SUCHE
Erweiterte Suche
NEUE REZENSIONEN
21.9.2018
Regal Worm - Pig Views
Tri Atma - Tri Atma
Jean Michel Jarre - Planet Jarre
42DE - Fall of the Moon
20.9.2018
Yes Featuring Jon Anderson, Trevor Rabin, Rick Wakeman - Live at the Apollo
Aaron Brooks - Homunculus
19.9.2018
Svin - Virgin Cuts
Marcello Giombini - Computer Disco
UFO över Lappland - UFO över Lappland
18.9.2018
Mark Wingfield - Tales from the Dreaming City
Blackfield - Open Mind - The Best of Blackfield
17.9.2018
Giant Hedgehog - Die Irrealität der Zeit
16.9.2018
Ángel Ontalva & Vespero - Sea Orm Liventure
Finally George - Life is a Killer
15.9.2018
Dai Kaht - Dai Kaht
OAK (Oscillazioni Alchemico Kreative) - Giordano Bruno
14.9.2018
Antony Kalugin Project (Sunchild) - Messages from afar: The Division and Illusion of Time
London Underground - Four
ARCHIV
STATISTIK
24902 Rezensionen zu 17072 Alben von 6653 Bands.
SITE MAP
STARTSEITE

Marcello Giombini

Astromusic Synthesizer

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1981
Besonderheiten/Stil: instrumental; Konzeptalbum; Elektronische Musik
Label: Forever Records
Durchschnittswertung: 11/15 (1 Rezension)

Tracklist

Disc 1
1. Capricorn 2:48
2. Virgo 3:33
3. Taurus 1:42
4. Pisces 3:28
5. Gemini 4:07
6. Sagittarius 1:42
7. Cancer 3:53
8. Libra 3:04
9. Scorpio 2:30
10. Aries 3:21
11. Leo 2:46
12. Aquarius 1:58
Gesamtlaufzeit34:52


Rezensionen


Von: Gunnar Claußen @


Es scheint der übliche Gang gewesen zu sein: Umso trashiger die Filme wurden, zu denen Marcello Giombini in den 70ern die Soundtracks schrieb, umso engagierter produzierte Giombini nebenher ausgefeilte Elektronik-Alben. "Astromusic Synthesizer" (auf dem später übrigens von der Doom-Band Wheel wiederverwendeten Cover ist nur das erste Wort zu lesen) aus dem Jahre 1981 ist eine dieser Platten, und im Gegensatz zu vielen anderen Werken des Meisters hat sie sogar vor ein paar Jahren eine ordentliche Wiederveröffentlichung auf CD und LP erfahren - deren rechtlicher Status allerdings angesichts sonstiger Verfehlungen des betreffenden Labels Fifth Dimension fraglich ist. Tja, und das "ordentlich" ist so eine Sache: Das Booklet enthält zwar kryptische Anmerkungen zu jedem der Titel, aber so Sachen wie Details zu Produktion, verwendeten Instrumenten etc. fehlen natürlich. Immerhin ist die Musik vollständig.

Es liegt natürlich auf der Hand, dass "Astromusic Synthesizer" sich die zwölf Tierkreiszeichen zum Thema genommen hat. Was die Vermutung nahelegt, bei den Texten im Booklet könnte es sich um Horoskope handeln, aber das ist natürlich nur Spekulation. Angesichts des Konzepts verwundert es natürlich etwas, dass die Stücke nicht kalendarisch sortiert sind, aber auch das spielt wohl keine größere Rolle. Wichtiger nämlich ist die Tatsache, dass sich die einzelnen Nummern tatsächlich voneinander absetzen - wobei das Experiment, die Stücke in der chronologischen Reihenfolge zu hören, vielleicht auch noch einen Versuch wert wäre.

Interessant ist auf jeden Fall, dass Giombini in der Elektronik auf "Astromusic Synthesizer" recht viele Stile anreißt und seinen Kompositionen ziemlich ausgefeilt arrangiert hat. So gibt es hier einige durchaus von klassischer und barocker Musik beeinflusste Stücke: "Virgo" bietet über einem tröpfelnden 3/4-Rhythmus ein arpeggiertes Motiv, das entfernt an das bekannte C-Dur-Präludium aus J.S. Bachs "Wohltemperiertem Klavier" denken lässt (im Vergleich dazu ist "Virgo" allerdings viel schleppender), "Taurus" setzt auf eine Stakkato-artige Mischung aus Sequenz und Melodie und erinnert entfernt an (elektronische Versionen von) Mussorgskis "Der Marktplatz von Limoges", die romantisch verträumte Solomelodie von "Cancer" hat etwas von Mozarts "Elvira Madigan"-Klavierkonzert, und das zum Schluss gibt's mit "Aquarius" noch mal klanglich pompöse, dabei aber bestens ausgearbeitete barocke Kontrapunktik.

Das andere Ende der Skala markieren freilich wieder Ambient-artige Nummern, hier vertreten durch "Pisces" mit seiner diffusen Katakomben-Atmosphäre (womit wir in einem gewissen Sinne wieder bei Mussorgski wären), in die nur fragmentarisch Melodien hallen, "Scorpio" mit seinen fies schleifenden hohen Tönen vor arhythmischem Blubbern und "Leo", in dem Motivfetzen und Perkussion scheinbar wahllos durcheinander geworfen wurden. Diese Stücke überzeugen per se leider weniger, als Abwechslung sind sie aber natürlich zu gebrauchen. Die übrigen Titel markieren dann nochmals andere Stile und Assoziationen: "Capricorn" klingt mit seinem Fanfaren-Auftakt wie die Synthie-Version der "Overture" aus der "Tommy"-Verfilmung, "Gemini" kombiniert eine Morsecode-artige Sequenz mit einem Latin-Rhythmus und jazzigen Melodien und "Sagittarius" ist mit einer harten, jagenden Sequenz kaum anders als die instrumentale Seite von DAF zu dieser Zeit.

Besondere Erwähnung verdienen noch "Libra" und "Aries": Ersteres setzt zu einem metallisch rauschenden Rhythmus eine chansoneske Melodie im tänzelnden 6/8-Takt ein und besticht trotz ihrer sofort hörbaren Fröhlichkeit durch regelmäßige zweistimmige Polyphonie (in Stereo!), letzteres fällt im langsamen 4/4-Takt überraschend bluesig aus und verarbeitet seine entspannte Melodie in verschiedenen Stimmen und Stimmlagen, ehe am Ende schließlich eine gemeinsame Form vorgetragen wird. Man hätte sich kaum vorstellen können, dass mit reiner Elektronik auch solche Klänge noch etwas hermachen.

Das wäre dann auch das große Kompliment, das ich "Astromusic Synthesizer" hier unterm Strich machen kann: Die Mischung ist ziemlich ausgewogen und abwechslungsreich, und auf seine Weise demonstriert Giombini einen ziemlich eigenen, aber souveränen Weg im Umgang mit der Elektronik. Gängige Konventionen und Manierismen, die andere Musiker dieses Genres in den Jahren zuvor geschaffen hatten, vermeidet Giombini weitestgehend und präsentiert stattdessen eine originelle Mischung aus klassischen und modernen Einflüssen. Insofern dürfte "Astromusic Synthesizer" auch heute noch überraschend klingen, macht es doch gerade kompositorisch vieles anders, als bei dieser Stilbeschreibung retrospektiv zu erwarten wäre.

Anspieltipp(s): Virgo, Sagittarius, Libra
Vergleichbar mit: entfernt noch Jean Michel Jarre
Veröffentlicht am: 3.8.2018
Letzte Änderung: 3.8.2018
Wertung: 11/15
ein kleiner Punktabzug für die Ambient-Nummern ist drin, sonst natürlich besser

Zum Seitenanfang

Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Marcello Giombini

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1973 Synthomania 10.00 1
1982 Computer Disco 9.00 1

Zum Seitenanfang

© 1999-2018; Das Copyright aller Texte liegt bei den jeweiligen Autoren; Datenschutzerklärung - Haftungsausschluss
Site Map - Startseite - FAQ - Reviews - Leitfaden - Lesestoff - Kontakt - Links
RSS | Impressum