SUCHE
Erweiterte Suche
NEUER LESESTOFF
Johann Sebastian Bach und die Rockmusik. Zitate, Paraphrasen, Bearbeitungen (25.4.2018)
ARCHIV
NEUE REZENSIONEN
26.4.2018
Melanie Mau & Martin Schnella - The Oblivion Tales
25.4.2018
Cross & Jackson - Another Day
Mezz Gacano & Self-Standing Ovation Boskàuz Ensemble - Kinderheim
Piniol - Bran Coucou
Retroheads - Introspective
24.4.2018
Häx Cel - Häxcellent
23.4.2018
Piniol - Bran Coucou
22.4.2018
Holosud - Fijnewas Afpompen
Isildurs Bane - Off the Radar
WEEND'Ô - Time of Awakening
21.4.2018
Guru Guru - Rotate!
Sonar - Vortex
Sama Dams - Say It
Holger Czukay - Movies
20.4.2018
HeKz - Invicta
TesseracT - Sonder
19.4.2018
The Grandmothers of Invention - Live in Bremen
ARCHIV
STATISTIK
24551 Rezensionen zu 16784 Alben von 6538 Bands.
SITE MAP
STARTSEITE

The Pink Mice

in action

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1971
Besonderheiten/Stil: instrumental; Klassikrock / Adaptionen; Klassischer Prog
Label: Europa
Durchschnittswertung: 11/15 (1 Rezension)

Besetzung

Peter Hecht keyboards
Peter Hesslein guitar, vocals
Dieter Horns bass, vocals
Joachim Rietenbach drums

Tracklist

Disc 1
1. Italienisches Konzert/Air/Italienisches Konzert

1. Italienisches Konzert in F-Dur, 1. Satz
2. Air aus der Suite Nr. 3 in D-Dur
3. Italienisches Konzert in F-Dur, 3. Satz

  (J. S. Bach)
4:34
2. Mondscheinsonate/Für Elise

1. "Für Elise", Bagatelle A-Moll
2. Sonate Für Klavier Nr. 14 Cis-Moll (Mondschein)

  (L. van Beethoven)
9:32
3. Konzert Für Trompete Und Orchester Es-Dur   (J. Haydn) 4:17
4. Anitras Tanz, aus "Peer Gynt"   (E. Grieg) 5:23
5. Sonate für Klavier Nr. 8 C-Moll (Pathètique), Satz 1 - 4   (L. van Beethoven) 6:45
6. 3. Brandenburgisches Konzert, 1. Und 3. Satz   (J. S. Bach) 5:57
Gesamtlaufzeit36:28


Rezensionen


Von: Nik Brückner @


Okay, also jetzt wird's so rrrrrrrrichtig anno domini. Und die Namen James Last, Ted Herold und Marius Müller-Westernhagen fallen. Also anschnallen! Ihr seid in für einen Reit.

The Pink Mice war eine deutsche Prog-Band, die sich als Ableger von Lucifer’s Friend bildete und zwischen 1970 und 1974 im Fahrwasser des Erfolgs von Emerson, Lake & Palmer barocke und klassische Musik in den Rockkontext adaptierte. Peter Hecht, Dieter Horns, Peter Hesslein und Hans-Joachim Rietenbach, allesamt auch bei Lucifer’s Friend tätig, gründeten zu diesem Zweck die Band Pink Mice. "(The Pink Mice) in Action" war ihr erstes Album, eingebettet in das zuvor erschienene Ekseption-Debüt und das danach erschienene Triumvirat-Debüt. Es enthielt Kunstmusik-Adapt(at)ionen von Haydn bis Grieg, kombiniert mit kraftvollen - wie sagte man damals? - Beats und verschwitzem Hardrock.

Der finanzielle Erfolg für solche Musik blieb allerdings aus. Auch wenn ELP damit Millionen verdienten, HHHR gelang das nicht, und so lösten die vier ihre Band wieder auf und betrieben stattdessen Lucifer’s Friend weiter. Und spielten bei James Last, man muss ja schließlich essen. Hesslein war später auch im Panikorchester von Udo Lindenberg aktiv, und arbeitete mit so unterschiedlichen Musikern wie Ted Herold und Marius Müller-Westernhagen zusammen.

Okay, soviel Geschichte muss sein. Kunstmusik-Adapt(at)ionen also. Eins der ureigensten Betätigungsfelder von Prog-Musikern. Gut, die Jazzer haben's vorgemacht, und auch HHHR dürften Jacques Loussier gehört haben, bevor sie "in action" angingen, ebenso wie The Nice/ELP oder eben Ekseption. Wer solche Musik mag: Das hier gehört in die gleiche Ecke.

Und die Pink Mice machen das gar nicht mal so übel. Alle Formen der "Verrockung", die damals innerhalb weniger Jahre ja recht schnell erarbeitet waren, und bis heute kaum erweitert wurden, sind hier vorhanden: Das direkte Zitat, das Arrangement für Rockbesetzung, das Zerfleddern des Originals, bis nur noch das einzelne Riff, das eingängige Ostinato, die bekannte und beliebte Melodie übrigbleiben. Man darf sich keine Illusionen machen, darum geht es hier: Die Klassik-Hits werden auf ihre Ohrwurmpassagen reduziert und dann entweder mit anderen Ohrwurmpassagen oder mit eigenen, rockigen/bluesrockigen, jazzig-funkigen oder progigen Ideen kombiniert, die dann oft improvisiert sind. Diese Rockpassagen werden teils aus dem vorgefundenen Material herausentwickelt, teils einfach effektvoll gegen die Kunstmusik gesetzt. So ist z. B. der Bruch zwischen der aus dem ersten Satz des Italienischen Konzerts in F-Dur herausentwickelten Rockimprovisation zum bekannten "Air" allzu abrupt, während die auf den ersten Blick seltsame Kombination von "Für Elise" und der "Mondscheinsonate" deshalb funktioniert, weil die Musiker es geschafft haben, in beiden das Rockwalzerpotenzial zu erkennen und es hinkriegen, dieses auch in einen, na sagen wir, halbwegs überzeugenden Progmehrteiler umzusetzen.

Anderes ist raffinierter verschränkt. "Anitras Tanz" aus der Suite "Peer Gynt" etwa bekommt anstatt einer Basstimme ein veritables Riff verpasst, das sich im Verlauf des Stücks naturgemäß zwar verändert, aber immer ein kraftvolles Rockriff bleibt. Dann wird die Vorlage zunächst zum bloßen Vehikel für ein Gitarrensolo, wenn dann aber die Orgel wieder einsetzt, verwendet Hecht Teile der Originalmelodie in seinem Soloteil, so dass der Zusammenhang zwischen Rock und Gynt gewahrt bleibt.

Ein spannendes Album also, anhand dessen man bis heute gut sehen kann, wie seit Mitte der sechziger Rockmusiker Vorlagen aus der Kunstmusik aufgreifen und umarbeiten. Wer sowas mag, The Nice, ELP, Ekseption, Trace und so weiter, der sollte sich das mal anhören. Ist 'ne mittlere Entdeckung.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 16.4.2018
Letzte Änderung: 17.4.2018
Wertung: 11/15

Zum Seitenanfang

Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von The Pink Mice

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1973 in Synthesizer Sound 10.00 1

Zum Seitenanfang

© 1999-2018; Das Copyright aller Texte liegt bei den jeweiligen Autoren; Haftungsausschluss
Site Map - Startseite - FAQ - Reviews - Leitfaden - Lesestoff - Kontakt - Links
RSS | Impressum