auch das Fegefeuer irgendeine Rolle zu spielen scheint. Ruhiges Gitarrenspiel mit Flöten im Hintergrund wird abgelöst von einem rockigen Songteil, Keyboards begleiten den mehrstimmigen Gesang bis zum Ende.

Ein schlichtes Synthiethema bildet den Beginn eines ruhig fließenden Songs mit leicht verfremdeten Vocals, einfach strukturiert und eingängig arrangiert. Geht gut in die Gehörgänge: NEWS FROM THE OUTSIDE. Dann bin ich auch schon beim "Finale Grande", das bezeichnenderweise "THE SUM" betitelt ist. Also die Summe der gesamten CD zusammengefasst könnte man meinen, was nicht so ganz falsch ist. Hier sind nochmal fast alle Elemente des Prog- oder doch Trans/Re(gressiv?)-Konzepts von DAYMOON zusammengefasst, ohne Wiederholung des Vorherigen. Textlich wohl eine Liebeserklärung an/für seine Frau Inès, wenn mich mein rudimentäres Englisch nicht ganz im Stich läßt. Ein starkes Stück Musik also zum grandiosen Ende dieser nicht einfach zu rezensierenden CD. Die Mühe hat sich gelohnt.

Anspieltipp(s): "Human again","The sum"
Vergleichbar mit: DAYMOON
Veröffentlicht am: 24.6.2014
Letzte Änderung: 24.6.2014
Wertung: 11/15

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