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The Universe By Ear

The Universe By Ear

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2017
Besonderheiten/Stil: improvisiert; Independent / Alternative; Psychedelic; Zappaeskes; sonstiges
Label: Czar Of Crickets/Fredy Rotter
Durchschnittswertung: 13/15 (1 Rezension)

Besetzung

Beni Bürgin dr, perc, voc
Pascal Grünenfelder b, FX, voc
Stefan Strittmatter g, FX, voc

Tracklist

Disc 1
1. Seven Pounds 8:23
2. Repeat Until Muscle Failure 2:57
3. Slam Your Head Against The Wall (Carefully) 6:03
4. Dead End Town 5:39
5. Idaho 5:27
6. Make It Look Like An Accident 2:53
7. High On The Hynek Scale 4:54
8. Ocean/Clouds/Prism 9:54
9. Dead Again 1:26
Gesamtlaufzeit47:36


Rezensionen


Von: Volkmar Mantei @


Also: Fido plays Zappa. Einzelteile (eher: ganze Musiker) herausgenommen entsteht etwas ganz Anderes, Eigenständiges. Etwa der Remy, der einen knifflig canterburyianischen Artpop bevorzugt, oder das Trio Bürgin (dr), Grünenfelder (b) und Kapellmeister Strittmatter (g, voc), die als The Universe By Ear schwere Untiefen zwischen den Basispunkten Progressive, Alternative und Psychedelic Rock ausloten und dabei Eigenschaften erkennen lassen, die in ihrer erlesen krachenden Art eher unvergleichlich sind.

Und weil es so schön ist, wird das Debüt des Trios auf Vinyl aufgelegt, was dem Musikzimmer einen angenehm warmen Wumms gibt. Im Juli 2016 testeten The Universe By Ear die geneigte Hörerschaft mit dem Opener dieses Albums. Das Warm-Up ging mir damals schon runter wie Öl, die achteinhalb crimsonesken Brachialminuten sind die Enthalpie der Band, energisch, druckvoll, voluminös, aber auch zurückgenommen, episch, mit minimalistischem Hauch und solistischer Exzellenz.

Und hier sind sie der Start in ein illustres Album, das schön locker und lebhaft 9 Songs runterrasselt, als sei nichts Schweres leichter auf der Welt. Nach dem wuchtigen Beginn ist „Repeat Until Muscle Failure“ ein luftig verspielter Track, der gleichzeitig an die Beatles wie die Essenz des Alternative Rock erinnert; mit scharfkantigen Gitarren deftig abgeschmeckt, schnoddrig näseldem Gesang und schön schrammelig krachig, ruckzuck wieder vorbei und so gut, dass die Nadel noch mal zurückgesetzt sein will.

Die beiden folgenden Tracks sind ebenso schwer harte Rocker wie psychedelisch schwebende Artrock-Illuminationen. Gut abgehangener Groove donnert gewaltig und rhythmisch differenziert aufgefächert durch Blues, Beatles, Cream, Pink Floyd und die aufregend zugedröhnte Psychedelic Landschaft, wie sie 1968 noch nie so klangmodern und messerscharf zu hören war. Was für ein Spaß! Allein die Chorgesänge ...

Wer auf Musik als Droge steht, bekommt hier die Breitbandwirkung.

„Idaho“, LP-Seite 2 eröffnend, erinnert als ambient mäandernde und sphärisch angelegte Psychedelic-Exegese nicht nur im Chorgesang an den allerbesten Remy. Die zarte Wucht wird schließlich zum brettharten und knochentrockenen epischen Hardrock, dessen Gitarrensounds bis ins hocherfreute Mark gehen. Als 16-jähriger Teenager würde ich jetzt wohl sagen: „Geil, Alter“.

Gleich im Anschluss ist noch einmal Remy im Chor dabei, wenigstens inspirativ. Der Psychedelic Popsong mit rattenscharfer Gitarre und tränenschürendem Gitarrensolo macht es erneut bewusst: diese Jungs haben ebenso Spaß an Komplexen wie an Heavyness, verspielter Psychedelic-Attitüde und abgefahren schrammeliger Popseligkeit.

Alles arbeitet auf den nächsten Höhepunkt hin, als sich ein cooler Rocker in den Weg stellt, der als feine Basis für gewitzt schwerenötige Gitarrenexkursionen komplex verschachtelt lässige Leichtigkeit entwirft. Schöner Refrain. Wie im Mittelteil das Thema versandet und ins Ambiente rauscht, während das Gitarrengeblubber auf dem Grooveteppich ins Epische zielt – alle Achtung, ich habe schon bei weitaus weniger gekniet.

„High on the Hynek Scale“ ist einer der eindrucksvollsten und scheinbar leichtesten, dabei widerborstigen und mit Zacken und Kanten ausgebauten Prog-Psych-Monster. Wer will, wird Spacerock, Beatles, Heavy Psychedelic Rock, Ambient Krach und Popsong in diesem Track erkennen. Wer nicht nachdenkt, genießt diese heiß brodelnde Suppe umso mehr.

Das Trio arbeitet enorm verzahnt, ist perfekt eingespielt und lässt ihre Babys keine Sekunde aus den Augen. Überall sind diese winzigen, riesigen, vitalen, ausgefallen verrückten Sachen zu finden, die nicht in übliche Bilder passen und der Band einen markanten Stand geben. Als technische Handwerker, feine Solisten und begnadete Komponisten machen The Universe By Ear ihrem Namen alle Ehre.

Und das ist noch nicht alles.

Der nächste Höhepunkt ist die Orgie schlechthin. So ein bisschen Gesang ist hier zwar eingepflegt, aber das Trio-Trio erlebt seinen höchsten Spaß im Instrumentalen. Das Gitarrensolo im Mittelteil: radikal, energisch, brachial, geradezu kriegerisch mit einer Wucht und einem Donner präsentiert, das die brutal rockende Band wohl in Trance geriet, dieses Monster so illuster zu erschaffen. Der Ozean aus krachendem Rock taucht in lyrisch schwebende Wolken, saugt sich am Bewusstsein fest und entführt es in weite Ferne, bis Lichtstrahlen es wieder einfangen und mit aufkommendem Sturm entfesselt lauschen lassen. Schon einen Lieblingssong im nicht mehr ganz neuen Jahr gefunden? Hier ist er.

„Dead Again“ zuletzt ist das, was in Abenteuerfilmen am Ende kommt: ein Stück offenes Ende. Kaum anderthalb Minuten verspieltes Geklimper, das sich gut und gern zu einem neuen Monster entwickeln könnte, aber plötzlich abbricht, als sei der Rand der Welt erreicht und damit geht es nicht mehr weiter.

Gut so. Freue ich mich auf das Follow-Up.

Doch zuerst: Silentium, meine Damen und Herren. Schnallen Sie sich bitte an, schalten Sie das Handy ab, geben Sie den Kleinen zu Trinken, Spielen und Essen für 45 Minuten. Der Rausch mag beginnen:

Anspieltipp(s): Seven Pounds, High On The Hynek Scale, Ocean/Clouds/Prism
Vergleichbar mit: Remy Sträuli, Fido, Frank Zappa
Veröffentlicht am: 20.4.2017
Letzte Änderung: 20.4.2017
Wertung: 13/15

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