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Peter Hammill

Consequences

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2012
Besonderheiten/Stil: Klassischer Prog
Label: Fie Records
Durchschnittswertung: 10.33/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Peter Hammill all instruments & voices

Tracklist

Disc 1
1. Eat my words, bite my Tongue 5:29
2. That wasn't what I said 5:18
3. Constantly overhead 4:18
4. New Pen-pal 4:04
5. Close to me 4:05
6. All the tiredness 5:54
7. Perfect pose 7:02
8. Scissors 5:17
9. Bravest face 4:39
10. A run of luck 3:55
Gesamtlaufzeit50:01


Rezensionen


Von: Jürgen Wissing @ (Rezension 1 von 3)


Beginnen möchte ich mit meinem persönlichen Fazit der Beurteilung von „Consequences“. Und dieses Fazit fällt nicht sonderlich ermutigend aus: PH macht mich mit seinen Kompositionen nicht mehr neugierig. Nicht auf die nächste Tonfolge, nicht mehr auf die Instrumentierung und auch kaum mehr auf seine Lyrics.

Das Grundthema, Kommunikation und andere Ungereimtheiten im menschlichen Miteinander, das hatten wir nun bei ihm schon öfters. Hier wird es allzu häufig, ja, fast durchgängig im Erzählstil dargeboten, mit ernster „Miene“, negativistisch gefärbter Grundstimmung, von Altersreife und Desillusionierung geprägt. Dabei ist es musikalisch dürr, spröde, mit überaus reduzierter Instrumentalbegleitung, ohne Gastmusiker.

Besonders schroff mit verfremdeten, zerrissenen Gitarrensounds präsentieren sich die ersten Songs des Albums, erst bei „Close to me“ gibt das Piano einen etwas geschmeidigeren Anstrich, der durch verqueres, chorähnliches Stimmendubbing leider schnell wieder verfliegt.

Im weiteren Verlauf sind eine Menge musikalischer Zitate aus früheren Alben zu hören, allein flackert jeweils nur kurz ein wenig von dem auf, was PH’s frühe(re) Werke so auszeichnete, nämlich sein eindringlicher Gesang eingebettet in homogene Songs voller emotionaler Wirkung. Auf „Consequences“ gibt es nichts Überraschendes, nichts, was Spannung oder gar Atmosphäre ausstrahlt. Es fehlt der „Hinhörer“, der Song, der bereits nach dem ersten Hören mit irgendetwas in Erinnerung bleibt, alles bleibt gleichbleibend in Struktur, Systematik und Darbietung, monoton.

In „Perfect Pose“ gibt es einen leicht experimentell ausgerichteten Keyboardeinsatz, der sich schnell verflüchtigt und beklemmender Grundstimmung weicht. Erst ganz zum Schluss hängt PH noch zwei wenigstens einigermaßen vorzeigbare Muster früherer guter Taten an. Insbesondere der Schlusstrack „A Run of Luck“ erweist sich als bitter-depressive Abrechnung mit dem Sein und dem Endlichen, mutet wie ein vorgezogenes Requiem an.

Hammill’s letzte Platte? So, wie er des Öfteren mit seiner letzten Live – Performance kokettiert? Nun, ich bin geneigt, dieser Möglichkeit einen relativ hohen Wahrscheinlichkeitsgrad einzuräumen. Schöngeistiges ist aus seinem Werk nun fast vollständig gewichen, PH scheint im musikalischen Niemandsland angekommen.

Nach fast 40 Jahren dauerhafter, intensivster Hammill – „Beschallung“ benötige ich zur persönlichen Einschätzung eines neuen Albums aus seiner Feder nicht viele Hördurchläufe. Das Ohr ist gut geschult auf die typischen disharmonischen Harmonien und insbesondere auf die Stimme. Und so kann ich guten Gewissens frühzeitig meine Meinung zu „Consequences“ rauslassen.

Es ist kein gutes Album, leider. Es ist nur was für unverbesserliche und unerschrockene PH-Fans oder Komplettisten, zu denen ich nun mal auch gehöre. Irgendwie ist die Platte wohl als „künstlerisch wertvoll“ zu bezeichnen, aber sie ist auch irgendwie unnütz, weil sie weder an Gutes anknüpft, noch etwas interessantes Anderes geschweige denn Neues enthält. Und sie ist beileibe kein Hörgenuss, sondern spröde Erzählkunst. Nicht – PH – Fans (die „Hasser“ bleiben außen vor!) werden die CD scheußlich finden. Dass ich ihnen dies nachempfinden kann, ist das eigentliche Drama.

Offene Fragen bleiben: was soll da auch noch kommen? Hat PH vielleicht den richtigen Moment zum Aufhören verpasst? Sollte er sich nur noch die – wesentlich interessanter instrumentierte – Van der Graaf – Variante verlegen bzw. konzentrieren? Entglorifiziert sich Peter Hammill am Ende selbst? Und könnte es gar sein, dass dies seine Absicht ist? "Consequent" wäre er damit wieder mal...

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 22.4.2012
Letzte Änderung: 22.4.2012
Wertung: 7/15
A Run of Luck 13!

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Von: Andreas Pläschke @ (Rezension 2 von 3)


Es ist schon interessant, wie unterschiedlich Alben wahrgenommen werden. Mit ebenfalls fast 40jähriger Hammill-Erfahrung komme ich zu einem völlig anderen Urteil als mein werter Kollege.

Erster positiver Punkt für mich: Neben den üblichen Midikeyboards steht wieder die Gitarre (elektrisch und akustisch) gleichberechtigt im Klangkosmos. Darüber hinaus benutzt Hammill zumindest vernünftig klingende Klavier- und Orgelsounds (wenn es nicht solche Instrumente selbst sind, das Booklet ist da leider extrem sparsam mit Informationen). Zweiter Pluspunkt: Es gibt fast keine monotonen Drums aus der Steckdose. Rhythmus wird des öfteren von einem Tamburine geschlagen, aber das war's.

Dritter Pluspunkt für mich: Ich finde es mutig, mit einem so spröden Titel wie „Eat My Words, Bite My Tongue“ die CD zu eröffnen – nichts poppig-flottes zu Beginn, sondern statisch klingende Arpeggioklänge aus der Gitarre eröffnen das Stück und erst ab der zweiten Minute wechselt Hammill zu „ungelenken“ Riffs als Begleitung für seinen Gesang, um eineinhalb Minuten später noch eine akustische Gitarre und das Tamburine darunter zu legen, ebenso mehre Spuren Gesang als begleitende Untermalung.

Das folgende Stück ist ähnlich karg und trotzdem durch die Gitarren rau – nur dass an Stelle der Gitarrenarpeggios ein immer gleicher Klavierakkord tritt, bevor er wieder mit diversen Schichten Gesang sich selbst begleitet. Beide Titel erinnern mich an die Spätsiebzigeralben „The Future Now“ oder „PH7“.

Mutig auch, dass Hammill ab „Constantly Overheard“ völlig die Stimmung kippt und nun fast schon die „Be Calm“-Reihe fortsetzt. Hauptsächlich auf der akustischen Gitarre oder dem Klavier spielend, gehören die nächsten 8 Song zu dem Besten, was ich in den letzten Jahren von ihm gehört habe. Die Stücke wirken wie live vorgetragen, sind aus einem Guss und für mich sehr intensiv im Vortrag.

Ähnlich meinem Vorschreiber kommt auch bei mir die Vermutung auf, dass Hammill hier sein letztes Statement abgeben will, wobei ich keine negative Grundstimmung ausmache, sondern Altersweisheit und Abgeklärtheit. Höhepunkt ist für mich „All the tiredness“ - wenige Gitarrentöne, dezenter Hall und sparsame Gesangslinien – Gänsehaut pur, würde ich gern live hören. Die beiden letzten Titel wirken dagegen fast schon konventionell, melodischer (aber in hammillschen Moll), runden das Album aber wunderbar ab.

Mein Fazit: das Album blieb zumindest bei mir hängen, erinnerte mich sehr an die besten Werke aus dem Jahrzehntwechsel 70/80 des vorherigen Jahrhunderts und wird noch häufiger unter dem Kopfhörer im Player landen und ist trotz meiner Vermutung hoffentlich kein Abgesang. Die Aufmachung ist übrigens sehr schön - ein klappbares Pappcover. Links steckt das Booklet, rechts die CD in einer extra-Papphülle. Und im Innencover lächelt dezent ein sitzender Peter Hammill still vor sich hin.

Anspieltipp(s): von Track 3 - 10
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 22.4.2012
Letzte Änderung: 22.4.2012
Wertung: 12/15

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Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 3 von 3)


Meine Hammill-Erfahrung umfasst zwar "nur" 30 Jahre, dennoch erlaube ich mir, noch ein paar Worte zu Consequences einzuwerfen.

Ebenso wie die beiden vorherigen Studioalben Singularity von 2006 und Thin Air von 2009 (nie waren die Abstände zwischen Hammill-Alben so groß) ist Consequences wieder komplett solo entstanden. Auch stilistisch ist es seinen Vorgängern recht ähnlich, im Vergleich mit Thin Air wirkt es dabei wieder ein gutes Stück spröder. Gleich die ersten beiden Songs haben durch die vielfach eingesetzten, oft leicht schief klingenden Gitarrenriffs etwas geradezu abweisendes. Überhaupt stehen hier erfreulicherweise "natürlich" klingende Instrumente im Vordergrund. Wo auf anderen Hammill-Alben jüngeren Datums der Hörgenuss durch arg plastikmäßige Keyboardklänge beeinträchtigt wurde, gibt es hier viel Gitarre und Klavier zu hören, gelegentlich auch etwas Orgel. Das war's dann auch schon im wesentlichen mit der Instrumentierung, hin und wieder rasselt ein Tambourin, und an der ein oder anderen Stelle wird auch ganz dezent ein - vermutlich programmiertes - Schlagzeug eingesetzt. Dazu Hammills unnachahmliche Stimme, die auch mit über 60 Jahren nichts von ihrer Ausdruckskraft und Faszination verloren hat.

Nach den ersten beiden etwas lebhafteren Songs wird das Album deutlich ruhiger, statt elektrischer ist nun akustische Gitarre angesagt. Dazu wunderbare Klaviersongs wie Close To Me, das dezent mit Soundscapes-artigen Klängen unterlegt ist. Mit jedem Song wird es nun karger, All the Tiredness lebt nur noch von wenigen Gitarrenklängen, während Hammill sich die Seele aus dem Leib singt. Einer seiner stärksten Songs der letzten Zeit! In Perfect Pose sind es dann nur noch wie zufällig hingeworfene Töne des Klaviers, Hammill erzählt hier zeitweise mehr als dass er singt, mittendrin schlägt seine Stimme plötzlich Kapriolen. Seltsam! Erst Scissors durchbricht die Ruhe wieder, wenn gegen Ende des Songs abrupt stark verzerrte E-Gitarren die Musik zersägen und dabei - zusammen mit Hammills Stimmakrobatik - sogar für einen leicht avantgardistischen Einschlag sorgen.

Die letzten beiden Songs zeigen sich dann etwas zugänglicher, typisch Hammillsche Klavierstücke in Moll. Gerade A Run of Luck ist noch einmal ein Höhepunkt, wieder erzeugt er hier mit wenigen Tönen ein Maximum an Eindringlichkeit. Bei diesem schon etwas resigniert klingenden Stück könnte man schon auf die Idee kommen, dass hiermit Hammills finales Statement vorliegt. Aber wenn ich mir dann seinen schelmischen Blick im Innencover anschaue, scheint er zu denken: "Täuscht euch mal nicht, ich bin noch lange nicht fertig!" Hoffen wir's! Denn Consequences ist ein ganz starkes Album, das freilich auf Grund seiner spröden Kargheit erarbeitet werden will. Ich bin begeistert!

Anspieltipp(s): All the Tiredness, Scissors
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 27.4.2012
Letzte Änderung: 1.9.2012
Wertung: 12/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Peter Hammill

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1971 Fool's Mate 9.60 5
1973 Chameleon in the Shadow of the Night 10.00 3
1974 The Silent Corner and the Empty Stage 13.00 3
1974 In Camera 12.50 3
1975 Nadir's Big Chance 11.33 4
1977 Over 11.67 3
1978 The Future Now 11.67 3
1979 pH7 13.33 3
1980 A Black Box 12.00 5
1981 Sitting Targets 9.00 3
1982 Enter K 12.50 2
1983 Patience 11.00 2
1984 The Love Songs 8.50 2
1985 The Margin+ 12.50 4
1986 And close as this 6.25 4
1986 Skin 8.00 2
1988 In A Foreign Town 8.50 2
1988 Spur of the Moment (Peter Hammill & Guy Evans) 8.50 2
1990 Out Of Water 9.00 2
1990 Room Temperature Live 9.67 3
1991 The Fall of the House of Usher 7.50 2
1992 Fireships 10.50 2
1993 There Goes The Daylight 9.00 2
1993 Offensichtlich Goldfisch 9.00 2
1993 Loops & reels - Analogue Experiments 1980 - 1983 7.50 2
1993 The Noise 7.00 2
1994 Roaring Forties 9.67 3
1995 The Peel Sessions 12.00 2
1995 X My Heart 10.50 2
1996 Past Go: Collected - 1
1996 Tides 9.00 2
1996 Sonix 8.50 2
1997 The UNION CHAPEL Concert (Peter Hammill & Guy Evans) 12.50 2
1997 Everyone You Hold 11.50 2
1998 This 10.00 2
1999 Typical 12.50 2
1999 The Fall of the house of Usher (deconstructed & rebuilt) 9.00 2
1999 The Appointed Hour (Roger Eno & Peter Hammill) 9.50 2
2000 None of the Above 10.00 2
2001 What, Now? 11.50 2
2001 Unsung 11.00 1
2002 Clutch 13.00 2
2004 Incoherence 12.50 2
2006 Veracious 11.00 3
2006 Singularity 12.00 3
2009 Thin Air 11.00 2
2009 In the Passionskirche Berlin MCMXCII 10.00 1
2011 Pno, Gtr, Vox 12.00 2
2012 Pno, Gtr, Vox Box 12.00 1

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