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The Enid

Live At Loreley

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2012 (Live At "Night Of The Prog" Festival - Loreley 2010)
Besonderheiten/Stil: instrumental; live; DVD; ArtPop; Klassischer Prog; Moderne Klassik
Label: Eigenproduktion
Durchschnittswertung: 11/15 (1 Rezension)

Besetzung

Robert John Godfrey Keyboards
Dave Storey Drums, Percussion
Max Read Vocals, Keyboards, Guitar
Jason Ducker Guitar
Nic Willes Bass, Timpani, Percussion

Tracklist

Disc 1
1. Judgement Day
2. In The Region Of The Summer Stars
3. Sheets Of Blue
4. The Dark Hydraulic Forces Of The Id
5. Childe Roland


Rezensionen


Von: Nik Brückner @


4.9.2010, 5. Night of the Prog Festival, Loreley Amphitheater. Marillion hatten gerade einen hervorragenden, ja den einzigen professionellen Auftritt des Wochenendes hingelegt, die Marillion-Fans waren (nur für Marillion gekommen und gleich wieder) gegangen, und hatten vielleicht 150 Leute übriggelassen - die sodann einen denkwürdigen Auftritt von The Enid erlebten.

The Enid, gegründet 1973, war die einzige klassische Progband bei einem mit Neoprogbands recht unterschiedlicher Qualität nur so gespickten Festival. Gründer Robert John Godfrey war einst Mitglied bei Barclay James Harvest gewesen, darüber hinaus war der Loreley-Auftritt der erste in Deutschland, ja der erste auf dem Kontinent überhaupt. Eine mittlere Sensation also.

Man kann sich denken, wie verwundert ich war, dass kaum jemand die Band kannte.

Die wenigen Fans, die in der zugegebenermaßen kühlen Septembernacht vor der Bühne ausharrten, erlebten dann aber ein Konzert, von dem viele heute noch reden. Erst neulich, nach dem ARW-Konzert, sagte wieder einer: "Wart Ihr damals dabei, bei The Enid, auf der Loreley?" Das Konzert hat einen geradezu legendären Status unter jenen verblieben Zuhörern, und für diese auch in der gesamten Festivalgeschichte.

Eine DVD dieses Auftritts war bereits 2012 fanclubintern zu bekommen, sie wird nun, weil die Band nach den turbulenten Umbrüchen der letzten Monate frisches Geld braucht, um ihre nächsten Projekte auf den Weg zu bringen, zusammen mit einer ganzen Reihe weiterer Releases unbeschränkt zugänglich gemacht.

Großartig! Endlich! Und doch mag mancher vielleicht zögern, sich dieses Konzert-Dokument zuzulegen. Insbesondere wenn er oder sie damals dabei war, auf der Loreley. Zeigt doch die Erfahrung, dass die schönen Erlebnisse mit wachsendem zeitlichem Abstand immer noch schöner, noch eindrucksvoller, und in diesem Fall eben sogar legendär werden. Konfrontiert man sich dann mit einer Aufnahme, die das Auge einer unbestechlichen Kamera und das Ohr eines unbarmherzig objektiven Mikrofons gemacht haben, und die unweigerlich das zeigen, was damals gespielt wurde, mit all den kleinen Fehlern und Unsauberkeiten, die ein Live-Konzert nun einmal mit sich bringt - geht dann nicht vielleicht der Zauber verloren?

Nicht, wenn man versteht, dass dieser Zauber nur in einem selbst existiert; und nie woanders existiert hat. Auch damals nicht, während des Konzerts - bei dem all jene kleine Fehlern und Unsauberkeiten ja auch aufgetreten sind. Vergessen wir nicht die lange Umbaupause, vergessen wir nicht die Kälte, die uns in die Knochen kroch, vergessen wir nicht die technischen Probleme, die es zu Beginn des Auftritts gab.

Vergessen wir aber auch nicht, wie Robert John Godfrey uns damals über die erzwungen lange Pause hinweghalf, indem er einige kleine Stücke auf dem Klavier zum Besten gab. Denn mit diesen beginnt auch die DVD. Und sofort ist sie wieder da, die Erinnerung, und mit ihr vielleicht sogar der Zauber, der die wenigen verbliebenen Fans damals in seinen Bann schlug.

Nur die Kälte nicht. 34 Grad kriegt es heute in der Stadt.

Die Band stößt mit "Judgement" zu Godfrey dazu, einem Song, der öfter als Bonustrack zu hören war als als regulärer Bestandteil eines Albums. Einen ersten Höhepunkt erreicht das Konzert dann mit dem Bandklassiker "In the Region of the Summer Stars", einer Mischung aus klassischem Prog und klassischer Musik, die zwischen einer wunderbaren Gitarrenmelodie, komplexem und dabei doch ruhigem Ensemblespiel und durchaus schweren Riffs hin und her wandert. Ganz ähnlich ist das folgende "Sheets Of Blue" vom "Salome"-Album, das sich wunderbar an "In The Region Of The Summer Stars" anfügt, aber noch ein wenig pathetischer ist.

Es folgt "Dark Hydraulic", ein simples Stück, das ziemlich in so eine Disco-Richtung geht, die nicht wirklich zu The Enid passt und mich immer stört, umso mehr als die Band es jedes Mal länger auszudehnen scheint. Es stört mich mehr als die zwischen einige Titel geschnittenen Gesprächspassagen, in denen vor allem Godfrey sich zu der Musik (und ihrer Auswahl) äußert, die auf dem Festival gespiekt wurden. Warum sie "Dark Hydraulic" gespielten haben? Wer weiß. Es will bis heute irgendwie nicht zum Rest des Konzerts passen. Bei diesem Stück ist es auch, wo mich Dave Storey am meisten stört (sein Schlagzeug klingt durchwegs flach) - er funktioniert einfach nicht gut als Drum Machine.

Dieser Eindruck wird dann aber schnell und restlos fortgewischt von "Childe Roland", einem weiteren Klassiker der Band, bei dem, wie ich mich klar und deutlich erinnere, nicht wenige Tränen in den Augen hatten - darunter einige, die damals weder das Stück, noch die Band kannten.

Als das Konzert vorüber war, verließen wir das Festivalgelände. Die einen taten ihre Begeisterung lauthals kund, andere schienen - und ich übertreibe hier nicht - wie verzaubert und wanderten schweigend zurück zu ihren Fahrzeugen oder ihren Zelten. In diesen Minuten entstand die Legende dieses Konzerts.

Gehalten hat sie nicht. Schon kurz nach dem Festival schrieb Stephan Schelle (musikzirkus-magazin.de) "Marillion waren ein würdiger Headliner eines tollen zweitägigen Festivals. Da hatten es die britischen Landsleute von The Enid recht schwer, diese Stimmung zu halten, wobei das mit ihrer komplexen Musik auch gar nicht möglich ist." Wie? Die Stimmung zu halten?!? Zu einem weiteren NOTP-Auftritt der Band 2015 ergänzte er: "Mit ihrem anspruchsvollen Musikstil passten sie nicht wirklich zwischen Lazuli und Riverside."

Danke, dass das mal jemand sagt.

Ist halt Progressive Rock.

Deshalb ergänzt Schelle: "Damit wird man der Musik der Briten aber nicht gerecht, denn man muss sich in Ruhe auf diese Art des Rock einlassen können."

2011, nur ein Jahr nach dem ersten Loreley-Konzert, mussten die Deutschlandkonzerte der Band abgesagt werden. Tja. Mit ihrem anspruchsvollen Musikstil passen sie wohl wirklich nicht zwischen Lazuli, Riverside, und all die anderen Stimmungsbands. Dabei war die Stimmung damals auf dem Loreleyfelsen doch so intensiv wie selten.

Ich kann also nur Werbung machen, für diese DVD, für The Enid, und dafür, (auch weiterhin immer wieder) anspruchsvolle oder ein wenig abseitige Bands zur Night of the Prog einzuladen. Es mag viele geben, die während solcher Konzerte in den Biergarten gehen, oder die das Festival gar frühzeitig verlassen, aber für die macht man's ja auch nicht. Man macht es für die, die acht Jahre später, nach einem Konzert einer ganz anderen Band, in die Runde fragen: "Wart Ihr damals dabei, bei The Enid, auf der Loreley?"

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 20.7.2018
Letzte Änderung: 20.7.2018
Wertung: 11/15
Ein legendärer Auftritt, festgehalten auf einer weniger legendären DVD.

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von The Enid

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1976 In The Region Of The Summer Stars 10.00 2
1978 Aerie Faerie Nonsense 9.00 3
1979 Touch Me 12.00 1
1980 Six Pieces 10.00 1
1983 Something Wicked This Way Comes 9.00 1
1983 Live at Hammersmith 12.00 2
1984 The Spell 9.50 2
1985 Salome 12.00 1
1986 The Liverpool Album - 2
1988 The Seed and the Sower 6.00 1
1994 Tripping The Light Fantastic 7.00 1
1995 Sundialer 7.00 1
1998 White Goddess 9.00 1
2010 Live At Town Hall, Birmingham 11.00 1
2010 Journey's End Orchestrations 11.00 1
2010 Journey's End 11.00 2
2012 Invicta 11.00 1
2014 First Light 12.00 1
2015 The Bridge 13.00 2
2015 The Bridge Show - Live At Union Chapel 12.00 1
2016 Dust 11.00 1
2017 The Music Of William Arkle and Other Recordings 9.00 1

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