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Ritual (USA)

Trials Of Torment

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1993
Besonderheiten/Stil: Metal; Progmetal
Label: Massacre Records
Durchschnittswertung: 11/15 (1 Rezension)

Besetzung

Juan Ricardo Gesang
Bob Allerton Gitarre
Mike Ruzsbanszki Gitarre
Jack Kilcoyne Bass
Emery Ceo Schlagzeug

Tracklist

Disc 1
1. She Rides The Sky 5:03
2. Where I Belong 5:56
3. Espionage 4:50
4. Addicted To Fear 4:47
5. The Forgotten 5:33
6. Pain Of It All 4:46
7. In The Dungeon 5:50
8. Dementia 3:22
9. Obscured By Twilight 6:30
10. City Of The Dead 4:13
Gesamtlaufzeit50:50


Rezensionen


Von: Gunnar Claußen @


Zeit für eine kleinere Rarität: "Trials Of Torment" ist das einzige Album von Ritual und wurde offenbar mal wieder im falschen Jahr beim falschen Label veröffentlicht. 1993 konnte man offenbar mit gleichsam technischem wie melodischem Metal nicht mehr groß rauskommen. Die Musik hat aber durchaus noch einen näheren Blick verdient.

Zwar klingt der Opener "She Rides The Sky" noch durchwegs nach US-Power-Metal à la Helstar, Omen oder Heir Apparent, und das Intro hat man offenkundig von Overkills "Time To Kill" geklaut. Allerdings zeigt sich recht schnell, dass Ritual womöglich noch mehr dem technischen Thrash von Bands wie Watchtower oder Anacrusis huldigen. Und das bedeutet, dass es auf "Trials Of Torment" in Stücken wie "Where I Belong", "The Forgotten" oder "In The Dungeon" immer wieder filigranes, einfallsreiches Riffing und vertrackte Rhythmusarbeit am Rande der Virtuosität zu hören gibt. In einigen Nummern, beispielsweise "Addicted To Fire" oder "Dementia", kommen mit gewollt dissonanter Gitarrenarbeit gar noch Erinnerungen an Voivod zu "Dimension Hatröss"/"Nothingface"-Zeiten auf.

Wirklich schön anzuhören und ein weiterer Pluspunkt für Ritual ist die Zusammenarbeit von Gitarre und Gesang. Letzterer braucht angesichts der sirenenhaft hohen, aber niemals kreischigen Stimme von Juan Ricardo keinen Vergleich mit über die Genregrenzen hinaus bekannten Größen wie Geoff Tate oder gar John Arch zu scheuen (aber das muss James Rivera von den referenzierten Helstar ja auch nicht, und dem klingt er ebenso ähnlich). Das ist gerade in den Voivod-artigen Songs ein echter Gewinn gegenüber dem hüben vorhandenen Punk-Gesang von Denis "Snake" Belanger. Die Gitarrenarbeit indes ist derart verspielt und melodisch, dass hier praktisch vor allem diejenigen Leute bestens bedient sein sollten, denen Fates Warning nach "No Exit" zu soft und ab "Disconnected" wiederum zu atonal erscheinen. Gelungene Soloeinlagen in dieser Richtung, die zudem alles andere als effekthascherisch-egozentrisch, sondern vielmehr sinfonisch (im Sinne von "zusammen klingend") ausgefallen sind, gibt es auf "Trials Of Torment" praktisch an jeder Ecke.

Ein kleineres Manko an "Trials Of Torment" ist es allerdings, dass die Kompositionen selber relativ konventionell gehalten sind. Strophen, Refrains und sonstige wiederkehrende Parts eben, anstatt von im klassischen Sinne durchexzerzierten Longtrack-Aufbauten. In Einzelfällen ("Espionage" etwa) fällt noch auf, dass zwischen den verschiedenen Songparts recht sprunghafte Brüche stattfinden. Das wirkt aber angesichts der genannten, herkömmlichen Strukturierung eher kontrastierend denn irreführend. Zuletzt ist der Sound nicht unbedingt optimal: Zwar ist alles recht klar zu hören, andererseits ist die Abmischung nicht so ganz ausdifferenziert. Der Bass z.B. ist kaum hörbar, und seine enorme Aktivität nach Steve-DiGiorgio-Manier ist in Stücken wie "Forgotten" oder "Pain Of It All" bestenfalls zu erahnen.

Unterm Strich spricht aber die Qualität der Musik für sich. Die Kompositionen sind trotz der geschilderten "einfachen" Aufbauten immer noch gut, werden äußerst gelungen interpretiert und machen insgesamt einen intelligenten und durchdachten Eindruck. Rituals einziges Album unter diesem Namen (zwischenzeitlich benannte man sich in "Ritual Of Torment" um und nahm alle Stücke dieses Albums 2006 neu auf) ist damit insgesamt ein überaus gutes Werk in der Schnittmenge von Thrash und Progressive Metal, das jeden Fan der genannten Bands aus beiden Lagern mindestens zustimmend nicken lassen sollte.

Bleibt abschließend noch die Frage: Wie kommt man nun an dieses Schätzchen? Eine Neuauflage gibt es zwar nicht, aber LP- und CD-Pressungen der Originalausgabe finden sich mehrmals pro Monat bei Ebay und können mit etwas Glück für den Preis einer aktuellen Neuerscheinung ersteigert werden. Das ist gar nicht so viel und angesichts der musikalischen Qualität allemal lohnenswert.

Anspieltipp(s): Addicted To Fire, City Of The Dead, The Forgotten
Vergleichbar mit: vielem, und damit wohl am ehesten Steel Prophet
Veröffentlicht am: 31.7.2012
Letzte Änderung: 7.8.2012
Wertung: 11/15
gelungener Prog-/Thrash-Metal-Querschnitt

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