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Smalltape

The Ocean

(Tipp des Monats 6/2017)
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2017
Besonderheiten/Stil: Konzeptalbum; ArtPop; RetroProg
Label: Eigenproduktion
Durchschnittswertung: 11.25/15 (4 Rezensionen)

Besetzung

Philipp Nespital vocals, piano, keyboards, guitars, bass guitars, drums

Gastmusiker

Alexandra Praet bg, additional vocals
Valgeir Daði Einarsson bg
Christopher Zitterbart add g, g solo
Stephan Pankow acc g
Otis Sandsjö ts
Martin Funda vi
Annette Köhler vi
Dorian Wetzel va
Leonard Petersen vc

Tracklist

Disc 1
1. When the Waves Divide 3:44
2. The Ocean Pt. 1 6:37
3. The Shore 4:32
4. Mirror 8:45
5. The Sailor’s Tale 7:00
6. The Diver 6:22
7. Kaventsmann 15:05
8. Concrete Silence 8:59
9. The Ocean Pt. 2 6:25
10. Picture Of A Dawn 5:27
Gesamtlaufzeit72:56


Rezensionen


Von: Volkmar Mantei @ (Rezension 1 von 4)


Rein optisch schon ein ästhetischer Genuss, schließt sich der 10-Song-Reigen des Philipp Nespital (was für ein schöner Nachname) unter dem Label smalltape musikalisch im gleichen Modus an. Ich nehme „The Ocean“ als Konzeptwerk, gewiss in der textlichen Geschichte, doch ebenso in der instrumentalen. Denn hier fließen die Themen ineinander, greifen verwandte stilistische Mittel weit in fremde Sphären ein, baut sich ein kraft- wie gehaltvolles Werk auf, das Freunde des romantischen Symphonic Rock nur durchaus verzücken kann.

Innerhalb der progressiven Rockmusik gibt es nur wenige konkrete verwandte Ansatzpunkte, konzeptuell fallen mir Neal Morse oder Steven Wilson als Vergleiche ein, aber das hinkt. Philipp Nespital lehnt sich nicht an, sondern bastelt seine eigene Baustelle, wenn überhaupt, ist nur der Ansatz verwandt. Alle drei arbeiten hochaktuell, lassen historische Einflüsse nur nebensächlich einfließen und gestalten eigene Ästhetik.

Dennoch ist „The Ocean“ auf den ersten Eindruck als Progressive Rock zu erkennen. Klar, wer an Progressive Rock dockt, erkennt seine Droge, wie jeder anders Interessierte sein Terrain trainiert. Das Album läuft schön lange instrumental ein, ohne langweilig zu klingen. Ganz im Gegenteil, Komposition und Klima sind stringent und scharfkantig gesetzt, Eigentlich, so das Ohr, braucht es keinen Gesang. Bis dieser mit dem dritten Track einsetzt, zart und sanft gesungen passabel eingeht.

„When the Waves devide“ ist rein klassisch eingespielt. Zwei Violinen, eine Viola und ein Violoncello dürfen dankbarer Weise kein Rockthema intonieren, sondern eine komplex akzentuierte klassische Note spielen. Die Streicher fließen in das zweite Stück, das schließlich von den Rockinstrumenten übernommen wird und kraftvoll lässig in seine sechs Minuten zieht.

Das überwiegend akustische Gitarrenstück „The Shore“ liefert dann den Gesang, der angenehmer Weise wohltut. So ein Gitarrensong kann auf einem Alternativ-Rock- oder einem Popalbum sein, ohne aufzufallen. Hier passt er ebenso. Nach dem instrumentalen Warmwerden setzt die Story ein, Sänger und Noten nehmen mit, nix doof. Passt ans Lagerfeuer wie vor die hohen Boxenmeter im Musikzimmer. Nur die Texte sind nicht abgedruckt.

Das Internet ist noch zu jung dafür, aber vielleicht werden die englischen Lyrics noch geliefert oder ich bin noch nicht drauf gestoßen. „Mirror“ sendet popfunktionale Progsignale aus, schöner Song für die ganze Familie mit Energie und Drive, gut geschrieben und gespielt, aber kaum außergewöhnlich, indes nicht weniger als angenehm gut. Peu a peu baut sich das Werk weiter, jazzige Strukturen fallen ein, Worldmusic-Artiges bekommt Raum, knackharter Rock darf saftig abdonnern, Gesangsharmonien schmelzen aus den Boxen. Macht Laune.

„Kaventsmann“ lässt mich aufhorchen. Was mag sich hinter diesem Titel nur verbergen? Das (der) fette Rockriff geht gut ins Ohr, kratzige Schwelltöne regen das emotionale Hören an, alter Falter, der Song ist enorm wirkungsvoll! Ab etwa 7 Minuten Laufzeit setzt mit einem „Riders on the Storm“ - ähnlichen Ansatz ein flüssig grooviges Jazzmotiv an, das gern ins Ohr will. Der Track wird immer jazziger, schließlich setzt gar Saxophon ein, später, nach 10 Minuten, übernehmen die Streicher das Thema und der symphonische Jazzrock läuft und läuft, wird voluminöser und hitziger, bis ab 13 Minuten ein klassisch elegisches Motiv übernimmt und alle Energie melancholisch eingeschmolzen wird. Alle Achtung, diese Viertelstunde allein ist das reiche Album wert.

smalltape lassen qualitativ nicht nach, schön, wie „Concrete Silence“ aus melancholischer Lyrik immer kraftvoller wird, ohne die schwermütige Note ganz zu verlieren. Doch erst die instrumentale Exegese ab 4 Minuten macht das Stück richtig interessant. Schön, dass es so viel davon gibt. Über die knapp 9 Minuten werden so viele emotionale und instrumentale Motive vorgestellt und ausgelebt, dass der sesselklebende Zuhörer alle Zahnschmerzen vergisst.

Noch einmal energischer wird das düster-wüste „The Ocean Pt. 2“, das sich durch alptraumhafte Sequenzen kämpft, bis es, befreit, schöngeistig und schwungvoll weiterspaziert und sich in epischer Weite mit durchaus kraftvollen instrumentalen Inlays verliert.

Danach ist die nachsportlich erschöpfte Meditation des vom Piano begleiteten „Picture of a Dawn“ ein letztes Aufbäumen (mit wiederum verblüffenden instrumentalen Kick) vor dem Ende der Story. Und auch das erneut liedhafte Stück, stilistisch vielseitig einsetzbar, zeugt von kreativer Intensität.

„The Ocean“ ist ein bunter, lebhafter Reigen kraftvoller Rockmusik mit leidenschaftlich symphonischer Note, dessen beide Seiten, die Gesangsinterpretation wie die oftmals verblüffend präsente instrumentale Extravaganz, überzeugen können.

Der Band ist ein tolles Album gelungen, das in seiner Vielseitigkeit und knackigen Präsenz gut ins Ohr geht.

Anspieltipp(s): When the Waves devide, The Ocean Pt. 1, Kaventsmann
Vergleichbar mit: Neal Morse, Steven Wilson (in etwa)
Veröffentlicht am: 31.5.2017
Letzte Änderung: 30.5.2017
Wertung: 12/15

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Von: Marc Colling @ (Rezension 2 von 4)


Philipp Nespital, Kopf von Smalltape wird ja überall in den Medien hochgelobt, und das zu Recht. Er beherrscht es außergewöhnliche Klänge zu vermischen, schräge Strukturen neben leicht/luftigen Passagen zu platzieren, sowie großartig/hymnische neben schräg/komplexen Kompositionen zu spielen. Dabei beherrscht er alle Stile die man sich vorstellen kann. Pendelt in seinen Songs von Jazz zu Prog, Klassik und Chanson. Sagenhaft effizient, aber durch seine stets durchdachten Arrangements teils auch vorhersehbar. Da wird nichts dem Zufall überlassen.

Aber keine Sorge. Auch ein Mike Oldfield war vorhersehbar. Und meistens großartig. Auch Smalltape sind großartig. Schon lange keinen solchen Wow-Effekt wie bei diesem wirklich spannenden und interessanten Album erlebt. Dabei hab ich mir die CD wegen der Rezi meines Kollegen Volkmar gekauft, der die meisten Songs wunderbar beschreibt. Das erspare ich mir natürlich, unterschreibe aber sein Fazit voll und ganz. Und erwähne nebenbei KAVENTSMANN als besten und intelligentesten Song seit langem. Doch auch die anderen Tracks sind großartig komponiert und arrangiert, Nespital setzt Duftmarken mit Saxophon oder Streichern und besitzt eine einfühlsame Stimme.

Ein außergewöhnliches Album mit vielen hoch-komplexen Gebilden neben schönen Melodien. Wirkt nachhaltig, künstlerisch wertvoll.

Anspieltipp(s): Kaventsmann
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 2.8.2017
Letzte Änderung: 2.8.2017
Wertung: 13/15
Prog für's Hirn und Herz

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Von: Martin Dambeck @ (Rezension 3 von 4)


Monumentaler Progrock klassischer Ausprägung made in Germany, der locker mit den Großen der Szene wie beispielsweise “Steven Wilson“ oder “Neal Morse“ mithalten kann, ja so etwas gibt es. Wer’s nicht glauben mag, der sollte schnellstens in ‘The Ocean‘ hineinhören.

“Smalltape“ ist ein Projekt von “Philipp Nespital“, der schon 2011 mit seinem Debüt ‘Circles‘ positiv auf sich aufmerksam gemacht hat. Damals mixte er locker-flockig bis spielerisch Prog mit diversen anderen musikalischen Spielarten. Ansonsten ist der freiberufliche Toningenieur auch bei “Treehouse Scenery“ und “Maki TV“ aktiv und tritt bei Bands wie “One Hand Elephant“ als Gast in Erscheinung. Mit ‘The Ocean‘ legt der Wahl-Berliner nun ein 70minütiges Konzeptalbum, das sich um Selbstfindung und die Suche nach der persönlichen Wahrheit dreht, vor, das ganz und gar im Progrock verwurzelt ist. Da “Nespital“ das komplette Rockinstrumentarium selbst beherrscht und auch die Gesangsparts übernimmt, hat er ‘The Ocean‘ weitgehend im Alleingang eingespielt. Und dennoch klingt das Album an keiner Stelle wie ein typisches Soloprojekt sondern wie eine eingespielte, ausgereifte Band, was sicherlich daran liegt, dass er sich von exzellenten Musikern wie zum Beispiel “Christopher Zitterbart“ begleiten lässt, der auf ‘Mirror‘ ein traumhaftes Gitarrensolo abliefert. Noch prägnanter sind die Saxophoneinlagen von “Otis Sandsjö“, der den Songs immer wieder eine jazzige Note verleiht. Ganz wunderbar ist auch das Streichquartett, das mit einem kammermusikalischen Intro ‘The Ocean‘ eröffnet, um dann im folgenden Titeltrack so loszufetzen, wie man es von den beiden allerersten “ELO“ Scheiben kennt. Die Streicher werden dann von E-Gitarren unterstützt und in ein flirrend-treibendes Instrumental überführt. Spätestens da ist man angefixt und kommt von der Platte nicht mehr so wirklich los. Weiter geht es mit einer von einer akustischen Gitarre dominierten Ballade. Das oben schon erwähnte ‘Mirror‘ wird von einem Piano eröffnet, das überhaupt bei den meisten Titeln das musikalische Grundgerüst liefert.

‘The Ocean‘ bietet so ziemlich alles, was das Progherz begehrt. Dazu gehören ausladende, aber nie langweilig werdende Instrumentalpassagen, rockige sowie ruhige, melodiöse Phasen, Klassik-Elemente und eine feine Prise Pathos. Dazu kommen ein angenehmer Gesang und eine erstklassige Produktion. Fazit: Ohne Wenn und Aber, ‘The Ocean‘ ist eine fette Empfehlung an alle Freunde des klassischen Progrocks!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit: Steven Wilson, Neal Morse
Veröffentlicht am: 16.11.2017
Letzte Änderung: 17.11.2017
Wertung: 13/15

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Von: Nik Brückner @ (Rezension 4 von 4)


Da heißt‘s immer, ich wär bös - aber habt Ihr schon einmal Menschen vom Fach kritisieren hören? Leute, die das, was sie beurteilen, studiert haben, selbst betreiben, seit Jahren in- und auswendig kennen? Da geht’s zur Sache. Ich war neulich bei einem Konzert, bei dem Smalltape gespielt haben. Urteil eines guten Freundes von mir, Musiker, nein, richtiger Musiker, studierter Musiker, verdient seinen Lebensunterhalt damit, yep, richtiger Musiker: „Keine Ideen, kein Groove, kein Songwriting.“ Und ich sag‘ Euch: ich hätte das nicht so ausgedrückt. Trotzdem will ich’s zitieren, weil Urteile von Leuten, die Dinge nicht – wie z. B. wir BBS-Rezensenten – nur als Hobby betreiben, es so an sich haben, dass sie so einiges schnell geraderücken können. Und ich weiß, ich weiß, es ist gerade furchtbar in, Urteile von Fachleuten in Zweifel zu ziehen, weil man ja gar so verunsichert ist von allem - aber das ist halt falsch, und dumm, und wenn man sich ganz ehrlich macht: man lässt sich die Zähne ja auch nicht vom Bader richten.

Also, das Album ist besser als das Konzert war. Viel besser. Kein Groove – das kann man nicht sagen. Rhythmus, Timing, Groove, das passt schon. Die Frage, was da genau groovt, ist aber schon berechtigt. Allzu oft nämlich sind das nämlich, sagen wir, bewährte Patterns, die der Popgeschichte entlehnt wurden. Bei „Mirror“ zum Beispiel, oder bei „The Sailor’s Tale“, oder auch bei „Kaventsmann“. Sowieso bei „Kaventsmann“, wo man teils minutenlang Soli über beständig wiederholte, und recht bekannte rhythmische Patterns hört, Soli, die dann nicht gut sind, wenn sie, und das tun sie leider bisweilen, ins Generische abdriften. Wenn sowas Vorgefertigtes an die Stelle eigener Ideen tritt, und dann (Atmo, Atmo), in die Länge gezogen wird, um die Weite des Ozeans musikalisch auszumessen, dann kann man schon davon reden, dass dem Album ein paar mehr eigene Ideen gutgetan hätten.

Und das Songwriting? Ich verstehe nicht wirklich, warum und wodurch „Kaventsmann“ einen Kaventsmann musikalisch abbilden soll. Ach, es ist halt dasselbe wie bei so vielen Progbands. Bei den längeren Stücken fragt man sich immer wieder, wie und warum die einzelnen Blöcke eigentlich zusammengehören. Manches könnte genauso gut zwei oder drei Stücke sein. Und das Argument, man müsse das Album ganz hören, es sei halt eigentlich ein einziger Strom von Musik, zieht nicht. Es zieht nie, denn die Songeinteilung und die Titel verweisen nun einmal ganz eindeutig darauf, was in den Augen der Band ein Song ist.

Philipp Nespital hat bei dem Konzert zwischen den größeren Stücken immer wieder kleine Klaviervignetten gespielt. Die fand ich sehr schön. Ein Klavieralbum von Nespital würde mich interessieren. „The Ocean“ dagegen ist ein nettes Album - in die Annalen des Progressive Rock wird es aber nicht eingehen.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit: Vergleichbar mit Neal Morse? Mit "Neal Morse" gar? Oder Steven Wilson? Wieso? Aufgrund welcher Gemeinsamkeiten?!?
Veröffentlicht am: 12.3.2018
Letzte Änderung: 22.3.2018
Wertung: 7/15

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Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2011 Circles 12.00 2

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