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Judge Smith

The Garden Of Fifi Chamoix

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2017
Besonderheiten/Stil: instrumental; Konzeptalbum; DVD; Klassischer Prog; Moderne Klassik; sonstiges
Label: Masters Of Art
Durchschnittswertung: 11/15 (1 Rezension)

Besetzung

Judge Smith Film, Musik, Programmierung

Gastmusiker

David Jackson Saxofon, Querflöte
John Ellis Gitarre, Ukulele
Helen Lunt Cello
Ret Warwick Piano

Tracklist

Disc 1
1. The Garden Of Fifi Chamoix

1. Opening Titles
2. Spring
3. Summer
4. Mr. Sun Comes Out
5. High Summer
6. Charlotte
7. Sheets & Summer Flower
8. Mosaic
9. The Dragon
10. Before & After
11. The Rose Waltz
12. Autumn
13. Mr. Sun Goes In
14. Late Autumn
15. The Final Spring
16. Closing Credits

40:28
2. Judge talks about the film   (DVD-Extra) 12:12
Gesamtlaufzeit52:40


Rezensionen


Von: Gunnar Claußen @


Judge Smith scheint ausgetretene Wege zu vermeiden: Auch sein bislang (2018) jüngstes fertiggestelltes Projekt unterscheidet sich auf außergewöhnliche Weise von allem, was der Brite bislang zustande gebracht hat. "The Garden Of Fifi Chamoix", erschienen auf DVD, wird als "Film-with-Music" respektive "Music-with-a-Film" bezeichnet. Enthalten ist unschwer zu erraten ein ca. 42-minütiger Film mit eigens dafür komponierter Musik (oder eben eigens zur Musik gefilmten Bildern), und beides thematisiert den titelgebenden Garten, den Smiths Lebensgefährtin Fiona Lindsay alias Fifi Chamoix in jahrelanger Kleinarbeit von Gestrüpp und Unkraut befreite und ihm stattdessen mit kunstvoll arrangierten Gewächsen und Dekoration ein geradezu beängstigendes Eigenleben einhauchte, wie es Smith diesmal im Bonusmaterial höchstpersönlich schildert. Das Ende dieser Geschichte soll indes hier auch nicht verschwiegen werden: 2014 wurden Haus, Grundstück und Garten verkauft, womit "The Garden Of Fifi Chamoix" quasi das Vermächtnis darstellt.

Ironischerweise konnte Smith erst nach dem Umzug das über die Jahre zusammengetragene Filmmaterial sichten, und auch die im vergleichbaren Zeitraum komponierte Musik wurde erst in dieser Zeit mit Hilfe bekannter Gäste aufgenommen und in die nun auf der DVD zu hörende Form gebracht. Das Konzept, i.e. die mittels Bildern und Klängen umgesetzte Handlung scheint nun darin zu bestehen, den genannten Garten im Laufe eines Jahres zu präsentieren. Das geschieht vor allem filmisch auf verschiedenen Ebenen: Einerseits wird quasi in dokumentarischer Form die Entwicklung der Natur über das Jahr hinweg dargestellt. Blumen und Büsche (fragt mich nicht, ich bin in botanischer Hinsicht nicht mal ein Laie) treiben aus, stehen im Sommer in voller Blüte und ziehen sich im Herbst wieder zurück, bis schließlich Regen und Sturm durch die Vegetation peitschen.

Andererseits ist auch die Gartenarbeit und -pflege immer wieder ein Thema - gerade Fiona Lindsay wird regelmäßig gezeigt, wie sie Sträucher zurechtschneidet, Lebensweisheiten auf Steintafeln pinselt oder sich im Liegestuhl in die Lektüre eines Garten-Ratgebers vertieft. Auflockernd dazwischen sind immer wieder kleinere, für sich geschlossene "Geschichten" zu sehen: Eine Hummel krabbelt in eine Blüte, die Katze Charlotte erbeutet eine Maus, ein Nachbar liest im Gartenstuhl die "Sun". Zwischenzeitlich fokussiert die Kamera aber auch die unzähligen eigentümlichen Dekorationsobjekte: Buddha-Statuen sind ebenso zu finden wie ein aus Blech nachgebildeter Reiher, Steuerräder aus Drahtgeflecht oder eine in knalligen Farben lackierte Auspuffanlage. Was dann sogleich den Bogen zu den Traumsequenzen und der Fiktion schlägt: Hier treten - mit den Smith zur Verfügung stehenden Mitteln inszeniert - nicht nur eine Elfe, sondern vor allem auch "Mr. Sun" auf, eine kauzig angelegte Personifikation sommerlich schönen Wetters.

Gemäß der obigen Beschreibung könnte man vermuten, dass die Bilder alleine tragfähig wären. Das ist angesichts der verwendeten Technik eventuell ein Trugschluss, denn in Bezug auf visuelle Eigenschaften wie Schärfe, Sättigung oder Kontrast ist der Film - was wohl den wechselnden Bedingungen geschuldet sein dürfte - eher inhomogen. Dazu kommen auch einige eher albern wirkende Videoeffekte bei der Überblende zwischen den Szenen. Wichtiger wäre hier aber ohnehin die Tatsache, dass es nun an der Musik liegt, diesem filmischen Liebhaberprojekt (um das abschätzige, aber nichts anderes bedeutende Wort "Amateur" zu vermeiden), in dem sich Geniales mit Banalem abwechselt, eine gewisse Konsistenz zu verleihen.

Und das schafft sie, die Musik, tatsächlich: Immer wieder gibt sie die richtigen Stichworte und rückt die Szenen damit trotz ihrer filmischen Heterogenität in das richtige Licht, um sie miteinander zu verbinden und aus einem Guss erscheinen zu lassen. Dabei reißen Smith und Kollegen eine ganze Menge an Stilen an: Im Vorspann und natürlich am Ende gibt es ein kerniges Jazzrock-Thema zu einem Boogie-Rhythmus. Landregen und Sturm im Frühling bzw. Herbst untermalt man mit bombastischen, aber passenderweise eben fließenden und abwärts gerichteten Akkordfolgen, nur um nachfolgend das Ende des Schauers mit einer triumphalen Fanfare anzukünden. Blühende Büsche im Frühling sind der Anlass für ein lyrisches Saxofonsolo vor einem verspielten Klavier - was ein bisschen an Mike Oldfield erinnert und schließlich in einen bombastischen VdGG-Part mündet.

Andernorts werden immer wieder schnelle Arpeggioläufe à la Philip Glass bemüht, um die allgemeine Entwicklung der Flora im Garten (oder die filigrane Ausgestaltung der Bodenmosaike auf den Wegen) darzustellen. Herauszuheben wäre auch der Humor, wenn Charlotte zu offenkundig von der "Pink Panther"-Melodie beeinflusstem Saxofon-Jazz in Aktion tritt und für die lokale Nagetierpopulation buchstäblich den "Weißen Hai" spielt. Auch "The Rose Waltz" als - nomen est omen - auskomponierter neoklassischer Walzer ist bemerkenswert, zu dem Rosen in allen Blütenfarben und -formen ins Bild gesetzt werden - die dann allerdings am Ende zu einem Flötenmotiv und einem Glockenläuten abgeschnitten werden.

Wie erwähnt: Das Zusammenspiel von Bildern und Ton funktioniert, wobei zugleich die Tatsache, dass Variationen von Themen ähnliche Szenen begleiten bzw. kommentieren, überdies eine Parallele zu Smiths erstem Konzeptalbum "Curly's Airships" darstellt (lustige Parallele andererseits: Der Protagonist dieser songstory erwähnt in "Curly On Civvy Street" beiläufig, in seiner Freizeit Rosen zu züchten). Somit stellen Musik und Bilder letztlich eine zum gegenseitigen Vorteil arbeitende Einheit dar: Die Musik vertont die Bilder, zeigt durch die Verwendung von Themen Parallelen auf und nimmt zugleich eine kommentierende Rolle ein, was insbesondere am Schluss des Films eine bedeutende Rolle spielt. Denn die Melodien vom vorigen Frühling werden zwar wiederholt, aber in variierten Form - und als schließlich ein Maklerschild aufgestellt und der Möbelwagen vorfährt, ist klar, dass dies das letzte Jahr im Garten von Fifi Chamoix war. Und Judge Smith eben einiges von Dramaturgie versteht.

Anspieltipp(s): Naaaa....
Vergleichbar mit: Mike Oldfield, Philip Glass, Van der Graaf Generator
Veröffentlicht am: 22.5.2018
Letzte Änderung: 30.6.2018
Wertung: 11/15
Filmisch-visuell wäre sicher noch Luft nach oben. Aber die Musik...

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Judge Smith

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2000 Curly's Airships 12.33 3
2005 The Full English 10.00 1
2006 Live in Italy 2005 8.00 1
2009 The Climber 11.00 1
2011 Orfeas 11.50 2
2013 Zoot Suit 12.00 1
2016 Requiem Mass 9.00 1

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