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Everon

North

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2008
Besonderheiten/Stil: Melodic Rock / AOR; Progmetal
Label: Mascot Records
Durchschnittswertung: 9.67/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Oliver Philipps vocals, piano, keys, orchestrations, guitars
Christian Moos drums, percussion
Schymy bass
Ulli Hoever guitars

Gastmusiker

Judith Stüber vocals
Rupert Gillet cello

Tracklist

Disc 1
1. Hands 5:11
2. Brief encounter 6:52
3. From where I stand 5:56
4. Test of time 5:02
5. North 5:04
6. South of London 4:05
7. Wasn't it good 6:34
8. Woodworks 3:25
9. Islanders 4:18
10. Running 5:01
Gesamtlaufzeit51:28


Rezensionen


Von: Henning Mangold @ (Rezension 1 von 3)


Nach Jahren ein lange überfälliges Lebenszeichen dieser Band, und dann auch noch mit verschobenem Veröffentlichungstermin aus gesundheitlichen Gründen - da macht man sich als Fan so seine Gedanken. Und dann sieht man dieses Cover...

Maler Jan Yrlund hat wirklich ganze Arbeit geleistet, um dem ersten Eindruck, für den es keine zweite Chance gibt, auf die Sprünge zu helfen: perfekter als mit diesem Bild lässt sich der Bezug zum Titel "North" nicht in Prog-Art darstellen. Daraufhin stellt sich natürlich sofort die Frage, ob und wie weit sich diese gesuchte Kälte wohl auch musikalisch niederschlagen wird.

Mir selbst fiel sofort auf, dass Oliver Philipps' Stimme im Vergleich zu früher etwas näselnd klingt - wirklich nur ganz leicht, aber umgehend fiel mir dazu das Thema Gesundheit wieder ein. Ich fürchte, ich werde dieses Album nie mehr ohne Hintergedanken ähnlicher Art hören können; bis heute hatte ich gar nicht gewusst, was für ein Hypochonder ich bin...

Dann fiel mir auf, dass sich in allen Songs zweifellos alle Elemente des Songwritings wieder finden, die schon immer für Everon typisch waren: man könnte das Album undeutlich durch Wände hindurch vernehmen und wüsste doch gleich, von wem es ist. Aber zugleich fällt im Unterschied zu den Vorgängeralben eine anders gewichtete Instrumentierung bzw. für Everon ungewöhnliche Klangfarbe auf (das käme aber beim Hören durch Wände sicherlich nicht mit rüber): es gibt neuerdings viel Cello zu hören und sehr kurze, aber wohldosierte Orchestraleinsätze, dazu noch mehr Piano als früher, aber auch hier und da harte Elektronik-Effekte und vor allem bratzigere Gitarren, die zudem das Klangbild stark dominieren - ein keyboardlastiges Album ist "North" zweifellos nicht geworden.

Und daraus ergibt sich in der Tat eine kältere Atmosphäre, als ich Everon zugetraut hätte, die aber doch noch so melodisch rübergebracht wird, dass man sie auch mit edlen holzgetäfelten Empfangshallen assoziieren könnte (die eben nur nicht gut geheizt sind ;-)). Somit ist das Album von der Melodik her zwar typisch Everon, aber ebenso eindeutig würde es in keins der farbenfrohen Covers passen, durch die diese Band bisher auffiel.

Auch die Texte lassen mich erneut an das Gesundheits-Thema denken, denn es geht mehrfach um die zu schnell verrinnende Lebenszeit in einer kalten und unbarmherzig fordernden Gesellschaft (z.B.: "The test of time tells how much we can carry, will show no mercy, time never waits"). Darin und in vergleichbaren Passagen liegt eine Message, die sich vielleicht mit 'Wir werden alle älter, aber in der Jugend merken wir es noch nicht' zusammenfassen ließe.

Musikalisch und textlich ist dieses Album m.E. ein Indiz dafür, dass die Band 'erwachsen' geworden, aber auch gealtert (oder besser: 'gereift') ist - und dass daraus gar nicht erst ein Hehl gemacht werden soll. Die Botschaft kommt aber sehr subtil (und trotzdem unüberhörbar) an: man kann nämlich nicht etwa sagen, dass verglichen mit früher die Progmetal-Teile zugenommen und die AOR-Elemente abgenommen hätten, aber das Klangbild lässt doch keine Vergleiche zu Asia mehr aufkommen - Everon's Debütalbum ist weit entfernte Vergangenheit.

Einen kleinen Nachteil mag ich nicht unerwähnt lassen, den das Album leider auch aufweist: im Kern sind sich die Songs letztlich sehr ähnlich; die meisten beginnen mit leiserem Piano-, Cello- oder Klassischem Gitarren-Intro, dann wird im Refrain und den ihn umgebenden Soli gebratzt, dann folgt ein leicht orchestraler Höhepunkt, dann der nächste Song. Wenn einem das Songwriting grundsätzlich gefällt, ist das natürlich kein Problem, aber ich stelle auch fest, dass die typischen Everon-Melodien nicht mehr so unter die Haut gehen wie noch auf "Bridge". Dafür sind sie jetzt allerdings auch nicht mehr so kitschig. Ich denke, "Bridge" war vielleicht der Höhepunkt in der Diskographie der Band (mit Höhenflügen, die schon etwas zu gesucht weit gingen), und "North" könnte das erste solide gereifte Spätwerk darstellen, das keine so großen Sprünge (aber auch keine zu großen Versprechungen) mehr macht. Daher gebe ich beiden Alben dieselbe Punktzahl.

PS: In einer meiner ersten Rezensionen überhaupt hatte ich vor Jahren "Bridge" als Konzeptalbum bezeichnet und sogar dementsprechend analysiert. Später erklärte mir Oliver Philipps persönlich, dass ich damit voll danebenlag, aber ich habe meinen Text bis heute nicht geändert, weil ich das Album bis heute in meinen Ohren als Konzeptalbum höre (womit bewiesen wäre, dass die Rezeption eines Kunstwerks nur teilweise vom Künstler gesteuert werden kann). Bei "North" könnte ich allen Ernstes auf ähnliche Ideen kommen, obwohl einfach Song auf Song folgt, aber die gepflegte Kühle zieht sich schon wieder wie ein Konzept vom Cover bis zum Cello durch das ganze Album. Okay, ich höre lieber auf, genug für heute: dies wird ja nicht das letzte Everon-Album sein (und das hoffe ich ganz aufrichtig!).

Anspieltipp(s): Das instrumentale "Woodworks": so geil wie Saga's "Corkentellis", nur leider zu viel zu kurz (aus der Sicht des Progfans)...
Vergleichbar mit: Everon im Kampf gegen den Zahn der Zeit (nicht abwertend gemeint, weil's Schicksal ist)...
Veröffentlicht am: 4.7.2008
Letzte Änderung: 30.5.2012
Wertung: 9/15

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Von: Michael Hirle @ (Rezension 2 von 3)


2008 das Licht der Welt erblickt und 2012 ausgewachsen. Ja so schnell kann es gehen. Manche Alben brauchen halt etwas länger, wirken auch ungehört im Innersten weiter.

Als ich 2008 North in den Händen hielt überraschte mich das melancholische Cover. Der einsame Ruderer von Anathemas "A Natural Disaster" hat es also doch noch ins offene Wasser geschafft, scheint aber etwas die Orientierung verloren zu haben und stochert jetzt mit seinem Ruder im Nebel. Ganz so verloren ist die Musik auf North, zum Glück nicht. Relativ knackig eröffnet "Hands" die 10 Stimmungsbilder, die den Hörer am Ende, wieder sicher auf einer Insel absetzen. Und es ist selten jene Insel, von der aus die Reise begonnen hat.

Everon waren schon immer die etwas andere, besondere Band. Unverwechselbar in Sound, Melodik und Lyrik. Für mich nachwievor die heimische Band mit den besten englischen Texten. Oliver Philipps Texte hätte ich auch gerne zwischen zwei Buchdeckel. Kongenial umrahmt von seinen Kollegen, gibt sich North irgendwie gelöster, als seine Vorgänger. Die Songs kommen relativ schnell auf den Punkt, sind weniger ausufernd und deshalb vielleicht beim ersten Mal Hören auch weniger "proggie". Doch hört man genauer hin, tun sich Welten auf. Ähnlich wie bei Bach, ist die musikalische Wiederholung innerhalb eines Stückes, immer auch mit einer Steigerung verbunden, deshalb ist das "Einstiegsgefühl" nie das "Ausstiegsgefühl". "Test of Time", "South of London", "From where I stand", "Hands", "Wasn't it Good", "Islanders"...nie klangen Everon...ja gelöster, positiver...von Ballast befreit. Man sieht nicht nur den Schneesturm, sondern auch die einzelnen, einzigartig gehäkelten Flocken. Weniger vertrackt, weniger bombastisch, mehr Streichquartett als Orchester, weniger jugendlicher Übermut, mehr Altersweisheit.

Der Ruderer hat ein Ziel vor Augen, um dort anzukommen musste er viel Ballast abwerfen...was ihn dort erwartet...weiß er noch nicht...aber er wirkt zuversichtlich...und dies lässt er seinen Mitreisenden, dem Hörer, in jedem Ruderschlag, in jeder Note spüren.

Anspieltipp(s): Test of Time, Hands, Wasn't it Good, Woodworks
Vergleichbar mit: Everon
Veröffentlicht am: 10.1.2012
Letzte Änderung: 10.1.2012
Wertung: 12/15
Auf zu neuen Ufern

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Von: Marc Colling @ (Rezension 3 von 3)


Es war Oliver Phillipps der sich in die Niederlande begab, genauer gesagt an die Nordseeküste, um dieses Album zu schreiben. Dabei müssen ihm so einige Dinge durch den Kopf gegangen sein, da die Texte nachdenklich machen, wenn es um das Leben an sich, die Einsamkeit, Rückschläge oder die Vergänglichkeit geht. Der Albumtitel „North“ in Verbindung mit dem düsteren Cover lassen nichts Gutes ahnen.

Und so kommt es denn auch. Melancholie, Düsternis, Trauer dominieren das Album. Dazu ein leicht matschiger Klang, der es dem Gesang in den härteren Passagen nicht erlaubt, sich durch zu setzen. Da walzen die Gitarrensalven alles nieder und dulden keine Stimme. In anderen Passagen hört man dann ein Cello, was der Stimmung ebenfalls nicht förderlich ist. Es wechseln sich auch qualitativ weit voneinander entfernt stehende Tracks miteinander ab. Kompositorisch schwache Songs wie FROM WHERE I STAND oder TEST OF TIME stehen neben schönen Balladen wie WASN'T IT GOOD, dem rein instrumentalen WOODWORKS oder dem wunderbaren SOUTH OF LONDON mit seinen elektronischen Einsätzen, seiner teils verfremdeten Stimme und einem Refrain der den Song mächtig antreibt.

Mit Judith Stüber hören wir eine schöne Frauenstimme auf ISLANDERS und siehe da: der Song hat Klasse und Ausstrahlung. Die hellere Stimme durchbricht die melancholische Grundstimmung des Albums und lässt Hoffnung aufkommen. Zum Schluss dann noch das lebendige und Funken sprühende RUNNING, das mal so richtig aus den Puschen kommt und das Album somit mit einem positiven Gedanken abrundet.

Die Musik von Everon ist sicher nicht schlecht, aber in meinen Ohren auch nichts außergewöhnliches. Wer auf fette Kompositionen in einem eher düsteren Umfeld steht, dazu die eine oder andere nach Bombast klingende Passage mag wird hier ordentlich bedient. Wer Pathos nicht braucht, sollte lieber wegbleiben.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 18.6.2017
Letzte Änderung: 18.6.2017
Wertung: 8/15
nicht so mein Fall, aber für Liebhaber des eher melodiösen Progmetal sicher ganz ordentlich

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Everon

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1993 Paradoxes 8.00 2
1995 Flood 9.50 2
1997 Venus 9.00 2
2000 Fantasma 8.67 3
2002 Bridge 10.50 2
2002 Flesh 11.50 2

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