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19223 Rezensionen zu 13027 Alben von 4925 Bands.
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Douze Alfonso

Charles Darwin

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2012
Besonderheiten/Stil: Konzeptalbum; Ambient; ArtPop; Blues; Folk; Jazzrock / Fusion; Neoprog; Rock / Pop / Mainstream; RetroProg; Worldmusic / Ethno; sonstiges
Label: Eigenverlag
Durchschnittswertung: 9.5/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Francois Claerhout string synth, orchestral sounds, synth, percussion, bodhran, drum programming, electric piano, palmas, rhythm box, lithophone, woodblock, goat nails, mate pot, bamboo drum, shekere, sampling, piano, whartdog teeth, pitecophone, woods sticks, choir
Thierry Moreno drums, tibetian bell, ride & floor tom, ride & china cymbals, snare, ride, bells, wind chimes, triangle, acoustic guitar, floor tom, tambourine, tamani
Philippe Claerhout guitar, mandolin, glockenspiel, bass, xylophone, dan-bao, castanets. wine glasses, dolphinophone, bouzouki, balaphone, crocodile teeth, shaker, sanza, tamani, harp, metal stick played valiha, ocarina, dan tranh, ukulele, tibetian bell
Stephane Ducasse recorders, bass flute, flute, hippo teeth, xylophone, blowed crocodile teeth, theremin

Gastmusiker

Mickey Simmonds piano, organ, synth, wurlitzer, harpsichord, electric piano, string synth, toy piano, bass synth, honky tonk piano, brass vst theme
Maggie Reilly vocals
Tim Renwick guitar
Vincent Benard bass, acoustic bass
Franck Chaubert guitar
Antoine Gramont cello
Florian Berrouet classical guitar
Robin Boult electric & acoustic guitars
Michael Geyre accordion, rain stick, choir
Elliot Murphy vocals
Raphael Ravenscroft saxophones
Frank Chaubet guitar
John A. Helliwell clarinette, saxophone
Francis Dunnery guitar
Ronnie Caryl vocals, acoustic guitar
Alistair Gordon vocals
Philippe Poirier bodhran, detuned gongs, shells, choir
Sand Roman Garcia vocals
Christophe Maroye fender jazz bass, electric guitar
Federico Zavala vocals
Gustavo Zavala piano, synth, choir
Osvaldo Zavala keyboards, choir
Humberto T. Correa Charles Darwin's voice, choir
Tadeo Zavala child's voice, choir
Fatima Soto choir
Francisco Zavala choir
Juan Zavala choir
Huong Thanh vocals
Hong NGuyen dan tranh
Stephane Micard ukulele
Amy Keys vocals
Stephane Rolland guitar
David Paton fretless bass
Gerard Lenorman vocals
Hugo Denoyelle guitar
Lino C. prattling
Eve M. vocals
Louisa B. vocals
Myriam Z. vocals
Pauline D. vocals
Freegh vocals
Jayney Klimek vocals
Trio Voce choir
John Hackett flute
Ton Scherpenzeel proteus 2000, bass synth
Terry Oldfield flute
Ian Bairnson acoustic & electric guitars
Michael Manring fretless bass

Tracklist

Disc 1
1. Collection One   (Vol. I: 1809 - 1835) 1:41
2. Earliest Recollections 4:58
3. Stolen Fruit 3:14
4. Physics and Hunting 3:51
5. Silent Battle 4:38
6. Collection Two and Three 1:47
7. The Bump of Reverence 5:32
8. Leaving England (part 1) 1:31
9. Leaving England (part 2) 3:05
10. The Letter from Henslow 3:19
11. HMS Beagle 3:52
12. Collection Four 0:30
13. Captain Fitz-Roy 2:50
14. Straits of Magellan 5:12
15. Tierra del Fuego 7:46
16. Darwin’s Finches 3:54
17. Homeward Bound 3:08
Gesamtlaufzeit60:48
Disc 2
1. Collection Five   (Vol. II: 1836 - 1858) 1:52
2. So Many Years 3:42
3. Strange Fossil 2:55
4. Emma and Charles 5:55
5. The Coral of Life 5:07
6. Collection Six 1:11
7. Down House 4:32
8. The Island of Devil’s Riding School 4:00
9. Annie (part 1) 2:56
10. Annie (part 2) 2:02
11. Collection Seven 2:33
12. Beloved Cirripedia 3:56
13. An Ordinary Day 3:55
14. Salting the Seeds 6:24
15. Lenny 2:36
16. It’s Time to Write 2:30
17. Collection Eight 0:56
18. Missing Links 3:06
Gesamtlaufzeit60:08
Disc 3
1. Collection Nine   (Vol. III: 1859 - 1882) 0:53
2. Bound Together 4:49
3. Descent with Modification 2:36
4. On the Origin of Species 6:38
5. Controverse in Oxford 1:27
6. Collection Ten 0:56
7. Slave Makers 4:01
8. Last Human Common Ancestor 4:03
9. Sombre Thoughts 5:27
10. Collection Eleven 0:57
11. Mysterious Illness 7:01
12. The Copley Medal 2:46
13. Vision of the Indian Mound 6:23
14. The Descent of Man 4:53
15. Collection Twelve 0:55
16. Struggle for Existence 1:36
17. Darwin's Burial 4:40
Gesamtlaufzeit60:01


Rezensionen


Von: Thomas Kohlruß @ (Rezension 1 von 3)


„Survival of the Fittest“ war eigentlich so eine Phrase, die ich immer mit Charles Darwin verbunden habe, allerdings musste ich im Rahmen meiner Beschäftigung mit dem vorliegenden Album feststellen, dass der Satz gar nicht von Darwin stammt (geprägt wurde er vom britischen Sozialphilosophen Herbert Spencer), er aber sehr wohl von ihm in seinen Arbeiten verwendet wurde. Progressive Rock hat eben auch einen Bildungsauftrag. Durchhaltevermögen und eine gewisse Überlebensfähigkeit braucht der Rezensent allerdings auch, wenn er sich dem Werk „Charles Darwin“ der französischen Sympho-Folk-Progger XII Alfonso (wie sie sich zumindest auf dem Cover dieses Albums schreiben) nähert. Die Franzosen haben ja durchaus ein Faible für ausladende Konzeptalben über historische Gegebenheiten oder Persönlichkeiten – wie man auf diesen Seiten nachlesen kann -, so mag also das Sujet dieses neuen Albums nicht verwunderlich erscheinen. Für mich ist es der Erstkontakt mit dem Werk XII Alfonsos.

Bewunderung ist für mich die bleibende Empfindung von „Charles Darwin“, Begeisterung ist es nicht. Zum „Warum“ nun das Folgende...

XII Alfonso haben in gut drei Jahren Arbeit ein außergewöhnliches Werk in seiner Erscheinungs-Dimension geschaffen. Leider ist der Hauptkomponist Thierry Moreno im September 2011 gestorben, so dass ich nicht sicher bin, ob er die Vollendung des monumentalen Schaffens noch komplett miterlebt hat. In jeden Fall liegt hier auch sein Vermächtnis vor. XII Alfonso widmen sich auf drei CDs dem Leben Charles Darwins, wobei die Alben in chronologische Abschnitte unterteilt sind und jeweils rund eine Stunde Musik beinhalten. 180 Minuten Musik erwarten den Hörer also. So nebenbei genießt man „Charles Darwin“ also eher nicht (oder vielleicht gerade, denn wer hat schon die Zeit sich drei Stunden nur der Musik hinzugeben).

Die drei CDs stecken in einem dicken Hard-Cover-Buch (im CD-Format) in dem auch ein über 70seitiges Booklet eingearbeitet ist. Das Artwork ist stimmig und die Erscheinung des ganzen Pakets hochwertig und wie schon gesagt äußerst beeindruckend. Zumal die Band dieses Riesen-Projekt mit eigenen Mitteln gestemmt hat. Im Booklet finden sich die Texte zu den gesungenen Liedern, teils in den Original-Sprachen, die nicht nur Englisch oder Französisch umfassen, sondern schon auch mal Spanisch oder Vietnamesisch. Also werden auch Sprachgewandte nicht alles lesen können. Dazu kommen noch erklärende Texte zur Entstehung des Werks und über Charles Darwin. Ein Präsentation allerlei exotischer Instrumente, die hier verwendet wurden (alleine Francois Claerhout bedient soviele Instrumente, dass sie gar nicht alle oben im Statistikteil erfasst werden konnten), fehlt ebenso wenig, wie die – auch bildliche – Erwähnung aller beteiligten Musiker. Und hier sprechen wir immerhin von fast 50 Gästen, die das Stammquartett unterstützt haben. Darunter sind mit Mickey Simmonds, Tim Renwick, John Helliwell, John Hackett oder Raphael Ravenscroft (und noch einige andere) durchaus bekannte Namen. Die Liebe und die Hingabe, die auf jeder Seite dieses Booklets, dieses Pakets spür- und greifbar ist, rührt den Hörer, Leser, Rezipienten fast schon zu Tränen (vor Begeisterung).

So anrührend-faszinierend die Aufmachung dieses Werks ist, so indifferent stellt sich leider die Musik dar. Und damit sind wir beim Knackpunkt. Das gut 180 Minuten Musik die eine oder andere Länge beinhalten, mag nicht überraschen. Aber leider stellen XII Alfonso letztlich ein Potpourri aus allerlei Stilistiken zusammen, welches kaum etwas auslässt, aber letztlich auch kaum einen Zusammenhang aufweist. Wie man oben bei den Stilangaben sehen kann, gibt es außer der härteren Schiene (also überhaupt kein Hardrock, geschweige denn Metal hier) oder der schrägeren Ecke (no RIO), so gut wie alles auf die Ohren, was man sich denken kann. Da steht Weltmusik neben Pop, Chanson neben Kammermusik, sinfonischer Folk neben plätschernder Instrumentalmusik, Soul und Blues neben angeproggten Passagen. Die Melodien sind mal ergreifend, mal schlicht banal. Die Franzosen bemühen sich mit den instrumentalen „Collections“ so ein bisschen Struktur ins Geschehen zu bringen, aber letztlich fehlt in roter Faden und es erschließt sich sicherlich auch nicht immer, warum für eine bestimmte inhaltliche Thematik (wenn man die Texte mitliest) die vorliegende musikalische Umsetzung gewählt wurde. Darüberhinaus fehlt es auf der langen Laufzeit etwas an Dynamik. Die Musik verharrt überwiegend in einem Midtempo-Bereich, aus dem kaum Ausbrüche stattfinden, was vielleicht auch an der oft sehr zurückhaltenden Rhythmisierung liegen mag. Überzeugend ist die Musik immer dann, wenn sich die Band in folkige-weltmusikalische Gefilde begibt oder als kleines Kammerorchester stimmungsvoll ihre Songs zelebriert. Manche Stimmen reißen alleine die Songs aus ihrer Banalität, gerade Alistair Gordon, Amy Keys oder Sand Roman Garcia tun hier einiges Gutes. Trotzdem sind es eher die instrumentalen Passagen, die überzeugen.

Letztlich befriedigt die Abfolge von tiefgehenden, berührenden Passagen und schlichtweg banaler, teils an schwache Popmusik oder Schlager gemahnende Passagen den Hörer nicht (vollständig). Man könnte nun sagen, okay, dann programmiert man sich eben die eine bis eineinhalb Stunden tolle Musik zusammen und vergisst den Rest, aber das ist ja auch nicht das, was diesem Konzeptwerk gerecht würde. Das trübt den Gesamteindruck natürlich schon ein bisschen, auch wenn die positiven, die bewegenden Moment glücklicherweise knapp die Überhand behalten.

Es bleibt ein Werk von atemberaubenden Dimensionen, welches dem Hörer Bewunderung abverlangt und dem Sammler gewisse Begeisterung, ob seiner Außergewöhnlichkeit. In seiner großen Geste und seiner Monumentalität wird es einem historischen Charakter wie Charles Darwin sicherlich auch gerecht, aber durch die musikalische Zerrissenheit bleibt halt doch irgendwie ein leicht schales Bauchgefühl. Trotzdem: Das ist Kunst der Kunst wegen und als solches irgendwie zu mögen (und zu unterstützen). Entdeckt es für Euch selbst!

Anspieltipp(s): haha... wie sollte das gehen?
Vergleichbar mit: nix und vielem
Veröffentlicht am: 1.7.2012
Letzte Änderung: 1.7.2012
Wertung: 10/15
Nie war eine Bewertung sinnloser, nehmt es als Ausruck für Sympathie mit dem Gesamtwerk

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Von: Jürgen Wissing @ (Rezension 2 von 3)


Eine „Biographie im Songstory – Gewand“, oder wie soll man das vorliegende Mammutwerk sonst bezeichnen? In Anlehnung an Jules Vernes Roman könnte man es auch „In 52 Teilen um die Musik-Welt“ nennen, so vielschichtig ist das 3fach – Album der Claerhouts ausgefallen.

Und es ist die Vielschichtigkeit, die eine Einschätzung, geschweige denn eine Bewertung, so schwierig macht. Hier werden Stimmungen in Bilder umgesetzt, die wiederum durch Vertonung hörbar werden sollen. Vielleicht ein Schritt zu viel, vielleicht zu sehr um die Ecke komponiert, um noch voll verständlich zu sein. Und vielleicht auch ein zu hoher Anspruch, dem sich die Ideengeber hier unterwerfen. Denn was bei der Biografie des Malers Monet recht gut funktionierte – die Umsetzung von Bildern in Musik – gerät vorliegend beim Wissenschaftler Darwin stellenweise daneben. Es kommt einem manches Mal so vor, als werde der Versuch unternommen, eine Käfersammlung im Museum in Töne umzusetzen.

Aber genug des theoretisierenden Geredes, schließlich wird ja musiziert, und das zu ordentlichen Teilen sehr angenehm und hörenswert.

Das gewaltige Instrumentarium und die lange Gästeliste wurden bereits gewürdigt. Es gibt natürlich unendlich viel zu entdecken auf 3 CDs mit 180 Minuten Spielzeit, aber man muss sich ebendiese Zeit auch dafür nehmen.

Das Thema ist ganz sicherlich toll recherchiert, das Layout mit Booklet wunderbar opulent gestaltet, alles in allem ein außergewöhnliches Werk in Konzeption und Stilistik, musikalisch interessant und anspruchsvoll. Allein der Funke mag nicht wirklich überspringen. Zu viel Fremdes, von chinesischem Gesang (is it?) bis zu instrumental-experimentellen Klängen und gegen Ende ein deutlicher Spannungsabfall lassen mich doch etwas ratlos und - in anbetracht meiner Erwartungen - sogar ein wenig enttäuscht dreinschauen.

Dabei beginnt das Ganze in CD1 mit einer relativ homogen wirkenden Mischung aus verschiedenen Stilelementen von Melodic Rock, ArtRock, Folk, usw., die einander gefällig ergänzen. Einige sehr gelungene Instrumentalparts, in denen Saxophon, Flöte und akustische Gitarre feine Akzente setzen, wechseln mit englisch-sprachigem Gesang (gute Idee übrigens!). Stellenweise klingt das dann nach Minimum Vital oder sogar mal dezent nach (frühen) Van der Graaf.

Leider tut sich auf CD2 zunächst nicht viel, es „plätschert“ halt. Dann gibt es nach einer „Singer/Songwriter“ – ähnlichen Passage eine gehörige Portion Urwald-Percussion und danach wechselt die Gesangssprache ins Französische. Und zu meiner Überraschung liefert ausgerechnet „Schlagerfuzzi“ Gérard Lenorman (dessen "richtige" Chansons ich übrigens sehr schätze!) einen gelungenen Beitrag mit einer melancholisch-romantischen Nummer. Wie bereits erwähnt geht dem Ganzen gegen Ende etwas die Luft aus, so dass CD3 nur stellenweise an gute Teile der Parts 1 und 2 anknüpft. Vieles bleibt eher kontemplativ und erinnert bisweilen an Mittelalter-Folk. Kleiner instrumentaler Höhepunkt ist noch Track 7 mit schönem Gitarreneinsatz und in Track 11 wird es, allerdings im Klammerblues-Tempo, wieder etwas rockiger, bevor ein Synthie-Solo die Nummer rettet.

Musikalisches Fazit: insgesamt relativ wenig Gesang, da keine echte Geschichte erzählt, sondern ein Leben in Bildern dargestellt wird, zum Teil störende Erzählpassagen in französisch und spanisch, zum Teil verstörendes Ethno-Zeug, etwas Rock, viel Anspruch, (fast) nichts Progressives – und deshalb auch keine Wertung!

Anspieltipp(s): man nehme sich 3 Stunden Zeit und das Booklet zur Hand...
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 19.9.2012
Letzte Änderung: 19.9.2012
Wertung: keine

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Von: Jörg Schumann @ (Rezension 3 von 3)


Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust!

Darwin. Ein Mammut von einem Album. Was sach ich; von drei Alben. Ein veritables Schmuckstück mit 80-seitigem booklet, welches reich bebildert, illustriert und mit Notizen aus dem Leben des "Erfinders" der Evolutionstheorie versehen ist. Liebevoll, mit Herzblut und Enthusiasmus in mehrjähriger Arbeit recherchiert, komponiert und arrangiert. Ein opulentes Gesamtkunstwerk. Welches darüberhinaus auch noch mit glasklarem Sound und sauberer Produktion glänzt. Was will man mehr.

Aber so üppig Darwin daherkommt, so übergross ist das Werk auch, will sagen überlang. Während drei Stunden wird die Geschichte von "Klein-Charles" bis "Opa-Charles" erzählt und besungen. Und wo mancher Spielfilm mit dieser Länge wie im Fluge vergeht, da kommt einem die Zeit mit Darwin auch wirklich so lange vor. Und leider besteht die Gefahr, dass der Hörer wegzudriften droht. Warum?

Nun. XII Alfonso versuchen zwar, das grosse Ganze zusammen- und den Hörer damit bei der Stange zu halten, bei einer Gesamtlänge von 180 Minuten ist das allerdings ein fast nicht zu stemmendes Unterfangen. Dieser "Zusammenhalt" des Grossen Ganzen wird durch 12 Instrumentals mit dem Titel Collection 1-12 versucht. Hierbei wird ein Leitmotiv stets mit anderen Instrumenten, anderem Tempo und anderem Stil eingespielt. Das beginnt mit einem schlichten Piano, führt über die akustische Gitarre und eine Klarinette zu einem Glockenspiel, von dort zu zwei Gitarren, einem Akkordeon, einem Saxophon zu dem sich weitere Instrumente wie Perkussion und Flöte gesellen, weiter zu einer vietnamesischen Wölbbrettzither, einem halbtonlos pentatonisch durchgestimmten Saiteninstrument, zurück zu Gitarren, Saxophon, Flöte und schliesslich einem Cello. Das Thema erfährt somit tatsächlich eine Art Weiterentwicklung, eine Evolution eben, und trifft somit sicher ins Schwarze.

Zwischen diese Instrumentals wird das Leben von Herrn Darwin geschoben. Die Stücke thematisieren seine Kindheit und Jugend (1809-1825), den traumatisierenden Verlust der Mutter, seinen Entscheid gegen das vom Vater präferierte Medizinstudium und für eine jahrelange Weltreise auf einem Schiff (1831-1836). Sie berichten über seine Zeit in Feuerland, die Fahrt durch die Magellan-Strasse, die Darwin-Finken, über Fossilien, die Heirat mit seiner Cousine Emma Wedgwood, einer sehr religiösen Frau, und die dadurch entstehenden Konflikte aufgrund der Unvereinbarkeit von Glaube und Wissenschaft. Dennoch waren die beiden 43 Jahre verheiratet und hatten 10 Kinder. Das Album erzählt von der Struktur und Verteilung eines Korallenriffs, welches symbolisch für den Stammbaum des Lebens angesehen werden kann ("so many branches died in the past, the body is dead, the living part forms only the tip"). Wir sind dabei in Down House, wo Darwin lebte und wirkte, folgen ihm auf eine Vulkaninsel, leiden mit, als seine Tochter Annie 10jährig stirbt, blicken ihm bei der Erforschung der Rankenfusskrebse über die Schulter und sitzen schliesslich an seinem Totenbett.

Eines ist sicher: wenn man sich ein paarmal durch das "Album" (höhö) gehört und das "Booklet" (höhö) gelesen hat, dann hat man eine grobe Ahnung vom Leben Darwins. Als Musikinteressierter reicht das aber nicht; mir zumindest.

Erfüllt das Werk denn auch musikalische Ansprüche? Bedingt. Auf der Habenseite steht sicher die dichte und vielfarbige Instrumentierung. Es wurde bereits erwähnt, dass XII Alfonso hier dutzende von Instrumenten verwenden. Vieles spielen die Bandmitglieder selber, anderes wird durch illustre Gäste performed. Dem muss ich Respekt zollen. Die Stücke weisen dadurch eine Klangfarbenvielfalt und mitunter auch eine stilistische Vielfalt auf, die das Album interessant macht. Wenn dann auch noch die Komposition gelungen ist, sind XII Alfonso genau da, wo ich sie haben will und wie ich sie auf Claude Monet Vol. 1 lieben gelernt habe. Das gelingt ihnen etwa ein halbes Dutzend mal. Und das ist leider zu wenig. Highlights des Albums sind "The letter from Henslow" auf CD1, welches interessante Akkordfolgen aufweist und dadurch als eines der wenigen wirklich progressiv ist. Dann "Tierra del Fuego" mit exotischem Flair. Auf CD2 gefällt mit "Salting the seeds" ein flottes, von Schlagzeug (aus der Konserve) dominiertes und Saxophon getragenes Instrumental.

Auf CD3 schliesslich findet sich mit "Slave Makers" ein von Fanfarenkeyboards, Marschtrommel und Gitarren geprägtes, rockiges aber auch erhabenes Oeuvre, welches zudem ein beinahe Howe`sches Gitarrensolo enthält. Schliesslich überzeugt noch das epische "Mysterious Illness" mit schönem Saxophon und einem im Verlauf immer exstatischer werden Synthesizersolo, unterfüttert von wuchtig-mächtigem Schlagzeug. In solchen Momenten ist das Album auch schön progressiv, hat Ecken und Kanten, haben die Stücke innere Abwechslung. Das Gros der Stücke ist jedoch sehr ähnlich, stets in einem auf die Dauer ermüdenden Midtempo gehalten, so dass irgendwie die Spannung verlorengeht. Nun, Douze Alfonso sind keine Rockband. Das wird hier deutlich. Ihre Stärken liegen in Melodien, in Instrumentierungen, in Stimmungen.

Man kann ein Leben sicher auch kürzer erzählen oder in kleinere Portionen aufteilen, wie die Franzosen das selber zum Beispiel bei Claude Monet gemacht haben. Der Vorteil dabei ist nicht nur, dass der Hörer nicht durch die pure Menge an Musik überfahren wird, sondern auch, dass die Musiker sich zwischen zwei Alben weiterentwickeln und das Ganze so vermutlich abwechslungsreicher, die einzelnen Alben stilitisch vielfältiger werden. So bleibt es für den Hörer schwierig, sich diesem Werk zu nähern. Man muss es beinahe portionenweise hören und langsam erschliessen, um es schliesslich ganz hören zu können.

Für wen ist Darwin geeignet? Ich denke, diejenigen, die Douze Alfonso bisher mochten, sind auch bei Darwin gut aufgehoben. Dann diejenigen, die auf ruhige, folkige, melodiöse Stücke stehen. Schliesslich all jene, die sich an üppiger Aufmachung erfreuen können.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 2.2.2013
Letzte Änderung: 2.2.2013
Wertung: 9/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Douze Alfonso

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1996 The lost frontier 8.00 2
1999 Odyssees 8.00 2
2001 Claude Monet Vol. 1 14.00 1
2001 El Canto De Las Piedras - 1
2003 This is 11.00 1

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