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Zauss

Trittico Immer All Over

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2017
Besonderheiten/Stil: improvisiert; instrumental; Ambient; Jazz; RIO / Avant
Label: Fazzul Music
Durchschnittswertung: 12/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Francesco Zago electric guitar & loops
Markus Stauss tenor,sopran,bass sax & flute
Giuseppe Olivini percussion & theremin

Tracklist

Disc 1
1. Milano Centrale 8.36
2. Bicinium 6.35
3. scheinbar 4.11
4. Neo stazione 4.01
5. stretto 4.12
6. wieder Wellen 8.31
7. plötzlich Drama 8.54
8. almost happy 4.46
Gesamtlaufzeit49:46
Disc 2
1. a jazz tune maybe 6.28
2. schweben 6.16
3. agitare con violenza 6.54
4. senza la benche minima eleganza 7.03
5. Zauss runs the Voodoo town 8.03
6. another Sülz 7.06
7. dahingleiten 3.46
8. Wind und Wellen 7.09
Gesamtlaufzeit52:45


Rezensionen


Von: Siggy Zielinski @ (Rezension 1 von 3)


„Trittico Immer All Over“ ist ein gutes Beispiel dafür, was man aus einer Triobesetzung mit den diversen Saxophonen (und Flöte), einer Gitarre und Perkussion herausholen kann. Genau, das immer für musikalische Herausforderungen gute Duo Zauss hat sich einen Perkussionisten und Theremin-Spieler Giuseppe Olivini dazu geholt. Und, ich kann mich gerade nicht erinnern, Markus Stauss schon mal Flöte spielen hören. Dazu bekommt man auf „Trittico…“ auf jeden Fall die Gelegenheit.

Olivini sorgt mehr für zart begleitende Akzente (vorzugsweise unter Verwendung von Becken) und scheint weniger an dem interessiert zu sein, was man wohl allgemein mit Perkussionisten assoziiert.

Den Hörer erwarten engagierte Improvisationen, offenbar unter Verwendung von Saxophon-Schleifen, so dass der live im Studio spielende Saxophonist mehrspurig zu hören ist („Milano Centrale“), lyrisches, zerbrechliches Zusammenwirken der Beteiligten („Bicinium“), spannendes Duo für Flöte und Gitarre („scheinbar“), avantgardistische Bass-Sax-Erforschung zu wütender Gitarre („Neo stazione“), wildes Duo für Gitarre und Tenorsax („stretto“), kreative Sinnsuche für Sopransax und Gitarre („wieder Wellen“) und Ambient-artiges Musizieren für Gitarre, Gitarrenschleifen, Sax und Flöte („plötzlich Drama“). Zum Abschluss der ersten CD versucht man in „almost happy“ mit Erfolg die ungewohnten (und mitunter recht bizarren) Gitarrenklänge und wohlig brummendes Sax in einem kollektiven Zusammenspiel unterzubringen. Schade eigentlich, dass „almost happy“ unvermittelt ausgeblendet wird, so frappierend fand ich das.

Das war jetzt ein Versuch, die musikalischen Ereignisse auf der ersten CD zusammenzufassen. Und zwar in der Hoffnung, dem offenen Musikfreund eine Hilfestellung bei seiner Entscheidung zu leisten, ob er Zauss anregend, oder nervig findet.

Die zweite CD ist da nicht minder – je nach Standpunkt – anregend, oder anstrengend ausgefallen. Obwohl, dort scheint sich doch verstärkt Entspanntes eingeschlichen zu haben.

Daraus noch einige wenige Beispiele: „A jazz tune maybe“ scheint mit repetitiven Gitarrenfiguren in Richtung Avant-Jazz-Prog zu schielen. „schweben“ tut genau das, unter Verwendung von geheimnisvollen Klängen, die genauso gut von einer Gitarre, von einem Cello, wie von einem elektronisch verfremdeten Becken (dem Blechinstrument) stammen könnten. In „agitare…“ kann ich (endlich) das in der Besetzung genannte Theremin vernehmen, sowie mich mal wieder an neuartigen Gitarrenklängen erfreuen.

Nach zahlreichen aggressiven, experimentellen, oder unterschwellig angespannten (und gerade dadurch angenehm nervenaufreibenden) Stücken kommen die zurecht so genannten „another Sülz“ und „dahingleiten“ mit sehr entspannten Klängen um die Ecke. Eines, zwei Stücke dieser Art können sehr nett wirken, eine CD voll davon wäre wohl eher zu entspannend.

Dass die Musiker sich gegenseitig zuhören, um möglichst effektiv aufeinander zu reagieren und dass sie Könner auf ihren Instrumenten sind, ist bei so einer improvisatorischen Begegnung eigentlich selbstverständlich.

Bedeutend „progressiver“, als Zauss es vormachen, geht es wohl kaum. Repetitives, ob melodisch, oder rhythmisch, gibt nur seltenst. Für einen Laien greifbare Strukturen im Sinne der „populären“, oder klassischen Musik noch seltener. Es ist aber sehr erfreulich, wenn man auf Musiker trifft, die ihre Improvisationen (falls es welche sind) so kreativ gestalten können.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 17.5.2017
Letzte Änderung: 17.5.2017
Wertung: 11/15

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Von: Achim Breiling @ (Rezension 2 von 3)


Zauss sind jetzt zu dritt. Zu Francesco Zago (Yugen) und Markus Stauss (u.a. Spaltklang) ist mit Guiseppe Olivini ein weiterer Spielkamerad gestoßen, der vornehmlich an allerlei Perkussion, selten auch einem Theremin tätig ist. Eigentlich hätte sich das Projekt folgerichtig in Zaussini umbenennen müssen. Aber, das klingt vielleicht zu sehr nach Zirkus, oder Varietee-Zauberer (der Große Zaussini).

Wie der Titel des nun schon fünften Zauss-Albums ausdruckt, ist hier also ein Triptychon tätig (eine dreigeteilte Klangtafel), und das immer und überall. Saxophone, bisweilen auch eine Querflöte, E-Gitarre und Perkussion wird von diesem zum klingen gebracht, dazu kommen bisweilen etwas elektronisches Fiepen und Orgeln vom Theremin, und ein paar repetitive Schleifen, die gelegentlich z.B. den Eindruck erwecken, dass da zwei Saxophonisten hupen. Bei einem Triptychon, zumindest in der darstellenden Kunst, befindet sich eines der Bildwerke in der Mitte, meist etwas größer als die anderen beiden, während die zwei weiteren als Flügel rechts und links angehängt sind. So ein wenig ist das in der Tat auch hier der Fall, steht doch Stauss’ Gebläse meist (aber nicht immer) im Mittelpunkt.

Wie auf den vorhergehenden Scheiben von Zauss erklingt die Musik frei klangmalend mit- und durcheinander, vermutlich weitestgehend improvisiert, live eingespielt, ohne Overdubs. In konzeptioneller Hinsicht wird auf "Trittico Immer All Over" also nichts Anderes als auf den Vorgängern geboten. Es wird mal wüster, mal bedächtiger, recht spontan durcheinander musiziert, oder miteinander kommuniziert (kommusiziert), triaphonisch, angeschrägt und free. Rockmusikalische Strukturen, oder auch definierte jazzige oder klassische Formen, sind nicht vorhanden und auch nicht beabsichtig.

Ist das nun gut? Diese Frage stellt sich ja irgendwie, aber, ich habe immer Probleme das zu beantworten. Kann man auch schlecht improvisieren? Sicher, wenn es darum geht aus dem Stand rockmusikalische Strukturen, oder auch definierte jazzige oder klassische Formen, zu kreieren. Das kann man dann zumindest mit den gegebenen Normen subjektiv bewerten. Aber hier? Dass die Musiker Könner auf ihren Instrumenten sind weiss ich (zumindest bei Stauss und Zago) eher von anderen Alben, auf denen sie zu hören sind. Und für die Klänge die Olivini beisteuert, muss man sicher kein Perkussion-Virtuose sein.

Man muss wohl eher darauf schauen, wie stimmig das Ganze verwoben ist, welche Stimmungen erzeugt werden, und ob die den Zuhörer bewegen. Mitunter ist das bei mir der Fall, in den zarteren Klangbildern z.B., wie im zarten "another Sülze", oder dem mächtigen Hallen von "Wind Und Wellen" (klasse!). Und natürlich versteht man auch was Zago, Stauss und Olivini im Sinn haben, wenn es schräg und hektisch wird (wie z.B. im einleitenden "Milano Centrale" – übrigens ein sehr treffende Vertonung des Mailänder Hauptbahnhofs zur Hauptverkehrszeit). Das kann aber auch schnell nerven ... je nach Laune und Stimmung des Zuhörers. Trotzdem bin ich nie so ganz sicher, wer hier mehr Spaß hat (haben soll), die Spieler oder die Zuhörer.

Ach ja, ist das nun progressive? Wenn man Musik, die freiformatig und schräg daherkommt, und die unter Nichtbeachtung der meisten kommerziellen Gesichtspunkte entstanden ist als progressive ansieht, dann schon. In musikhistorischer Hinsicht wird natürlich schon ewig (immer?) frei improvisiert. Wer solcherlei schätzt, der sollte auch an "Trittico Immer All Over" Gefallen finden können.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 20.5.2017
Letzte Änderung: 20.5.2017
Wertung: keine

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Von: Nik Brückner @ (Rezension 3 von 3)


Zauss sind jetzt ein Dreier. Finde ich gut. Dreier sind geiler. Schon der Titel: "Trittico" (Triptychon), also Tri, drei, dann "Immer All Over", drei Wörter, und "immer all over" passt gut zum Dreier.

Jetzt aber genug der Dreideutigkeiten. Fragt sich nämlich viel eher, ob Zauss auch Power haben und damit mit Fug als Powertrio bezeichnet werden können. Ist nicht so abwegig, wenn man bedenkt, wie rechteckig Francesco Zago spielen kann. Aber auch wenn mit Olivini ein ganzes Drittel neu zur Band gestoßen ist, so erkennt man Zauss doch wieder. Sie nennen sich nicht Zaussini. Wär auch blöd, klingt nach etwas, mit dem eine biedere deutsche Firma bemüht dolcevitig-südländisch klingen wollte. Nein, Zauss bleiben Zauss, auch mit Olivini an Bord. Und ich bleibe Fan. Das Programm bleibt weiterhin, die Möglichkeiten, die die zum Einsatz gekommenen Instrumente bieten, diesmal also E-Gitarre, Tenor-, Sopran- und Basssax, Flöte, Perkussion und Theremin, experimentierend auszuloten. Power ja, aber in der Zaussschen Variante: Nicht durch Lautstärke, sondern durch Intensität.

Die Spannbreite reicht dabei von Musik, die man mit Recht für Jazz halten kann, bis hin zu höchst kantigen, freien Fromlosigkeiten, von Traditionell(er)em bis zu Quälerischem, von Loungeigem zu Crimsoidem. Und weil ich als gestandener Progfan selbstverständlich Angst vor Jazz habe, und andererseits darum weiß, dass man immer höchst kompetent, wenn auch reichlich elitär (und etwas seltsam) wirkt, wenn man mit ernster Miene behauptet, Avantgardistisches zu mögen, gefallen mir die traditioneller jazzigen Improvs weniger gut, die crimsoiden Sachen sehr, und - ähem, die Freiformater natürlich am Besten. "stretto"!

Nein wirklich, ganz im Ernst. Es muss ja nicht gleich so wild sein. "wieder Wellen" ist ganz, ganz wunderbar. "plötzlich Drama", "another Sülze" - wundervoll.

Die drei Musiker verraten in diesen Stücken eine faszinierende Fähigkeit, einander zuzuhören, aufeinander zu reagieren, und miteinander zu interagieren. Wenn mal eine Rollenverteilung aufscheint, dann übernimmt Zago den seltsamen (oder soll man sagen: den fortschrittlichen?) Part, während man zu Stauss eher relaten kann. Aber das ist sehr stark auch den Klangfarben geschuldet, die die Musiker anwenden bzw. anwenden können. Zago hat da mit seinen vielfältigen Gitarreneffekten mehr Möglichkeiten. Ein Problem ist das nicht, denn es sind gerade diese Pole, die die Musik einspannen und spannend machen. Olivini wiederum swingt, klappert und blingt, bisweilen rauscht er einfach, und manchmal ist's, als würde er nicht nur eins sondern gleich eine ganze Vielzahl an Instrumenten in das Zauss-Projekt einbringen. Tut er ja auch.

Tja, was soll ich noch sagen? Vielleicht das, was Prog-Rezensenten immer einfällt, wenn ihnen nichts mehr einfällt: Meine Freundin liebt es. Sollman danoch sagen.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 23.5.2017
Letzte Änderung: 23.5.2017
Wertung: 13/15

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