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Status Minor

Three Faces of Antoine

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2017
Besonderheiten/Stil: Konzeptalbum; Progmetal
Label: Lion Music
Durchschnittswertung: 9/15 (1 Rezension)

Besetzung

Markku Kuikka vocals
Jukka Karinen keyboards
Sami Saarinen guitars
Eero Pakkanen bass
Rolf Pilve bass

Tracklist

Disc 1
1. Helen 0:47
2. Our Common Curse 5:09
3. Turn Back Time 9:23
4. The Tunnel 3:42
5. Free Me 7:40
6. Hard to Find 3:45
7. Max and Pattie 0:55
8. Feel My Hunger 12:34
9. Slenderman 6:26
10. Me 4:48
Gesamtlaufzeit55:09


Rezensionen


Von: Peter Meyer @


Das wird jetzt rezensiert! Weil es brandneu ist. Status Minor („Karinen-Saarinen-Band“ würde als Bandname auch sauber durchgehen) gibt es zwar schon seit 2003, dieser ist aber erst der dritte Longplayer. Bei Acts, die „Status“ im Namen tragen, ist ja nun traditionell Vorsicht geboten. Minor soll hier wohl einen Hinweis auf das schwermütige, melancholische Tongeschlecht geben, dessen sich die Finnen aus Tampere, dem „Manchester des Nordens“, häufig bedienen. Ob nun Dur oder Moll, es ist progressive Metal. Ich mag die Spielarten des progressive Metal, wenn´s nicht zu guttural wird (ängstliche Proggies fürchten sich vor den fiesen Growls). Ich find´s gut, vor allem dann, wenn es ein wenig in Richtung AOR geht (wie z.B. bei Threshold), und eingängig soll es sein (womit wir schon wieder bei Bands mit „Status“ im Namen wären). Da sind die finnischen Holzfäller schon mal nicht schlecht aufgestellt.

Sechs Jahre dauerte nun die Produktion dieses Konzeptalbums „Three Faces of Antoine“. Wer ist dieser Antoine, um den es geht, der Mann mit den drei Gesichtern? Und auf was für Gesichter müssen wir uns einstellen? Auf dem Cover von Lord Colin O’Neal ist Antoine kaum zu erkennen, die Darstellung wirkt eher wie ein missglückter Rorschachtest in schwarzweiß.

Status Minor, die Quo des Nordens, erzählen uns eine Geschichte, und sie beginnt mit Helen wie in einem Hörbuch. Heile Welt, unbeschwerter Mittelstand, eine Durchschnittsfamilie. Der main character stellt sich uns vor - allerdings nicht namentlich - ein Allerweltsmann, ein family guy. Er beschreibt sich als Liebhaber von Science Fiction und Horrorzeugs. Die Sprachsequenzen werden zum Teil innerhalb der Songs fortgesetzt, bilden auch eigene Tracks; das dürfte nicht jedermanns Sache sein. Aber eine dramatische Steigerung der Geschichte ist unverkennbar, es bleibt nicht so unanstößig nett wie es beginnt. Der Plotpoint, die unglaublichen Geschehnisse an jenem Dienstagmorgen in der Nähe einer Bushaltestelle (Me), sollen natürlich an dieser Stelle nicht verraten werden. Da kommt ihr selber drauf, Englisch bis zur zehnten Klasse reicht. Aber dann - parental advisory explicit contents.

Our Common Curse, es wird erstmalig brachial und - tatsächlich! - etwas ungemütlich. „Curse“ bezeichnet ja nicht umsonst einen Fluch. Gradliniger, bombastischer und melodischer Progmetal mit rauhem Gesang, gitarrenorientiert und sekundiert von Keyboardflächen (so ähnlich auch: Feel My Hunger, Free Me). Bei diesen Songs sind die Jungs am besten.

Turn Back Time setzt das mit gleichen Stilmitteln fort, etwas getragener in 3/4 bzw. 6/8. Der nordic Metal dockt an bei Darkwater, Voyager und Lost In Thought, wobei die Musiker selbst sich in unmittelbarer Nähe zu Symphony X sehen. Die Sprechtexteinschübe wiederum provozieren - erneut - einen Vergleich zu „Mercy Falls“ von Seventh Wonder.

Free Me - mit längeren Solopassagen - ist glücklicherweise keine Cover Version des Titels von Uriah Heep. Damals hatte der Les Humphries Singer John Lawton übernommen, und es wurde für die alten Heep-Fans zunehmend freudlos. Aber das nur am Rande.

Bei The Tunnel wird´s dann endlich richtig minor. Das Stück ist ein Instrumental, hauptsächlich von einer Gitarrenmelodie getragen, dazu kommen als Soundeffekte verzerrte Stimmen, wie aus einem Funkverkehr. Die bedrückte Stimmung wird beibehalten, denn Hard to Find kommt mit Klavierintro und Akustikgitarre, der oktavierte Gesang und die Melodie wirken unheimlich und finster, ein Deprisong, Soundtrack direkt aus der Psychiatrie.

Feel My Hunger ist das längste Stück, zwölfeinhalb Minuten, und eigentlich ziemlich gelungen. Der permanente Wechsel von h-moll auf E-Dur im Refrain ist eine handelsübliche Akkordfolge und passt auch hier gut. Eine Steigerung zum Schluss durch ansprechende Gitarrensoli und Synthesizer-Arpeggien kommt einer angemessenen dramatischen Gestaltung entgegen. Eingesprochener Text als Interludium von 53 Sekunden zerstört diese Absicht dann wieder, denn der musikalische Fluss wird unterbrochen; der Text ist ja durchaus wichtig, ihn in eigenen, abgetrennten Tracks (wie bei Helen, Max and Pattie und Me) unterzubringen, wäre die bessere Idee gewesen.

Den musikalischen Abschluss bildet bereits Slenderman, ein langsamer Song in 3/4, bei dem man zuweilen denkt, man hätte Jon Bon Jovi auf den Hörern.

Die restlichen fünf Minuten brauchen Status Minor, um den mittlerweile ungeduldigen Rezipienten mit einem weiteren Sprechtext über das dritte Gesicht des Antoine aufzuklären.

Die Musiker zelebrieren hier pessimistischen Progmetal im Mainstream-Fahrwasser. Wer die Bandbreite zwischen Darkwater und Symphony X kennt und schätzt, dürfte auch mit diesen Skandinaviern etwas anfangen können. Störend, wie schon beschrieben, und abzugfördernd wirkt sich die Unart aus, Sprechtexte in die Songs zu integrieren.

Anspieltipp(s): Our Common Curse
Vergleichbar mit: siehe oben
Veröffentlicht am: 15.12.2017
Letzte Änderung: 15.12.2017
Wertung: 9/15

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