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Pain of Salvation

In The Passing Light Of Day

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2017 (erscheint am 13.1.2017)
Besonderheiten/Stil: Progmetal
Label: Insideout
Durchschnittswertung: 12/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Daniel Gildenlöw vocals,guitars, lute, accordion, zither
Ragnar Zolberg guitars, vocals, samplers, accordion, zither
Daniel D2 Karlsson grand piano, keyboards, backing vocals
Gustaf Hielm bass, backing vocals
Léo Margarit drums, percussion, backing vocals

Tracklist

Disc 1
1. On A Tuesday 10:22
2. Tongue Of God 4:53
3. Meaningless 4:47
4. Silent Gold 3:23
5. Full Throttle Tribe 9:05
6. Reasons 4:45
7. Angels Of Broken Things 6:24
8. The Taming Of ABeast 6:33
9. If This Is The End 6:03
10. The Passing Light Of Day 15:31
Gesamtlaufzeit71:46


Rezensionen


Von: Jörg Schumann @ (Rezension 1 von 2)


Pain of Salvation is back! Eigentlich waren sie ja nie wirklich weg, irgendwie aber doch.

Demnächst erscheint das neu(nt)e Album der schwedischen Progmetaller. Ihr erstes seit 10 Jahren. Seit 10 Jahren? Aber sicher. Linoleum E.P. war ja eine EP und stilistisch eine Mischung aus Hard- und Alternative Rock. Dann folgten die beiden bluesigen Streusalz HardRock-Alben und schliesslich das folkige Akustik-Album Falling Home. Ja eigentlich war sogar Scarsick schon kein reines Progmetal-Album mehr. Und BE (ChinassiaH) sowieso nicht. Eigentlich haben Pain of Salvation mit jedem Album ab BE ihren Stil gewandelt und neue Elemente eingebaut. BE und Scarsick fand ich beide sehr gelungen, mit den Salz-Alben konnte ich dann weniger anfangen.

Nun legen Daniel Gildenlöw und seine Band, die in dieser Zusammensetzung seit 4 Jahren besteht, ein Album vor, das den Stil der ersten Alben von Entropia bis Remedy Lane zurückbringt und trotzdem auch anders ist. Fans der ersten Stunde werden dankbar sein.

Zuallererst muss man aber dankbar dafür sein, dass es überhaupt nochmals ein Pain of Salvation Album gegeben hat. Verbrachte doch Daniel Gildenlöw die erste Hälfte des Jahres 2014 im Krankenhaus und wäre beinahe an einer nekrotisierenden Faszitis gestorben. So entstanden viele Kompositionen unter dem Eindruck der Vergänglichkeit des Lebens und dem jederzeit möglichen Tod und thematisieren die Stücke die widerstreitenden Gefühle, die ein Mensch in einer solchen Situation empfindet. So wurde es insgesamt ein eher düsteres Album, welches aber auch von der Schönheit des Unvermeidlichen und von Hoffnung handelt.

Das Album beginnt mit sägenden, gegen den Grundrhythmus stolpernden Gitarrenriffs, harten synkopierten Beats, der Sound ist aggressiver als früher, irgendwie dreckiger auch. Darüber legen sich Vokalharmonien, die man so von den ersten Alben kennt. Es wechseln sich Passagen, die rocken wie Sau, mit ruhigen Einschüben, ab. DoubleBass-Gewitter, schneidende Gitarrensoli, zartes Piano, zerbrechlicher Gesang. Ein starker Einstieg. "Tongue of God" ist der nächste Kracher und macht in ähnlichem Stil weiter. "Meaningless" beginnt mit einem irgendwie klagenden Riff, das in einen stotternden Rhythmus übergeht, gefolgt von richtig fetten Gitarren. Der Gesang dieses im Verlauf im midtempo gehaltenen Stückes ist hoch und eindringlich. Das Album wird immer stärker.

Bevor die Kracher kommen, schiebt man mit "Silent Gold" als Kontrapunkt noch eine stille Ballade, eine Ruheinsel im Riffgewitter, ein.

Es folgt der Höhepunkt des Albums. "Full Throttle Tribe". Etwas Vergleichbares haben Pain of Salvation noch nicht gemacht. Polymetrik, geniale Polymetrik. Hammer! Aus einem hohen 4/4-Gong wird ein hämmernder 4/4-Bass-Schlag. Über diese 4 Schläge werden 7 Hihat-Beats darübergelegt. Klasse. So stolpert das Stücke weiter, synkopierte reingetupfte Gitarrenriffs kratzen und beissen die Trommelfelle. Es folgt ein Mittelteil, in welchem alle paar Naslang verschiedene Metren übereinander geschichtet werden: 3 über 4, 5 über 4, dann 7 über 4. Nach einem ruhigen Interludium kommt wieder der Pilotton-Gong, der Bass, erneut ein wildes Rhythmusgewitter bis man am Ende ein brachiales Riff über einen fetten schweren Beat legt; 7 Riffs auf 6 Schläge, dann 5 auf 6, schliesslich ein 5/4-Takt gefolgt von 3 Riffs als Triolen. Dieses Stück ist im Werk der Schweden ohnegleichen.

Und als wäre es noch nicht genug, legt man mit "Reasons" gleich noch eine Schippe nach. Erneut Polymetrik, im Wechsel mit im Stakkato vorgetragenen Acapella-Gesang, unisono mit harten Riffs. Kurzes Geshoute, dann ein treibender Schlagzeugrhythmus, hingetupfte zarte Keyboard-Akkorde, ein warmer Bass, wieder Stakkato-Massage, am Ende ein wildes Schlagzeugsolo zu den Gitarren. Auch "Reasons" ist einzigartig.

"Angels of Broken Things" ist zuerst ein sehr ruhiges Stück. Doch auch hier. Polymetrik. Ein monotoner warmer Bass, das Schlagzeug spielt zuerst 4/4. Die Akustikgitarre spielt 3 Töne auf diese 4 Beats. Gildenlöw singt dann fünf Töne über 7 Beats. Das ist alles so perfekt, dass mir beim Schreiben die Haare zu Berge stehen. Dann 8/8, 9/8. Schliesslich mündet das Stück in ein ganz grosses, nicht enden wollendes Gitarrensolo, das durch Beckengewitter angefeuert wird. Wow! Das Ende ist wieder 3 über 4.

"The Taming of a Beast" wirkt nach diesen drei grossartigen Stücken mit seiner einfachen, straighten 4/4-Rhythmusstruktur beinahe ein wenig blass. Macht aber nichts. Es rockt dafür fett.

"If this is the End" ist ein sehr introvertiertes Stück, geprägt von Akustikgitarre, Akkordeon und der zerbrechlichen Stimme Gildenlöws. Zwischendurch werden heftige, stampfende Riffs eingeschoben. Trauer? Angst? Trotz? Wut? Berührend.

Er folgt der Longtrack des Album, das Titelstück. Bis Minute sechs sehr zart, nur Stimme und akustische Gitarre, Finger, die über das Griffbrett quietschen..., ich liebe das. Dann wird es kurz intensiver, die E-Gitarre übernimmt mit einer "singenden" Melodie, die Band setzt als Ganzes ein, das Stück wird bombastischer, bevor es wieder zur Ruhe des Anfangs zurückkehrt und die Platte mit Streichern und Flötenkeyboard ausklingt. Dankbarkeit. Glück.

Anspieltipp(s): Full Throttle Tribe, Reasons
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 9.1.2017
Letzte Änderung: 9.1.2017
Wertung: 13/15
wie früher und doch neu

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Von: Thorsten Gürntke @ (Rezension 2 von 2)


Pain Of Salvation habe ich in den frühen 2000er Jahren aus den Augen verloren. Nachdem sie mich einen Großteil der 90er Jahre begeistert hatten, war ich irgendwann satt. Remedy Lane war daher das letzte Album, dem ich mehr Aufmerksamkeit gewidmet hatte. Alles was danach kam ging an mir vollkommen bedeutungslos vorüber. Zwar kenne ich auch „Scarsick“ und habe auch die Veränderungen auf den „Road Salt“ Alben gehört, es hat mich aber nicht mehr interessiert. Nun kommt mit „In The Passing Light Of Day“ ein neues Album, nachdem man zur Jahresmitte bereits „Remedy Lane Re:Mixed“ veröffentlichte. Für mich geht also die Entwicklung Pain Of Salvations jetzt quasi nahtlos nach „Remedy Lane“ weiter.

„In The Passing Light Of Day“ machte mich vor allem deshalb neugierig, weil die Band hier anders auftritt als in den frühen 2000ern. Ich war beim ersten Hören des Albums sogar versucht zu sagen, sie haben ihren ureigenen Sound der 90er geerdet und finde nach wie vor, dass es das gut trifft. Reduced to the maximum sozusagen. Die Wucht, die das Album entfacht ist einfach nur ehrlich. Da ist nichts aufgeblasen oder vollgestopft mit Samples. Ein wenig erinnert mich der Klang zeitweise gar an brachiale Industrial Momente, so düster kommen die Songs teilweise rüber. Abgerundete Ecken gibt es hier nicht, alles wirkt etwas roh und ungeschliffen. Und dennoch hörst du, nicht zuletzt aufgrund Gildenlöws Stimmfarbe, aber eben auch in der Instrumentierung diese typischen Pain of Salvation Trademarks raus. Und plötzlich ist sie wieder da, die Freude am Hören eines Pain Of Salvation Albums, die ich fast 15 Jahre nicht mehr verspürt hatte.

Der Weg zu diesem Album war für Gildenlöw kein leichter und das spiegelt sich auch textlich wider. Bedingt durch eine Krankheit im ersten Halbjahr 2014 setzte er sich sehr mit Fragen über Leben und Tod auseinander. Diese Thematik wird im Albumkontext aufgegriffen. In Ermangelung eines Booklets kann ich mich leider an dieser Stelle nicht weiter darüber auslassen. Lese ich andere Rezensionen zum Album, geht es aber hauptsächlich darum, welche Gedanken und Gefühle Gildenlöw in der schwierigen Zeit seiner Krankheit erreichten. Die gibt er nun in diesem Album weiter.

Aus diesem Grund ist das Album sehr düster und geerdet. Entsprechend des textlichen Inhaltes wird auch musikalisch eher schwermütig und emotional gearbeitet. Die Band spielt mit Stimmungen und während der Anfang noch recht hart und aufgewühlt daher kommt, wird mit zunehmender Spieldauer der Faktor Pathos immer wichtiger. Mag sein, dass das zum lyrischen Konzept gehört, ich verliere mich in diesen pathetischen Stücken oft und es fällt mir vor allen beim abschließenden Titelstück schwer, diesen Gefühls-Overkill zu ertragen.

Im Großen und Ganzen kann man aber sicher feststellen, dass Pain of Salvation mit einem beeindruckend ehrlichen Werk wieder zurück sind. Mir persönlich gefällt der Spannungsbogen in der ersten Albumhälfte deutlich besser. Ob das Album als Gesamtwerk noch einen anderen Charakter gewinnen wird, wenn ich dann die CD erworben habe und die Texte mitlesen kann? Ich lass mich überraschen.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 11.1.2017
Letzte Änderung: 11.1.2017
Wertung: 11/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Pain of Salvation

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1997 Entropia 10.33 3
1998 One Hour By The Concrete Lake 11.33 3
2000 The Perfect Element I 9.50 2
2002 Remedy Lane 10.50 2
2004 12:5 11.00 1
2004 BE (ChinassiaH) 10.50 2
2005 BE (Chinassiah) DVD/CD 12.00 1
2007 Scarsick 12.00 3
2009 Ending Themes - On The Two Deaths Of (2DVD) 11.00 1
2009 Linoleum E.P. 11.00 1
2010 Road Salt One 12.50 3
2011 Road Salt Two 11.00 2
2014 Falling Home 11.50 2

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