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Emerson, Lake & Palmer

Pictures at an Exhibition. Collectors Edition (DVD)

(Archiv-Tipp 12/2016)
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1999 (Neuauflage 2005 mit Mussorgsky/Ravel-Bonus)
Besonderheiten/Stil: live; DVD; Klassikrock / Adaptionen; sonstiges
Label: Classic Pictures
Durchschnittswertung: 12.67/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Keith Emerson organ, electric clavinet and moog
Greg Lake bass, acoustic guitar, and vocals
Carl Palmer drums and percussion

Tracklist

Disc 1
1. Promenade
2. The Gnome
3. Promenade
4. The Sage
5. The Old Castle
6. Blues Variations
7. Promenade
8. The Hut Of Baba Yaga
9. The Curse Of Baba Yaga
10. The Hut Of Baba Yaga
11. The Curse Of Baba Yaga/The Great Gates Of Kiev/The End


Rezensionen


Von: Nik Brückner @ (Rezension 1 von 3)


Pictures at an Exhibition. Collectors Edition.

Was wir hier haben, ist eine Aufnahme, die insofern historisch ist, als sie vor jenen Tagen entstand, als ELP auf hohem Niveau in ihrer eigenen Superstarität versanken: 1970. Hier also sehen wir zwar Emersons knackigen Arsch in blauem Glitter, das ist aber das Einzige an optischen Extravaganzen, was sich die drei leisten (fast hätte ich "drei Herren" geschrieben, das waren sie damals allerdings nun wirklich noch nicht) - abgesehen vielleicht von dem Gewichse (sorry, aber genau das soll es ja wohl sein) mit dem Sinusgenerator, aber dem kann man ja immerhin noch einen musikalischen Wert zugestehen. Irgendwie. Leider kommen aber optische Störfrequenzen vom Regisseur: Es war halt unabdingbar in den Siebzigern, Soli mit den technischen Errungenschaften der Zeit zu - ährm - illustrieren... Und weil wir grad von Technik reden, natürlich ist auch der Sound nicht allzu großartig, die Ansage Emersons am Anfang etwa ist so dumpf, daß man sie kaum versteht.

Jetzt aber kommt das Aber: Es ist großartig, die drei beim Musizieren zu beobachten. Phantastisch, was Emerson allein am Steckbrett leistet, da kann sich jede Telephonistin (haben den Job eigentlich auch Männer gemacht?) eine große Scheibe abschneiden. Hier bekommen wir vorgeführt, was in den Tagen vor der Erfindung des polyphonen Synthezisers möglich war. Aber nicht nur Emerson, ELP insgesamt waren damals auf der Höhe ihrer Kunst: (Noch) keine vorgestanzten Versatzstücke, die lieblos aneinander gehängt wurden, ganz im Gegenteil: Hier musizieren alle drei mit einer Spielfreude, die man jener perfekt geölten Rockmaschine, die nur wenige Jahre später ihre immer gleichen effektgeladenen Pompösitäten abzelebrieren würde, niemals zugetraut hätte. Es wird hier (und, meiner Meinung nach, beim gesamten visuellen Output der Band nur hier) deutlich, warum sie als die technische und musikalische Speerspitze ihrer Zeit angesehen wurden.

Wie gesagt: Es ist einfach nur herrlich, den Dreien zuzusehen und -zuhören. Umso mehr als es sich bei "Pictures" ja um eine Klassikadaption handelt, ein Stück darüber hinaus, das höchst populär und damit höchst verdächtig ist. Aber vielleicht hängt ja die allseitige Beliebtheit von Mussorgskys Suite auch ein bißchen mit dieser Adaption zusammen, machte sie doch (zusammen mit einigen anderen Versuchen) Klassikadaptionen in Rockkreisen populär. Und zwar höchst. Das, finde ich, kann man erst hier so richtig nachvollziehen: Man muß gesehen haben, mit welchen Chuzpe sich die drei Herren an ein 40minütiges Opus heranwagen, eines zudem, das dem Publikum keine Zeit zum Durchatmen lässt. Und das beim damaligen Stand der Technik.

"Promenade" ist dabei eigentlich wie allseits vom Album bekannt, fast dünner: Emerson hatte ja richtig erkannt, daß da einiges an kirchenmusikalischer Tradition drinsteckt. Ob die Harmonik deshalb gleich eine fette (Kirchen)orgel rechtfertigt, wo doch eigentlich nur Leute von Bild zu Bild flanieren, würde ich aber bezweifeln. Der Einstieg in die elpsche Fassung der "Pictures" ist mir damit auch hier viel zu sakral. Auch die anderen beiden "Promenades" sind nicht unproblematisch. Wer singt schon im Museum auf dem Weg zwischen zwei Bildern?

Aber dann: "The Gnome". Der erste, und für mich absolute Höhepunkt. Wenn etwas die Anschaffung dieser DVD rechtfertigt, dann diese Version. Was da gelungen ist, sucht auf dem Gebiet der Klassikadaptionen ohnehin bis heute nach seinesgleichen. Aber es geht live eben manchmal noch einen Tick besser: Nie ist der Gnom so gnomig dahergekommen wie auf der DVD. Das ist schlicht großartig. Es liegt vor allem daran, daß E, L & P hier noch eine Spur rauher und spritziger spielen als bei dem Konzert, das auf das Album gebannt wurde.

Dann singt er. Lake. Großartig, trotzdem: "Promenade" ist mit Gesang irgendwie seltsam. Denn, wie gesagt, wer singt schon im Museum auf dem Weg zwischen zwei Bildern?

"The Sage" zeigt dann erneut, daß sich Lake mit seiner - gestehen wir's doch ein - großartigen Stimme für seine - zugegeben sehr schönen - Popballaden entschuldigen mußte. Oder besser: durfte. Aber hier springt tatsächlich der Funke über: Lake ist lange nicht so gelangweilt wie in späteren Jahren - toll!

Auch bei dem um "The Curse" erweiterte "Baba Yaga"-Teil ist es wieder die Soundgestalt, die das Hexige an der Hexe erst so richtig herausarbeitet. Hm? Ach so: Baba Yaga ist 'ne Hexe. Hier wird mit einer Gewalt musiziert, die wir dem damals veröffentlichten Audiodokument heute nur mit Mühe ablauschen konnten. Das Knarzen zu Emersons fiebrigem Orgelgeflirre, die von allen dreien unisono gespielten Teile, das monströse Geschreite der Orgel, -

Dann singt er wieder. Die nächste Promenade.

Aber dann: zwei Moogsoli, die ihresgleichen suchen, und das Ende von "The Hut". Das Ganze jeweils ausgebaut, ja, es gibt Anderes zu hören, als auf der bekannten Albumaufnahme - etwas, das bei ELP später, zu der Zeit, als Palmer sein Schlagzeugsolo jeden Abend identisch reproduzierte, nicht mehr zu hören sein würde. Hier wird munter variiert und improvisiert. Ein Hauch von The Nice weht vom Bildschirm.

A propos "The Nice": ELP hatten "Pictures" von Anfang an in ihrem Repertoire, das zeigt unter anderem, daß die Band nichts anderes war als eine Fortsetzung von The Nice mit anderen Mitteln (sprich: mit besseren Musikern). Auf dem Pictures-Album und noch mehr hier schafft es Emerson aber, das Ganze auf ein neues Level zu heben: Verschwunden ist die nice-sche Schrammeligkeit, mit der etwa "Karelia" oder "Brandenburger" daherkamen. Wo aber die Albumversion weniger schrill, weniger - darf ich es sagen - punkig ist als einst The Nice, lassen die drei es hier krachen. Dennoch hat man die Tugenden, die ELP besser machten als The Nice, nicht aufgegeben: man musiziert überlegter, niveauvoller, besser, und - ja - schicker.

Eine DVD also, die jeder haben muß, der noch etwas Neues über eine Band lernen will, die heute auch unter Progfans viel zu schlecht wegkommen, bloß wegen eines Teppichs und weil Emerson mal ein Klavier hat rotieren lassen.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 13.10.2005
Letzte Änderung: 21.12.2016
Wertung: 12/15
Abzüge wegen der optischen Effekte

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Von: Ralf J. Günther @ (Rezension 2 von 3)


So, liebe Kinder, habt ihr alle brav die vorstehende Rezension vom Kollegen Nik gelesen? Hoffentlich, die ist nämlich gut. Wer´s noch nicht getan hat, rasch zurück auf Anfang, die Lektürepflicht erfüllen und erst danach hierhin zurückkehren. Ich habe nur ein paar Ergänzungen im Angebot.

Die DVD ist 2005 als "35th Anniversary Collectors Edition" neu erschienen und sie liefert als Bonus jetzt Ravels Orchesterfassung der "Bilder" mit, gespielt vom "National Symphony Orchestra of Ukraine" unter Theodore Kuchar. Es ist aber nur ein Audio-Bonus für denjenigen, der direkt mal die Adaption und die orchestrierte Vorlage vergleichen will. Zu sehen sind dabei nur ein paar optische Effekte.

Kollege Brückner kritisiert den Sound. Tatsächlich ist Emersons Anfangsansage etwas undeutlich. Sollte für die Neuauflage trotzdem nochmal am Klang gebastelt worden sein? So behauptete es mein Plattenhändler. Und jedenfalls klingt das Ding insgesamt für meine Ohren ganz erstaunlich gut. In einigen Passagen ists nicht hundertprozentig klar, aber das ist marginal. Man kann die Musik richtig genießen, so gut ist der Sound!

Die psychedelischen Farbspielereien überdecken in der Tat leider größere Teile des Auftritts, was besonders ärgerlich ist, weil der Film eine sehr gute Bildqualität hat und aus vielen Kamerapositionen geschossen wurde. Dennoch kann man damit leben. Auch sind die psychedelischen Farben selbst noch einigermaßen erhalten und sehen nicht - wie manchmal auf älteren Filmen - aus, als seien sie zu oft durch den Vollwaschgang gezogen worden.

Nicht alle visuellen Effekte sind übrigens abstrakt. Es wurde auch figürliches Bildmaterial verhackstückt. Interessant, dass es sich dabei nicht etwa um geplünderte Hochkultur handelt, wie vielleicht zu erwarten (und von ELP-Hassern zum besseren Schmähen vermutlich sogar herbeigesehnt). Vielmehr hat man sich (gewissermaßen im Geiste Roy Lichtensteins) bei abgefilmten Comics bedient. Marvel-Comics, um genau zu sein. Und so flitzt u.a. auch Spiderman durchs Bild - wohlgemerkt nicht als Zeichentrick, sondern als Zeichnung. Falls also eine "Klassik"adaption primär der Zusammenprall von Hoch- und Populärkultur sein sollte, so wird dies hier durch grafische Effekte unterstrichen.

Musikalisch ist die DVD eine Wucht. Wobei ich gestehe: Zwar ist es richtig, wenn Kollege Nik anmerkt, dass die "Promenade" ihres ursprünglichen Sinnes ziemlich beraubt ist. Die Gruppe hat nämlich aus dem musealen Dahinwandeln teilweise wahre Triumphmärsche gemacht. Wer so geht, würde in einer Ausstellungshalle glatt sozial auffällig werden. Aber ich liebe diese theatralischen Schritte, ich liebe auch die gesungene Fassung und am allermeisten die mit dem Schlagzeug. Ich glaube eh nicht daran, dass ELP Mussorgsky "interpretiert" haben. Eine Interpretation muss sich an den (Noten)Text halten, sonst ist es eine Bearbeitung. Und auf eine diebeslüsterne Bearbeitung, um tolle Rockmusik zu gewinnen, kommts hier an. Wobei das entscheidende Wort lautet: tolle Rockmusik, nicht irgendein Gedudel.

Rinaldo Rinaldini, der edle Räuber, hätte es nicht besser machen können. Zugreifen, wo es was zu holen gibt, die einen haben genug und die anderen brauchen es. Ob damit Mussorgsky Gerechtigkeit widerfährt, das ist mir schnurzpiepegal. Es wurde ausreichend darauf hingewiesen, wer der eigentliche Komponist ist, und damit gut. Wenn ich den Geist des Originals atmen will, dann lege ich halt nicht Emerson, Lake and Palmer auf. Ganz schön klug, was?

Eine wunderbare DVD, lohnend trotz ihrer kurzen Dauer.
Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 11.12.2005
Letzte Änderung: 11.12.2005
Wertung: 12/15

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Von: Jürgen Gallitz-Duckar @ (Rezension 3 von 3)


Ein wichtiges historisches Dokument und sowas wie die erste auf breiter Ebene wahrgenommene Visitenkarte der Prog-Pioniere war "Pictures at an exhibition".

Bei dieser Filmaufnahme sind die drei (damals noch) Jungs in Hochform und spielen ihre wunderbar respektlose Version von Mussorgskys Komposition äußerst inspiriert.

Bis auf zwei Punkte, gehe ich darum mit meinen Rezi-Kollegen hier absolut Konform.

Punkt 1.) Dann singt er, und wie er das tut. Richtig gut nämlich, richtig passend und als kleine "Pausen" zwischen all den instrumentalen Abflügen richtig wohltuend. Ich "durfte" aufgrund einer Erkältung Greg Lakes eine live dargebotene Instrumentalversion des Werkes hören, und da fehlt absolut was, wenn er eben nicht singt.

Punkt 2.) Die Effekte. Aber hallo, meine Herren und Damen, diese Effekte sind das optische Salz in der Suppe. Den Musikanten auf die Finger zu schauen ist eine feine Sache, die ich auch nicht missen möchte, aber diese phantastisch verschwimmenden Farben und Effekte sind einer der Gründe, warum ich mir diese DVD immer wieder gerne anschaue und nicht nur die CD anhöre - eben weil's auch was zu sehen gibt. Herrlich dazu passend: Emersons Glitzeranzug.

Überhaupt fehlt mir dieser optische Aspekt heutzutage am meisten. Gute Musiker gibts in der Progszene auch heute zuhauf. Aber fürs Auge ist meist nichts geboten, und da ist diese kleine Zeitreise in die Ära, als Rockmusik verschwommen bunt war, eine echte Labsal für mich.

Und übrigens: diese Psychedelic-Farben bei so manchen Filmen müssen blass sein, so sieht das auch heute noch aus bei Bands, die diese gute Tradition noch pflegen.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 11.12.2005
Letzte Änderung: 11.12.2005
Wertung: 14/15
Zwei Bonuspunkte für die Effekte

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Emerson, Lake & Palmer

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1970 Emerson, Lake & Palmer 11.60 6
1971 Pictures at an Exhibition 12.00 5
1971 Tarkus 11.00 6
1972 Trilogy 12.40 5
1973 Brain Salad Surgery 12.50 5
1974 Welcome Back My Friends To The Show That Never Ends 12.50 2
1977 Works, Volume 2 5.11 9
1977 Works, Volume 1 8.00 5
1978 Love Beach 6.43 7
1979 In Concert 6.00 1
1992 Black moon 4.50 4
1992 The Atlantic Years 12.00 1
1993 Live At The Royal Albert Hall 10.50 2
1993 Works Live 10.00 1
1993 The Return of the Manticore 12.00 3
1994 In The Hot Seat 1.60 5
1997 Live in Poland 8.00 1
2001 The Original Bootleg Series From The Manticore Vaults Vol.Two 12.00 1
2001 The Original Bootleg Series From The Manticore Vaults Vol.One 11.00 1
2002 Re-Works 7.00 1
2002 The Original Bootleg Series From The Manticore Vaults Vol.Three 8.00 1
2002 Best of the Bootlegs 9.00 1
2002 Live at the Isle Of Wight Festival 1970 7.00 2
2002 Works Orchestral Tour, Olympic Stadium, Montreal 1977 / The Manticore Special (DVD) 10.00 1
2004 Inside Emerson Lake & Palmer. 1970 - 1995. An independent critical review (DVD) 10.00 1
2004 Welcome Back (DVD) 9.00 1
2004 Masters From The Vaults (DVD) 10.00 1
2005 Beyond The Beginning (DVD) - 1
2005 Live at Montreux 1997 (DVD) 6.00 1
2006 The Birth Of A Band - Isle of Wight Festival Sat August 29th 1970 (DVD) 10.00 1
2006 The Original Bootleg Series From The Manticore Vaults Vol.Four 5.00 1
2007 From the Beginning - 1
2009 Works Deluxe Edition - 1
2010 High Voltage - 1
2010 Live High Voltage 10.00 1
2011 Live At The Mar Y Sol Festival '72 12.00 1
2011 Live At Nassau Coliseum '78 11.00 1
2011 ...welcome back my friends High Voltage Festival 2010 40th Anniversary 9.00 1
2013 Live in Montreal 1977 8.00 1

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