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Gentle Knife

Clock Unwound

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2017
Besonderheiten/Stil: Jazz; RetroProg; sonstiges
Label: Bajkal Records
Durchschnittswertung: 12.5/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Astraea Antal flutes,bagpipe chanter,alto saxophone
Pal Bjorseth Keyboards,flügelhorn,trumpet,viola,alto recorder,backing vocals
Odd Gronvold Bass
Thomas Hylland Eriksen tenor Saxophone
Veronika Horven Jensen Vocals
Hakon Kavli vocals,guitars
Eiving Lorentzen Guitars,synths
Charlotte Valstad Nielsen Alto und baritone Saxophone
Ove Christian Owe Guitars
Ole Martin Svendensen Drums,Percussion
Brian M.Talgo Mellotron samples,vocals

Tracklist

Disc 1
1. Prelude:Incipit 3.21
2. The Clock Unwound 15.58
3. Fade Away 7.25
4. Smother 8.49
5. Plans Askew 9.22
6. Resignation 10.16
Gesamtlaufzeit55:11


Rezensionen


Von: Siggy Zielinski @ (Rezension 1 von 2)


Die Sängerin Melina Oz wurde nach dem Erstwerk von 2015 durch Veronika Horven Jansen ersetzt und die neu hinzugekommene Saxophonistin Charlotte Valstad Nielsen macht das Ensemble namens Gentle Knife elfköpfig.

Nach dem getragen-klassischen Intro für Piano und Trompete („Prelude: Incipit“) überzeugt das Titelstück als modern wirkender Progrock mit Biss. Dieser Eindruck ist nicht zuletzt den repetitiven Gitarrenfiguren (in guter Crimson-Tradition) und den energetischen Synthesizer-Solos zuzuschreiben. Die leicht dissonante Gesangsmelodie und die launischen Sax-Solos sind bestimmend für den leicht schrägen Anstrich des mehrteiligen "The Clock Unwound".

Bei der Gelegenheit darf festgestellt werden, dass die neue Sängerin Jensen über eine viel tiefere Stimme verfügt als ihre Vorgängerin. Die gesanglichen Pflichten teilt sie sich wie ihre ausgeschiedene Kollegin aber immer noch mit einem Sänger. In diesem Fall wahrscheinlich mit Hakon Kavli. Im getragenen zweiten Teil des Titelstückes könnten die Stimmungen an die ersten zwei Alben von King Crimson erinnern. Die stimmungsvollen Sax-Solos verstärken noch diesen Eindruck. Der apokalyptische Ausgang des Titel-Longtracks wird alle Freunde des Crimson-Prog glücklich machen. Meisterhaft, diese Titelnummer!

Die akustischen Gitarren, Flöte und Mellotron bilden zusammen mit dem weiblich-männlichen Gesangsduo den balladesken ersten Teil von „Fade Away“. Die balladesken Teile wechseln sich in dem Stück mit den Riff-orientierten aggressiven Einfällen ab. Das klingt in etwa so, als würde man „I Talk to the Wind“ und „Pictures of the City“ zu einer Komposition zusammensetzen. (Mit diesem überaus gelungenen Vergleich sollten auch geschickt die Ähnlichkeiten zu King Crimson angedeutet werden).

„Smother“ beweist, dass Gentle Knife ihren progressiven Rock auch ohne die hörbaren King Crimson-Einflüsse kreieren können. Der bereits erwähnte Duo-Gesang, die um die Wette jubilierenden Flöte und Synthesizer und die melodischen Akkorde beisteuernden Saxophone erschaffen zusammen mit der Hammondorgel und der solide begleitenden Rhythmussektion ein enorm abwechslungsreiches Stück, das mehrmals fließend zwischen Jazz und Rock wechselt. Im Jazz-Modus gibt es dann auch noch Trompetensolos oben drauf.

„Plans Askew“ kommt ohne Jazz aus und präsentiert stattdessen eindrucksvoll die Vorteile einer umfangreichen Ensemble-Besetzung, die jederzeit mittels Gitarren, Saxophone, Flöten und Tasteninstrumente polyphon-melodische Arrangements hervorzaubern kann. Wer Formationen wie Seven Impale mag, wird vermutlich auch das hier mögen.

In „Resignation“ rezitiert eine männliche Stimme einen Text, in dem es scheinbar um die Sinnlosigkeit jeglicher Kriegsführung geht. Als Begleitung dient im ersten Teil des Stückes ein swingender Rhythmus und die sehr eindringlich von den diversen Blasinstrumenten vorgetragenen mehrstimmigen Melodien. Im Mittelteil erklingt ein simpler treibender Schlagzeugrhythmus, zu dem wiederum die Gitarren, Saxophone und die Kirchenorgel ein dichtes Melodiengeflecht spinnen.

„Clock Unwound“ halte ich für eine ausgezeichnete Scheibe und eine deutliche Steigerung im Vergleich zum Erstlingswerk!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 13.6.2017
Letzte Änderung: 13.6.2017
Wertung: 12/15

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Von: Volkmar Mantei @ (Rezension 2 von 2)


Als Gentle Knife 2015 ihr Debütalbum veröffentlichten, war ich positiv überrascht. Mit „Clock Unwound“ übertreffen die inspirierten Norweger das erste Album nun bei Weitem. Die 6 Kompositionen sind erstaunlich eingängig und bisweilen verblüffend popnah, aber was die Band daraus macht, wie sie die Statik der Songs mit Architektur und Leben schmückt, ist beeindruckend und überzeugend.

Das Präludium zieht das Album mit ambient düsteren Klängen und klassischer beziehungsweise filmmusikalischer Lyrik auf skandinavische Weise ans Licht. Und schon hier ist der crimsoneske Faktor zu erahnen, der sich in Folge vielfach erweist: als basslastige Gebläsetraktate, in szenischer Instrumentalweite, in den typisch progressiven Komplexen wie in minimalistischen Betonungen verschiedener Muster.

Erstaunlicher Weise legen Gentle Knife ihre Rhythmusarbeit fett bombastisch betont an, nicht besonders technisch, sondern pop-affin und Groove-lässig. Passt – trotzdem – gut, auch wenn das progressive Ohr einen jazztechnischen Komplextrommler hören will. Die Idee ist für dieses Projekt passabel, eingängig und mitreißend umgesetzt. Vermutlich dürfte dies ein Punkt sein, der das symphonisch düstere, crimsonesk skandinavische und Synthesizer-lastige Instrumentalgeschehen alter Schule für Nachwuchshörer nachvollziehbar und reizend macht und Neugierde weckt.

Gentle Knife sind keine Avantgardisten, es ist indes hörbar, dass die 10-köpfige Crew Kenntnis von den radikalen Abgründen im schrägen Prog-Sektor hat und dies als Inspiration versteht, wie ebenso zu hören ist, dass leichte Kost wie Neoprog, Postrock oder düsterer Alternative Rock eher weniger zu den Vorlieben der Musiker gehören und dies ebenso wenig ausgedrückt werden soll, wenn es hier und da auch kleine Vorstöße gibt. Nein, hier wetzen Old School Ästhetik und düstere, schön bassfette Melancholien die Schwerter.

Äußerst gut gefällt mir, was sonst leider selten der Fall ist, die Gesangsabteilung. Weibliche und männliche Stimme teilen sich die Lyrics, wobei die weibliche Stimme schön dunkel und die männliche erstaunlich klar ist. Die Gesangslinien sind wenig konventionell, durchdacht und originell und passen exzellent zum elegischen Reigen. Selbst Refrains sind eher avant-afin und kernig bis raffiniert, als dass sie nah am Allgemeinen sind.

„The Clock Unwound“ und „Fade Away“ könnten – in anderem Kleid – durchaus als Popsongs funktionieren, wenn sie denn so angelegt wären.

Doch hier wird aus klaren, nachvollziehbaren Linien ein schweres Paket geschnürt, in dem ungemein Idee und lustvoll zu erfahrende Melodie- und Instrumentalvielfalt zu erfahren ist. Zugleich ist der Titeltrack derart crimsonesk durchzogen und verflochten, dass der Track als klare, wenn auch eigenständige Reminiszenz an das 1971er „Islands“ des britischen Klassikers gelten kann. Aber Gentle Knife sind trotz ihres für Progexperten lustigen Namens, der im ersten Wort an eine außergewöhnliche Combo (die hier stilistisch kein Echo erfährt) und im zweiten Wort an einen Song einer anderen Combo (die eher ein – leichtes – Echo erfährt) erinnert, keine Sklaven ihrer Götter, sondern eigenständige Denker und erlesen inspirierte Handwerker vor der Muse, die personell wohl eine sehr authentische, homogene Gruppe sind, in der das musikalische Arbeiten sich potenziert und ausdrucksstarke Knospen trägt.

Sprich – wenn das kompositorische Gerüst auch popmusikalisch funktionieren könnte, so ist hier doch eher nix popbetont, sondern Frucht eigenen Geistes, eigener Intention mit vitaler, kerniger Rocksprache und rasanter Lust an leidenschaftlichem Geschehen.

„Resignation“ am Ende der CD überrascht mich mit dem Erzähler und seiner tiefen Stimme, die mich an „War of the Worlds“ (hieß das 2LP-Dings so?) erinnert. Gänsehaut! Der Song ist im weiteren Verlauf erneut ein großartiges Stück zeitlosen Progressive Rocks mit eigener schöngeistiger wie kantiger Idee.

Persönlich tendiere ich nicht zum leichten Progressive Rock, die Suche nach stets neuer Tiefe in der Musik lässt mich immer weiter in schräge, jazzige Sphären eintauchen. Doch wenn ein lyrisch starkes, düster melancholisches, wuchtig rockendes Stück Symphonic Rock so gut wie „Clock Unwound“ mit hohem und wenn man so will nachhaltigen Wert erschaffen ist, bin ich hocherfreut und stürze mich mit allen Sinnen in die Songs, die Stimmen und Instrumente, das Album und habe ein neues Schmuckstück in den Ohren und der Sammlung.

Anspieltipp(s): The Clock Unwound, Resignation
Vergleichbar mit: 1971er King Crimson
Veröffentlicht am: 15.8.2017
Letzte Änderung: 15.8.2017
Wertung: 13/15

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Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2015 Gentle Knife 11.00 2

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