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Ulver

Childhood's End

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2012 (1. Juni, Cover-Album)
Besonderheiten/Stil: ArtPop; Moderne Electronica; Psychedelic; RetroProg
Label: Kscope Music
Durchschnittswertung: 11.5/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Kristoffer Rygg
Jørn H. Sværen
Tore Ylwizaker
Daniel O´Sullivan

Tracklist

Disc 1
1. Bracelets Of Fingers   (The Pretty Things) 4:11
2. Everybody's Been Burned   (The Byrds) 3:25
3. The Trap   (Bonniwell’s Music Machine) 2:33
4. In The Past   (Chocolate Watchband) 2:54
5. Today   (Jefferson Airplane) 3:20
6. Can You Travel In The Dark Alone?   (Gandalf) 4:01
7. I Had Too Much To Dream Last Night   (Electric Prunes) 2:53
8. Street Song   (13th Floor Elevators) 5:14
9. 66-5-4-3-2-1   (The Troggs) 3:22
10. Dark Is The Bark   (Left Banke) 4:02
11. Magic Hollow   (Beau Brummels) 3:15
12. Soon There Will Be Thunder   (Common People) 2:26
13. Velvet Sunsets   (Music Emporium) 2:43
14. Lament Of The Astral Cowboy   (Curt Boettcher) 2:14
15. I Can See The Light   (Les Fleur De Lys) 3:13
16. Where Is Yesterday   (United States Of America) 3:58
Gesamtlaufzeit53:44


Rezensionen


Von: Gunnar Claußen @ (Rezension 1 von 2)


Ulver sind zur Zeit offenbar recht produktiv: Nach dem Studioalbum "Wars Of The Roses" und der "Norwegian National Opera"-DVD im letzten Jahr folgt dieser Tage mit "Childhood's End" schon der nächste Longplayer. Um den Nachfolger zu "Wars Of The Roses" handelt es sich zwar nicht, aber von der Idee her wird es hier allemal interessant: "Childhood's End" ist nämlich ein Coveralbum, auf dem sich Ulver dem frühen amerikanischen Psychedelic Rock der Spät-60er widmen. Und so gibt es also 53 Minuten bzw. 16 Songs in trauter Gemeinsamkeit mit Jefferson Airplane, den Byrds und den 13th Floor Elevators, um mal die bekanntesten hier vertretenen Originalbands zu nennen.

Klanglich auffällig ist zunächst einmal, dass Ulver sich den Songs in geradezu klassischer Bandbesetzung Schlagzeug-Bass-Gitarre-Keyboards nähern. Zeittypisch für die Vorbilder spielt auch die Hammondorgel sehr oft eine tragende Rolle, was allerdings nur auf eine gewisse Weise originalgetreu ist, denn anders klingen die Songs dennoch. Wobei Ulver das Rad aber auch nicht komplett neu erfinden, denn die Interpretationen hier lassen allerhand Remineszenzen an andere Stile zu. Da wäre beispielsweise die Dream-Pop-artige Präsentation von "Everybody's Been Burned", "Today" und "Soon There Will Be Thunder" oder das folkig schaukelnde "The Trap". Oder der rührige Psychedelic-Sound von "Can You Travel In The Dark Alone?" mit Orgel und Akustikgitarre, wie ihn Amorphis auf ihrer "My Kantele"-EP pflegten. Und die Gitarrenarbeit lässt immer wieder mal an Italowestern denken, was natürlich an Coolness kaum zu überbieten ist.

Den Löwenanteil an Assoziationen meinerseits machen allerdings diverse Retrostile aus. Heutzutage denkt man natürlich bei sowas an den passenderweise auch vom Psychedelic beeinflussten Retro-Hardrock à la The Devil's Blood oder Graveyard, den man hier in "In The Past" oder "66-5-4-3-2-1" heraushören kann. Da ist es umso bemerkenswerter, dass in "Street Song" beispielsweise noch die vor ca. 10 Jahren grassierende Retro-Garagenrock-Welle mit Exponenten wie den Strokes oder dem Black Rebel Motorcycle Club durchklingt, oder dass in "I Had Too Much To Dream Last Night" die Verehrung des 50er-Rock'n'Rolls durch die Horrorpunk- und Psychobilly-Szene (The Meteors, Danzig etc.) auszumachen ist.

Somit sind die meisten Coverversionen in der Tat recht rockig und locker ausgefallen, was angesichts der bisherigen Werke von Ulver recht ungewöhnlich wirkt, andererseits aber auch nicht verblüffen sollte, da Ulver sich bekanntlich noch nie wiederholt haben. An originären Stilelementen der Norweger mangelt es aber auch nicht. Hiermit wäre nicht nur der markante Gesang von Kristoffer Rygg gemeint, sondern auch die seit "Perdition City"-Zeiten erprobten Elektronik- und Noise-Effekte im Hintergrund (besonders markant in "Today"), auch wenn diese bislang noch nie in derart eingängigen Stücken ertönt sein dürften. Immerhin, in einigen Passagen fühlt man sich durchaus an den einen oder anderen Moment der Geschichte von Ulver und verwandten Projekten erinnert. Da wäre beispielsweise die an "For The Love Of Good" vom "Blood Inside"-Album erinnernde bedrückende Lounge-Stimmung von "Everybody's Been Burned", oder das an Arcturus' "Ad Astra" erinnernde Zwischenspiel in "Bracelets Of Fingers".

Immerhin, zum Abschluss gibt es mit "Where Is Yesterday" von United States Of America ein komplettes - wenn man da so sagen kann - Ulver-typisches Stück: Ein langes Choral-Intro bringt mich auf die verrückte Idee, Ulver hätten doch auch mal Czeslaw Niemens "Bema pamięci żałobny rapsod" covern können (zeitlich würde es ja passen) und zwischendrin gibt es sehr düstere und schwere Elektroniksounds. Eine Nummer, wie sie auch auf "Blood Inside" oder "Shadows Of The Sun" hätte stehen können, während das lange, minimalistische Outro auf die experimentelle Phase von 2001 - 2004 verweist.

Insgesamt ist, und das ist die größte Leistung dieses Werkes, "Childhood's End" klanglich sehr durchdacht, disparat und dennoch wie aus einem Guss ausgefallen. Die Stücke werden allesamt überzeugend und ansprechend dargeboten und sind weder anbiedernd noch effekthascherisch, was dem Hörgefühl sehr entgegenkommt. Einziger Mangel, den ich ausmachen kann, sind die zeitweilig etwas überdrehten und undefinierbaren Sounds von irgendeinem undefinierbaren Klangkörper zwischen Gitarre und Keyboard; besonders negativ tut sich hier "In The Past" hervor. Dennoch ist das durchaus zu vernachlässigen und schlimmstenfalls gewöhnungsbedürftig. Ansonsten erteilen Ulver hier eine absolut gelungene und interessante Geschichtsstunde, die alle aktuellen Retrotrends zugleich bedient und hintergeht.

Anspieltipp(s): The Trap, Where Is Yesterday, I Had Too Much To Dream Last Night
Vergleichbar mit: Den Originalen? Vielleicht, vielleicht auch nicht.
Veröffentlicht am: 31.5.2012
Letzte Änderung: 2.6.2012
Wertung: 13/15
Bemerkenswertes Coveralbum, gerade aufgrund seiner thematischen Konzentration.

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Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 2 von 2)


Ich muss gestehen, als ich damals die Ankündigung las, dass Ulver ein reines Coveralbum veröffentlichen würden, hat das nicht gerade Begeisterung bei mir ausgelöst. Und dann auch noch mit Psychedelic Pop aus den 60ern! Denn das meiste, was ich aus dieser Zeit kenne, ist dann letzten Endes doch mehr Pop als Psychedelic. Aber die Norweger haben mich überrascht! Was eigentlich nicht überraschen sollte, da sie eigentlich mit jedem Album ihre Hörer überraschen.

Da wäre zum einen die Auswahl der Songs. Keinen einzigen davon kenn ich im Original. Zum anderen die Auswahl der Bands, denn von denen kenne ich die meisten ebenfalls nicht. Klar, die Byrds oder Jefferson Airplane sind natürlich keine unbekannten, aber The Beau Brummels? Chocolate Watchband? Alleine solche Namen klingen dann doch viel versprechend. Also landete die CD letzten Endes doch auf dem Bestellzettel. Zum Glück! Denn ansonsten wäre mir ein feines Album entgangen.

Erstaunlicherweise klingt die Musik hier gar nicht so sehr nach den 60er Jahren. Oder irgendwie doch. Aber andererseits dann wieder doch nicht. Kurz gesagt, Ulver haben diese bald ein halbes Jahrhundert (ja ja!) alten Songs erfolgreich in unsere Zeit transformiert, haben ihnen ein Soundgewand verpasst, das gleichzeitig modern und mit Patina überzogen klingt. Die Melodielinien, insbesondere beim Gesang, weisen klar auf die späten 60er zurück, die Musik dagegen scheint beständig zwischen zwischen den Jahrzehnten hin und her zu springen; nicht in dem Sinn, das es nach Stückwerk klänge, es mehr so eine Art zeitliche Undefinierbarkeit.

Ziemlich eingängig ist das Ganze, und richtig rocken tut's meist auch nicht allzu sehr, etwas mehr z.B. in Street Song und in 66-5-4-3-2-1, wo die Gitarre stärker im Vordergrund steht. Ansonsten geben die Tasten den Ton an, speziell die Orgel spielt meist eine tragende Rolle. Einige Songs sind auch überwiegend akustisch instrumentiert, was etwa Magic Hollow einen netten Folk-Touch verleiht. Aber trotz Kürze und Eingängigkeit bezaubern die Songs durch originelle Arrangements und die gelungene Mischung aus Retro und Moderne. Hübsch, auch wenn es mir hier und da doch etwas zu luftig-leicht wird.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 15.9.2012
Letzte Änderung: 15.9.2012
Wertung: 10/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Ulver

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1998 Themes From William Blake's The Marriage of Heaven and Hell 14.00 1
1999 Metamorphosis 8.00 1
2000 Perdition City 8.00 2
2003 Svidd Neger 11.00 1
2003 A Quick Fix Of Melancholy 7.00 1
2005 Blood Inside 12.00 2
2007 Shadows of the Sun 9.00 2
2011 Wars of the Roses 10.00 2
2011 The Norwegian National Opera 11.00 1

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