Dream Seeds
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Informationen
Allgemeine Angaben
Besetzung
| Charlie Looker |
vocals, synth, acoustic guitars |
| Caley Monahon-Ward |
electric guitar, synth, electronics, violin, backing vocals |
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| Nick Podgurski |
drums, synths, electronics, backing vocals |
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Tracklist
| Disc 1 |
| 1. |
No Dreams Tonight
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4:53
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| 2. |
Righteous Seed
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5:39
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| 3. |
Discipline For Edwin
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3:43
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| 4. |
Little One
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6:15
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| 5. |
First Song
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5:13
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| 6. |
Blinded Beast
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14:09
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| 7. |
Ten Year Teardrop
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12:27
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| Gesamtlaufzeit | 52:19 |
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Rezensionen

Charlie Looker hat offenbar Schubladen voller Songs, die er oft schon lange vor ihrer Aufnahme/Veröffentlichung in sein Live-Set integriert. Auch auf "Dream Seeds", dem dritten Album seiner zum Trio geschrumpften Band Extra Life, sind neben neuen Stücken ein paar dieser Schmuckstücke vertreten, die man live schon mal hören durfte, und wie bereits auf der letzten EP "Ripped Heart" dürfte der einzige Grund für das temporäre Zurückhalten sein, dass er es sich bei seinem Status einfach nicht erlauben kann, immer gleich ein Doppelalbum einzuspielen. Stattdessen veröffentlicht er halt lieber jedes Jahr was Neues, was für seine stetig wachsende Fan-Schar wohl auch die befriedigendere Variante darstellen dürfte und Extra Life nicht so schnell in Vergessenheit geraten lässt.
Mit seinem neuen Label Northern Spy Records (lt. Time Out New York "a haven for avant-rock acts, experimental jazzers and other worthy outliers") hat Looker einen längerfristigen Vertrag abgeschlossen, der ihm auch in Zukunft derartige Veröffentlichungen ermöglicht. Soundlich orientierte man sich bei der ersten Zusammenarbeit erstaunlicherweise nicht am hochgelobten zweiten Album "Made Flesh", sondern näherte sich nach dem bereits deutlich schlankeren "Ripped Heart" noch einmal mehr dem Livesound der Band an, sprich: der Effektanteil wurde (besonders beim Schlagzeug) noch einmal deutlich heruntergefahren.
Wer nun meint, dass das ja nun nicht unbedingt nach dem nächsten großen Schritt klingt, liegt mit dieser Einschätzung jedoch grundfalsch. Schon beim ersten Durchgang ahnt man dies, aber spätestens nach dem dritten muss man klar anerkennen, dass die Band so und nicht anders klingen darf! In diesem reduzierteren Gewand wirken Extra Life nämlich wesentlich authentischer und ungleich kraftvoller; "Made Flesh" erscheint im direkten Vergleich überproduziert und geradezu wirklichkeitsfern, zumal die Band live eh niemals so klingen könnte wie dort.
Aber gehen wir die Songs doch einfach mal der Reihe nach durch:
"No Dreams Tonight" – toller Opener, mit dem sich Looker und seine Mannen erst einmal langsam anschleichen. Bei den Textzeilen "getting/being/tonight I'm fucked up" riecht man allerdings erstmals den Braten; da hilft auch die kindlich-naive Blockflötenmelodie nicht mehr. Hier geht was!
"Righteous Seed" – das angezerrte Bass-Riff entspricht dann schon eher dem Gemütszustand von Extra Life auf ihrem dritten Album. Das tribal-artige Schlagzeug ist sehr druckvoll und setzt ebenso wie die zeitweise -im positiven Sinne- etwas gequält wirkende Gitarre ohne Unterlass Akzente. Hammersong von Anfang bis zum Ende!
"Discipline for Edwin" – wieder so ein Anschleichstück (das Schlagzeug!), wobei man von Beginn an argwöhnt, dass es unvermeidlicherweise irgendwann rumpeln wird. Wenn dies nach knapp anderthalb Minuten dann auch geschieht (das Schlagzeug!!), ist man fast erleichtert, wobei diese erste Attacke noch recht kurz ausfällt. Dafür hat dann die letzte Minute so ziemlich alles zu bieten, was man sich von Avantgarderock wünscht, eine leicht crimsoide Gitarre und ein großartiges Schlagzeug (!!!) inklusive. Mehr davon!
"Little One" – nein, es gibt zunächst keineswegs mehr davon, aber es tut gut, jetzt diesen wahren Ohrenschmeichler mit Klavier und Streichern zu hören. Nach einem zunächst etwas spannungsgeladenen Auftakt erreicht dieser epische Song im weiteren Verlauf sogar geradezu hitverdächtige Sphären. Während mir die ruhigeren Stücke auf den letzten beiden Veröffentlichungen nicht ganz so zusagten, habe ich hier rein gar nichts auszusetzen. Wunderschön!
"First Song" – klingt auch fast schon poppig, ohne dass man allerdings "befürchten" müsste, den Song demnächst im Radio zu hören, denn dafür ist Lookers Stimme einfach eine Spur zu speziell, der Synth-Bass ebenso wie die Gitarre ein bisschen zu unkonventionell und das abermals grandiose Schlagzeug einfach eindeutig zu vertrackt. Trotzdem wundert man sich über so viel Melodiösität und fragt sich, wie es wohl weitergeht. Erstaunlich!
"Blinded Beast" – und wie es weitergeht, denn jetzt, jetzt kommt das Monster des Albums!!! Ein schleppender Longtrack, aufreibend long sogar – die ersten neun der mehr als 14 Minuten ziehen sich wie Kaugummi, was jedoch mitnichten Langeweile verbreitet, sondern ganz im Gegenteil sehr erfolgreich eine Spannung aufbaut, die sich in den letzten fünf Minuten auf wirklich überwältigende Weise entlädt. Zu einer an die düsteren Mitt-80er-Depeche Mode erinnernden Keyboardmelodie gibt es kurz vor dem Ende sogar mal ein kleines (und sehr überraschendes) Doublebass-Gewitter. Was für ein exzellentes Stück!!!
"Ten Year Teardrop" – auch das letzte Stück des Albums ist mit fast zwölfeinhalb Minuten ein längerer Brocken. Nach ruhigem Beginn folgt ein arg verstörender und durchaus etwas Angst einflößender Mittelpart mit hässlichen Quietschtönen und einem noch verzweifelter als sonst klingenden Charlie Looker, dessen Stimme sich hier gleich mehrfach überschlägt. Anstrengend ist das, irgendwie unversöhnlich, wenngleich das Stück dann doch noch recht melodisch ausklingt. Auf ein derartiges Ende kann es aber nur eine Antwort geben – REPEAT (und zwar ganz schnell)!
Mein Fazit kann folglich nur so ausfallen: Extra Life haben sich auf "Dream Seeds" selbst übertroffen! Auch wenn Looker auf der Bandhomepage den dieses Mal "more collaborative band creative process" beschwört, bin ich mir allerdings gar nicht mal so sicher, ob das an den Songs selbst liegt. Vielmehr vermute ich, dass der trockene und unverfälschte Sound ("Caley's mad-scientist recording approach") den Unterschied zum bisherigen Output ausmacht, der ja nun auch nicht gerade von schlechten Eltern war. So wie hier klingen Extra Life nämlich in Wirklichkeit, wovon man sich bei Gelegenheit live auf jeden Fall überzeugen sollte.
Zur besonderen Atmosphäre des Albums dürfte auch das inhaltliche Konzept seinen Teil beigetragen haben, denn als Anlass dienten einige offenbar recht verstörende Träume mit Kindern in den Hauptrollen. Nachdem sich einige dieser Träume geradezu als Prophezeiungen herausgestellt hatten, fühlte sich der im Hauptberuf als Grundschullehrer arbeitende Looker dazu veranlasst, sie zu vertonen. Dieser konzeptionelle Hintergrund hat deutlich hörbar Spuren in der dynamischen und emotionalen Gestaltung des Albums hinterlassen, was man nicht nur im letzten Song hören kann, sondern bereits bei dem von einem Kind gleich zu Beginn des Albums geäußerten "No dreams tonight", mit dem nicht nur der gleichnamige Song, sondern auch dieser Anwärter auf die Platte des Jahres 2012 eingeleitet wird.
| Anspieltipp(s): |
Righteous Seed, Discipline for Edwin, Blinded Beast (Die letzten fünf Minuten! Und die neun Minuten davor und überhaupt!), DAS_SCHLAGZEUG!!! |
| Vergleichbar mit: |
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| Veröffentlicht am: |
31.3.2012 |
| Letzte Änderung: |
25.3.2012 |
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Ich war ja erst etwas skeptisch, um nicht zu sagen enttäuscht, dass die Besetzung von Extra Life so zusammengeschrumpft ist. Und dann die Violine nur noch unter "ferner liefen"! Tatsächlich schien mir Dream Seeds im ersten Durchlauf etwas blutleer mit seinen zum Teil sehr ruhigen Songs. Und auch "Kracher" wie Righteous Seed oder Discipline for Edwin schalten bei aller Schroffheit und Kantigkeit gegenüber den vorangegangenen Alben einen Gang zurück. Aber mit der Zeit offenbart sich die Klangwelt dieses Albums, weiß man den abgespeckten Sound zu schätzen. Der etwas abgenudelte Spruch "weniger ist mehr" passt hier nämlich perfekt, die zum Trio geschrumpfte Band hat mit Dream Seeds ihr bis jetzt emotionalstes Werk vorgelegt.
Unter der Oberfläche scheinbar schlichter Songs wie dem einleitenden No Dreams Tonight kündet sich Unheil an (man muss freilich auch mal auf die Texte achten, um solche Dinge mitzukriegen), ebenso beim zarten Klavierstück Little One, dessen Schönheit von Zeilen wie "one day someone like me will hurt you" fast unerträglich wird. Hier tritt auch noch einmal die Violine stärker in den Vordergrund.
Der Höhepunkt des Albums kommt dann aber in den letzten beiden Songs, die zusammen gut die Hälfte der Spielzeit ausmachen. Der allmähliche Spannungsaufbau von Blinded Beast, mit einigen dissonanten Gitarrenausbrüchen gewürzt, zerrt erbarmungslos an den Nerven, bis man nach etwa zehn Minuten erlöst wird. Erlöst? Eher wird man von der dann folgenden düsteren Klangorgie in die Unterwelt gezogen. Stark!
Auch das abschließende Ten Year Teardrop beginnt ruhig, aber unheilschwanger. Man lauert geradezu darauf, dass da irgendwas hervorbricht, und das kommt dann knüppeldick in Form freien Gequietsches und einer stimmlichen Explosion Charlie Lookers, der klingt wie von Dämonen besessen. Anschließend wird zu einem elektronischen Sirren ein Text rezitiert, was trotz ruhiger Stimme alles andere als beruhigend klingt. In seltsamem Kontrast dazu steht der geradezu erhabene Ausklang des Stücks.
Extra Life ist mit Dream Seeds erneut ein grandioses Album gelungen, das zudem neue musikalische Wege einschlägt. Da freut man sich noch mehr auf die für Mai 2012 geplanten Deutschlandkonzerte!
| Anspieltipp(s): |
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| Vergleichbar mit: |
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| Veröffentlicht am: |
2.5.2012 |
| Letzte Änderung: |
2.5.2012 |
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