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M.A.L.

My Sixteen Little Planets

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2018 (Aufnahmen von 1972-76)
Besonderheiten/Stil: instrumental; Elektronische Musik; Krautrock
Label: Sub Rosa
Durchschnittswertung: 11/15 (1 Rezension)

Besetzung

Daniel Malempré Fender Stratocaster, Wah-Wah Pedal, Bass, Organ, Voice

Gastmusiker

Alain Neffe Synthesizer, Flute, Organ, Clarinet, Claves, Voice

Tracklist

Disc 1
1. Deimos 8:54
2. Betelgeuse 2:56
3. Mira 3:02
4. Elara 7:14
5. Thor 9:41
6. Thethys 6:35
7. Phobos 2:09
8. Erinome 3:46
9. Callisto 3:11
10. Pegase 1:22
11. Altair 3:37
12. Rhea 2:35
13. Casiopee 3:24
14. Dagobert 1:27
15. Pandore 15:12
16. Lysithea 1:08
Gesamtlaufzeit76:13


Rezensionen


Von: Achim Breiling @


Ist Manuel Göttsching ein Plagiator? Nun, auf den Innenteilen des schmucken Digipacks, in dem das hier rezensierte Album "My Sixteen Little Planets" geliefert wird, ist ein Text zu finden, der dies als durchaus möglich erscheinen lässt. Das Album vereinigt diverse in den Jahren 1972-76 entstandene Aufnahmen des belgischen Untergrund-Musikers Daniel Malempré, der meist unter dem Projektnamen M.A.L. tätig war bzw. ist. Malempré war in den 70ern oft im Umkreis von Alain Neffe zu finden (Human Flesh, Pseudo Code, Bene Gesserit), der auch auf einigen Nummern von "My Sixteen Little Planets" zu hören ist. Neffe war damals einer der Köpfe von Kosmose, einer belgischen Kraut-Psych-Formation, mit der Malempré bisweilen jammte oder auftrat. Gleichzeitig bastelte er an eigenem Material.

Anfang 1974, so führt der oben erwähnte Text aus, sandte Malempré eine Auswahl seiner vermittels E-Gitarre, Wah-Wah-Pedal und 4-Track-Bandmaschiene aufgenommenen Musik an die Labels Virgin und Ohr, mit der Frage, ob diese an seiner Musik interessiert wären. Von Virgin kam schnell eine Absage, doch von Ohr ward erst einmal nichts gehört. Ende des Jahres kam dann auch ein negativer Bescheid, kurz nachdem Göttsching "Inventions for electric guitar" veröffentlicht hatte! Na und? Nun, Malempré behauptet nun, dass Göttschings Musik sehr nach seinen Tonschöpfungen klang, nach repetitiven E-Gitarremustern versehen mit Echoeffekten, erzeugt mit einem TEAC Vierspurgerät. Damals hat er sich allerdings nicht darüber beschwert, zumindest nicht öffentlich, oder mit Hilfe eines Rechtsanwaltes.

Jetzt, über 40 Jahre später, gibt es Malemprés Tape auf CD (und Doppel-LP), ergänzt um weiteres, nach dem Ohr-Vorfall entstandenes Material. Und? Klingt das nach "Inventions for electric guitar"? Ja, stellenweise durchaus. Man höre z.B. "Callisto", oder das gleich anschließende "Pegase", und die minimalistischen Muster von "Echo Waves" und "Pluralis" sind sofort präsent. Wenn Göttsching diese Stücke wirklich Anfang 1974 gehört hat, und sich hat inspirieren lassen, dann war die auf seinem Album zu hörende Musik sicher keine sonderliche (eigene) Invention. Aber, das ist sie sowieso nicht gewesen, denn Günter Schickert hat z.B. zeitgleich ganz ähnliche Klänge erzeugt (siehe "Samtvogel"), und Achim Reichel schon 2-3 Jahre früher Vergleichbares präsentiert und auf Tonträger veröffentlicht (wie z.B. "Echo" beweist). Somit war es schon ohne die Causa Malempré ziemlich überheblich von Göttsching so zu tun, als hätte er da irgendetwas erfunden. Er hat vielleicht etwas weiter entwickelt und perfektioniert.

Wie auch immer, sehr gute und ziemlich interessante Musik ist auf "My Sixteen Little Planets" auch ungeachtet der obigen Verwicklungen zu finden. Die Echo-Momente sind dabei gar nicht einmal so vorherrschend. Hallende und schallende E-Gitarrenklänge wabern, tackern, jaulen und klampfen hier dahin, mal floydig-psychedelisch, mal spacig-kosmisch, bisweilen ergänzt um Flöte, Synthesizer, Orgel oder Klarinette, durchaus abwechslungsreich verwoben, dynamisch voran gleitend, hypnotisch schwebend, intensiv jammend und voluminös hallend. Der belgische Krautrock von Kosmose ist hier nicht weit weg, und natürlich - wie oben dargelegt - von Gitarren bestimmte Exkurse à la Ashra (Tempel), Schickert, GAM und A.R. & Machines. Vor deren zeitgleich (oder eben etwas später) entstandener Musik hätte sich Malempré damals sicher nicht verstecken müssen.

Wer solcherlei Musik schätzt, der sollte auch hier auf seine Kosten kommen. Sicher war es eine prima Idee diese Musik doch noch zu veröffentlichen, ganz unabhängig davon, wer hier nun wen inspiriert hat. Kosmische Krautrockfreaks sollten auf jeden Fall zugreifen!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 21.5.2018
Letzte Änderung: 9.6.2018
Wertung: 11/15

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