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Liir Bu Fer

3juno

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2010
Besonderheiten/Stil: Elektronische Musik; RIO / Avant
Label: ZeiT Interference / Lizard Records
Durchschnittswertung: 11.5/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Nicola De Bortoli
Andrea Tumicelli
Marco Tuppo

Gastmusiker

Antonella Bertini
Claudio Milano
Raffaello Regali

Tracklist

Disc 1
1. ginza 1:08
2. 1944 8:05
3. hiver 4:12
4. red submarine 5:32
5. maestrale 7:04
6. esperanto 1:37
7. es 8:04
8. mikumi 3:34
9. lay-p 5:37
10. room /10 2:27
11. obliquizione 5:44
12. tre juno 6:28
Gesamtlaufzeit59:32


Rezensionen


Von: Achim Breiling @ (Rezension 1 von 2)


Liir Bu Fer kommen aus Verona oder zumindest der Gegend um die nordostitalienische Stadt - wie sciarada. Man begann als Duo (wie sciarada), als 2008 Nicola De Bortoli und Andrea Tumicelli beschlossen gemeinsam Musik zu machen. Ende 2009 schloss sich den beiden noch Marco Tuppo (von sciarada) an und als Trio spielte man dann das Debütalbum "3juno" ein, welches 2010 auf dem Lizard-Unterlabel ZeiT Interference veröffentlicht wurde.

Liir Bu Fer bewegen sich in durchaus verwandten Klangsphären wie die nun schon mehrmals erwähnten sciarada, die irgendwo im Grenzbereich von Elektronik, Postrock und Ambient angesiedelt sind. Allerdings sind De Bortoli, Tumicelli und Tuppo doch deutlich experimenteller, elektronischer, weniger rockig und alles in allem sperriger zu Gange als die Schwesterband. Akustische Instrumente spielen auf "3juno" keine sonderlich prägende Rolle (bis auf ein ab und zu erklingendes Piano und seltene Kammerstreichereinlagen). Vielmehr bestimmen verfremdete, elektronische Klangquellen die Musik, Tonbandschleifen (auch wenn dieselben wohl von einem Computer erzeugt wurden), verfremdete E-Gitarren, Synthesizerartiges, Soundscapes, Tonbandeinspielungen (Stimmen, Naturklänge, Maschinenkrach) und unzählige weitere übereinander geschichtete Sounds und Geräusche.

Laut Beiheft wurden "Loop machines, affects, noises, kalimbas, guitars, maccarunàre and manipulations, laptop, roland sh2, solina, volcefx, soundscapes, contact mics, woofer, circuit bent instruments, piano, carillon, strings, harmonica, whistle" zur Herstellung dieser Klänge verwendet. Das Ergebnis ist moderne, progressive Musik, die allerdings eine gewisse retrograde, experimentell-krautige, elektronisch-kosmische Komponente aufweist. In den recht komplex-abstrakten Tonkonstrukten arbeiten sich auch immer wieder sehr lyrische, fast schön zu nennende, schwebend-feingliedrige Momente nach vorne, bisweilen unterstütz von fast klangvollen Gesangseinlagen. Sehr viel Hall und Atmosphäre haben diese Klänge, die meist formlos, ohne sonderliche rhythmische Fügung aus den Boxen gleiten. Dabei sorgen verzerrte Gitarrenmuster ab und zu für rockmusikalische Rudimente und Piano und Streicher für fast kammerprogressive Fragmente.

"3juno" bietet eine recht abenteuerliche Reise durch sehr eigene elektronisch-lyrische Klangwelten, ambientartig-schräge Soundgemälde und seltsame-komplexe Tonpuzzle, die zu unternehmen Freunden von zeitgenössisch-avantgardistischen, wirklich progressiven Klängen sehr empfohlen sei!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 27.5.2012
Letzte Änderung: 12.7.2012
Wertung: 12/15

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Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 2 von 2)


Puh, das ist keine leichte Kost. Selbst wer von den lärmendsten RIO-Attacken gestählt ist, sollte sich dem Veroneser Trio mit Vorsicht nähern. Nicht etwa, weil die noch lärmender wären. Im Gegenteil, laut wird es hier kaum, und auch das Tempo bleibt meist, sagen wir mal, gemäßigt. Radikal kann Musik auch auf andere Weise als in Hochgeschwindigkeit und aufgedrehtem Lautstärkeregler sein. Etwa durch das weitgehende Vermeiden von Melodie und Rhythmus, und genau das ist hier der Fall. Zwischen formlosen elektronischen Klanggebilden und reinen Geräuschsequenzen bewegt sich diese Musik, die mancher wohl gar nicht als Musik bezeichnen würde.

Gelegentlich entwickeln sich aus dem seltsamen Geräuschkonglomerat Klangflächen von frappierender Schönheit, die eine Zeit lang im Raum hin und her wogen und einen wunderbaren Kontrast zu den ansonsten vorherrschenden abstrakten Klängen bilden. Und neben Stimmeinspielungen gibt es auf einigen Stücken auch richtigen Gesang, wobei Antonella Bertinis Einsätze auf es schon eher in den Bereich "Stimmexperiment" fallen. In Red Submarine ist übrigens als Sänger Claudio Milano von Nichelodeon zu hören, einem ähnlich kompromisslosen Musikprojekt.

Die Musik - oder sollte ich lieber schreiben: die Klänge - auf 3juno zeigen gewisse Parallelen zur kosmischen Musik und anderen krautigen Elektronik-Experimenten (etwa zum Duo Seesselberg), aber das Trio aus Verona agiert um einiges sperriger und kantiger. Furchtlose Klangabenteurer sollten sich an dieses Album heranwagen!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 12.7.2012
Letzte Änderung: 12.7.2012
Wertung: 11/15

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