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Sirius (Jp)

Crystal Voyage

(Archiv-Tipp 4/2017)
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1994 (Aufnahmen aus dem 1980ern)
Besonderheiten/Stil: Klassischer Prog
Label: Eigenverlag
Durchschnittswertung: 12.5/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Kazuhiro Miyatake guitars, bass pedal, chorus, keyboards
Toshiyuki Kanoh keyboards, chorus
Masanori Inagaki lead vocal, drums, percussion
Hidehiko Muraoka bass, chorus
Chihiro Fujioka drums, percussion
Reibun Ohtani lead guitar
Dentaru Sugimoto lead guitar
Miyoko Miyatake vocal, chorus, keyboards
Toshio Araya chorus
Fumie Kurata chorus
Kumi Yoshida chorus
Atsuko Matsui chorus

Tracklist

Disc 1
1. Gekka Bijin Suite 20:00
2. Crystal Voyage 10:10
3. Land Of Eternity 11:39
4. Two Will Be One : Part 2 3:36
5. Wanderer 5:14
Gesamtlaufzeit50:39


Rezensionen


Von: Nik Brückner @ (Rezension 1 von 2)


Okay, jetzt wird's kompliziert. Aber erstmal: "Crystal Voyage" ist ein fantastisches Album, das viel, viel, VIEL bekannter sein sollte, als es ist. Viel.

Also. Es gab eine Band namens Mr. Sirius. Kennt die jemand? Kennt keiner, gell. Das ist eine jener legendären, unbekannten Progbands aus der zweiten, dritten oder vierten Reihe, die viel, viel, VIEL bekannter sein sollten, als sie sind. Die Japaner veröffentlichten 1987 ihr Debütalbum "Barren Dream" und 1990 "Dirge". Diese Alben genießen heute einen legendären Ruf, zu Recht, leider kennen sie nur ein paar wenige Freaks.

Jetzt: Mr. Sirius haben eine Vorgeschichte. Die Band ging aus einem Vorläufer namens Sirius hervor. Die Band hat während ihres Bestehens nichts veröffentlicht, aber 1994, während Mr. Sirius noch existierten, veröffentlichte Kazuhiro Miyatake die Compilation "Crystal Voyage", die Material dieser Vorläufer-Band enthielt. Darunter der Longtrack "Gekka Bijin Suite", der vermutlich legendär wäre, hätte ihn jemand gehört.

Wie gesagt, das sollte sich dringend ändern. Während Mr. Sirius einen experimentellen Weg irgendwo zwischen Canterbury, moderner Klassik, Genesis und Renaissance einschlug, war Sirius stärker an Genesis und italienischen Prog angelehnt. Das gerät bisweilen recht nah an die Vorbilder, so bekommen wir etwa Hackettsches Gitarrengeschluchze zu hören, oder Banks'sches E-Piano (womit sich die Musik dann bei Genesis ca. anno 1976-80 verortet), gleichzeitig aber auch lyrisches Geflöte, fröhliche Schellen und säuselnde Keyboards, die eher an klassischen Italoprog erinnern. Für einen Klon darf man die Band allerdings nicht halten, schon der weibliche Gesang lässt "Crystal Voyage" eigenständig klingen, dazu kommt die kompositorische Kompetenz der Band, die sie authentisch und glaubwürdig klingen lässt - in diesem Klonbegriff steckt ja immer ein wenig implizite Kritik, weil er automatisch mangelnde Qualität suggeriert, jedenfalls im Vergleich mit dem jeweiligen Vorbild. "Crystal Voyage" aber ist schlicht und einfach ein großartiges Album. Vgl. England (die Band), aber besser.

Die "Gekka Bijin Suite", ein runder Zwanzigminüter, ist das Hauptwerk des Albums, und ein klassischer Progwuchter. Ein Stück, wie sie nur der Prog hervorbringen kann. Das Titelstück "Crystal Voyage" ist dann ein ätherisches Leichtgewicht, klanglich jedenfalls, gleichzeitig musikalisch äußerst gehaltvoll. "Land Of Eternity" geht von allen am stärksten in die Genesis-Richtung, es ist vielleicht das beste Stück, das Genesis nie komponierten. Die zwei italianisierenden Kurzminüter "Two Will Be One: Part 2" und "Wanderer" schließen ein großartiges Album ab.

"Crystal Voyage" ist eine echte Entdeckung, und ein paar CDs sind tatsächlich noch zu bekommen. Allerdings nur teuer, als Import. Also auf zur Jagd!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 23.3.2017
Letzte Änderung: 5.4.2017
Wertung: 13/15
Auf Augenhöhe mit den Vorbildern

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Von: Jörg Schumann @ (Rezension 2 von 2)


Eine unentdeckte Perle des klassischen Prog? Ein fantastisches Album aus der zweiten oder dritten Reihe? Aber immer doch und sofort her damit!

Nachdem Kollege Brückner mir die Ohren mit seiner Rezension wässrig geschrieben hat, habe ich die erste Auflage von Crystal Voyage von 1990 direkt aus Japan bestellt. Es dauerte keine Woche, und das schmucke Kleinod mit liebevoll aufgemachtem Booklet kam in einer schön gestalteten Verpackung mit japanischen Motiven bei mir an. Das Auge hört mit.

Und Nik hat nicht zuviel versprochen. Das einzige Album von Sirius (Mr. Sirius lasse ich jetzt mal beiseite) ist eine Entdeckung wert. Es wurde bereits auf die Inspiration durch und die Anlehnung an Genesis und den italienischen Prog der 70er Jahre hingewiesen. Spannende, abwechslungsreiche Kompositionen werden sehr kompetent dargebracht, der Klang ist durchwegs gut.

Speziell hinweisen möchte ich auf das Titelstück und dort auf eine instrumentelle Passage, die mit zum Schönsten gehört, was im klassischen Prog nach meinem Dafürhalten komponiert wurde. Zwischen Minute sieben und neun spielen die Japaner eine traumhafte Akkordfolge (Keyboardflächen und ein diviner Bass), über der eine weinende E-Gitarre soliert. Diese Passage erinnert mich an das unerreichte Gitarrensolo von Robert Fripp in The Night Watch. Zwei Minuten vollkommener Schönheit. Ist alleine die Anschaffung wert.

Sirius ist übrigens nicht zu verwechseln mit Sirius, die ich an dieser Stelle ebenfalls nochmals ins Gedächtnis rufen möchte.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 3.4.2017
Letzte Änderung: 11.5.2017
Wertung: 12/15
15 Punkte für das "The Night Watch"-Solo in Crystal Voyage

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