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Conrad Schnitzler

Endtime

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2012
Besonderheiten/Stil: instrumental; Elektronische Musik
Label: m=minimal
Durchschnittswertung: 12/15 (1 Rezension)

Besetzung

Conrad Schnitzler Elektronik

Tracklist

Disc 1
1. Endtime (parts 1-36) 61:48
Gesamtlaufzeit61:48


Rezensionen


Von: Achim Breiling @


Am 4. August 2011 verstarb Conrad Schnitzler in Berlin. Der 1937 in Düsseldorf geborene Schnitzler hat wohl die meiste Zeit seines Lebens in Berlin verbracht. Trotzdem kann man den Elektronikpionier, Künstler, Musiker und Komponisten weder der Berliner noch der Düsseldorfer Elektronikszene zuordnen. Schnitzler hat schon immer nur Schnitzler-Musik gemacht.

Nachdem er zuerst eine Ausbildung als Maschinenbauer hinter sich gebracht hatte, wurde Schnitzler Ende der 60er Jahre Schüler von Joseph Beuys, was ihn in Bezug auf Aktionskunst, Klangexperimente und die Kombination von Klang und Optik sehr geprägt hat. Danach betätigte er sich weitestgehend autodidaktisch an diversen Instrumenten, entdeckte die Elektronische Musik, war maßgeblich an der Entstehung bzw. Identitätsfindung der Bands Kluster und Tangerine Dream beteiligt und stand für kurze Zeit einer Formation namens Eruption vor. Wo Schnitzler in dieser Zeit um das Jahr 1970 herum genau was gemacht hat ist etwas verworren, doch ungefähr ab dem Jahr 1972, spätestens mit dem Album "Rot", war Schnitzler dann meist solistisch in Berlin tätig, als einer der interessantesten, aber leider auch obskursten Macher elektronischer Klänge, nicht nur in Deutschland.

Ende Juli 2011 spielte Schnitzler ein weiteres Album ein, vermutlich im wahrsten Sinne im Angesicht des Todes, der ihn dann wenige Tage später ereilte. Darüber ob Schnitzler wusste, dass dies sein letztes Werk sein würde, kann man nur spekulieren, doch dieses ist das im März 2012 veröffentlichte "Endtime" letztendlich geworden. Angesichts früherer Albentitel Schnitzlers (Conrad, Con) hätte man die Scheibe auch "Conclusion" (oder "Con Clusion") nennen können. Wie das Album wirklich genau heißt, ist zudem fraglich. Da steht nämlich noch "mix solos" und (am größten) "00/830" (wohl die Nummer des Stücks in Schnitzlers Katalog) auf dem Cover.

"Endtime" dauert eine gute Stunde und ist in 36 Teile unterteilt, die allerdings nahtlos ineinander übergehen. Analog-Elektronische, eher freiformatige Musik gibt es hier zu hören, unzählige durcheinander purzelnde und wabernde Sounds und Töne, filigran bis laut, elegisch bis wüst, ab und zu rhythmisch gefügt, die sich zu einer umfangreichen, sehr farbigen Suite verbinden. Schnitzler kreiert hier im Grunde ein Destillat seiner Musik, eine Rückschau auf sein Schaffen, die sehr kurzweilig, aber auch komplex und sperrig aus den Boxen kommt. Mit "Endtime" verabschiedet sich ein Urgestein der Elektronischen Musik mit einem brillanten Werk, welches nicht weniger frisch und avantgardistisch klingt, als z.B. das 1973 veröffentlichte "Rot". Es gibt wenige Musiker, die über 40 Jahre hinweg ihre Musik gemacht haben, ohne irgendwelche kommerzielle Kompromisse, immer innovativ, kontrovers und sperrig. Schnitzler legt hier nun die das Ergebnis und den Abschluss seiner musikalischen Reise vor. Wer wirklich progressive, elektronische Musik schätzt, der sollte "Endtime" nicht verpassen!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 3.6.2012
Letzte Änderung: 3.6.2012
Wertung: 12/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Conrad Schnitzler

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1971 Schwarz 12.00 1
1973 Rot 12.00 1
1974 Blau 13.00 1
1974 Gelb 11.00 1
1978 Con (Ballet Statique) 12.00 1
1980 Auf dem Schwarzen Kanal (Con 2+) 12.00 1
1981 Con 3 11.00 1
1981 Grün 10.00 1
1994 Blue Glow 12.00 1
1995 Charred Machinery 12.00 1
1995 Electronegativity 11.00 1
1997 00/44 11.00 1
2003 Gold 13.00 1
2006 Klavierhelm 11.00 1
2008 3.3.83 12.00 1

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