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Lucid Dream

Otherworldly

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2016
Besonderheiten/Stil: HardRock; Progmetal
Label: Eigenproduktion
Durchschnittswertung: 8/15 (1 Rezension)

Besetzung

Alessio Calandriello Gesang
Simone Terigi Gitarre, Gesang
Gianluca Eroico Bass

Gastmusiker

Paolo "Paolo" Tixi Schlagzeug
Martina White Gesang
Andrea Cardinale Violine
Sylvia Trabucco Violine
Sara Calabria Viola

Tracklist

Disc 1
1. Intro 0:39
2. Buried Treasure 4:02
3. The Ring Of Power 4:59
4. Everything Dies 6:57
5. The Stonehunter 5:35
6. A Blanket Of Stars 1:16
7. Magnitudes 5:34
8. Broken Mirror 5:55
9. The Theater Of Silence 6:52
Gesamtlaufzeit41:49


Rezensionen


Von: Gunnar Claußen @


Schau an - Lucid Dream haben ein neues Album namens "Otherworldly" veröffentlicht, und so langsam dämmert mir, dass ich ja schon mal ein Album von denen besprochen hatte. Na sowas? "The Eleventh Illusion" jedenfalls hatte mir vor gut drei Jahren einigermaßen zu gefallen gewusst. Da ich dieses Album aber ehrlich gesagt mittlerweile schon längst wieder vergessen hatte, konnte ich relativ unbefangen an "Otherworldly" herangehen, auch wenn - soviel mal vorweg - einige der damaligen Assoziationen auch heute noch eingefallen sind. Da haben sich Lucid Dream wohl auch nicht viel mehr weiterentwickelt als meinereiner.

Beziehungsweise: Wenn ich mir "Otherworldly" anhören, gewinne ich heute den Eindruck, es mit vergleichsweise simpler Musik zu tun zu haben. Im Großen und Ganzen scheinen Lucid Dream anno 2016 (ja, da ist dieses Album erschienen) nämlich eher im Hardrock als knietief im Prog zu stehen. Es gibt mit "Buried Treasure", "The Ring Of Power" und "The Stonehunter" schließlich mehrere vergleichsweise kurze Songs, die recht geradlinige Riffs in hohem Tempo und übersichtlichen Arrangements präsentieren, wobei der teilweise harmonisierte Gesang à la Jorn Lande oder D.C. Cooper zwar genretypisch, aber ziemlich stark ausgefallen ist. Auch das balladesk eröffnete "Magnitudes" verfällt zur Halbzeit eher unvermittelt in diesen Modus. Allerdings lassen Lucid Dream diesen Stil nicht so stehen, sondern lassen gerade die Riffs immer wieder mal in rhythmische Fußangeln treten - ein Hang zum 7/8-Takt scheint dieses Album zumindest abseits der Passagen mit Gesang zu prägen, was die Musik hier in die Nähe anspruchsvollerer Bands wie Agent Cooper, Anti-Depressive Delivery oder Presto Ballet rückt und durchaus kredibel klingt.

Das ist natürlich noch nicht alles, denn Lucid Dream pflegen auch weitergehende Ambitionen. In die genannten Stücke wirft man einige auf Komplexität getrimmte Instrumentalpassagen ein, die eine Verwandtschaft zu "einfachem" Progmetal mit Dream-Theater-Anklängen nicht verleugnen können, und die übrigen Stücke sind schon ausführlicher aufgebaut. So beginnt "Everything Dies" mit ein paar Psychedelic-Effekten an der Gitarre (Echo, Delay, Flanger), von wo aus sich die Musik steigert und schließlich mit trockenem Riffing (wie schon auf "The Eleventh Illusion") Assoziationen an die Fates Warning der "Disconnected"/"FWX"-Phase weckt. Leider gibt es dann im Mittelteil mit Einsetzen des Gesangs wieder nur relativ gewöhnlichen Hardrock, aber immerhin können sich Lucid Dream noch einmal fangen, indem schöne Momente wie Gesangsharmonien oder eben dieses relaxte Light-Progmetal-Riffing samt Kanon-artig arrangierter Gitarren eingestreut werden - leider strapaziert man letzteres zum Ende hin aber über.

Überhaupt wäre anzumerken, dass Lucid Dream auf diesem Album in einigen Songs die richtige Balance eher nicht finden. Immer wieder leiden die Songs darunter, dass Passagen zu holprig und abgehackt aneinandergefügt werden, was die Songs teilweise beliebig wirken lässt - Lieder wie "The Stonehunter" laufen am Hörer vorbei. Und andererseits büßt die Musik in den Augenblicken, in denen es Lucid Dream besonders komplex machen wollen, deutlich an Fahrt ein, und die Musik wird - wie beispielsweise in "The Ring Of Power" - zäh, umständlich und unhandlich. Alles in allem sind weite Teile von "Otherworldly" damit höchstens passabel geraten, was angesichts des sympathischen Gesangs schade wäre. So könnte das vorläufige Fazit zu "Otherworldly" lauten...

...aber: Am Ende des Albums beheben Lucid Dream diese Misere zumindest teilweise. "Broken Mirror" nämlich beginnt eigentlich als relativ schlichte Halbballade, versteht es aber dennoch an den entscheidenen Stellen (beispielsweise bei der Einleitung des Refrains) aber den nötigen Druck aufzubauen, bis man schließlich reibungslos den - natürlich - hardrockigen Hauptteil einleiten kann. Das ist nicht unbedingt spannend oder innovativ, aber ziemlich solide, zumal hier nur wenig hakt und selbst der wieder einmal auf den Progmetal schielende hackige Part kurz vor dem Ende relativ nahtlos eingefügt wird. "The Theater Of Silence" schließlich versammelt zwar als instrumentaler Quasi-Longtrack mit zwei gegensätzlichen (ihr ahnt es schon: Erst dieser 7/8-Hardrock, dann hackiger Progmetal) Passagen, zwischen denen ein abrupter Bruch steht, noch mal zwei Un-Tugenden in sich, kann nach gut vier Minuten aber erneut mit einem ordentlichen Zug mit immer weiter harmonisierten Gitarren und sogar noch einem Violinensolo punkten. Letzteres bietet dann übrigens noch Kansas als Referenz an, mit deren "The Prelude Implicit" sich Lucid Dream qualitativ tatsächlich messen können - was allerdings nicht an den Italienern liegt. Dass Lucid Dream am Ende allerdings sowohl Verbesserungen als auch Rückfälle präsentieren, ist dann allerdings doch eher bittersüß.

Anspieltipp(s): Broken Mirror, The Theater Of Silence
Vergleichbar mit: Hardrock mit 7/8-Takten und gelegentlichen Progmetal-Einschüben
Veröffentlicht am: 11.1.2017
Letzte Änderung: 11.1.2017
Wertung: 8/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Lucid Dream

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2013 The Eleventh Illusion 10.00 1

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