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Marcello Giombini

La Bestia Nello Spazio

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1980 (Soundtrack; CD-Neuauflage bei Beat Records)
Besonderheiten/Stil: instrumental; Elektronische Musik; Jazz
Label: Creazioni Artistiche Musicali CAM
Durchschnittswertung: 10/15 (1 Rezension)

Tracklist

Disc 1
1. Seq. 1 - Titoli 2:04
2. Seq. 2 2:45
3. Seq. 3 2:20
4. Seq. 4 2:53
5. Seq. 5 5:48
6. Seq. 6 3:59
7. Seq. 7 2:04
8. Seq. 8 1:21
9. Seq. 9 1:38
10. Seq. 10 8:03
11. Seq. 11 3:49
12. Seq. 12 4:27
13. Seq. 13 2:29
14. Seq. 14 3:43
15. Seq. 15 2:18
16. Seq. 16 8:58
Gesamtlaufzeit58:39


Rezensionen


Von: Gunnar Claußen @


Nun mal einer der Soundtracks aus Marcello Giombinis Elektronik-Schaffen - doch im Streifen "La Bestia Nello Spazio" (dt.: "Die Bestie aus dem Weltraum") von Alfonso Brescia geht es keineswegs um Zombies oder Serienmörder, was aber nur auf den ersten Blick überrascht. Denn tatsächlich war die italienische Filmindustrie auch 1980 ohne weiteres in der Lage, jeden nur möglichen anrüchigen Trash zu produzieren. Hier geht es in den Weltraum: Die Crew von Captain Madison gerät auf einem fernen Planeten in die Fänge eines lokalen Potentaten... und entwickelt durch psychische Beeinflussung urplötzlich erotomanische Züge. Letztlich scheint hier also nicht weniger als ein Sexploitation-Film in gängigem Science-Fiction-Dekor vorzuliegen (samt billiger Tricks und Kostümen mit "Star Trek"-Anklängen - Trekkies werden sich ansonsten vielleicht noch an die TOS-Folge "Implosion in der Spiraler" erinnert fühlen, die wie die jugendfreie Version dieses Plots anmutet).

Inwiefern Marcello Giombini nun dediziert genau für diesen offenkundigen Quatsch komponiert hat, bleibt offen (und ist auch dem Booklet der CD-Ausgabe nicht zu entnehmen). Eine IMDb-Kritik legt geradezu spöttisch nahe, "La Bestia Nello Spazio" sei im Verband mit einem Haufen ähnlicher, bisweilen harmloserer, aber kaum weniger billiger Streifen gedreht worden - und die Musik dazu sei auf Halde produzierte Massenware gewesen, die dann einfach von den Filmemachern passend ausgewählt wurde: "The premise behind the quintuplet of films is simple: [...] come up with four or five scripts that make provisions for recycling the same sets, costumes, props, actors, and special effects sequences [...], get Marcello Giombini to compose a couple hours of seemingly random yet listenable synthesizer music and audio washes, then edit the results together into segments of about 90 minutes [...]." - Jau, so könnte es gewesen sein.

Ungeachtet dessen ist die Musik zu "La Bestia Nello Spazio" dennoch ein überraschendes Werk - oder vielleicht gerade wegen der Nichtigkeit dieses Films, denn mehrere Aspekte sind bemerkenswert. "Seq. 1" stellt eine Art Thema, das mit seinem pfeifenden Sound und der neobarocken Stimmung natürlich etwas von Wendy Carlos' Barock-Bearbeitungen für "A Clockwork Orange" hat. Dieses Thema wird dann später, i.e. in "Seq. 9", in "Seq. 14" und zum Abschluss in "Seq. 16" in variierter Form wieder aufgegriffen: Mal mit mehr Hall, mal in Zeitlupe, mal als finstrer Trauermarsch. Das ist schon mal ein netter konzeptioneller Zusammenhang. Zwischen diesen Stücken wiederum werden dann jedoch noch einige andere Stile abgerufen und in elektronischer Form dargeboten.

Jazzigen Blues mit Lounge-Atmosphäre gibt es beispielsweise in "Seq. 2" und quasi als Antwort darauf in "Seq. 15", wobei die wehmütige Melodie, die mit gedämpften Synth-Stimmen ertönt, entfernt an "How Deep Is Your Love" oder den alten Schlager "Schöner Gigolo, armer Gigolo" erinnert. "Seq. 11" ist ebenfalls bluesig gehalten, macht mit seinem "Dialog" aus tiefgreifendem Bass und führenden Stimmen vorübergehend aber auch mal richtig Druck. "Seq. 6" wiederum bietet eine durchaus zeittypische Mischung aus Synthpop und Fusion, was eine griffige Basslinie, funkige Cembalo-Imitationen und diese charakteristischen Lead-Synthies samt Bending umfasst. Für ein Kräftemessen mit dem zeitgenössischen Herbie Hancock ist allerdings die Rhythmik etwas zu einförmig und dumpf produziert. Ebenfalls noch in die Disco-Richtung geht "Seq. 8", allerdings steht hier ein stump-stampfiger Beat gegen einen 6/8-Takt in der Melodie - das ist eher befremdlich denn trivial.

Gänzlich barock ist hingegen "Seq. 4" ausgefallen, das mit fröhlichen Fanfarenmotiven wahlweise an Vivaldis "Der Frühling"-Allegro, diverse Sätze aus Händels "Wassermusik" oder den "The British Grenadiers"-Marsch erinnert und sich kompositorisch als Rondo mit kontrapunktischen Einschüben entpuppt. Auf der ganz anderen Seite stehen dann noch reine Ambient-Nummern wie "Seq. 3", "Seq. 7" und "Seq. 10", die bisweilen mit hektisch flirrenden Sounds und Dissonanzen immerhin eine bedrohliche Atmosphäre ausstrahlen. Auch "Seq. 5" fällt in dieses Schema und bietet darüber hinaus ein bedrohliches Wummern, das in filmischer Hinsicht wohl mit Godzillas Fußstapfen zu assoziieren wäre. Freiformige Blubber- und Sägesounds sind allerdings ein vergleichsweise alter Hut, sowas gab's Jahre vorher schon im Score von John Carpenters "Dark Star" (dessen Produktion übrigens kaum teurer gewesen sein kann als die von "La Bestia Nello Spazio").

Bemerkenswert sind noch die Mischformen, i.e. "Seq. 12" und das direkt daran anschließende "Seq. 13": Ein nervöses Synth-Ostinato sorgt für Hektik, solistische Stimmen werfen nur kurz Motivfetzen ein, aber ab und an schält sich ein volles neobarockes Thema heraus. Dann allerdings - und hier wären wir dann wohl wieder beim Filminhalt - werden Soundeffekte lasziven Stöhnens beiderlei Geschlechter eingespielt, das aber immerhin in verfremdeter Form. "Seq. 13" gestaltet sich dann vergleichsweise energiegeladen und bisweilen eruptiv - ja, auch das sollte wohl zum Film passen. Für sich genommen geht diese Klangkonstruktion aber dankenwerterweise ähnlich weit an Softporno-Klischees vorbei wie ein paar Jahre zuvor Klaus Schulzes "Body Love"-Alben.

Um das ganze also unter einen Hut zu bringen, wäre "La Bestia Nello Spazio" so betrachtet ein typisches, beinahe repräsentatives Album für den Elektronik-Stil von Marcello Giombini: Klassisch-barocke, populäre und abstrakte Stile kommen hier mehr oder weniger gleichberechtigt zum Zuge und können für sich genommen überzeugen. Einzige Mankos wären die teilweise tatsächlich leicht angestaubten Sounds (wie erwähnt: vieles gab es anderswo schon eher) und wohl noch die latente Inhomogenität des Materials. Hier treffen heitere, beschwingte und feierliche Momente auf Suspense, Horror und Mysterien, was sich bezogen auf Filmbilder mehr als nur beißen würde. Allerdings hätte "La Bestia Nello Spazio" (der Film) da aber auch schon ganz andere Probleme... das Album indes ist, davon losgelöst, eine ganz unterhaltsame Angelegenheit.

Anspieltipp(s): Seq. 4, Seq. 6, Seq. 13
Vergleichbar mit: zwischen John Carpenter und Jan Hammer...
Veröffentlicht am: 5.10.2018
Letzte Änderung: 5.10.2018
Wertung: 10/15
Vielleicht etwas heterogen, im Einzelnen aber durchaus hörenswert

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Marcello Giombini

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1973 Synthomania 10.00 1
1981 Astromusic Synthesizer 11.00 1
1982 Computer Disco 9.00 1

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