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Altare Thotemico

Sogno Errando

(Tipp des Monats 6/2013)
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2013
Besonderheiten/Stil: Jazz; Jazzrock / Fusion; Psychedelic; RIO / Avant; sonstiges
Label: Ma.Ra.Cash Records
Durchschnittswertung: 12/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Gianni Venturi voice
Emiliano Vernizzi sax
Gabriele Toscani violin
Leonardo Caligiuri piano
Valerio Venturi bass
Max Govoni drums

Tracklist

Disc 1
1. D'amore e Altri Tormenti 5:48
2. Le Correnti Sotterranee 12:26
3. Petali Sognanti 4:56
4. Broken Heart 16:46
5. Porpora 6:00
6. Sogno Errando 11:50
7. Neuro Psycho Killer 7:41
Gesamtlaufzeit65:27


Rezensionen


Von: Thomas Kohlruß (Rezension 1 von 2)


Aus heiterem Himmel hat mich dieses Album erwischt und in einen düsteren Schlund voller Höllengestalten, finsterer Gesellen und dramatischer Ereignisse gezogen. Die Formation Altare Thotemico war mir bislang unbekannt. „Sogno Errando“ ist aber schon das zweite Album der 2009 in Bologna gegründeten Band. Die beiden Band-Gründer Gianni Venturi und Leonardo Caligiuri haben sich mit Emiliano Vernizzi, Gabriele Toscani, Valerio Venturi und Max Govoni Mitstreiter der Extra-Klasse für ein Album der Extra-Klasse gesucht.

„Sogno Errando“ zieht den Hörer in einen aufwühlenden Strom eigenwilliger, anstrengender, fordernder Musik. Treibende Jazzrock-Passagen, düstere Kammerprog-Momente, improvisatorische jazzige Läufe, schräge Rock-Einlagen, an moderne klassische Kammermusik gemahnende Elemente und völlig kratzig-quietschige Lärmattacken fallen über den Hörer her. Obwohl das Album schon wegen der Instrumentierung einen eher akustischen Charakter hat, wird stellenweise gerockt wie Hölle, gibt es stellenweise schräge psychedelische Freakouts, die völlig ohne Elektrik auskommen. Viele der Klang- und Geräuscheffekte sind anscheinend manuell erzeugt. Und trotzdem schafft es die Band auch immer wieder voll und satt zu klingen und – wenn das Saxophon ordentlich röhrt – so ein Van der Graaf-Feeling heraufzubeschwören. Überhaupt, wenn man Vergleiche sucht, dann landet man bei einem Cocktail aus Area, Van der Graaf Generator, Deus Ex Machina und Nichelodeon. Wobei vielleicht sogar Nichelodeon der passendste Vergleich ist. Die instrumentalen Leistungen sind durchweg beeindruckend, herauszuheben ist aber das sensationelle Spiel von Schlagzeuger Max Govoni. Govoni wächst weit über die Rolle eines Rhythmus- und Taktgebers hinaus und begleitet die Melodielinien der Songs sozusagen perkussiv.

Ach ja... Gianni Venturi. Der Sänger und Dichter prägt das Album auf seine Weise. Sein exaltierter Gesang, der mit Schreien, Röcheln, Flüstern, theatralisch-überdrehten Passagen die Grenzen auslotet und auch überschreitet. Diesen Vortrag muss man als Hörer schon abkönnen, das ist nicht immer angenehm, schon gar nicht melodisch, aber ungemein beeindruckend und faszinierend. Im abschließenden "Neuro Psycho Killer" macht man sich dann schon ernsthafte Sorgen um den geistigen Gesundheitszustand des Sängers. Ein weiterer außergewöhnlicher italienischer Sänger in der Tradition eines Demetrio Stratos (Area), eines Alberto Piras (Deus Ex Machina) oder eben eines Claudio Milano (Nichelodeon).

„Sogno Errando“ ist ein faszinierendes, höchst anstrengendes, aber mitreißendes Album außergewöhnlicher Rockmusik mit jazzigen und avantgardistischen Tendenzen. Beeindruckend!

Anspieltipp(s): ganz hören! ...oder wenn schon, eventuell "Broken Heart" oder "Neuro Psycho Killer"
Vergleichbar mit: am ehesten mit Nichelodeon, aber auch Area, Deus Ex Machina sind Anhaltspunkte
Veröffentlicht am: 4.5.2013
Letzte Änderung: 4.5.2013
Wertung: 12/15
...an der Grenze zum Meisterwerk...

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Von: Thorsten Gürntke @ (Rezension 2 von 2)


Es gibt Alben, die einfach übersehen werden. Wegsortiert. Und überhört.

Eigentlich unerhört!

Im Falle von Altare Thotemicos „Sogno Errando“ frage ich mich schon, wieso ich meine Ohren so lange auf Durchzug stehen hatte. Echt jetzt, das Album ist seit vier Jahren hier. Vier Jahre, quasi ungehört. Vier Jahre, in denen es dann letztlich im Regal warten musste. Und nur durch das Aussortieren von CDs, fällt mir diese Scheibe in die Hände und ich frage mich: „Was ist das eigentlich für Musik? War das gut? Ich kann mich nicht erinnern!“ Manchmal ist es eben komisch. Wahrscheinlich habe ich das Album seinerzeit gekauft und gleichzeitig noch ne Menge Promos zu hören gehabt. Dabei ist dann dieses Album untergegangen. Wegsortiert. Überhört.

Unerhört!

Denn das, was die Italiener hier abliefern ist feinste Prog-Jazz Kost. Anleihen an die frühen 70er finden sich darin, sogar die großartigen Area leuchten auf, schon aufgrund des theatralischen und herausfordernden Gesanges von Gianni Venturi. Altare Thotemico zelebrieren teils treibenden, teils zähen Jazzrock, würzen diesen mit einer Mischung aus der Geradlinigkeit symphonischer Anteile und kammermusikalischer Anstrengung* (*Ich empfinde Kammermusik als anstrengend. Tust du das nicht, ersetze Anstrengung durch ein Substantiv deiner Wahl). Nicht selten führt das Saxophon mit wunderbaren Melodien in die Songs, perlende Pianopassagen hüpfen federleicht dazwischen, während ein knarzender Bass das Gesamtbild erdet. Das Fehlen einer Gitarre wird durch eine elektrische Violine erstaunlich gut kompensiert.

In den teils recht langen Kompositionen passiert enorm viel. Oft bestehen sie aus mehreren Teilen, die ein eindrucksvolles Gesamtbild abliefern, obwohl man anfangs gewillt ist, die Zusammenhänge erst suchen zu müssen. Im eröffnenden „Le Correnti Sotterranee“ findet neben zahlreicher solistischer Ergüsse auch ein kurzes Schlagzeugsolo seinen Platz. Bewusst gestreute Dissonanzen sorgen oft für den entscheidenden Stirnrunzler, dessen wegen man sich noch einmal mit den Songs auseinandersetzen mag. Harmonische kurze Stücke bringen auch immer wieder leichteren Jazz auf den Plan. Die Grundstimmung im Album ist aber eher traurig und schwer, bedingt durch die Tonarten und des rauen, schmachtenden italienischen Gesanges wegen.

Wer sich mit diesem Album beschäftigt, sollte die Offenheit für den Jazz mitbringen. Meiner Ansicht nach ist es wirklich fantastisch, was die Band hier abfeiert. Ein Album, das einem verregneten Herbstabend etwas Schönes geben kann, das die Wärme unter einer weichen Kuscheldecke anfeuert und mit seiner ganzen Theatralik einen tiefen Atem erzeugt. Keine so schlechten Parameter für ein eher anspruchsvolles, schwermütiges und forderndes Werk.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 8.10.2017
Letzte Änderung: 8.10.2017
Wertung: 12/15

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