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Affector

Harmagedon

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2012 (18. Mai)
Besonderheiten/Stil: Konzeptalbum; Progmetal
Label: InsideOut Music
Durchschnittswertung: 7/15 (1 Rezension)

Besetzung

Ted Leonard Gesang
Daniel Fries Gitarre
Mike LePond Bass
Collin Leijenaar Schlagzeug

Gastmusiker

Derek Sherinian Keyboards
Jordan Rudess Keyboards
Neal Morse Keyboards
Alex Argento Keyboards
Sinfonietta Consonus Orchester

Tracklist

Disc 1
1. Overture Pt. 1: Introduction 1:49
2. Overture Pt. 2: Prologue 5:35
3. Salvation 8:48
4. The Rapture 14:05
5. Cry Song 5:35
6. Falling Away & Rise Of The Beast 8:01
7. Harmagedon 13:00
8. New Jerusalem 7:35
Gesamtlaufzeit64:28


Rezensionen


Von: Gunnar Claußen @


Die deutsch-holländische Rivalität ist auch nicht mehr das, was sie mal war. Hierfür spricht nicht nur die Vertragsverlängerung von Arjen Robben beim FC Bayern München, sondern auch das vorliegende Debütalbum von Affector, das im Wesentlichen auf die Zusammenarbeit von Collin Leijenaar und Daniel Fries zurückgeht. Natürlich ist "Harmagedon" ein Konzeptwerk religiösen Inhalts, was dann schon mal die zweiteilige orchestrale Ouvertüre, die Songtitel und die in Divisionsstärke angetretenen Gast-Keyboarder erklärt. Und diese Namensliste macht, nebst Bandname und Albentitel, dann in der Von-außen-Betrachtung des Ganzen schließlich klar, dass uns hier abermals Progmetal erwartet.

Was also können Affector nun für dieses Genre tun? Erst mal fährt man mit Enchant-Röhre Ted Leonard einen reichlich untypischen, aber vielseitigen Sänger auf, der in seinen ruhigen Momenten glatt einer Genesis-Coverband entsprungen sein könnte, aber auch gelungenen Harmoniegesang drauf hat, wie sich beispielsweise in "Harmagedon" zeigt. Allzusehr stellt Leonard sein Licht allerdings nicht unter den Scheffel, denn "Harmagedon" weist natürlich viele und lange Instrumentalparts auf (kein Wunder, irgendwie muss man die Keyboarder ja beschäftigen). Die wiederum sind durchaus ansprechend gestaltet und somit als gediegen zu bezeichnen und finden vor einem Hintergrund statt, der sich stilistisch in der Nähe von Symphony X (kein Wunder, zupft doch deren Mike LePond auch hier den Bass) oder auch Therion auf dem Album "Gothic Kabbalah" bewegt. Wobei das abschließende "New Jerusalem" in Passagen verdächtig nach "Outcry" vom letzten Dream-Theater-Album klingt.

Daneben greift man zusätzlich auf, obwohl naheliegend, nicht ganz übliche musikalische Stilmittel zurück, etwa auf Iron-Maiden-artige Harmoniegitarren wie in "Salvation" oder dem Intro von "Harmagedon", häufige Einsätze der Hammondorgel oder ein nettes Amorphis-Zitat ("To Fathers Cabin") in einem Keyboardsolo in "The Rapture" (wer's findet, bekommt den sprichwörtlichen Keks). Zudem liefern Affector immer wieder ruhige und atmosphärische Töne, die das Album ungemein auflockern und immer wieder für Stimmung sorgen. So weit, so gut.

Nachsitzen sollte man nämlich beim Songwriting, denn das Material ist oftmals recht sprunghaft ausgefallen. Hier fallen beispielsweise die zahllosen Brüche in "The Rapture" auf. Und auch die instrumentale Dominanz schlägt hier negativ durch, da die Gesangspassagen aufgrund ihrer Seltenheit kaum eine strukturierende Funktion einnehmen können. Andererseits ist mit "Cry Song" das einzige gesangsdominierte Stück eher lasch und balladesk ausgefallen. Immerhin, ein gewisser roter Faden lässt sich im Konzept erkennen, der Weg bis "New Jerusalem" ist allerdings für den Hörer recht steinig.

Dies wird zusätzlich befeuert durch die eher blasse und zurückhaltende Produktion. Zwar erweckt diese anfangs den Eindruck, es hier mit einem überlegten Album ohne große Effekthascherei zu tun zu haben, was aber im Laufe von "Harmagedon" immer mehr zu einem Makel wird, wenn potenzielle Höhepunkte in Form von Energieausbrüchen geradezu verpuffen. Das ist angesichts des erwähnten Kontrastes von ruhigen und druckvollen Passagen besonders tragisch.

Ich fasse also zusammen, dass somit auf dem Affector-Debüt damit ein großer Teil des Potenzials vor allem aufgrund der schwachbrüstigen Inszenierung verloren geht. In der Sprache der üblichen Berichterstattung über Flugzeuge des Zweiten Weltkriegs oder Formel-1-Rennwagen würde man sowas wohl "untermotorisiert" nennen. Daneben ist allerdings auch das Songmaterial eher inkonsistent und wankelmütig geraten, und die Instrumentalarbeit schafft eher Längen, als den Hörer zu unterhalten. Gut möglich allerdings, dass dieser gar nicht in die Planung von Leijenaar und Fries einbezogen wurde, denn wie das Promoschreiben zu berichten weiß: "Wir haben das Album nicht für das Publikum geschrieben, sondern für uns selbst. [...] Ein Künstler sollte für sich selbst schreiben anstatt darüber nachzudenken, was kommerziell das Richtige wäre und was die Leute sofort mögen." Ein bisschen paradox also, dass "Harmagedon" dennoch überhaupt veröffentlicht wurde. Denn jedermanns Freund wird man mit dieser Platte sicher nicht werden.

Anspieltipp(s): Harmagedon, Salvation
Vergleichbar mit: siehe Text, Bibeljünger könnten außerdem noch an Telergy denken
Veröffentlicht am: 18.5.2012
Letzte Änderung: 3.7.2012
Wertung: 7/15
1 Punkt Abzug für die Produktion

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