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Magma

Üdü Wüdü

(Siehe auch: Leitfaden "Zeuhl")
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1976
Besonderheiten/Stil: Zeuhl
Label: Seventh records
Durchschnittswertung: 11/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Christian Vander Drums, Percussion, Keyboards, Vocals
Jannick Top Fret Cello, Bass Synth, Keyboards (1,3-6)
Klaus Basquiz Vocals & Percussion
Bernard Paganotti Bass & Vocals (2)
Michel Graillier Piano on (1)
Stella Vander Vocals (1)
Lisa Deluxe Vocals (1)
Catherine Szpira Vocals (1)
Pierre Dutour Trumpets on (1)
Alain Hatot Saxes and Flute
Patrick Gauthier Piano and Synthesizer on (2)

Tracklist

Disc 1
1. Üdü Wüdü   (C.Vander) 4:12
2. Weidorje   (B.Paganotti, K. Blasquiz) 4:29
3. Troller Tanz (Ghost Dance)   (C.Vander) 3:37
4. Soleil D'Ork (Ork's Sun)   (J.Top) 3:51
5. Zombies (Ghost Dance)   (C.Vander) 4:16
6. De Futura   (J.Top) 17:37
7. Ëmëhntëht-Rê (extrait no.2)   (C.Vander (7th-CD only)) 3:12
Gesamtlaufzeit41:14


Rezensionen


Von: Udo Gerhards (Rezension 1 von 3)


Hinter dem (auf jeden Fall für deutsche Ohren) albernen Titel verbirgt sich Magmas Studio-Nachfolger zur Live-Doppel-CD "Hhai", der eine gewisse Abkehr vom Sound der vorherigen Platten bedeutete. Waren jene relative chorlastig und arbeiteten in langen Stücken viel mit Klavier/E-Piano, so betritt auf "Üdü Wüdü" der Baß als Hauptinstrument die Bühne, was daran liegen könnte, daß die Bassisten Bernard Paganotti und Jannik Top einen Großteil der Stücke geschrieben haben... Was gottseidank nach wie vor bleibt und zu einem großen Teil zu Magmas Faszination beiträgt, ist Christian Vanders präzises, kraftvolles, peitschenartiges Schlagzeugspiel.

Das erste, fast fröhliche (Titel-)Stück mit seinem Beinah-Latin-Rhythmus, Bläsern und viel Gesang lockt einen etwas auf die falsche Fährte, und auch die zweite Nummer bleibt relativ nah am Stil von "Köhntarkösz" etc., aber spätestens ab dem dritten Stück "Troller Tanz" mit zirpenden und posaunenartigen Synthie-Stellen und prominentem Baß ändert sich dies, das nachfolgende "Soleil D'Ork" kombiniert diesen Sound mit Indianer-artigem Ethno-Singsang, und auch "Zombies" schließt daran an und bietet außerdem grandiose Schlagzeug-Pyrotechnik von Vander.

Die Platte kulminiert im abschließenden "De Futura", einer in Dreierbesetzung (Top, Vander, Blasquiz) eingespielten siebzehnminütigen repetitiven Baßriff-Orgie mit Klaus Blasquiz bellenden Vocals, die voller Energie und hypnotischer Kraft steckt: cool.

Anspieltipp(s): Troller Tanz
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 23.5.2002
Letzte Änderung: 23.5.2002
Wertung: 10/15

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Von: Thomas Schüßler @ (Rezension 2 von 3)


Christian Vander hat "Üdü Wüdü" einmal als Soloplatte von Jannick Top bezeichnet. Verständlich, zeichnet Top doch für über die Hälfte der Spielzeit verantwortlich. Dementsprechend steht auch sein Bassspiel im Vordergrund, was bei "De Futura" gar orgiastische Züge annimmt. Dieses ist das einzige der langen Magma-Epen, das nicht aus der Feder von Christian Vander stammt. Das merkt man ihm auch an, da es wesentlich simpler aufgebaut ist als MDK oder Theusz Hamthaak. Dafür hat es die heutige Zeuhl-Szene um Happy Family oder Ruins mit seinem dominaten Bass und synkopierten Schlagzeug maßgeblich beeinflußt.

Aber neben Tops Bass und Vanders Schlagzeug gibt es noch ein drittes dominantes Instrument, das hier wesentlich häufiger eingesetzt wird als noch auf früheren Alben: der Synthesizer (ebenfalls von Top bedient), der - mit viel Vibrato gespielt - der Musik ein spacerockiges Feeling verpaßt.

Mit diesem Album mit seinen kurzen Stücken scheinen sich Magma von ihrem Kobaia-Image lösen zu wollen. Ein Zugeständnis an den Zeitgeist? Bernard Paganotti jedenfalls, der sowieso nur auf einem Song vertreten war, verließ Magma und gründete eine eigene Band, Weidorje. Magma beschritten den eingeschlagenen Weg mit "Attahk" weiter.

Anspieltipp(s): De Futura, Troller Tanz
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 12.1.2005
Letzte Änderung: 12.1.2005
Wertung: 10/15

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Von: Gunnar Claußen @ (Rezension 3 von 3)


Ohne Zweifel ist "Üdü Wüdü" ein Album mit einem ungemeinen Einfluss. Gerade "De Futura" hat das Zeuhl-Genre und insbesondere seine Weiterentwicklungen nachhaltig geprägt und demonstriert, dass Zeuhl nicht zwingend hippieske Träumereien wie "Wurdah Ïtah" oder triumphale Feierlichkeit à la "M.D.K." bedeuten muss, sondern eine nicht zu unterschätzende boshaft-apokalyptische Ausprägung hat (okay, hier könnte man auch auf Passagen von "Theusz Hamtaahk" verweisen, aber davon gibt's ja bis heute keine Studioaufnahme). Zum anderen, und das möchte ich gerne vorweg nehmen, scheinen die übrigen Stücke des Albums dahingehend geeignet zu sein, die Grenzen des Genres auszuloten - und zwar in Bezug darauf, wie Musik solcher Art eigentlich ohne den ganzen konzeptionellen Überbau funktioniert.

Gut, wahrscheinlich muss ich hier gleich zurückrudern, denn mit Sicherheit werden auch der Titelrack, die beiden "Ghost Dance"-Nummern, "Soleil d'Ork" und "Weidorje" ihren Platz in der Kobaïa-Mythologie haben. Aber: Jedes dieser Stücke steht für sich, und die mittleren drei Stücke kommen gar ohne artikulierten Gesang aus. Aber mal der Reihe nach: "Üdü Wüdü" verknüpft Elemente aus Latin (Klaviermotive, Trompeten) und Spiritual (Call-and-response-Gesang) und verleibt sie somit dem Magma-Stil ein, was immerhin im Folgejahr einige Nummern auf "Attahk" motiviert haben dürfte. Die Abneigung gegen dieses Stück kann ich übrigens nicht nachvollziehen, immerhin gibt es auch hier eine dramaturgische Struktur, und Blasquiz und die Damen singen ziemlich souverän. Mag sein, dass "Üdü Wüdü" für Magma-Verhältnisse ungewöhnlich klingt - aber stand Magma jemals ernstlich für den Verzicht auf Experimente und Weiterentwicklung?

"Weidorje" ist unter diesem Gesichtspunkt dann übrigens wohl das traditionellste Stück, was sein feierlich-ausladendes, übrigens gut ausgearbeitetes Chor-Intro angeht. Der eigentliche Hauptteil besteht dann dagegen aus Synthie-Motiven über einem stampfenden, sich dabei aber doch wandelnden Fundament aus grollendem Bass und Offbeat-lastigem Drumming, das zwar nicht mit der großen Dramatik auf die Pauke haut, mit unzähligen, sich summierenden Änderungen um kleine Nuancen aber trotzdem ungemein spannend ist. "Troller Tanz" ist dagegen von einem hektisch zirpenden, sich mit der Begleitung aus Drumming und Klavierakkorden beißenden Synth-Motiv bestimmt, das immer wieder mal aufgegriffen wird. Abseits davon changieren die Klavier- und Bassriffs interessant zwischen Burleske und Groteske, die dazu ertönenden Vokaleinsätze sind schön geisterhaft, das bittersüße, rhythmisch komplexe Finale der Nummer wird aber leider abgeblendet.

Auch "Soleil d'Ork" schlägt neue Töne an: Der Hey-Ja-Ja-Gesang klingt wie ein Mantra, die begleitende Musik wirkt mit grotesken Flötentönen, Kuhglocken-artigen Sounds und Polyrhythmik folkloristisch (ausgehend von meinen Klischeevorstellungen würde ich vermuten, Magma hätten sich hier musikalisch ins Hochland von Tibet begeben). Der Aufbau dieses Stückes - es wird lediglich lauer und voller, und am Ende wird das "Mantra" gar von Flöten um- und von der Violine mitgespielt - steht allerdings etwas hinter dem sehr interessanten Klangcharakter zurück. "Zombies" dagegen ist dann wieder "rockiger", auch wenn dieses Stück sich auf ein E-Piano-Motiv konzentriert und der Gesang einmal mehr auf Lautmalerei setzt. Bass und Schlagzeug agieren dagegen sehr verspielt und sind im Alleingang in der Lage, Höhepunkte und Spannungen zu erzeugen - seinen diesbezüglichen "Gipfel" erreicht das Stück bei 2:23, und es ist frappierend, um wie viel geordneter die Musik danach wieder wird.

Muss ich zu "De Futura" eigentlich noch großartig etwas schreiben? Ich versuche es mal kurz zu halten: Den zuvor angedeuteten Minimalismus exerzieren Magma hier in Perfektion, indem sie die drei Hauptbestandteile - das dissonant-hohe Thema vom Anfang, die Hauptpassage mit ihrem markanten, gebellt wirkenden Hey-heyhey-ho-hey-ho-heyho-Gesang und schließlich das böse, weil chromatische Bassriff, zu dem sich die Musik dann zwischendurch beschleunigt - in einer solchen Weise verknüpfen, steigern und variieren, dass sich die Musik um den Hörer wie eine Schlinge zusammenzieht - was selbst für das offene Ende noch gilt. Großartige Dramaturgie und eine Lehrstunde in der effizienten Nutzung von musikalischem Material!

Das Fazit zum Album also: Magma variieren ihren Stil dahingehend, dass die Musik einerseits neue Elemente ausprobiert, sich andererseits aber in Minimalismus übt und damit meistens ins Schwarze trifft. Dabei könnten, um abschließend noch einmal zum Anfang dieses Textes zurückzukehren, sämtliche Stücke aber ebensogut auch abgeschlossen für sich stehen. Im Ergebnis hiervon ist "Üdü Wüdü" ein einerseits kurzweiliges und abwechslungsreiches, dabei andererseits aber dennoch geschlossenes Album, wie es vorher noch keines im Magma-Katalog war. Und ich finde, liebe Kollegen, das darf man auch gerne mit mehr als 10 von 15 Punkten honorieren.

Anspieltipp(s): De Futura, Troller Tanz, Weidorje
Vergleichbar mit: Worldmusic und Minimalismus statt Orff und Coltrane...
Veröffentlicht am: 8.8.2017
Letzte Änderung: 8.8.2017
Wertung: 13/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Magma

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1970 Magma 10.75 4
1971 1001° Centigrades 9.20 5
1973 Mekanïk Destruktïw Kommandöh 14.50 3
1974 Köhntarkösz 11.50 2
1974 Wurdah Ïtah 11.00 2
1975 Live (Hhai) 12.00 1
1976 Inédits 7.50 2
1977 Attahk 9.50 4
1981 Retrospektïw 3 6.00 2
1981 Retrospektïw 1-2 11.50 2
1984 Merci 7.50 2
1984 Concert Bobino 1981 7.50 2
1989 Mekanïk Kommandöh 13.67 3
1992 "Les Voix" Concert 1992 10.00 1
1996 Theatre du taur Concert - Toulouse 1975 9.00 1
1996 Concert 1971 Bruxelles - Théâtre 140 10.00 1
1996 Concert 1976 Opéra de Reims 12.00 1
1998 Simples 4.00 1
1998 Floe Essi / Ektah 7.00 1
1999 BBC 1974 Londres 11.50 2
2001 Theusz Hamtaahk Trilogie 15.00 5
2004 Concert Bobino 1981 (DVD) 5.00 1
2004 K.A 12.83 6
2004 Uber Kommandoh - 1
2006 Mythes et légendes Volume I (DVD) 14.00 4
2006 Mythes et légendes Volume II (DVD) 13.25 4
2007 Mythes et légendes Volume III (DVD) 14.33 3
2008 Studio Zünd - 1
2008 Mythes et légendes Volume IV (DVD) 12.50 2
2009 Live in Tokyo 13.00 1
2009 Ëmëhntëhtt-Ré 13.33 3
2012 Félicité Thösz 11.40 5
2013 Mythes et légendes - Epok V 11.50 2
2014 Zühn Wöhl Ünsaï - Live 1974 12.00 2
2014 Rïah Sahïltaahk 10.00 2
2015 Šlag Tanz 10.00 1
2015 Köhnzert Zünd 13.33 3

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