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Boredoms

Vision Creation Newsun

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1999
Besonderheiten/Stil: instrumental; Krautrock; RIO / Avant; Spacerock
Label: Birdman, WEA Japan
Durchschnittswertung: 12/15 (1 Rezension)

Besetzung

Yamantaka Eye Mix, Vocals, Synths, Samples, Turn Table, Open Reel, Vocoder, Computer, Electronics, Edits
Seiichi Yamamoto Gitarre, Vocals
Hilah (Hiyashi Hira) Bass, Effekte, Vocals
Yoshimi P-We Schlagzeug, Percussion, Vocals, Casiotone
ATR (Kazuya Nishimura) Schlagzeug, Percussion, Electric Pad, Vocals
EDA Schlagzeug, Percussion, Electric Pad, Vocals

Tracklist

Disc 1
1. 13:42
2. 5:22
3. 6:51
4. Ҩ 6:33
5. 6:19
6. 7:21
7. 6:26
8. Ω 7:36
9. ずっと 7:31
Gesamtlaufzeit67:41


Rezensionen


Von: Fabian Lutz @


Um den Krautrock-Tag etwas zu relativieren und den Leser auf die Musik auf Vision Creation Newsun vorzubereiten, sei besser erwähnt, dass Boredoms vor allem experimentelle Musik machen. Oder: Ein Blick auf die Tracklist genügt. Wichtig ist auf jeden Fall, dass die Nummer Spaß macht und Spaß hatte die japanische Kombo auf ihrem Trip. Das hört man, und das reißt mit.

Der fette, dreizehnminütige Opener "◯" beginnt mit Klangloops, beschwörenden Vocals, ehe ein sanftes Klangchaos aus Schlagzeug-, Gitarren-, Vocal- und Elektronikschnipseln über den Hörer hereinbricht. Einer möglichen kognitiven Überforderung beugt der Track aber gleich auch vor und kippt in einen monoton-schnellen, wenn auch facettenreich-organischen Schlagzeug- und Trommelgroove bester Krautrockart. Über dem erklimmen die Gitarren zu surrender Elektronik sonderbare Tonleitern, die beschwörende Stimme ruft monoton den Albumtitel: "Vision. Creation. Newsun". Sanftheit bleibt dabei das Stichwort, denn obwohl die Musik treibend und feinfasrig aus dem Lautsprechern prescht, bleibt ein recht weiches Klangbild erhalten. Auch, da die Musik auf "◯" ab gut vier Minuten in ein stärker drumkonzentriertes Konzept kommt, wieder in seinen Tonleitergroove verfällt, ehe der Track spiegelbildlich zum Beginn in ein Klangchaos gerät, das sich langsam abbaut und dann in wilden Synthie-Wellen verrauscht. Ein großartiges Klangmonument, ein ziemlicher Trip.

Das Boredoms-Rezept zeichnet sich hier schon ab und wird im weiteren Verlauf des Albums noch deutlicher: Montones, schnelles, facettenreich-organisches Kraut-Drumming (drei Schlagzeuger inkl. Percussion sind beteiligt!) mit an- und abschwellenden Klanglandschaften, einfach in der horizontal-zeitlichen Struktur, klanglich aber komplex. Daneben lassen es sich die Langweiler auch nicht nehmen, abweichende Elemente einzustreuen, etwa in "☆", der plötzlich in abgehakte Tonfetzen zerfällt, nölige Synth-Geräusche streut, ehe sich das Drumming wieder durchsetzt. Auch folkig-sanfte, ambientartige Momente, wie etwa auf dem mit Vogelzwitschern unterlegten "~", der ersten Hälfte von "↑" oder quäkend-nervige Computerstimmexperimente wie auf "◎" bringen unverhoffte Variation ins meditativ-gleichbleibende Konzept. Auf "Ҩ" dürfen Hawkwind-Hörer aufmerken, zu hardrockigen Gitarren steigt die Synthiespur bis ins Weltall auf.

Überhaupt lassen sich die Boredoms auch als ideale Spacekombo sehen. Ihr radikal minimalistischer Ansatz hypnotisiert und zieht in die Weite oder Tiefe, eben wie es gerade kommt. Manche schrillen, zu spielfreudigen Elemente führen zwar auch in banale-comichafte Bereiche, aber der Spaß sei der kreativen Band gegönnt.

Anspieltipp(s): ◯, ☆, ~
Vergleichbar mit: Acid Mothers Temple, Can, Neu!
Veröffentlicht am: 11.11.2017
Letzte Änderung: 19.5.2018
Wertung: 12/15
Krautrock mal anders

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