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Roberto Musci & Giovanni Venosta

Messages & Portraits

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1990 (Aufnahmen von 1986-88)
Besonderheiten/Stil: Elektronische Musik; RIO / Avant; Worldmusic / Ethno; sonstiges
Label: ReR Megacorp
Durchschnittswertung: 11/15 (1 Rezension)

Besetzung

Roberto Musci Synthesizers, Keyboards, Guitars, E-Piano, Tapes, Electronics, Voice
Giovanni Venosta Synthesizers, Keyboards, Piano, Electronics, Tapes

Gastmusiker

Valentino De Santi Electronics
Tiziano Tononi Percussion
Andrea Petrus French Horn
Sandro Cerino Bass Clarinet, Sax, Flute
Daniele Cavalanti Sax
Franchino Gabualdi Oboe
Paolino Dalla Porta Double Bass
Marco Vecchi Electronics

Tracklist

Disc 1
1. Technowaltz   (Water Messages on Desert Sand) 4:12
2. Water Music 2:05
3. Empty Boulevard 2:03
4. Mechanic Soul versus Pathetic Ambient 3:46
5. Nexus on the Beach 6:12
6. Vientiane 11:12
7. Malangaan 3:50
8. Digital Ketjak 2:08
9. Old Time Religion 3:59
10. Lilongwe 29/2/52 Radio Concert Hall   (Urban and Tribal Portraits) 4:38
11. Tamatave 4:23
12. Dialoge between a Dreamer and Others 2:44
13. Batida De Coca 3:26
14. Rackrailway to ... 3:47
15. The Ups & Downs of a Chewing Gum 3:53
16. El Lamento De Los Ayatollah 5:09
17. Starfishes & Kangaroos 3:48
18. Lullabies...Mother Sings...Father Plays... 3:28
Gesamtlaufzeit74:43


Rezensionen


Von: Achim Breiling @


Roberto Musci und Giovanni Venosta kommen offenbar aus Norditalien, vermutlich aus Mailand, oder sie leben dort zumindest vornehmlich. Vor allem in den späteren 80er und den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts haben die beiden oft gemeinsam musiziert und aufgenommen. Zwei Alben hat das Duo in den 80ern für Chris Cutlers Recommended Records aufgenommen: "Water Messages On Desert Sand" (1987) und "Urban And Tribal Portraits" (1988). 1990 erschien mit dem Titel "Messages & Portraits" eine neu abgemischte Twofer-CD-Version der beiden Alben, wobei man aus Platzgründen 5 Titel hat weglassen müssen.

Klangbastler sind Musci und Venosta, die aus allerlei gefundenem Klang, also Tonbandmitschnitten, und ihren eigenen, akustisch-elektronischen Tonschöpfungen abwechslungsreiche Suiten zusammen stellen. Dabei hat vor allem Venosta einen Hang zu Ethnoklängen, die daher einen Großteil der eingebundenen Tonbandschnipsel darstellen. Diverse musikalische Momente aus aller Welt, Gesang meist, aber auch kurze Instrumentaleinwürfe und Perkussives, oft elektronisch verfremdet, werden zusammen mit neu eingespieltem elektronischem und akustischem Klang zu einem abwechslungsreichen Soundteppich verwoben, einem bunten akustischen Patchworkteppich (man betrachte auch das Cover).

Das Ergebnis ist eine Art von experimentelle Avantgarde-Worldmusik, die sich meist in durchaus melodischen, wenn auch für europäische Ohren fremdartigen Gefilden bewegt. Zumindest zur Entstehungszeit, also in der zweiten Hälfte der 80er, waren diese Klänge und der kompositorische Ansatz wohl noch einigermaßen ungewöhnlich. Inzwischen sind ähnliche Samplergemenge ja gar nicht mehr so selten. Zudem war das Vermengen und Zusammenschneiden dieser Sounds damals noch weitestgehend Handarbeit. Vielleicht war Muscis und Venostas Arbeit auch ein wenig Vorbild für heutige Ethno-Elektronikproduktionen.

Allerdings erweitern die beiden Italiener ihre Tape-Elektronik noch durch allerlei akustische instrumentale Einlagen, teilweise von Gastmusikern beigesteuert, z.B. durch Klänge von Piano, Gitarre, Blasinstrumenten und Perkussion. Eine Art vielteilige elektro-akustische Elektroniksymphonie kommt hier also aus den Boxen, die eher bedächtig und unaufgeregt, bisweilen fast ambientartig dahin gleitet, aber auch sehr farbig und vielseitig ausgefallen ist. Eine gewisse klangliche Verwandtschaft zu Produktionen von Brian Eno mit Ethnoeinflüssen lassen sich ausmachen (siehe z.B. "My Life In The Bush Of Ghosts") könnte man ausmachen, oder zum Japan-Umfeld, doch wirkt die Musik von Music & Venosti sehr homogen und eigen. Sonderliche stilistische Unterschiede bestehen zwischen beiden hier vereinigten Alben übrigens nicht.

Der einzige wirkliche Kritikpunkt ist wohl die Art und Weise wie (nicht nur auf diesem Album) mit den exotischen Klangquellen umgegangen wird. Keiner der Musiker(innen) und Sänger(innen), deren Hervorbringungen einen durchaus essentiellen Teil des Albums ausmachen, wird namentlich erwähnt oder referenziert. "Pygm chant from Centroafrican republic" steht dann da, oder "Burundi story teller who accompanies himself with an Ingana", "Voices of Australian Aborigines", oder "Ethopian male chorus". Vermutlich wussten Musci und Venasto meist selbst nicht genau wer da jeweils singt und spielt. Vielleicht waren die jeweiligen Protagonisten mit der Wiederverwendung einverstanden. Doch vermutlich haben die wenigsten derselben etwas von ihrer "Beteiligung" an diesem Album erfahren. So spiegelt sich hier (und auf vielen ähnlichen oder späteren Ethno-Samplerproduktionen) das kolonialpolitische Denken einstiger Zeiten wieder, in denen man Kunst aus den "Kolonien" wie selbstverständlich für sich vereinnahmt, und oft auch gestohlen hat.

Wie auch immer, "Messages & Portraits" ist eine sehr runde und gelungene Angelegenheit, mit der Klangabenteurer, die sich Elektronisches und milde Kammermusikalisch-Avantgardistisches in einem Ethnogewandt vorstellen können, sehr viel Freude haben sollten.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 10.3.2018
Letzte Änderung: 25.3.2018
Wertung: 11/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Roberto Musci & Giovanni Venosta

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1992 A Noise, A Sound 12.00 1
2015 Vampyr And Other Stories 12.00 1

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