SUCHE
Erweiterte Suche
NEUE REZENSIONEN
23.6.2017
AKP - Breaking Free Tour Live
Long Earth - The Source
22.6.2017
The Season Standard - Squeeze Me Ahead Of Line
Nooumena - Argument With Eagerness
21.6.2017
Heron - You Are Here Now
The Flaming Lips - Yoshimi Battles The Pink Robots
20.6.2017
Bubblemath - Edit Peptide
Atrorum - Structurae
Elara Sunstreak Band - Deli Bal
Favni - Windswept
19.6.2017
King Crimson - Heroes
Emerson, Lake & Palmer - Works, Volume 1
Minco Eggersman - Kavkasia
Kinky Wizzards - Quirky Musings
18.6.2017
Everon - North
Nektar - Live in Bremen
17.6.2017
Sonicatomic - Vibes Addiction
Klaus Schulze - Mirage
ARCHIV
STATISTIK
23566 Rezensionen zu 16100 Alben von 6255 Bands.
SITE MAP
STARTSEITE

Cydemind

Erosion

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2017
Besonderheiten/Stil: instrumental; Jazzrock / Fusion; Mathrock; Progmetal
Label: Eigenproduktion
Durchschnittswertung: 12/15 (1 Rezension)

Besetzung

Olivier Allard Violine
Kevin Paquet Gitarre
Camille Delage Keyboards
Nico Damoulianos Bass
Alexandre Dagenais Schlagzeug

Tracklist

Disc 1
1. What Remains 4:58
2. Tree Of Tales 6:41
3. Derecho 13:36
4. Red Tides 5:25
5. Stream Capture 6:29
6. Erosion 27:20
Gesamtlaufzeit64:29


Rezensionen


Von: Gunnar Claußen @


In einer gewissen Hinsicht ist man geneigt, "Erosion", das Debütalbum von Cydemind aus Montreal, als "Platte mit Gimmick" zu betiteln. Denn schon wenige Sekunden nach der Eröffnung von "What Remains", die mit filigranem, aber wuchtigem Riffing an Math-Progmetal gemahnt und mit jazzigen Klavierakkorden dazu noch eine Fusion-Komponente einführt, fiedelt Olivier Allard mit seiner Violine dermaßen los, dass er sämtliche weiteren Instrumente erst mal in den Hintergrund drängt und der Eindruck entsteht, es quasi mit einer Art Vanessa-Mae-Progmetal (falls Frau Mae nicht mehr so aktuell sein sollte: David-Garrett-Progmetal) zu tun zu haben. Entsprechend könnte man bei unzureichend genauem Zuhören auch zu dem Urteil kommen, dass "Erosion" eine weitere selbstgefällige Platte wäre, auf der halt viel soliert, aber nur wenig musiziert würde - zum einen Ohr rein, zum anderen raus.

Das ist aber natürlich nicht so. Denn bei näherer Betrachtung zeigt sich einerseits, dass Olivier Allard zwar klar das Bild bestimmt, seine vier Kollegen aber trotzdem ihre Spots bekommen und in diesen Augenblicken (man hat es natürlich geahnt) ebenfalls technisches Können und melodisches Gespür demonstrieren. Andererseits ergibt sich, dass Cydemind tatsächlich in der Lage sind, abwechslungsreiche Instrumentalstücke mit Struktur zu komponieren - es handelt sich bei der Musik auf "Erosion" also keineswegs um Endlos-Soli zu wenn auch komplex gestalteten Rhythmus-Patterns. Einschränken sollte man diesen Punkt wiederum aber darin, dass "What Remains", "Tree Of Tales" und "Red Tides" recht ähnlich aufgebaut sind. Alle drei Stücke folgen dem Prinzip, dass Hauptriff und (das natürlich von der Violine vorgestellte) Hauptmotiv eingangs vorgestellt werden und dann zwischen längeren, abwechslungsreichen Instrumentalpassagen mehrmals wieder aufgegriffene Fixpunkte bilden. Das ist einerseits recht durchschaubar, und andererseits fehlt auf diese Weise beispielsweise "Tree Of Tales" ein echter Höhepunkt, denn am Ende blendet das Stück mitten in ganz manierlicher Soloarbeit der Gitarre einfach aus. Trotzdem sind die genannten Stücke allesamt bunt, komplex und unterhaltsam.

Von diesem Schema weichen die drei übrigen Stück natürlich ab. "Stream Capture" nimmt sich da noch mit seiner balladesken Aufmachung, die - das Stichwort fällt ja sonst jedes Mal, sobald ein Streichinstrument nur im Studio rumliegt - tatsächlich an Kansas-Nummern wie "Lonely Wind" erinnert, am leichtesten aus, ist aber trotz seiner ruhigen Art recht verquer rhythmisiert und baut noch in den ruhigesten Abschnitten 3+3+4-Folgen ein. Die beiden Longtracks dagegen fallen unterschiedlich aus. "Derecho" ist tatsächlich ein echtes Monstrum: Den nach dem A-Gitarren-Intro eingesetzen Dümpelrhythmus schieben Cydemind sehr schnell zugunsten von verflochtenen Melodien, groovigem Schlagzeug und schubweisen Steigerungen schnell beiseite. Regelmäßig schafft es dabei die Violine, die Musik wieder zu einigen, später nimmt man dann noch zuvor vorgestellte Riffs in Solopassagen genüsslich auseinander, und kurz vor dem hübsch zugespitzten Ende kommen sich Gitarre und Violine sogar tatsächlich mal unterhaltsam ins Gehege und zetern gegeneinander an.

Der Titeltrack "Erosion" ist dagegen wackliger ausgefallen. Mehrmals, beispielsweise nach gut zehn Minuten, fällt auf, dass die Musik zwischendurch pausiert und dann quasi einfach ein neues Stück beginnt - das ist kein wirklich zusammenhängender Aufbau. Hinzu kommt, dass man einige Abschnitte in der Mitte eher simpel gestaltet hat; nach gut 16 Minuten beispielsweise wird im Prinzip nur noch über einen lockeren 6/8-Rhythmus eher unverbindlich gejammt. Positiv zu erwähnen sind dagegen einige technisch beeindruckende Passagen im ersten Drittel, in denen die zwischeninstrumentale Kommunikation tatsächlich auf "Metropolis"-Niveau stattfindet, und die letzten 7 Minuten stellen zu wiederum komplexeren 7+6-Rhythmen eine nette Steigerung dar. Wo der Zusammenhang zwischen diesen Bewegungen und dem zuvor gehörten besteht, bleibt aber weiterhin fraglich.

In ihren besten Momenten zeigen Cydemind also, dass sie ziemlich vitalen, verspielten und doch schlüssigen Instrumental-Progmetal hinbekommen, in dem die Geige eben kein Gimmick, sondern ein integraler Bestandteil ist. Echte Dämpfer gibt es hier so gesehen eigentlich nur in "Erosion" und mit dem überraschenden Ende von "Tree Of Tales". Im Großen und Ganzen steht die Ampel für Cydemind aber definitiv auf Grün - sodass ich mich hier ein weiteres Mal bei der Leserschaft bedanken sollte, die uns per Wunschformular sowas wie einen tendenziellen Knaller zugespielt hat. Lohnt sich!

Anspieltipp(s): Derecho, Red Tides
Vergleichbar mit: ach, ich sage dann einfach mal: Jean-Luc-Ponty-Progmetal ;)
Veröffentlicht am: 14.6.2017
Letzte Änderung: 14.6.2017
Wertung: 12/15

Zum Seitenanfang

© 1999-2017; Das Copyright aller Texte liegt bei den jeweiligen Autoren; Haftungsausschluss
Site Map - Startseite - FAQ - Reviews - Leitfaden - Lesestoff - Kontakt - Links
RSS | Impressum