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Karmic Juggernaut

The Dreams That Stuff Are Made Of

(Tipp des Monats 8/2018)
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2018
Besonderheiten/Stil: Funk; HardRock; Jazzrock / Fusion; Psychedelic; RetroProg; sonstiges
Label: WKRM The Kream
Durchschnittswertung: 12/15 (1 Rezension)

Besetzung

Daimon Santa Maria vocals, flute
Randy Preston guitar, vocals
James McCaffrey guitar, vocals
Jake Hughes keyboards
Cody McCorry bass, theremin, saw
Kevin Grossman drums, percussion

Gastmusiker

Ian Gray trombone
Joe Gullace trumpet
Joonas Lemetyinen trombone
AJ Merlino percussion, vibraphone

Tracklist

Disc 1
1. Bottomless Gypsy Pit 5:17
2. Krokodil 4:51
3. Robotnik 4:46
4. WKRM Emergency Broadcast 0:44
5. Frunobulax 5:03
6. Circles 0:49
7. Moving 9:00
8. On Your Mark 6:14
9. Living In A Lucid Dream 0:56
10. Goons, Buffoons, & Carnival Barkers 3:33
11. Psycho Billy's Downtown Adventure 2:45
12. Be Careful Loading Camel 8:55
13. Museum Museum 7:40
Gesamtlaufzeit60:33


Rezensionen


Von: Peter Meyer @


Was, um Himmels Willen (oder zum Teufel) ist ein Juggernaut? Der Dictionary hält ihn für einen Fernlastzug. Bedient man sich der Marvel-Ideologie, ist ein Juggernaut eine Art Kampfmaschine, die alles platt macht, was sich ihr in den Weg stellt. Eine solche Konfrontation ist dann unausweichlich, eventuell sogar vorbestimmt. Wenn der Juggernaut also karmic wird, nämlich mit Wucht eine schicksalhafte Dimension erfährt, sind wir auf dem richtigen Weg. Blöd, nicht? Es müssen schon ausgemachte Witzbolde sein, die auf solche Ideen kommen. Und Ideen sind im Überfluss vorhanden, die karmische Dampfwalze ist ein Schwertransport in Sachen Originalität!

Das Sextett aus Ashbury Park/New Jersey präsentiert auf seinem Full-Size-Album (bislang sind hauptsächlich EP´s erschienen) unter Federführung des neuen Frontmannes Daimon Santa Maria 13 Songs, die mit ungewöhnlichen Ideen nur so vollgesogen sind. „The Dreams That Stuff Is Made Of“, hier leicht verändert, bezeichnet eigentlich eine Abhandlung über Quantenphysik von Stephen Hawking. Auch die Songnamen verraten, dass hier eine Combo am Werk ist, die jederzeit zu schrägen Späßen aufgelegt zu sein scheint (was sagen uns Bottomless Gypsy Pit oder Be Careful Loading Camel? Das sind schräge Späße). Dabei ist jeder Titel für sich einzigartig, die Texte behandeln ihre Themen (u.a. politische und gesellschaftliche Befindlichkeiten, B-Movies, psychische Abnormitäten) mit satirischem Amüsement. Die Musiker schöpfen aus einem beträchtllichen stilistischen Reservoir und haben keine Scheu, einem unbeschwerten Eklektizismus fernab des Mainstream zu frönen. Das Repertoire reicht von burleskem Novelty-Style über Psychedelic bis zu pulsierenden Fusion-Jazz-Chorussen à la Return To Forever. Rock, Soul, Funk, Ska - alles dabei, immer mit abwechslungsreicher Rhythmik unterlegt. Der karmische Moloch, der seine Musik gewöhnlich solarenergiebetrieben im innovativen Sun Lab Studio einspielt, wird unterstützt von einer soliden Bläsersektion und einem flinken Vibraphonisten.

So startet die neue Scheibe gleich mit Bottomless Gypsy Pit als kompetent-überdrehtes Two-Tone-Vergnügen bzw. Polka-on-speed, je nach Sichtweise. Kaum hat sich der Hörer an die skurrile Szenerie gewöhnt, kommt das Krokodil, eine breit lächelnde Funk-Anarchie in veritablem Vintagesound mit aufbrausenden Bassläufen und cholerischen Bläsersätzen (das fällige Gelächter ist auf dem rechten Kanal gleich mit eingespielt). Wer hier bereits genug hat, sollte sich langsam zum Weghören aufwärmen, denn es wird noch bunter. Robotnik erscheint als schweres Hammondgeschwader mit explosiven Breaks, rabiatem Riffing und extravagantem Gesang, Frunobulax (der Name klingt wie ein Abführmittel) stimmt mit einer singenden Säge auf einen 7/8-taktigen, obskuren Filmscore ein.
Ein paar kurze Intermezzi sind eingefügt, witzige Radiomeldungen (WKRM Emergency Broadcast) und aurale Skulpturen (Circles, Living In A Lucid Dream).

Die Handclaps geben einen geraden Takt vor, aber der Bass schert sich nicht drum und setzt sich mal eben dazwischen. So beginnt Moving. Und so bleibt´s, rhythmisch irgendwie unergründlich, auch im weiteren Verlauf, wenn Tom Toms, Hammond, Vibraphon, Gitarren und andere einerseits chaotisch, andererseits mit einer merkwürdigen Ordnung ins Geschehen eingreifen. Mal agiert das Ensemble laid back, mal geht ordentlich die Post ab.

On Your Mark, vermutlich der „normalste“ Song im Katalog, wird charakterisiert durch geschmackvolle Bläserharmonien, einfühlsame Vocals und einen schönen und memorablen Refrain.
Nach Living in a Lucid Dream, einem Interplay, das einem im wahren Sinne des Wortes das Ohr abkaut (ausprobieren!), drehen Goons, Buffoons, & Carnival Barkers und Psycho Billy's Downtown Adventure erneut an der Exzentrikschraube. Goons ist stilistisch ähnlich wie Bottomless Gypsy Pit, nur zunächst langsamer; der Rhythmus betont die „2“ und die „4“ (Two Step, vergleiche: Major Parkinson - Heart of Hickory); das Stück ist eine Mischung aus schrillem Jahrmarktsong und spleeniger Novelty-Nummer, bleibt aber musikalisch anspruchsvoll. Mitsingen!

Be Careful Loading Camel beamt uns mitten in eine orientalische Kasbah (irgendwo müssen die Kamele ja beladen werden), obwohl die Musik (sehr verschärftes Gitarrensolo ab 7:27!) glücklicherweise weniger nahöstlich - eher Fusion-verhaftet ist. Beim dekorativen Rausschmeißer Museum Museum kann sich Sänger Santa Maria, der auch mühelos die höheren Lagen beherrscht, neben Keyboarder Hughes noch einmal austoben.

„The Dreams That Stuff Are Made Of“ ist geeignet für Retroprogger, akustisch Erlebnishungrige und andere Verwegene, die sich gern mal von einem Juggernauten überrollen lassen möchten.

Anspieltipp(s): Krokodil, On Your Mark, Moving
Vergleichbar mit: unvergleichlich
Veröffentlicht am: 14.6.2018
Letzte Änderung: 14.6.2018
Wertung: 12/15

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