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Metroland

Thalys

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2014 (EP)
Besonderheiten/Stil: Elektronische Musik
Label: Alfa Matrix
Durchschnittswertung: 9/15 (1 Rezension)

Besetzung

Passenger A
Passenger S

Tracklist

Disc 1
1. Thalys - Le départ 5:19
2. Thalys - Deuxième étape 5:52
3. From Station To Station - [f] 4:50
4. Thalys - Version:Jonteknik 6:01
5. From Station To Station - Elemental 9:09
6. Thalys - Northern Kind Remix 5:53
7. Thalys - Düsseldorf Edit 4:37
Gesamtlaufzeit41:41


Rezensionen


Von: Gunnar Claußen @


Der Trans-Europ-Express verkehrt schon seit 30 Jahren nicht mehr. Wer heute nach dem Rendezvous auf dem Champs-Élysées Paris am Morgen verlassen möchte, um später in Düsseldorf City einzulaufen (wo Iggy Pop wohl kaum und David Bowie definitiv nicht mehr anzutreffen sind), steigt heutzutage in den auf der Technik des TGV basierenden Thalys. Wohin also die Reise mit der EP "Thalys" des recht mysteriösen Duos Metroland, bestehend aus Passenger A und Passenger S, gehen wird, ist so gesehen also eigentlich schon von vornherein klar. Im Gegensatz übrigens zur Veröffentlichungspolitik: Es gibt neben der hier vorgestellten EP noch jeweils "Düsseldorf"-, "London"- und "Paris"-Editionen, auf denen jeweils unterschiedliche Versionen der Stücke "Thalys" und "Station To Station" zuzüglich der auch auf der EP selber stehenden "Jonteknik"- und "Northern Kind"-Versionen von "Thalys" enthalten sind. Oder ist das doch nicht so ungewöhnlich? "Radio-Aktivität", "Trans Europa Express" und "Die Mensch-Maschine" waren damals ja auch schon ziemlich polyglotte Angelegenheiten, insofern passt diese Vielfalt hier nicht minder ins Bild.

Nun also zur Musik: Die Sequenz, mit der das eröffnende "Thalys - Le départ" eingeleitet wird, klingt zwar vergleichseweise boshaft, erweist sich aber natürlich als ziemlich einprägsam. Dem gegenüber stehen zudem noch genügend Elemente und Versatzstücke, die direkt aus dem Kraftwerk-Kosmos herübergeholt wurden: Diese auf- und absteigende Percussion, Morsecode-artige Sounds wie aus "Abzug" und eine Übernahme der Sequenz durch Chor-Effekte sind doch allesamt bestens bekannt. Zugleich schlagen Metroland hier aber auch eine Brücke in die jüngere Vergangenheit, denn der Einsatz von Sprach-Samples und Vocoder-Gesang erinnert eher an "Tour de France" oder die "Expo 2000"-Single. Im folgenden "Deuxième ètape" gehen die Assoziationen aber noch weiter: Erst dominieren diese "Abzug"-Sounds, begleitet von einer Variation der Chor-Version der "Le départ"-Sequenz, dann kommen auf einmal weitere Orchestersounds und eine gesampelte Gitarre ins Bild, und über eine Veränderung des Rhythmus landen wir auf einmal bei diesen perkussiven "Metall auf Metall-Effekten. Gegen Ende gibt es dann aber die Rückkehr zur "Thalys"-Melodie und gleichsam eine Synthese mit "Le départ".

Ein gewisser Minimalismus ist hier natürlich nicht von der Hand zu weisen - entsprechend werden auch in den kommenden 28 Minuten kaum nennenswerte neue Elemente hinzukommen, stattdessen variieren Metroland (und die offenbar beteiligten Zuarbeiter) das bekannte Material. Und trotzdem bleibt es spannend. Zunächst einmal gibt es nämlich in "From Station To Station" - hier in der "[f]"-Version, die somit also auch auf "Paris" zu finden ist - zwar zunächst einen kurzen Anriss der "Thalys"-Sequenz, der aber "nur" zu einem bombastischen Intro führt. Danach aber entspinnt sich eine eher EBM-artige Nummer, die angesichts von Gesangs-Samples ("Düsseldorf, Duisburg, Köln") teilweise sogar an Laibach erinnert. Zugleich geht diese Machart aber trotzdem mit Kraftwerk konform, denn eine Formulierung wie "from station to station, from nation to nation" würde man beiden Truppen vorbehaltlos abnehmen. Später fällt noch auf, dass einige Streicherspuren recht ähnlich eingesetzt werden wie anno 1977 - ergo sitzen wir hier schon wieder im TEE. Kurios!

Die folgenden Varianten der bekannten Thematik schaffen es ebenfalls, neue Seiten aufzudecken. Die "Elemental"-Fassung von "Station To Station" beispielsweise entwickelt den beschriebenen EBM-Part aus einer simplen Sequenz aus nur drei verschiedenen Tönen und schiebt in diesen noch zeitweilig Synthieflächen als Begleitung ein, was die ganze Nummer in diesem Zusammenhang wieder an die "Expo 2000"/"Tour de France"-Phase anlehnt. Die "Northern Kind"-Version von Thalys bietet dagegen eine verspieltere, neckische Version der Sequenz, bleibt ansonsten aber überraschend einförmig - es gibt kaum strukturierende Elemente, und hiermit langweilt dieses ansonsten lebhafte Stück recht schnell. Der "Düsseldorf Edit" schließlich macht seinem Vorbild mit einem langen, offenbar elektronisch vorgesprochenen Text dann noch mal alle Ehre. Aus dem Rahmen fällt indes noch "Version:Jonteknik", das zunächst die "Thalys"-Sequenz mit Streichern intoniert, danach aber mit einer einfachen Bassbegleitung, über die bald Vocoder-Stimmen mit schönen Harmonien gelegt werden, ungleich minimalistischer gestaltet ist - bis dann nach gut 1:40 auf einmal aus "Europa Endlos" bekannte Melodien in den entsprechenden Sounds intoniert werden! Das überrascht schon und sorgt für Erheiterung, auch wenn die Nummer an sich danach noch von einigen Wiederholungen geprägt ist.

Insgesamt aber sollte deutlich werden, dass Metroland einen sehr konkreten Plan verfolgen: Kraftwerk und ihre Themen werden hier ein Stück weiter gedacht, was wohl nicht nur das benannte Transportmittel und den an Bord gebotenen Komfort ("Reisen im Luxus, E-Mails lesen") angeht, sondern dann wohl auch erklären dürfte, warum sich auch "jüngere" Elemente wie diese "Expo"- und Laibach-Anklänge auf "Thalys" finden. Die Umsetzung des geschilderten Plans wäre damit als höchst adäquat und präzise zu bezeichnen, auch wenn es für meine Begriffe in der zweiten Hälfte ein bisschen zuviel der Wiederholung geht. Aber Metroland haben ja noch (viel) mehr Musik gemacht, und vielleicht findet sich dort ja nicht nur weitere spannende Musik, sondern auch die hier noch fehlende Direktverbindung zum Nachtcafé in Wien.

Anspieltipp(s): Viel Auswahl gibt's hier ja nicht, also ist es eigentlich egal.
Vergleichbar mit: Das muss ich wohl nicht erwähnen... ;)
Veröffentlicht am: 6.1.2017
Letzte Änderung: 5.1.2017
Wertung: 9/15
Ein Pünktchen Abzug wegen "Northern Kind"

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