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Jeffrey Biegel

Manhattan Intermezzo

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2016
Besonderheiten/Stil: instrumental; live; mit Orchester; Konzeptalbum; Moderne Klassik
Label: Naxos
Durchschnittswertung: keine Wertung (1 Rezension)

Besetzung

Jeffrey Biegel Piano
Benjamin Wesner Clarinet (tracks 5, 6)
Paul Phillps Conductor
Brown University Orchestra

Tracklist

Disc 1
1. Manhattan Intermezzo   (Neil Sedaka, arr. L. Holdridge for piano and orchestra) 18:10
2. Piano Concerto No. 1

1. Allegro Giojoso 9:46
2. Andante Molto Cantabile 2:27
3. Toccata Con Fuoco 7:38

  (Keith Emerson, arr. J. Mayer for piano and orchestra)
19:51
3. New World A-Comin'   (Duke Ellington, arr. M. Peress for piano and orchestra) 13:34
4. Rhapsody In Blue   (George Gershwin, arr. F. Grofe for piano and orchestra) 17:44
Gesamtlaufzeit69:19


Rezensionen


Von: Nik Brückner @


Ein Klassikalbum? Auf den Babyblauen Seiten? Jetzt haben wir aber wirklich den Faden verloren. Naxos? Dieses Album dürfte das erste sein, das erste von diesem Klassiklabel, das hier rezensiert wird. Wenn diese Rezension überhaupt freigeschaltet wird - schließlich ist das hier ein Klassikalbum.

Halt! 'tschuldigung, 'tschuldigung, 'tschuldigung, Tony Banks' "Seven - A Suite For Orchestra" ist auch auf Naxos erschienen. Aber das ist ja auch Tony Banks, der war immerhin bei Genesis. Aber wer ist Jeffrey Biegel?!?

Jeffrey Biegel ist ein amerikanischer Pianist, Komponist, Arrangeur und Pädagoge. Der Mann spielt Mozart, hat dessen komplette Klaviersonaten eingespielt. Es gibt auch eine Version von Vivaldis Vier Jahreszeiten für Solo Piano von ihm. Außerdem spielt er Lucas Richman, Steve Barta, William Bolcom, Dick Tunney, Ellen Taaffe Zwilich und Kenneth Fuchs.

Hm? Tja, das sind Komponisten der Gegenwart. Biegel ist kein verstaubter Musiker im Schwalbenschanz, vielmehr liegt ihm die Gegenwart, sowohl ihre Musik als auch die heutigen technischen Möglichkeiten ihrer Präsentation, sehr am Herzen. 1997 übertrug er zum Beispiel die ersten Konzerte aus der historischen Steinway Hall in New York im Internet. Immer wieder spielt er Welturaufführungen. Tja, und 2001 lernte Biegel dann Keith Emersons "Piano Concerto No. 1" kennen - und wurde ein starker Fürsprecher des Stücks. Er sagt: "Was ich hörte, erstaunte mich, wegen seiner rhythmischen Lebendigkeit, seinem melodischen Erfindungsreichtum und seiner allgemeinen Anziehungskraft. Ich beschloss, es dann unter meine Fittiche zu nehmen und es so oft wie möglich aufzuführen." So oft wie möglich integriert er es seither in seine Programme.

2016 erschien es dann auf einer seiner CDs. "Manhattan Intermezzo" versammelt vier Kompositionen, die eine Verbindung mit New York City haben. Neben Emersons Concerto sind das Arbeiten von Neil Sedaka, Duke Ellington und George Gershwin. Biegel wird dabei unterstützt vom Brown University Orchestra unter der Leitung Paul Phillips'.

Die Kompositionen von Neil Sedaka und Keith Emerson wurden jeweils nur einmal aufgezeichnet, jeweils mit dem Komponisten an der Tastatur. Auch Duke Ellingtons "New World a-Comin’" ist erst die zweite Aufnahme des Stückes – erstmals wurde es 1988 von dem Pianisten Sir Roland Hanna eingespielt. Die "Rhapsody in Blue" dagegen ist natürlich ein Klassiker – es gibt aber eine Originalversion, die trotz der Bekannheit des Stücks nur selten zu hören ist. Als die Redaktion der Harms Publishing Company die Rhapsody einst für die Veröffentlichung vorbereitete, wurden mehr als fünfzig Takte aus dem Klavier-Solo-Teil und mehrere Takte Orchestermaterial gestrichen. Auf dieser CD spielt Jeffrey Biegel nun die komplette Rhapsody in Blue nach der restaurierten Ausgabe des Originalmanuskripts von 1996, die Alicia Zizzo besorgt hat.

Ich will mich gar nicht auf die anderen Kompositionen einlassen – ich habe die "Rhapsody in Blue" zwar hier, mehrere Aufnahmen, und sogar die Noten, aber jedes Wort, das ich darüber verlöre, wäre armselig und dilettantisch. Was mich interessiert, ist Keith Emersons "Piano Concerto No. 1". Denn für dieses, und womöglich sogar darüber hinaus für den gesamten Prog bzw. für die gesamte Rock/Klassik-Crossover-Szene hat dessen Hinzunahme zu diesem Album einen gewissen Leuchtturmcharakter. Langsam, ganz langsam beginnt man offenbar, Werke wie dieses mit mehr zu betrachten als nur mit gönnerhafter Milde. Nachdem es diverse Transkriptionen in der Vergangenheit bereits gegeben hat, nehmen es nun ernsthafte Vertreter der klassischen Zunft in ihre Programme auf.

Und Biegel macht das mit großer Kompetenz. Er weiß viel über Keith Emerson und über die Entstehung des Klavierkonzerts – die Episode mit dem Brand seines Privathauses in Sussex eingeschlossen, die zum dritten Satz, "Toccata con Fuoco", geführt hat. Biegel spielt das Werk gemäß der originalen Orchestrierung von Keith Emerson und John Mayer. Zunächst fällt das geringfügig verlangsamte Tempo auf. Dies kommt dem Klavierspiel sehr zugute, hat Emerson bei der Originalaufnahme von 1977 doch gerade im Hinblick auf die Sauberkeit ziemlich zu wünschen übriggelassen. Biegels Spiel dagegen ist makellos und klar – wozu eben gerade die Verlangsamung ihren Teil beiträgt. Wer den Pianopart genau hören will, der wird in Zukunft eher Biegel als Emerson zuhören.

Was das Orchester angeht, verhält es sich da gerade umgekehrt. Schon in der einleitenden 12-Ton-Passage für Holzbläser und Streicher hört man erste Schludrigkeiten, wenn die Einleitung um 0:38 herum kulminiert. Auch später im „Allegro giojoso“ wird das Orchester immer mal wieder wackeln, bisweilen erklingen kurz sogar falsche Töne.

Der zweite Satz, das "Andante molto cantabile" perlt nur so dahin, auch hier glänzt Jeffrey Biegel. Kurz gibt es Abstimmungsprobleme mit dem Orchester, dennoch ist dieser Satz ein Höhepunkt der Aufnahme. Das liegt unter anderem daran, dass man in dem kontrastierenden Mittelteil in F-Moll die begleitenden Kontrafagott und Kontrabass nun deutlich hören kann, während sie auf der Originalaufnahme eher zu erahnen sind.

Im dritten Satz, passend „Toccata con Fuoco“ benannt, brechen nun die Angst und Hoffnungslosigkeit, die Emerson angesichts des Brandes empfunden haben muss, mit voller Wucht über den Hörer herein. Das extrem schnelle und laute Bass-Ostinato in b-Moll kommt scharf und präzise, die perkussiven Staccato-Akzente im Mittelteil ebenso, und das majestätische F-Dur-Thema, das das Finale im 3/4-Takt zum Abschluss bringt, glänzt in seiner ganzen Pracht.

Die Unterschiede zu Emersons Version sind damit beschrieben: Biegels Spiel ist klarer, sauberer, präziser, er kann als klassisch ausgebildeter Musiker zudem weitaus mehr aus dem Klavierpart herausarbeiten, weil er stärker nuanciert als Emerson und auch eine größere Dynamik erzielt. Dass er aber auch die gleiche Aggressivität entfalten kann wie der Rockmusiker Emerson, überrascht: Das Bass-Ostinato in der Toccata, oder deren massive Schlussakkorde müssen sich hinter denen Emersons nicht verstecken. Das Brown University Orchestra spielt gut, hat aber im Vergleich zum London Philharmonic Orchestra hier und da seine Schwächen. Klar überlegen dagegen ist die Aufnahme Biegels, was das Klangbild angeht. Diese ist bei weitem differenzierter, die Höhen glänzender, die Bässe präziser, es fällt mit der Neueinspielung entsprechend leichter, die Beiträge der einzeln Musiker herauszuhören.

Jetzt aber zu der entscheidenden Frage: Das ist 'ne Coverversion, oder?

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 20.11.2017
Letzte Änderung: 20.11.2017
Wertung: keine

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