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Reckoning Storm

The Storm Engine

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2010
Besonderheiten/Stil: instrumental; Konzeptalbum; Progmetal
Label: Eigenproduktion
Durchschnittswertung: 8/15 (1 Rezension)

Besetzung

Saad Akhter Ali alles, insbesondere Gitarre

Tracklist

Disc 1
1. At the Launch Pad   (Part I) 2:26
2. Ignition   (Part II) 1:10
3. Launch   (Part III) 1:57
4. World One   (Part IV) 11:34
5. World Two   (Part V) 3:15
6. World Three   (Part VI) 6:39
7. World Four   (Part VII) 3:07
8. Blood Rose Mansion   ("Core Pack Bonus Track") 3:55
Gesamtlaufzeit34:03


Rezensionen


Von: Gunnar Claußen @


Eigentlich könnte ich diesen Text mit Platitüden eröffnen: "Die globale Vernetzung durch das Internet macht sichtbar, dass auch in weniger oft beachteten Gegenden des Erdballs moderne, am Puls der Zeit liegende Musik aufgenommen wird. So auch in der pakistanischen Metropole Karachi, in der ein gewisser Saad Akhter Ali im eigenen Reckoning-Storm-Tonstudio anno 2010 ein formidables Progmetal-Instrumentalalbum namens "The Storm Engine" produziert und als kostenlosen Download veröffentlicht hat." - Nicht, dass diese Tatsachen nicht ansatzweise zutreffen würden, aber seit 2010 hat sich offenbar doch einiges verändert, das den Zugang zu "The Storm Engine" etwas abenteuerlicher macht: Ali und sein Tonstudio gibt es immer noch und beide sind sogar offenbar ganz gut im Geschäft mit Aufnahmen für Filme und Videospiele. Nur: "The Storm Engine" ist dabei irgendwie verschütt gegangen. Auf seinem Soundcloud-Profil existieren noch Ausschnitte, aber der komplette Download ist scheinbar nicht mehr aufzufinden. Wer heute also "The Storm Engine" hören möchte, sollte sich umschauen oder Ali eben direkt anschreiben, vielleicht ist da was zu holen.

Unberührt davon bleibt natürlich die Musik, wie sie sich eben 2010 herunterladen ließ. Aus der Tatsache, dass die einzelnen Tracks hier als "Parts" bezeichnet werden, lässt sich wohl ein gewisses Konzept ableiten, das umgekehrt natürlich die Abfolge der Songs motivieren dürfte. Entsprechend sollte es nicht überraschen, dass "At The Launch Pad" als reines Intro aus A-Gitarren, Funkverkehr-Samples und Streicherbegleitung funktioniert und es auch mit der durch stockeriges Riffing vertonten "Engine Ignition" noch nicht wirklich losgeht. Das geschieht erst in "Launch" und den folgenden vier "Worlds", die hier offenbar durchreist werden sollen, und erst hier entfaltet sich der Stil, den Ali zu pflegen gedachte, logischerweise voll.

Wie eingangs angedeutet, geht es hierbei um instrumentalen Progmetal - und bei Reckoning Storm ist das eine relativ moderne Ausprägung. Ergo gibt es relativ technisches Riffing, das so gut wie immer auf die Unterstützung der groovigen Rhythmik hinarbeitet. Die umgebende melodische Gitarrenarbeit ist dabei mehrheitlich mehrstimmig angelegt, und dabei wird es selbstredend polyphon und polyrhythmisch. Auf weitere Elemente wie beispielsweise Keyboard-Streicher wird nicht verzichtet, aber das Spotlight zeigt ganz klar auf die Gitarre. Das alleine reicht schon, um relativ spannende Musik zustande zu bringen, und in "World One" als längstem Track ergeben sich so schöne Gegensätze aus solistischen, riffenden, polyphonen und gemeinsamen Passagen der verschiedenen Stimmen. Das schlägt sich immer wieder auch in überraschenden, aber stimmigen Breaks nieder, beispielsweise beim Übergang zu eher schwerem Riffing um 2:30 herum, gefolgt von ein paar Petrucci-artigen Momenten. Auch nette Zuspitzungen gibt es hier, etwa durch einen Doublebase-Part um 6:30 herum oder durch interessant eingefädelte Dissonanzen bei 9:50.

"World Two" und "World Three" variieren diesen Klang zwar nicht wesentlich, nehmen sich kompositorisch dagegen aber etwas anders aus. So setzt "World Two" auf regelmäßig wiederkehrende neoklassische bzw. -barocke Gitarrenlinien und bietet auch einige entsprechend kontrapunktisch angelegte Breaks, wohingegen "World Three" zwar wieder moderner klingt, dafür aber auch einige eher rockig anmutende Abschnitte einschiebt. Letzteres Stück hätte allerdings auch den Makel, dass sein letztes Drittel mit einigen eher beliebig klingenden Dudel-Soli die Spannung nicht zu halten vermag. "World Four" fällt allerdings komplett aus dem Rahmen, denn statt Gitarren-Progmetal sind hier eher Schwelgereien auf dem Klavier mit Keyboardorchester und zirkulierenden Motiven angesagt, was zwar außerordentlich synthetisch klingt (man beachte diesen indifferent harten Anschlag des Klaviers), als Abschluss der Reise aber in Ordnung geht. Hintenan folgt mit dem explizit als Bonustrack ausgewiesenen "Blood Rose Mansion" nochmals eine Progmetal-Nummer mit weiteren Barock-Referenzen.

An und für sich ist "The Storm Engine" damit eine durchaus interessante Angelegenheit für Genrefans. Einen großen Haken hat die Sache aber doch, und das ist der Sound. Vor allem die Begleitungen (Keyboards, Bass, Schlagzeug/Drumcomputer) klingen hier blass, blechern und synthetisch, aber auch die Gitarren sind nicht immer optimal zu hören. In den gemeinsamen Passagen verfließen diese an sich recht kraftvollen Klänge eher unscharf ineinander, in den Soli dagegen wird es manchmal etwas dünn - zeitweilig klingt es ein bisschen nach den alten Mike-Oldfield-Aufnahmen. Mit gutem Willen kann man darüber aber hinwegesehen, und möglicherweise bekommt Ali diese Sounds mittlerweile im Studio auch viel besser hin. Es bleibt somit ein suboptimal produziertes, aber kompositorisch interessantes Progmetal-Album von außergewöhnlicher Herkunft, dessen Veröffentlichung und aktuelle Nicht-Verfügbarkeit allerdings die Formulierungen aus der Einleitung eben ad absurdum führt.

Anspieltipp(s): World One
Vergleichbar mit: nach heutigen Maßstäben wohl Bands wie Cydemind oder Nova Collective
Veröffentlicht am: 18.10.2017
Letzte Änderung: 18.10.2017
Wertung: 8/15
Punktabzug für den Sound, bei besserem Klang wären bestimmt 2-3 Punkte mehr drin

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