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Vitral

Entre As Estrelas

(Tipp des Monats 3/2018)
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2017 (Kompositionen: 1983-85, Aufnahmen: 2016-17)
Besonderheiten/Stil: instrumental; Klassischer Prog; RetroProg
Label: Masque Records
Durchschnittswertung: 12/15 (1 Rezension)

Besetzung

Claudio Dantas Drums and Percussion
Eduardo Aguillar Bass and Keyboards, all Instruments in Vitral except Flutes
Luiz Zamith Electric Guitars
Marcus Moura Flutes

Tracklist

Disc 1
1. Pétala de Sangue 6.49
2. Entre as Estrelas

1. Entre as Estrelas 8.34
2. Estação Alfa 0.38
3. Nêmesis 7.23
4. Estação Beta 0.19
5. Scalabrium 5.53
6. Estação Gama 0.40
7. Portais do Tempo 5.27
8. Estação Delta 0.58
9. Deimos e Phobos 6.56
10. Estação Épsilon 1.25
11. Zodíaco 5.49
12. Estação Zeta 0.36
13. A Conquista daTerra dos Sonhos 7.37

3. Vitral 5.12
Gesamtlaufzeit64:16


Rezensionen


Von: Siggy Zielinski @


Anfang der 80er Jahre existierte in Rio de Janeiro eine Musikgruppe namens Vitral (zu Deutsch: Glasmalerei). Vitral gab es damals nur ungefähr zwei Jahre und es sind keine nennenswerten Aufnahmen aus dieser Zeit erhalten geblieben. Oder es wurden nie solche erstellt.

Wann genau die Idee aufkam, Vitral wiederzubeleben ist nicht überliefert. Es stellt jedenfalls fest, dass mit Claudio Dantas (Schlagzeug) und Eduardo Aguillar (Bass und Keyboards) nur zwei Originalmitglieder bereit waren, bei der unverhofften Wiederbelebung mitzumachen. Zu den Originalmitgliedern gehörte übrigens auch die Keyboarderin Elisa Wiermann, die zusammen mit Dantas in den 90ern Quaterna Réquiem leitete.

Frau Wiermann hat anlässlich der CD-Veröffentlichung auch einen kurzen Text verfasst, in dem die Musik von Vitral mit der Schönheit der bunten Kirchenfenster, die ihren Ursprung im Mittelalter haben, verglichen wird. Dementsprechende Referenzen sind sowohl in der Musik, als auch in dem Artwork auszumachen.

Mit Luiz Zamith (elektrische Gitarren, aktiv mit Ícones do Progressivo und als Solokünstler) und Marcus Moura (Flöten, Bacamarte, Solo) war die Mannschaft für die Studioaufnahmen komplett. Bei den Konzertauftritten wird Vitral zusätzlich von dem Bassisten Vitor Trope (Orchestra Rio Camerata) unterstützt.

Die zwischen 1983 und 1985 von Eduardo Aguillar komponierten Stücke wurden also 2016/17 mit der aktuellen Besetzung aufgenommen. Mit dabei auch der über 50-minütige, mehrteilige Longtrack „Entre as Estrelas“. Nur die kurzen, mit „Estação“ im Titel aufwartenden Fragmente sind 2016 hinzugekommen.

Geboten wird symphonischer Instrumental-Prog erster Güte, der sich nach den besten, bekanntlich in den 70ern erdachten Vorgaben des Genres richtet. Die Musik klingt ein wenig so, als würden sich die Mitglieder von Camel, Genesis, Focus, Yes und Jethro Tull zusammentun, um die farbenfrohen Stücke voller klassischer Schönheit und Lebensfreude zu erschaffen. Die weiter oben genannten, geschmacksvoll eingearbeiteten mittelalterlichen und Renaissance-Musik-Referenzen inklusive.

Seine Rolle als Keyboarder hat den alleinigen Stückeschreiber Aguillar nicht etwa dazu verleitet, dem Keyboard-Arsenal die einzig wichtige Rolle einzuräumen. Selbst in den von den Tasteninstrumenten dominierten Passagen fällt sein Spiel durch eine gewisse Eleganz und Disziplin auf. Die nach elektronischer Musik klingenden, unter maßgeblicher Verwendung eines Sequencers realisierten Keyboard-Einwürfe dürfen ganz sicher als die ganz eigene Note von Vitral gelten.

Die von der Flöte und der Gitarre vorgetragenen, oft einnehmend wirkenden Melodien sind für das Gesamtbild mindestens genauso wichtig, wie die Keyboards. Die gehaltvolle und energetische Leichtigkeit einiger Einfälle braucht auch die Vergleiche mit den besten Kompositionen des italienischen Progressive Rock nicht zu scheuen.

Es ist schon erstaunlich, was Eduardo Aguillar da Anfang der 80er komponierte. Der sogenannte Neoprog interessierte ihn offenbar gar nicht. Stattdessen gelang es ihm damals, den Geist des Prog der frühen 70er in einer Zeit perfekt zu reproduzieren, als so etwas offenbar kaum eine Plattenfirma interessierte. (Ist es eigentlich schon Retro-, oder eher noch „klassischer Prog“, wenn etwas zwischen 1983 und 1985 im Geiste der frühen 70er komponiert wurde?).

Ich kann mich kaum in andere Symphonic Prog-Sympathisanten hineinversetzen. Aber es kann vermutlich nicht ganz ausgeschlossen werden, dass es Stimmen gibt, die die hier vorliegende Musik mit den Colossus-Projekten vergleichen und als „konstruiert“ bezeichnen. Was soll’s, vieles in diesem Genre, darunter auch Stücke wie „Supper’s Ready“ ist ja bekanntlich auch „konstruiert“.

Das scheinbar durch die Schönheit der mittelalterlichen Glasfenster inspirierte „Vitral“ könnte als das geschmackvollste Prog-Instrumental gelten, das eigentlich das Duo Rick Wakeman/Ian Anderson hätte aufnehmen müssen.

Es brauchte also fast 40 Jahre, bis wir diese bestens gelungenen Symphonic Prog-Schönheiten bestaunen dürfen. Kein Freund von instrumentalem Symphonic-Prog sollte nach meiner Ansicht „Entre as Estrelas“ verpassen!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 21.2.2018
Letzte Änderung: 22.2.2018
Wertung: 12/15

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