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M.L.Bongers Project

Pacific Prison

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1978
Besonderheiten/Stil: Klassischer Prog
Label: Eigenproduktion
Durchschnittswertung: 12/15 (1 Rezension)

Besetzung

Jacques Thysen bass, acoustic guitars
Günter Heinz drums, percussion
Joe Grande guitar
J. Georg Kobeck keyboards
Marcel L. Bongers voices and rearranged lyrics

Gastmusiker

Georg Michels flute

Tracklist

Disc 1
1. Look Into Future 5:19
2. Isle Of Patience & Faith 4:38
3. Diedown 1:41
4. Time Goes By 2:00
5. First Despair 6:24
6. Daybreak 4:05
7. The Night 2:12
8. Escape On A Lightbeam 6:16
9. A Deadly Smile 1:52
Gesamtlaufzeit34:27


Rezensionen


Von: Jörg Schumann @


M.L.Bongers Project? Nein, hierbei handelt es sich nicht um eine Coverband des Alan Parsons Project, sondern um Musiker, die in den 70er-Jahren in Köln aktiv waren.

Marcel Bongers, ein in Südafrika geborener und aufgewachsener Holländer, lebt seit den 60er Jahren in der Domstadt. Bereits als Teenager spielte er in verschiedenen Bands, wobei er offenbar jeweils ausgeschiedene ehemalige Bandmitglieder ersetzte. So war er nacheinander erst Schlagzeuger, dann Keyboarder und schliesslich auch Sänger. Dadurch gewann er mit der Zeit nicht nur musikalische Erfahrung, sondern tourte auch ausgiebig in der lokalen Szene. Beachtenswert und bei Konzerten aufsehenerregend war dabei ein selbstgebauter Klangerzeuger, bestehend aus Sinusgeneratoren, Ringmodulatoren und diversen Effektgeräten, welche Bongers in eine Hammondorgel-ähnliche Kommode eingebaut hatte.

Eines Tages besuchte Bongers auf Empfehlung eines Freundes ein Konzert der Band Llewelyn, die Progrock im Stile seiner Lieblingsband Genesis spielte. Die Musiker von Llewelyn waren im Kern schon seit 1972 gemeinsam musikalisch aktiv, die Band wurde dann offiziell zwei Jahre später gegründet. Als Sextett (zusätzlich zur Stamm-Besetzung auf Pacific Prison spielten noch Michel Verdbois (Flöte) und Jef Mertens (Gesang) mit) gab man Mitte der 70er Jahre zahlreiche Konzerte in ganz Deutschland und im umliegenden Ausland. Nach einigen Umbesetzungen stand ab Mai 1975 das endgültige, deutsch-belgische Line-Up. Als Mertens schliesslich berufsbedingt ausschied, fragte man Bongers, ob er den Part als Sänger und Frontman übernehmen wolle. Bongers übte seine Parts ein und man ging mit dem Material, welches später auf Pacific Prison veröffentlicht werden sollte, auf Tour.

Leider brach die Band danach aus verschiedenen Gründen (finanzielle Situation, private Verpflichtungen der Bandmitglieder) auseinander, so dass schliesslich ausser einigen unfertigen Demo-Tapes nichts von Llewelyn übrig blieb. Bongers versuchte ohne Erfolg, die anderen Mitglieder dazu zu bewegen, die Stücke für eine Schallplattenproduktion fertig zu stellen. Lediglich Kobeck spielte seine Parts komplett neu ein und Bongers fügte fehlende Gesangslinien hinzu. Dazu wurde Georg Michels für die "Flötentöne" engagiert. Da es die Band Llewelyn nicht mehr gab, wurde das Album schliesslich unter dem Namen M.L.Bongers Project in einer Auflage von 1500 Stück produziert und veröffentlicht.

Pacific Prison handelt kurz zusammengefasst von einem Leuchtturmwärter, der einsamen und verlassen auf einer Insel in seinem Turm lebt, zunehmend verzweifelt ist und sich irgendwann im Wahn von seinem Turm in den Tod stürzt. Die Geschichte wurde damals an Konzerten mit einem Bühnenbild von 10m Breite und 4m Höhe aufgeführt, vor dem Bongers die einzelnen Stücke in verschiedenen Masken und Verkleidungen und durch eine grosse Lichtshow unterstützt, performte.

Als typisch für ihren Stil beschrieben Llewelyn ihre Musik damals als ständigen Wechsel zwischen Rock und lyrischen Parts, zwischen Rhythmus und Harmonie. Durch zahlreiche verschiedene Instrumente, die zudem noch durch Effekte variiert wurden, entstand so ein abwechslungsreicher, voller Sound.

Llewelyn spielen eine irgendwie seltsame Mischung aus melodiösem klassischem Progrock, der die Inspiration durch die frühen Genesis nicht leugnen kann, gleichzeitig aber auch immer wieder eine Yes`sche Schlagseite offenbart. Am ehesten umgibt das Album eine Aura von Trespass, in welche man Fasern von Tales from Topographic Oceans eingewoben hat. Ein abgefahrener Squire-Bass gibt den Stücken Halt und Struktur, die Gitarre erinnert immer mal wieder an Steve Howe, die Keyboards sind vielfarbig, mal schwebend, mal spaceig-experimentell, das Schlagzeug geschäftig bis virtuos und leicht-luftig-verspielt, dazu gesellen sich lieblich-lyrische Flötenlinien. Bongers schliesslich veredelt das Ganze mit einer interessanten, variablen Stimme, die die Geschichte des Protagonisten passend erzählt. Dazu wehen Wind- und Sturmgeräusche aus den Boxen, die einen den Leuchtturm vor dem inneren Auge entstehen lassen.

Die Kompositionen sind stark, das Album hat einen schönen Spannungsbogen und klingt überraschend gut.

Pacific Prison ist eine weitere unentdeckte Perle aus den fernen Zeiten des klassischen Progrock. Schön, dass es solche auch im Rhein gab.

Anspieltipp(s): kaufen und durchhören
Vergleichbar mit: Genesis, Yes und doch sehr eigenständig
Veröffentlicht am: 22.3.2018
Letzte Änderung: 23.3.2018
Wertung: 12/15

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