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Payne's Gray

Kadath decoded

(Archiv-Tipp 5/2017)
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1995
Besonderheiten/Stil: Konzeptalbum; Progmetal; Psychedelic
Label: Eigenproduktion
Durchschnittswertung: 13.33/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Hagen Schmidt voices
Haluk Balikci voices
Jan Schröder guitars, flute
Martin Mannhardt bass
Tomek Turek piano, synthies
Daniel Herrmann drums, percussion, noise-guitar

Tracklist

Disc 1
1. Dream sequence 3:07
2. Sunset city 5:28
3. The cavern of flame 5:29
4. Moonlight waters 9:02
5. Procession 2:12
6. A hymn to the cats 5:18
7. The way to Ngranek 6:36
8. Within the vault 4:12
9. Reaching Kadath 7:22
10. Nyarlathoteps reception 9:27
11. Riding the Shantak 5:29
12. Finale: Sunset city part 2 3:38
Gesamtlaufzeit67:20


Rezensionen


Von: Georg Heep (Rezension 1 von 3)


Immer wieder träumt Randolph Carter von einer wunderschönen Stadt im Sonnenuntergang. Ihr Anblick berührt ihn in seinem Innersten und ruft uralte Erinnerungen wach, doch er kann sich ihr nicht nähern. Unbekannte Mächte verwehren ihm den Zutritt und reißen ihn ein ums andere Mal wieder fort.

Was er sieht: "Ganz golden und lieblich glänzte sie im Sonnenuntergang, mit Mauern, Tempeln, Kolonnaden und Bogenbrücken aus geädertem Marmor, Fontänen prismatischen Sprühregens in silbernen Bassins auf weiten Plätzen und inmitten duftender Gärten und breiten Straßen, die zwischen köstlichen Bäumen, blütenüberladenen Urnen und glühenden Reihen elfenbeinerner Statuen verliefen, während an schroffen Nordhängen Zeilen roter Dächer und alter, spitzer Giebel emporklommen und kleine grasüberwucherte Pflastersträßchen beherbergten."

Man mag über die Detailverliebtheit von H.P. Lovecraft und seine scheinbar von keinen ordnenden Strukturen aufgehaltene Phantasie lächeln - oder beim Versuch, sich "köstliche Bäume" oder "prismatische Sprühregen" vorzustellen, scheitern, trotzdem ist der Zauber, der dieser einleitenden Szene von Lovecrafts "Die Traumsuche nach dem unbekannten Kadath" (erschienen bei Suhrkamp, deutsch von Michael Walter) innewohnt, schwer zu leugnen. Unter dem Eindruck einer zutiefst menschlichen Sehnsucht, verwandeln sich Worte zu Pforten in die Welt des Unterbewußten.

Der Träumer macht sich auf die Suche nach der Stadt, er betritt die Traumlande, erlebt unzählige Abenteuer, die vom Autor zum Teil nur episodenhaft erzählt werden, und gelangt endlich zum Kadath, dem Berg der Götter. Nur von diesen glaubt Carter, den Schlüssel zu der Stadt, die ansonsten niemandem bekannt ist, erhalten zu können.

Die Karlsruher Band Payne's Gray hat diese Reise 1995 auf ihrer CD "Kadath decoded" perfekt vertont. Das hervorragend selbstproduzierte Werk ist meines Wissens nach die einzige vollständige CD der Gruppe, die wohl nicht mehr existiert(?). Von ihnen ist noch ein um einen Track erweitertes und 1998 auf CD gepresstes Demo, "Infinity", erhältlich. Auffällig an der Band ist, daß sich zwei Männer die Gesangsparts teilen und der Gitarrist auch Querflöte spielt. Der Bassist Martin Mannhardt spielt aktuell bei der Hardrockband "Wicked Sensation".

Wie bei einem gelungenen Soundtrack kann man sich nach intensiver Auseinandersetzung mit der Musik auf "Kadath decoded" an einige der Szenen im Buch nur noch mit der Musik von Payne's Gray im Ohr erinnern. Dies wird möglich, da die Band der atmosphärische Vielseitigkeit der literarischen Vorlage eine Kombination verschiedener musikalischer Stile gegenüberstellt. Payne's Gray einfach in die Progmetalecke zu stellen, würde daher den vielen Facetten von "Kadath decoded" nicht gerecht werden. Die Basis in den meisten Liedern bildet zwar einigermaßen vertrackter Fates Warning / Psychotic Waltz Progmetal zu "Awaken the guardian" bzw. "A social grace" Zeiten. Hinzu treten jedoch Melodien, die an ebenfalls frühe Camel erinnern und ausschweifende psychedelisch angehauchte Musiklandschaften oder Klangcollagen, die die CD manchmal in die Nähe eines Hörspiels bringen. Weitere prägende Bestandteile der Musik sind das Zusammenspiel der beiden Sänger (einer mit der hohen Stimme eines Metalsängers, der andere eher mit warmer Stimme), die Querflöte und eine oft eingesetzte akustische Gitarre.

Payne's Gray nehmen Lovecraft ernst, in guten wie in schlechten Zeiten. So verzaubern und entführen sie den Hörer in den ersten sechs ausnahmslos wunderbaren Liedern erst einmal, um ihn später immer mehr zu verwirren. In "Dream Sequence" wiegen sie ihn mit Klavier, Streichern und Querflöte in den Schlaf, in "Sunset City" läßt ihn die Band dann - geleitet von Querflöte, den Stimmen von Hagen Schmidt und Haluk Balikci und einer tänzerisch aufspielenden Gitarre - auf die Stadt blicken. "The cavern of flame" wirkt nach diesen schönen Momenten wie die Erfindung der Dissonanz. Die vertracktere, irgendwie gebrochene Musik warnt vor dem Wahnsinn, der jedem sicher ist, der die Götter auf dem Kadath gegen ihren Willen aufsuchen möchte. Ohne Rücksicht auf vielleicht in den ersten Minuten gewonnene Neoprogger läßt einer der Sänger den drohenden ungemütlichen Geisteszustand schreiend Gestalt annehmen. Ein wenig (Prog-)metalische Hörerfahrung läßt dies zwar leichter verdauen und einordnen, aber denoch gilt es hier, einige sehr schräge Momente zu überleben, die wiederum zeigen, wie ernst es den Musikern bei der Vertonung des Buches war.

Anschließend wird man mit dem lange Zeit rein instrumentalen "Moonlight waters" himmlich belohnt. Das Lied hat die hoffnungslose Zeit der Gefangenschaft des Träumers zum Thema, die er auf einer von Bestien durch die Meere des Mondes gesteuerten Galeere zu durchstehen hat. Der Wechselgesang der beiden Sänger schafft eine einzigartige Atmosphäre, die düstere Musik springt reizvoll zwischen sehr eingängigen Passagen und komplexen Zwischenspielen hin und her und erreicht den Höhepunkt der Platte.

"Procession" beschreibt danach mit Hilfe einer verstörenden Soundcollage die Befreiung der Hauptfigur aus den Klauen der Bestien mit Hilfe der Armeen des Katzenvolks, Bewohner der Traumlande, die Carter wohlgesonnen sind. Hier ist man einem Hörspiel am nächsten.

Nach einer ruhigen von Gesang, Querflöte und Klavier getragene Danksagung ("A hymn to the cats"), nähern wir uns langsam der zweiten Hälfte der CD, die das Niveau der ersten leider nicht halten kann. So ist "The way to Ngranek", eine minutenlang nur von Tribaldrums und beschwörenden Gesängen dominierte psychedelische Nummer, einfach zu lang. Auch im folgenden verliert man sowohl musikalisch als auch textlich etwas den roten Faden. Die Tracks 8 bis 10 bersten zwar nur so vor interessanten musikalischen Ideen (zum Bespiel der klare Klaviersound vor den röhrenden Höllengeräuschen in "Within the vault" oder die unglaublich gefühlvoll vorgelesene zentrale Stelle des gesamten Buches in "Nyarlathoteps Reception": "For you know, that your gold and marble city of wonder is ..."), aber den Liedern fehlt es an Struktur die Stimmungen wechseln zu schnell, um ähnlich intensiv zu wirken wie im ersten Teil der CD. Auch die erzählte Geschichte wird in der zweiten Hälfte arg gerafft, was in einem den Kenner der Vorlage etwas störenden Kontrast zur fast übertriebenen Nähe zum Text in der ersten Hälfte der Platte steht.

Im letztgenannten Lied, Track 10, schildert die Band das Zusammentreffen des Träumers mit dem Chaosgott, seinem Gegenspieler, der ein eigenes Interesse an der Suche Carters hat (Welches? Buch lesen!). Er enthüllt ihm die kosmischen Hintergründe und die Herkunft der geheimnisvollen Stadt. Der hier eingesetzte dissonante Sprechgesang hat mich allerdings erst überzeugt, nachdem ich das Buch gelesen hatte. Ohne den literarischen Background wirkt diese Stelle aufgesetzt schaurig und wiederum zu langgezogen.

Man könnte meinen, daß Payne's Gray ab "The way to Ngranek" etwas weniger konzentriert an die Sache heran gegangen sind. Wahrscheinlicher ist jedoch, daß sie ganz bewußt die Entwicklung, die Lovecrafts Buch nimmt, musikalisch nachzuahmen versuchten: Immer neue zusätzliche Handlungsstränge, neue Bekanntschaften, tödliche Feindschaften, Irrfahrten und Kämpfe vermischen sich zu einer ungewohnten Art von Literatur und Leseerfahrung. Eine unterhaltsam verwirrende Reise in das Unterbewußtsein des Träumers auf dem Weg zu den Archetypen seiner Existenz, bei der der Weg das eigentliche Ziel ist. Die musikalische Umsetzung dieser tiefenpsychologischen Tour de Force muß wahrscheinlich scheitern, macht aber dennoch Freude.

Das Ende der CD versöhnt dann wieder. Dem Hörer wird sozusagen im letzten Moment der roten Faden zugeworfen und er kann an dem abschließenden Flug auf dem "Shantak" teilnehmen. "Riding the shantak", ein episches Instrumental, das in ein hymnisches Gitarrensolo mündet, wird dem furiosen Finale des Buches gerecht, über das hier ansonsten nichts verraten werden soll (unter anderem, weil ich mir nicht anmaßen möchte, es einigermaßen verstanden zu haben).

Zum Abschluß wird leise das Motiv der Stadt orchestral wieder aufgegriffen.

Wenn irgendwo in der "wachen Welt" der Versuch unternommen worden ist, sich den (Zitat Lovecraft) "Schlägen nichtswürdiger Trommeln", dem "Gewinsel verwünschter Flöten" und einem "abscheulichen Stampfen" musikalisch zu nähern, dann auf "Kadath decoded". Man kann der Band nur dankbar für die einzigartige musikalische Schilderung der Stadt Randolph Carters sein. Die Tatsache, daß Payne's Gray dann später auf der CD am eigenen hohen Anspruch glanzvoll scheitern, sollte man anerkennend in Kauf nehmen.

Das Booklet der CD läßt sich zu einem Poster aufklappen, daß sehr stimmungsvoll Elemente der Geschichte (der Träumer, jede Menge Katzen, Ghoulfratzen, die Stadt) und Textauszüge aus dem Buch zu einem großen "Gemälde" verbindet. Man könnte es sich an die Wand hängen, wenn dann nicht das Jewel-Case so schrecklich nackt aussehen würde, und wenn es nicht einfach zu groß geraten wäre: Bei jedem Herausquetschen aus der Hülle, zerstört es sich ein wenig selbst, so daß seine Schönheit mit der Zeit immer mehr verblasst.

"Kadath decoded" ist eine der vielseitigsten deutschen Prog(metal)-Alben der 90er Jahre. Es muß zwar aufgrund der metallischen Basis nicht jedem Lovecraft-Jünger gefallen, aufgeschlossene Progrock-Freunde dürften jedoch ausnahmslos viel Freude mit dieser CD haben.

Anspieltipp(s): Moonlight waters
Vergleichbar mit: Fates Warning, Psychotic Waltz
Veröffentlicht am: 10.5.2002
Letzte Änderung: 10.5.2002
Wertung: 13/15

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Von: Thorsten Gürntke @ (Rezension 2 von 3)


Einige Bands und besonders Plattenfirmen sollten sich einmal anhören was diese Band hier fabriziert hat. In Eigenproduktion aufgenommen hat man ein Debut-Album erschaffen, das meiner Ansicht nach zu den besten dieses Jahrzehnts gehört. Und das alles in Eigenregie - Respekt! Nach so einer Einleitung ahnt man natürlich schon, daß das was diese CD zu bieten hat absolut top ist! - Und wie!!! Die sechs Jungs haben sich mit ihrem Debut ein Werk geschaffen, welches sicherlich nicht mehr zu übertreffen sein wird und das ab jetzt immer als Bewertungsmaßstab für sie herhalten muß!

'Kadath: decoded' ist ein Konzeptalbum der Extraklasse. Inhaltlich wird H. P. Lovecraft's 'Traumsuche nach dem unbekannten Kadath' verarbeitet und wer das Buch gelesen hat, dem sage ich, daß dieses Album DER einzigartige Soundtrack dafür ist. So wird nicht nur textlich das Buch verarbeitet, sondern jeder Song trifft die vielzitierte Faust aufs Auge, wenn es darum geht eine sagenhafte musikalische Stimmung zu zaubern. Ansonsten gibt es zu den einzelnen Songs nicht mehr viel zu sagen - Es verschlägt einem einfach die Spache! Dieses Album ist einfach ein MUSS!!! Wer es nicht hat, der verpaßt sicherlich was. Der Hörer sollte jedoch auf alle Extreme gefaßt sein, sonst wird ihn die Musik sicherlich erschlagen. Gebt dieser Band eine Chance und bestellt Euch dieses zauberhafte Album noch heute.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 11.5.2002
Letzte Änderung: 5.2.2004
Wertung: 15/15

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Von: Kristian Selm (Rezension 3 von 3)


Schon in der Gestaltung des Booklets, welches eigentlich aus einem sehr schön gemalten, aufklappbaren Poster mit Liedtexten, Erläuterungen und Danksagungen auf der Rückseite besteht, beweisen Payne's Gray einen guten Geschmack. Auch der vertonte Inhalt, ein Konzeptalbum, welches auf dem Buch "Die Traumsuche nach dem unbekannten Kadath" von H.P. Lovecraft basiert, zeigt ebenfalls Ansätze voller Ideenreichtum und Abwechslung.

Den positiven Worten der „Vorkritiker“ kann ich mich nur anschließen. Dies hängt einfach an der musikalischen Umsetzung, wo reichlich Instrumente in verschiedenen Spielarten zu hören sind: von mehr ruhigen und besinnlichen Klavier-, Flöten- und Akustikgitarreneinlagen, bis hin zu schwermetallisch-mäßigem Gitarrengedresche. Neben der instrumentalen Vielfalt haben ebenso die einzelnen Lieder verschiedene Stimmungen, die, neben angenehmer Ruhe und nötiger Aggressivität, auch spannungsvolles, leicht orientalisches Liedgut, sowie sinfonischen Heavy Bombast enthalten. Auch können die Arrangements voller Raffinesse überzeugen.

Payne's Gray merkt man unweigerlich die Metal-Lastigkeit ab, geprägt durch stil-typische Heavy Shouter Stimmen der beiden Frontmänner Hagen Schmidt und Haluk Balikci, weiterhin der recht deftigen Bearbeitung der Noise Guitar und der normalen Gitarre. Aber halt, bevor hier der Eindruck entsteht, dies sei wieder einer dieser Heavy Scheiben mit etwas progressiven Elementen, dem sei gesagt, dass er gewaltig irrt. Wüste, abwegige Soundcollagen werden eingestreut, wunderschöne, leicht melancholische Flötentöne von Jan Schröder erklingen recht verträumt, daneben gibt es aber auch noch vertrackte Strukturen. Hier wird mehr Abwechslung geboten, als auf manchen anderen, meist selbsternannten "progressiven" Scheiben.

Neben allzu viel Lobhudelei darf aber auch etwas konstruktive Kritik nicht fehlen. Aus den recht vielen Stilwechseln kann man natürlich dieser Band genauso einen Strick drehen, indem man behauptet, dass sie sich einfach nicht entscheiden konnten. Weiterhin ist es recht schwierig aus dem Gesamtwerk ein Stück herauszuheben, welches unbedingt heraussticht. Zwar erkennt man nach mehrmaligem Hören bestimmte Passagen wieder, aber sehr prägnante Strukturen bleiben nicht im Gedächtnis.

Trotzdem liefern Payne's Gray mit ihrer Musik voller Abwechslung und Überraschungen ein Album ab, welches wirklich volle Aufmerksamkeit und Achtung verdient.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 28.9.2004
Letzte Änderung: 24.9.2004
Wertung: 12/15

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Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1999 Infinity 10.00 1

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