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Ulan Bator

Végétale

(Archiv-Tipp 6/2017)
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1997
Besonderheiten/Stil: Postrock; RIO / Avant
Label: Les Disques du Soleil et de l'Acier
Durchschnittswertung: 12/15 (1 Rezension)

Besetzung

Amaury Cambuzat Voice, Guitars
Olivier Manchion Bass
Franck Lantignac Drums, Percussion

Tracklist

Disc 1
1. Lumiere Blanche - Schneesturm 8:10
2. Cephalopode 5:41
3. Pekisch organ 6:13
4. Fièvre hectique 6:18
5. Hart 6:25
6. Fuite 5:38
7. Embarquement végétale 7:04
Gesamtlaufzeit45:29


Rezensionen


Von: Achim Breiling @


Postrock aus Frankreich, schräg, heftig und kalt. "Végétale" ist das letzte Album des Trios Cambuzat-Manchion-Lantignac und gleichzeitig das dritte von Ulan Bator. Franck Lantignac sollte die Band nach Erscheinen der CD verlassen und wurde durch Matteo Dainese ersetzt.

E-Gitarre (Cambuzat), Bass (Manchion) und Schlagzeug (Lantignac) gibt es auf "Végétale" zu hören. Dazu kommen - wie im Beiheft vermerkt ist - "acoustic sounds", "effects" und "voice". Amauray Cambuzat ist es wohl der hier sprechsingt, emotionslos und monoton, mit gelegentlichen lauteren Ausbrüchen. Die "acoustic sounds" sind z.B. eine Trompete, die ab und an dazwischenhupt, ein gestrichener, schräg knartzender Kontrabass oder eine Hammond Orgel, die melancholisch dahinwabert (gut die ist eigentlich ein elektrischer Sound, erzeugt aber ein durchaus akustisches Klangereignis). Und die Effekte? Ja, es hallt und dröhnt, wummert und kracht ziemlich verzerrt und im Hintergrund flimmern und zirpen ab und zu so allerlei Klänge herum. Und natürlich benutzen Gitarre und Bass diverse Effektgeräte.

Noise-Postrock machen Ulan Bator. Karg, kantig und äußerst sperrig fräsen sich die Klänge in die Gehörgänge. Extrem laut oder wüst ist das Ganze dabei nicht. Mitunter ist die Musik sehr subtil, geradezu dezent, doch immer ausgesprochen unmelodiös und kalt. Dabei strahlt das Album eine eigenartige Faszination aus, gleich einer Industrieruine, einem zerfallenen Stahlwerk, voller halb zerrosteter Maschinen, den Überresten einstiger Aktivität und Betriebsamkeit. Nicht das ein falscher Eindruck entsteht. Die elegische Zähigkeit vieler Postrockbands vermeiden Ulan Bator weitestgehend. Es passiert hier schon sehr viel. Obwohl es auch diese verhaltenen Momente langsamen Dahingleitens gibt. Meist wird auf "Vegetal" aber durchaus schwungvoll gerockt, nur eben ziemlich kaputt und schepp.

Was Cambuzat mit seiner Gitarre so alles anstellt ist beeindruckend. Nein gefrickelt wird nicht. Eher lässt er die Töne ineinaderstürzen, erzeugt lärmende Riffs, schneidende und sägende Melodiefragmente, repetitives Tonstottern und quietschendes Gewimmer. Dazu wummert und rumpelt, röhrt und dröhnt Manchions Bass, der mitunter aber auch mit sehr flotten Läufen zur Melodieführung beiträgt. Lantignac schlagzeugt dazu eher verhalten, aber exakt wie ein Metronom.

Meine Beschreibung klingt vielleicht etwas extremer als diese Musik in Wirklichkeit ist. Wie gesagt, so richtig laut oder wüst wird es nie - fast nie. Es ist nur alles ständig irgendwie daneben, schräg und schief - ohne aber destruktiv oder depressiv zu werden. Herrlich schräg also. Falls der Leser Robert Wienes Stummfilm "Das Kabinett des Dr. Caligari" mit seinen surrealen, windschiefen Kulissen kennt ... genauso ist diese Musik. Grandiose Scheibe!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 28.2.2007
Letzte Änderung: 14.3.2008
Wertung: 12/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Ulan Bator

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2000 ego:echo 11.00 1
2002 OK:KO 8.00 1
2017 Stereolith 11.50 2

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