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Kate Bush

50 Words For Snow

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2011
Besonderheiten/Stil: ArtPop
Label: Noble & Brite Ltd.
Durchschnittswertung: 10/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Kate Bush Lead Vocal, Piano, Keyboards, Bass, Chorus Vocal
Steve Gadd Drums
Del Palmer Bass & Bells
Dan McIntosh Guitars
Danny Thompson Bass (Track 3)
John Giblin Bass (Tracks 5 & 6)
Albert McIntosh Lead Vocal (Track 1)
Stefan Roberts & Michael Wood Featured Vocals (Track 2)
Andy Fairweather Low Featured Vocals (Track 4)
Elton John Featured Vocal (Track 5)

Tracklist

Disc 1
1. Snowflake 9:48
2. Lake Tahoe 11:08
3. Misty 13:32
4. Wild Man 7:17
5. Snowed In At Wheeler Street 8:05
6. 50 Words For Snow 8:31
7. Among Angels 6:49
Gesamtlaufzeit65:10


Rezensionen


Von: Jörg Schumann @ (Rezension 1 von 3)


Sechs Jahre sind seit Veröffentlichung des letzten Studioalbums Aerial vergangen. Gemessen an der Zeit von zwölf Jahren, die es zur Entwicklung und Reifung damals brauchte, ist "50 Words for Snow" ein richtiger Schnellschuss, ja eine veritable Sturzgeburt geworden. Nimmt man das im Frühjahr 2011 produzierte Album Director's Cut dazu, so entpuppt sich Kate Bush zuletzt geradezu als eifriger Workaholic. Mir kanns Recht sein, gehören einige Werke der elfenhaften Britin doch zu meinen all-time-favourites.

Allerdings war ich nach Director`s Cut doch etwas skeptisch, ob ein neues KB-Album die Qualität der früheren Werke erreichen oder der Beginn einer langsam aber sicher einsetzenden Selbstdemontage sein würde. Ein wesentliches, wenn nicht sogar DAS wichtigste Element in der Musik Kate Bushs war die charakteristische, einmalige Stimme. Eine Mischung aus Elfe, Sirene und entrückter Gottheit.

Und diese Stimme begann nun immer tiefer zu werden. Auf Director`s Cut mussten zahlreiche Stücke gar in tiefere Tonarten transponiert werden, damit Kate sie überhaupt noch singen konnte.

Dann kam die Vorabveröffentlichung von "Wild Man" und ich dachte: das war`s. Jetzt zerstört sie ihren Mythos. Mein erster Eindruck war der einer variationsarmen Komposition mit viel tiefem Sprechgesang und ohne Highlights. Ein Stück, dass einfach so an mir vorbeiplätscherte. Die Vorstufe von "Aerial" ("King of the Mountain") war damals wie ein helles Licht gewesen, das einen aus einem langen Schlaf geweckt hatte und das bevorstehende Album sehnsüchtigt erwarten liess. "Wild Man" löste in mir gar nichts aus ausser einem Anflug von leichtem Bedauern und einem Hauch von Trauer. Doch ich will hier nicht von mir reden.

Dann war das Album da. Sieben Titel dick, 65 Minuten lang. 65 Minuten? Das macht im Schnitt mehr als 9 Minuten pro Komposition. "Among Angels" ist mit knapp unter 7 Minuten das kürzeste der Platte..., und immer noch länger als das Längste, das Kate Bush bis dahin geschrieben hatte (Hello Earth).

Das ist neu. Das ist nicht Kate Bush-typisch. Und gleich bahnte sich die Furcht ihren Weg, dass wenig Substanz zu leeren Gebilden aufgeblasen wurde.

Wie "Aerial" so wurde auch "50 Words for Snow" im Spätherbst released. Und wie auf "Aerial", so passt die Musik bestens in diese Jahreszeit. Im Hochsommer würde sie weniger wirken, vielleicht sogar gar nicht.

Sieben weite Klanggemälde hat Frau Bush hier geschaffen. Klanggemälde, die Zeit brauchen, um ihre Wirkung zu entfalten. Zeit, die man an dunklen langen Herbstabenden reichlich zur Verfügung hat. Zeit, die man dem Album geben muss.

"Wild man" ist das "hastigste" Stück auf Bush`s neuem Werk und kommt doch selber schon ziemlich gemächlich daher. Der Rest ist noch ruhiger, teilweise nur spärlich über spartanisch bis fast karg instrumentiert und dadurch wohltuend klar und rein. Die Stimme steht nach wie vor im Vordergrund, meist nur von Pianotupfern, zartem Bass-Spiel und dezenter Perkussion begleitet. Der Stil von Aerial wird hier noch konsequenter fortgeführt. Kate Bush bietet hier zwar nichts Neues mehr, sondern leuchtet einfach die Tiefen und letzten Winkel ihres eigenen musikalischen Universums noch weiter aus. Aber das tut sie so souverän, dass einem zu keinem Zeitpunkt langweilig wird und man ihr auf dieser Entdeckungsreise gerne folgt. Im Gesamtkontext der anderen Stücke wird sogar "Wild Man" zu einer netten Nummer mit Existenzberechtigung.

Die musikalisch interessanteste Komposition der Platte ist das Titelstück, welches ein klein wenig heller leuchtet als der Rest und mich von seiner leicht vorwärtsdrängenden Art an "Sunset" auf "Aerial" erinnert. Aber so flott wie dort gehts hier bei Weitem nie zu und her.

Ich schrieb bei Aerial: "Die Musik hat ein Selbstverständnis, strahlt aus einer inneren Ruhe und Gewissheit heraus eine Kraft aus, die einem das Gefühl gibt, die Frau sei angekommen, habe ihr absolutes Glück gefunden." Das trifft hier ebenso zu, vielleicht noch mehr als zuvor.

Hat man sich erst einmal an die etwas tiefere Stimme gewöhnt und hat man seine Erwartungshaltung beiseite gelegt, dann beschert einem "50 Words for Snow" einen betörend-wohligen Hörgenuss abseits des zeitgenössischen Mainstreams.

Anspieltipp(s): wirkt nur als Ganzes
Vergleichbar mit: Kate Bush - Aerial
Veröffentlicht am: 5.12.2011
Letzte Änderung: 5.12.2011
Wertung: 10/15

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Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 2 von 3)


Diesem Album habe ich mit einigem Unbehagen entgegengesehen. Zum einen hatte mich das vorab veröffentlichte Wild Man nicht so recht überzeugt, zum anderen war es die Teilnahme von Gastsängern, die mich skeptisch stimmte. Wozu braucht jemand mit einer solchen Stimme noch Gastsänger? Zumal Elton John nun nicht gerade mein Favorit ist (gebe zu, er hat auch ein paar schöne Sachen gemacht) und auch Mutter-Sohn-Duette können rasch in unerträglichen Kitsch ausarten.

Natürlich halten solche Kleinigkeiten letzten Endes nicht von der Kaufsucht ab, und so landete 50 Words for Snow nach einiger Bedenkzeit (im November 2011 war's mir noch zu warm für ein Album über Schnee...) doch noch im CD-Spieler. Zum Glück! Denn auch, wenn ich hier und da etwas zu bemängeln habe, ist es ein schönes Album geworden. Wild Man ist erfreulicherweise nur ein singulärer Ausreißer, und die Gastsänger sind ein echter Gewinn - inklusive dem Filius und Elton John!

Abgesehen vom erwähnten Wild Man und dem Titelsong handelt es sich um karg instrumentierte, elegische Balladen, bei denen der Schnee fast von selbst zu rieseln anfängt. Gleichzeitig hat die Musik etwas wohlig-warmes, als würde man aus dem gut beheizten Stübchen dem Schneetreiben draußen zuschauen. Wenige Töne des Klaviers reichen oft als Untermalung für den ausdrucksstarken Gesang, alles andere ist ganz im Hintergrund gehalten, manchmal nur zu erahnen - aber dennoch effektvoll und stets passend. Tiefer als gewohnt klingt Kates Stimme hier, was vielleicht besser zu den winterlichen Songs passt. Für die hohe Lage sorgen dann eben der Sohnemann (Snowflake) oder zwei Tenöre (Lake Tahoe). Und gerade das Duett mit Elton John, Snowed in at Wheeler Street, ist mein Favorit. Der etwas stärkere Einsatz elektronischer Klänge verleiht diesem Song eine leicht surreale Atmosphäre.

Etwas aus dem Rahmen - aber positiv - fällt noch das Titelstück. Rhythmisch im Vergleich zum Rest des Albums fast schon hektisch, deklamiert Schauspieler Stephen Fry 50 Worte für Schnee. Darunter sind so bezaubernde Kreationen wie "hironocrashka", "faloop'njoompoola", oder - mein absoluter Favorit - "peDtaH'ej chiS qo'". Dazu zählt Kate Bush bis 50 und feuert den Sprecher zwischendurch immer wieder an: "come on, man, you've got 44 to go". Bizarr!

Einziger Kritikpunkt - neben Wild Man - ist, dass manchmal die Songs doch etwas zu lang sind. Insbesondere Misty ist mit 13 Minuten doch reichlich überdimensioniert, auch wenn es gegen Ende etwas dynamischer wird. Ansonsten ist 50 Words for Snow ein schönes Album für ruhige Winterabende.

Anspieltipp(s): hironocrashka, faloop'njoompoola, peDtaH'ej chiS qo'
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 22.12.2011
Letzte Änderung: 9.4.2012
Wertung: 10/15

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Von: Marc Colling @ (Rezension 3 von 3)


Dieses Album enthält keine Lieder im eigentlichen Sinne. Lieder verbinde ich mit Melodien und Rhythmen, die Emotionen auslösen wie Lust und Liebe, Trauer und Melancholie. Dieses Album ist anders. Es dauert geschlagene 20 Minuten, bevor ein „normaler“ Rhythmus zu erkennen ist. Bis dahin spielt Bush dunkle Akkorde, ertönen hie und da im Hintergrund undefinierbare Töne und es bleibt alles kalt und unnahbar. Alles ist grau und nebelverhangen in einer surrealen Welt. Da zwitschert kein Vogel, da ist nur Finsternis. Wie soll ich mit solchen Vorgaben andere Gefühle entwickeln als dunkle und beängstigende? Da kann gar keine Freude aufkommen.

Auf SNOWFLAKE gibt es nur dunkle Akkorde auf dem Klavier, dazu eine Kate Bush in tiefer und den Sohnemann in helleren Tonlagen. Auch LAKE TAHOE mit seiner gruseligen Geschichte einer ertrunkenen Frau samt Hund bleibt schaurig. 2 Tenöre verstärken die Aussichtslosigkeit der Frau auf Rettung noch und verleihen dem Song eine besondere Mystik.

Erst mit MISTY wird es leicht rhythmischer. Die Geschichte eines schmelzenden Schneemannes im Bett ist ein Synonym für die Vergänglichkeit des Lebens. Der Song ist leider etwas zu lang, man schweift vom Wesentlichen ab und als Hörer muss man nach fast 34 Minuten karger und manchmal fast still stehender Musik schon eine Menge Enthusiasmus aufbringen, um die CD noch weiter hören zu wollen.

Da kommt das unspektakuläre und eingängige WILD MAN zum richtigen Zeitpunkt. Seine Einfachheit macht ihn neben den anderen, introvertierten Songs zu etwas ganz Besonderem. Auch SNOWED IN AT WHEELER STREET im Duett mit Elton John klingt durch seinen lebendigeren Drive erlösend. Dieser Song würde auf einem anderen Album wohl kaum auffallen, aber hier an dieser Stelle wirkt er.

Der Titeltrack 50 WORDS FOR SNOW mit Schauspieler Stephen Fry als Sprecher ist mysteriös im Text, aber eingängig in der Komposition. Bush feuert Fry dauernd an, auf dass er die 50 Worte finde. Der Song treibt im Gegensatz zu allen anderen denn auch wirklich ungestüm nach vorn. Höhepunkt des Albums. Der Schlusssong AMONG ANGELS fährt die Euphorie wieder runter und besticht mit einem einfachen Arrangement auf dem Klavier und der erfahrenen und reifen Stimme einer erwachsenen Frau.

Es gäbe viele Gründe dieses Album in die Tonne zu treten. Ist das über weite Strecken eigentlich noch Musik? Wer stellt diese Frage? Derjenige der sich darüber beschwert, dass kein einziger Hit auf der Platte ist? Falls ja, dann hat Kate Bush alles richtig gemacht.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 17.2.2017
Letzte Änderung: 17.2.2017
Wertung: 10/15
intimes Album einer bemerkenswerten Künstlerin die immer noch etwas zu sagen hat

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Kate Bush

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1978 The Kick Inside 10.00 3
1978 Lionheart 11.00 2
1980 Never for ever 10.50 2
1982 The Dreaming 10.67 3
1985 Hounds Of Love 11.25 4
1986 The Whole Story - 1
1988 The Sensual World 13.00 1
1990 This Woman`s Work: Anthology 1978-1990 12.00 1
1993 The Red Shoes 6.67 3
2005 Aerial 10.80 5
2005 King of the Mountain (Single) 9.00 1
2011 Director's Cut 8.00 1
2016 Before The Dawn 12.00 2

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