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Ghost Toast

Out of This World

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2017
Besonderheiten/Stil: instrumental; Ambient; New Artrock; Progmetal; Worldmusic / Ethno
Label: Inverse Records
Durchschnittswertung: 12/15 (1 Rezension)

Besetzung

László Papp drums
János Stefán bass, sound effects, samples
János Pusker cello, keyboards
Bence Rózsavölgyi guitar

Tracklist

Disc 1
1. Ka Mai 5:33
2. Gordius 6:42
3. Alia 7:20
4. The Dragon’s Tail 7:51
5. Minotaur 5:23
6. Kaia 8:13
7. Last Man 7:38
8. Ishvara 6:40
9. Pawn of Fate 3:11
Gesamtlaufzeit58:31


Rezensionen


Von: Peter Meyer @


„Out of this World“ ist ein feines Album. Warum? Weil es ausgefeilte Kompositionen bietet und bei aller Relaxtheit noch genügend Schubkraft nach vorn entwickelt. Und weil es (fast) ein Instrumentalalbum ist. Die Stimmensamples werden wie Instrumente eingesetzt; sie entsprechen als klangliche Attribute dem Bandkonzept: Einer Verbindung der Themen Fantasy und Mythologie innerhalb der einzelnen Songs. Die verhallte und gedoppelte Frauenstimme, z.B., verkündet gewollt unidentifizierbare Botschaften durch unbekannt erscheinende Sprache, angeblich Finnisch (Kaia, mehr dazu unten). Nachrichtentexte oder hörspielhafte Ausschnitte steigern die Dramatik, und das erinnert zum Beispiel an Mercy Falls von „Seventh Wonder“.

Aber der Reihe nach. Die Welt ist ein Labyrinth, und nur mit helfender Hand kannst du ihm entkommen. Soviel zur Aussage des schwarz-weißen Covers, auf dem mit präzisen Federstrichen die Hilflosigkeit des Individuums in einer immer weniger Orientierung gebenden Umgebung dokumentiert wird. Eine riesige Hand (die Hand Gottes?) zieht das verlorene Häuflein Mensch aus dem perspektivlosen Irrgarten heraus.

Der Pressetext zur Veröffentlichung verortet die Musik von Ghost Toast zwischen Russian Circles, Scale The Summit und Tool, mit einem ordentlichen Schuss World-Music. Das Programm beginnt verhalten/lässig, bevor schwerer Gitarrensound das Kommando übernimmt und dem Hörer erste heftigere Metallinjektionen verabreicht (Ka Mai). Schon jetzt offenbaren sich die ungewöhnlichen rhythmischen Verschiebungen, die im späteren Verlauf ordentlich Kopfzerbrechen bereiten werden. Obwohl man sich auch entspannt zurücklehnen und das Zählen bleiben lassen könnte.

Die erfreuliche musikalische Kompetenz, die die vier Ungarn besitzen, lässt sich nämlich exemplarisch an der vertrackten Rhythmik von Gordius darstellen. Die ist außerordentlich “gordian“ - ein Gordischer Knoten, kaum zu durchschlagen. Was haben die Musiker eingeworfen, um da drinzubleiben und nicht rauszukommen? Dass es sich um Debreciner Knoblauchkapseln handelt (die man an der ungarisch-rumänischen Grenze traditionell zur Abwehr von Vampiren benötigt) konnte nicht bestätigt werden. Der metrisch eher Hausmannskost gewohnte Testhörer musste sich von einem erfahrenen Schlagzeuger assistieren lassen („Die können was, die Jungs“), denn diese Taktfolgen sind etwas für arrivierte Feinschmecker (oder ambitionierte Zählmeister). Also, nicht zuhause nachmachen! Drei verschiedene Teile sind erkennbar: Auf einen Mix aus 8/8, 9/8, 8/8, 10/8 (mit späterer Kürzung um x/8, ein Schema F existiert hier nicht) folgt jeweils ein auf 15/8 basierender Teil (das ist der mit dem Cello). Nach geraden 4/4, die „Einsen“ werden verwirrenderweise nicht betont, geht es in die nächste Runde, alles nochmal auf Anfang. Da geht einem schon mal das innere Metrum flöten. Das ist ein herausragendes Stück Musik und ein Grund, sich mit den Meisterwerkern aus dem östlichen Ungarn genauer auseinanderzusetzen - auch wenn die restlichen Tracks nicht ganz das Niveau halten können. Interessant bleibt die Mischung aus vielseitiger Klanglandschaft, energetischem Progmetal, mystischem Artrock und Ethno-Elementen allemal.

Alia, die Single-Auskopplung vom Juni 2017, ist der erste Track mit menschlichen Stimmen (Flüstern, Frauen-und Kinderstimmen aus der TV-Serie „The Dune“), die der geräuschhaften Atmosphäre neben subtilen Perkussionstexturen und warmen langgezogenen Klängen ambiente Dimensionen geben.

The Dragon´s Tail, und Kaja schließen sich mit ähnlichen Stilmitteln an, sind etwas gewaltiger und metallhaltiger bzw. gehen stärker in Richtung Weltmusik. Die Vocalsamples sind Zitate aus verschiedenen Audio- oder Fernsehproduktionen. Für Kaia wurden die als Trockensignale vorliegenden Versatzstücke der amerikanischen Queercore-Punk/Rock/Folksängerin Kaia Wilson aus dem 2012 er A-Cappella-Album „Freedom Land“ verwendet (Song: Kaiababies) und mittels Effektgeräten (Reverb, Delay) verfremdet.

Minotaur basiert im Wesentlichen aus einer Abfolge dreier repetitiver Muster aus zunächst elektronischen Grooves, später Gitarrenlicks, über die die Soloinstrumente (Cello, Gitarren, Keyboards) ihre Melodien und Arpeggien legen. Spannung erhalten die ostinaten Figuren wegen wechselnder Instrumentierung und dem durch zunehmend dynamischere Schlagzeugbegleitung entstehenden Crescendo.

„K.O.K.W. Calling“: Auf „internationalen Frequenzen“ künden Sondermeldungen von einer außergewöhnlichen Gefahrenlage (aus den Filmen „The Last Man on Earth“ und „Omega Man“). Das ist das Setting, mit dem Last Man beginnt; es bildet den Rahmen für die folgende spannungsgeladene Musik. Auch hier dominiert wieder die Mixtur aus weichen Celli, herben E-Gitarren und kraftvollen Drums.

Nahöstliche Gesangsfetzen und allerlei perkussive Zutaten bei Ishvara unterstützen zwar den beabsichtigten weltmusikalischen Appeal, wirken in Summe aber zu beliebig und zu aufgesetzt, was „Progman Rob“ von Progressive Music Planet zu dem indignierten Kommentar veranlasste, aufgrund der Inkonsistenz der Stücke habe er den Verdacht, hier seien mehrere Bands am Werk.

Auch das abschließende Pawn of Fate wartet mit bombastischen Klanggebilden auf, kann aber dramaturgisch nicht mit Ka Mai und Gordius und deren Killer-Riffs mithalten; der letzte Song verebbt nach zwei Dritteln der Laufzeit gemessen am Kracher-Intro des 15-Punkte-Auftakts unspektakulär. Positiver ausgedrückt: "Nach einem letzten musikalischen Höhenflug geleiten Ghost Toast den Hörer mit ruhigen Klängen zur Erde [bzw. ins Labyrinth!] zurück“ (Silence Metal Magazin).

Anspieltipp(s): Gordian, Ka Mai, Last Man
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 5.12.2017
Letzte Änderung: 6.12.2017
Wertung: 12/15
Die Ethno-Ausflüge können weniger überzeugen, trotzdem ist Progman Pete durchaus beeindruckt.

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