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Anakdota

Overloading

(Tipp des Monats 1/2017)
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2016
Besonderheiten/Stil: Jazzrock / Fusion; RetroProg
Label: Fading Records (AltrOck)
Durchschnittswertung: 11/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Ray Livnat Gesang
Ayala Fossfeld Gesang
Erez Aviram Klavier, Keyboards
Guy Bernfeld Bass
Yogev Gabay Schlagzeug

Gastmusiker

Yoel Genin Gitarre (4)

Tracklist

Disc 1
1. One More Day 7:03
2. Different Views 5:43
3. Late 4:20
4. Mourning 5:28
5. Overloading 7:09
6. Staying Up Late 8:24
7. Girl Next Door 5:01
8. End Of The Show 5:59
Gesamtlaufzeit49:07


Rezensionen


Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 1 von 2)


Anakdota ist ein 2013 gegründetes Quintett aus Israel, dessen Debüt Overloading Ende 2016 bei Fading Records, dem AltrOck-Sublabel für die eher retroproggig ausgerichteten Bands, erschien. Die Band spielt in einer recht ungewöhnlichen Besetzung: doppelt besetzter Gesang (männlich und weiblich), keine Gitarre (nur einmal von einem Gastmusiker), und die Tasten beschränken sich fast komplett auf Klavier. Ungewöhnlich sind aber auch die Klänge, die Anakdota auf ihrem Debüt fabrizieren.

Die Band versteht es, auf geschickte Weise Eingängigkeit und Komplexität zu verbinden. Denn obwohl die Songs angenehm in die Gehörgänge gleiten, stecken sie doch voller seltsamer Wendungen und verborgener Widerhaken. Im Vordergrund steht dabei das Klavier (meist akustisch, gelegentlich auch als E-Piano) mit vielfältigen Klängen, deren Ursprünge oft im Jazz, speziell im Ragtime, liegen, bisweilen auch klassisch orientiert sind. Die schlanke Besetzung, insbesondere der weitgehende Verzicht auf Orgel und Synthies, vermeidet dabei jeglichen Anflug von Bombast. Wenn Erz Aviram doch einmal in die Synthie-Tasten haut, etwa gleich im einleitenden One More Day, treibt es die Musik auch in retro-progressive Gefilde. Der knackige Bass und wuselige Schlagzeug begleiten das Ganze souverän.

Die Songs verfügen dabei über eine unterschwellig humoristische Komponente, klingen stets ein wenig neckisch, vor allem die von Ray Livnat gesungenen. Wenn Ayala Fossfeld das Mikro übernimmt, ist die Stimmung von eher verträumter Art, das Klavier ergeht sich in romantisierenden Klängen. Der Kontrast der beiden Stimmen verleiht dem Album dabei einen zusätzlichen Reiz. Besonders schön gemacht ist das Im abschließenden End of the Show, wo beide im Duett zu hören sind.

Mit Overloading ist Anakdota ein schönes Debüt (und den Machern von AltrOck wieder ein guter Fang) gelungen, das Liebhabern jazziger Klänge empfohlen sei. Hoffentlich kommt da noch mehr!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 29.12.2016
Letzte Änderung: 29.12.2016
Wertung: 11/15

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Von: Achim Breiling @ (Rezension 2 von 2)


Interessant! Das Label bewirbt das Debuetalbum von Anakdota mit Vergleichen zu Gentle Giant und Genesis. Ersteres passt stellenweise zumindest in Bezug auf die komplex-verzwirbelten Gesangseinlagen (ab und zu im Titelstück z.B.). In instrumentaler Hinsicht hinken aber beide Vergleiche (und wohl auch in stilistischer), sind Anakdota doch sehr viel schlichter und fast ohne elektronisch erzeugte Tastenklänge tätig. Ist das überhaupt Prog?

Eigentlich erklingt hier ein munteres, jazzig-vertrackt rockendes Pianotrio, zu dessen virtuosem Treiben zwei Vokalisten (selten gleichzeitig) ihr Können zeigen. Dem Rezensenten würden dabei eher Begriffe wie Artpop, Jazz oder Kunstlied in den Sinn kommen. Allerdings wird die Musik durchaus sehr dynamisch und kantig vorgetragen. Und wenn Erez Aviram doch einmal in die Tasten eines elektronischen Klangerzeugers greift, dann bekommen die Klänge durchaus einen retroprogressiven, oder fast neoprogressiven (man höre die quietschenden Sounds am Ende des einleitenden "One More Day") Charakter.

Die Vortragsweise Livants und Fossfelds ist sicher nicht im Rock verwurzelt. Fein artikuliert und deutlich wird Gesungen, eher wie in einem Schubertlied, dabei pop-lastig-luftig, ausladend, mit Volumen und meist recht expressiv. Kunstliedprog? Der Gesang ist sicher auch der Knackpunkt hier. Wer mit ausgiebigen, bisweilen recht exaltierten Stimmdarbietungen (insbesondere die von Ray Livant; Ayala Fossfeld ist eher für die getrageneren, elegisch-stimmungsvollen Momente zuständig) nicht klarkommt, der sollte wohl eher einen Bogen um "Overloading" machen. Eigentlich würde sich auch der Rezensent zu letzteren Zeitgenossen zählen, doch ist das hier einfach zu gut gemacht und zu virtuos vorgetragen, um sich am ausgiebigen Gesang wirklich zu stören. Allzu oft hintereinander kann ich mir die Scheibe aber auch nicht anhören.

Ein besonderes Lob verdient Guy Bernfeld am Bass, dessen druckvolles, butterweiches und ungemein vielseitiges Spiel sehr viel Spaß macht. Aber auch Yogev Gabay am Schlagzeug hat einiges auf dem Kasten und ist ausgesprochen dynamisch und verspielt am Drummen. Bei einer solch exzellenten Rhythmusabteilung kann eigentlich nicht mehr viel schief gehen.

Mit "Overloading" haben Anakdota ein sehr gelungenes Debüt am Start, das sicher eher am Rande des Progspektrums angesiedelt ist, aber ein durchaus eigenes Gemenge aus Pop, Jazz und Rock bietet. Schön!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 15.1.2017
Letzte Änderung: 21.1.2017
Wertung: 11/15

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