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Servi

Rückkehr aus Ithaka

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1986
Besonderheiten/Stil: instrumental; Elektronische Musik
Label: AMIGA
Durchschnittswertung: 8/15 (1 Rezension)

Besetzung

Tomas Nawka Elektronische Instrumente
Jan Bilk Elektronische Instrumente, Akkordeon, Piano

Tracklist

Disc 1
1. Thetis 3:42
2. Hellespont 4:58
3. Symplegaden 3:15
4. Kirkes 10:22
5. Medea 3:17
6. Chiron 4:36
7. Sirenen 3:46
8. Laistrygonen 4:58
9. Nausikaa 7:11
10. Leukothea 5:34
Gesamtlaufzeit51:39


Rezensionen


Von: Achim Breiling @


In den 80ern war in der DDR, ausgelöst wohl durch den Stilwandel Reinhard Lakomys, vielleicht auch den Erfolg von Pond, zunehmend Elektronisches angesagt. Bis zum Ende des Arbeiter- und Bauernstaates später im Jahrzehnt erschienen beim Staatslabel AMIGA ein Dutzend Alben mit entsprechenden Klängen, die oft den Schriftzug "Electronics" auf dem Cover trugen. Neben den drei Elektronikalben Lakomys war das auch bei der Erstlings-LP von Servi der Fall, dem 1986 erschienenen "Rückkehr aus Ithaka".

Servi entstand offenbar 1975 als Gottesdienstbegleitband in der Nähe von Bautzen um die beiden sorbischen Tastendrücker Tomas Nawka und Jan Bilk. Damals nannte man sich noch Servi pacis (Diener des Friedens). Ende des Jahrzehnts zogen die beiden Hauptprotagonisten zur Fortsetzung des Studiums nach Berlin, wo man dann ab 1981 als Elektronikduo tätige war. 1983 erschien in Eigenregie mit "Vertrauen" das Debütalbum des Projekts auf Tonbandkassette (angeblich der erste privat produzierte Tonträger, der in der DDR frei verkauft werden durfte). Das zweite Album der beiden war dann "Rückkehr aus Ithaka", dem 1988 noch die LP "Pas De Deux In H" folgte. Zudem produzierte man Musik für Radio, Film und Fernsehen.

Im Covertext auf der LP-Rückseite stellt kein geringerer als Wilfried M. Bonsack fest, dass "verwandtschaftliche Anklänge großer Vorbilder innerhalb der elektronischen Musik nicht zu überhören sind", und nennt da Jean-Michel Jarre, Tangerine Dream, Klaus Schulze und Vangelis, und sieht zudem "Assoziationen zu den modernen Strömungen des Electronic-Rock". Jo, das passt schon, wobei man Servi sogar zugestehen muss, dass sie hier um einiges gehaltvollere Musik produziert haben, als die meisten der eben genannten Vergleichsklangerzeuger es in der Mitte der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts getan haben.

Keyboards und Synthesizer benutzen Bilk und Nawka meist, denen man natürlich anhört, dass sie aus den 80er Jahren stammen, selten auch ein Piano oder ein Akkordeon. Dazu kommen ab und zu (leider) allerlei elektronische Nachahmungen von Perkussion (inklusive des berüchtigten Plastikklatschen). Damit erzeugen sie eine Art von Elektro-Symphoprog, klangvoll, kosmisch-spacig-schwebend, gelegentlich in leicht experimentelle Gefilde geratend (also formlos klangmalend – z.B. stellenweise im langen "Kirkes"), oft aber auch rhythmisch gefügt (eben durch die Schlagwerkimitationen). Das Ergebnis ist wohl der End-70er-Musik Jarres am ähnlichsten, kommt aber ganz ohne Sequenzermuster aus, und gleitet meist etwas erhaben-sakral dahin. Bisweilen kommen aber auch die von Bonsack genannten (damals) modernen Strömungen zum tragen, die die Musik dann in Richtung Elektropop a la "Magic Fly" befördern (man höre z.B. "Medea"). Selten tauchen auch Elemente sorbischer Volksmusik auf (eigentlich nur in den Akkordeoneinlagen im Stück "Sirenen").

Ein durchaus farbiges Gemenge an Elektronikklängen haben Servi hier erzeugt, das nach meinem Geschmack allerdings etwas zu harmlos und brav, ohne kosmische Tiefe oder experimentelle Kanten voran gleitet, und zudem durch die "modernen" Beimengungen, insbesondere die Plastikperkussion, in Mitleidenschaft gezogen wird. An die beiden Lakomy-Scheiben kommt man sicher nicht heran. Trotzdem ist "Rückkehr aus Ithaka" ein ganz interessantes Zeitdokument (wie "Planetenwind"), welches sich musikhistorisch veranlagte Elektronikadepten durchaus zulegen können. Das Album wurde unlängst auf CD wiederveröffentlicht, allerdings nur als Teil der 5er-CD-Edition "AMIGA Electronics" (zusammen mit "Zeiten", und Alben von Jürgen Ecke, Key und Hans-Hasso Stamer - die alle, bis auf das Lakomy/Oleak-Album, noch pop-orientierter geraten sind). Da das Teil aber zum Preis einer Einzel-CD zu haben ist, wäre vor allem für den eben angesprochenen Kundenkreis eine Investition durchaus interessant.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 12.11.2017
Letzte Änderung: 30.3.2018
Wertung: 8/15

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