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Kurai

Kurai

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2009
Besonderheiten/Stil:
Label: Altrock
Durchschnittswertung: 11.33/15 (4 Rezensionen)

Besetzung

Enrica Di Bastiano arpa
Maurizio Fasoli pianoforte
Giuseppe Olivini percussioni, clavicembalo, shruti box
Peter Schmid, clarinetto basso e contrabbasso, tubax
Markus Stauss sassofono basso, tenore e soprano
Christian Weber contrabbasso
Francesco Zago chitarra elettrica, mellotron

Gastmusiker

Stephan Brunner basso elettrico (Herbert Quain)
Marco Sorge clarinetto (Herbert Quain)

Tracklist

Disc 1
1. Herbert Quain 3:35
2. Cavedio 8:05
3. Premessa Inessenziale 1:14
4. Einigermassen Ruhig 5:22
5. Miniature On Rovine 1:09
6. L'Eco Delle Fiamme 7:34
7. L'Oscurità Naturale delle Cose 1:11
8. Flüster-Kadenz 6:57
9. Strassenleuchte 0:53
10. Treffpunkt 6:27
11. Fuoco Pallido 5:00
12. Peter Was There Too 5:41
13. Lento #1 0:35
14. Einigermassen Ruhiger 5:29
15. La Folgore Nera 2:05
16. Still Water 2:25
17. White 3:54
Gesamtlaufzeit67:36


Rezensionen


Von: Nik Brückner @ (Rezension 1 von 4)


"The Dark is always at the Top". Dieser Satz des Farbfeldmalers Mark Rothko steht als Motto im Booklet zum Debüt der italienischen Formation Kurai.

Nun gehöre ich nicht zu den Leuten, die Rothko als tiefgründig empfinden, im Gegenteil, ich sehe auf seinen Bildern lediglich ineinander verschwimmende Farbfelder (mehr sagt mir dann schon die Anspielung auf den Autor Jorge Luis Borges im Titel des ersten Stückes), dennoch passt sowohl das Motto als auch die kunsthistorische Bezugnahme hervorragend zu dem höchst abstrakten Tongemälde, dass uns die Band Kurai hier präsentiert. Benannt nach dem japanischen Wort für "dunkel" stellt sie eine Art dunkle Seite der ja eher fröhlich eingestellten Schwesterformation Yugen dar, die uns seit einiger Zeit wahnwitzige Konzerte und wunderbare Platten beschert.

Und man macht tatsächlich in vielerlei Hinsicht das Gegenteil von Yugen: So steht hier die Improvisation im Vordergrund, so sehr, dass man nur wenige komponierte Passagen ausmachen kann. Damit verbunden tritt das Instrument oft hinter das Geräusch zurück, das es produziert. Häufig ist es schwer auszumachen, was man nun gerade genau hört, vielmehr sind die oft tupferhaft in die Stille gesetzten, isoliert-einsamen Klangereignisse bisweilen seltsam anonym. Selbst das Mellotron, eines der Instrumente, die uns als Proghörer besonders vertraut sind, stellt sich hier von einer Seite dar, die wir in ihrer Neuheit wohl kaum für möglich gehalten hätten.

Trotz der großen Freiheit, die man sich beim Musizieren genommen hat, wirkt das Album alles andere als planlos - ganz im Gegenteil, man hört förmlich den Willen, die klare Entscheidung, die zu jedem der hier zu hörenden Klänge geführt hat. Dieses Album, so improvisiert es auch sein mag, ist von einer eindrucksvollen Entschlossenheit, die dann letztlich genau die Atmosphäre hervorzubringen in der Lage ist, die es offenbar hervorbringen will - eine Leistung, die nur ein äußerst geringer Anteil der so genannten "atmosphärischen" Platten erreicht. "Kurai" sollte man also unbedingt im Dunkeln hören!

Dennoch wird "Kurai" wohl kaum viele Freunde finden, das Album ist einfach zu abstrakt, es gibt zu wenig, an dem sich das musikalische Verständnis des Hörers festhalten könnte, denn zu weit weg von Musik sind Stücke wie etwa "Peter was there too", eines jener Stücke, bei denen man lange Zeit sogar Schwierigkeiten hat, überhaupt zu sagen, welche Instrumente man da eigentlich gerade hört.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 3.7.2009
Letzte Änderung: 3.7.2009
Wertung: 11/15
Ihr wollt Euch unkonventionell geben? Verschenkt dieses Album an gute Freunde!

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Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 2 von 4)


Nanu, erst eine Rezension zu diesem beeindruckenden Album? Aber es ist wirklich nicht einfach, sich diesen Klängen zu nähern. Ich verwende bewusst den Begriff "Klänge" statt "Musik", denn mehr als einmal wird hier die Grenze zum abstrakten Geräusch überschritten. Dabei wird es nie laut oder gar wüst, die Musiker agieren stets äußerst diszipliniert, jeder Ton scheint wohl überlegt, und meist werden die Töne auch recht sparsam eingesetzt. Mit Rock hat das Ganze allerdings ziemlich wenig zu tun, Kurai klingen eher wie ein modernes Kammerensemble.

Ob man das nun als "düster" bezeichnen sollte, bin ich mir nicht so sicher. Einzelne Stücke vielleicht schon (z.B. Cavedio), aber im wesentlichen erlebt man hier die Ästhetik des Abstrakten, Klänge, die erarbeitet werden wollen. Wer auf musikalische Konventionen pfeift (und das tun Progger ja, wie jeder weiß), findet hier jedenfalls eine echte Herausforderung.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 13.8.2009
Letzte Änderung: 13.8.2009
Wertung: 11/15

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Von: Thomas Kohlruß @ (Rezension 3 von 4)


Kollege Nik vermutet, dass dieses Album nicht allzu viele Freunde finden wird, Kollege Jochen wundert sich, dass dieses beeindruckende Album erst mit einer Rezension gewürdigt worden ist. Da scheint ja etwas besonderes im Busch zu sein. Und so ist es in der Tat, man beachte auch, dass Kollege Nik keine Stilangabe vergeben hat (was er hoffentlich nicht nur einfach vergessen, sondern bewusst gemacht hat).

Ich besitze „Kurai“ schon ziemlich lange (relativ zum Erscheinen desselbigen gesehen) und habe mich bislang nicht dazu geäußert. Dies hat Gründe. Wenn man auch – natürlich – vom AltrOck-Label, von Yugen & Umfeld und Francesco Zago keine „normale“ Musik erwarten sollte, so ist dies hier schon weit, weit weg von allem Gewohnten. Zum Einen könnte man diskutieren, ob dieses Album überhaupt ein Rezensionsobjekt für die babyblauen Seiten ist, denn diese Seiten haben sich ja dem Progressive Rock verschrieben. Und während man „Kurai“ sicherlich als progressiv bezeichnen kann – zumindest aus der Blickrichtung eines Rockmusik-Hörers, vielleicht ist das bei Moderne Klassik-gewohnte Hörern ganz anders -, Rock ist es auf keinen Fall, wie ja auch die Kollegen schon betont haben. Ganz nebenbei könnte man allerdings auch noch die Frage stellen „Ist das überhaupt Musik?“ und sicherlich würden so einige Menschen mit Nein antworten. Ich bin in Teilen auch versucht mit Nein zu antworten. Gerade, dass schon von Nik herausgegriffene Stück „Peter Was There Too“, klingt über weite Teile wie wenn ein leerer Holzschrank über einen Dielenboden geschoben wird. Dies nur mal als exemplarisches Beispiel für den Eindruck den große Teile dieses Album hinterlassen.

So richtig Musik mit Bezug zu einem herkömmlichen Verständnis dieses Begriffs wird für meine Begriffe eigentlich nur im Opener „Herbert Quain“ und im abschließenden „White“ geboten. Dabei schlägt „Herbert Quain“ eine vage Brücke zu Yugen und „White“ überzeugt mit außerirdischer Schönheit mit nahezu melodischen Tonfolgen und sehr schönem Cello-Klang, der anscheinend zu allem Überfluss auch noch mit einem Mellotron erzeugt wird. Der Rest des Albums sind überwiegend Klangereignisse, die weniger Musik zu sein scheinen, als eine Art lebendig gewordene Klangskulpturen. Der Begriff „Malen mit Musik als abstrakte Kunst“ kommt mir hier in den Sinn. Dabei geht es mir ähnlich wie den Kollegen, trotz des Fehlens von Strukturen wirkt die 'Musik' bis auf das letzte geplant und durchkomponiert. Vor meinen Augen entsteht immer wieder das Bild einer Gruppe von Musikern, die in einem abgedunkelten Raum im Halbkreis über Notenblätter gebeugt konzentriert ihre kurzen Einsätze anvisieren.

„Kurai“ bietet also wirklich ein musikalisches Erlebnis der ganz anderen Art, welches sich mir – das sei zugegeben – nicht erschließt. Es ist wie der Kontakt mit einer fremden Kultur... man bekommt einen interessanten Einblick, aber man kann sich nicht wirklich damit anfreunden, weil es einfach zu andersartig ist. Ich will niemanden davon abhalten seine eigenen Erfahrungen zu machen, aber sagt nicht, ich hätte Euch nicht gewarnt! Was insbesondere für Hörer gilt, die zumindest noch einen vagen Bezug zum Kern des Progressive Rock in ihrer Musik wahrnehmen möchten.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 14.8.2009
Letzte Änderung: 16.8.2009
Wertung: keine Nach den Bewertungsmassstäben dieser Seiten ist dieses Album sicherlich nicht bewertbar

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Von: Achim Breiling @ (Rezension 4 von 4)


Ist das überhaupt Musik? Dem Kollegen Thomas schwebt da beim Hören von "Peter was there too" ein leerer Holzschrank auf Dielenboden vor dem geistigen Auge. Ein Holzschrank auf Dielenboden ... ist das Musik? Das kommt drauf an! Wenn jemand einen Holschrank über einen Dielenboden schiebt, weil er die Möbel im Zimmer umstellen möchte und ihm der Schrank da rechts neben der Tür besser gefällt, dann sind die Geräusche die dabei entstehen keine Musik. Wenn er aber den Schrank nur über den Boden schiebt, um dabei diese knarzend-knurrenden Geräusche zu erzeugen, dann ist es Musik! Wenn also der Zweck der Geräusch- oder Klangerzeugung einzig und alleine der ist, Schallereignisse zu erzeugen und zu arrangieren, dann ist das Ergebnis Musik. ... Behaupte ich mal.

Wenn der geschätzte Leser nun denkt: "So ein Blödsinn, wo bleiben denn Begriffe wie Melodie, Tonalität und Form?", so ist es wohl recht wahrscheinlich, dass er mit der Musik von Kurai nicht all zu viel wird anfangen können. Vielleicht, denn eine gewisse Form hat die Musik hier mitunter schon und Melodien gibt es auch immer wieder. Trotzdem denke ich, dass es vor allem aufgeschlossene Klangkonsumenten sind, für die Musik im minimalsten Falle einfach organisierter Klang ist, die mit "Kurai" etwas anfangen können werden.

Und organisiert ist "Kurai" durchaus. Allerlei meist akustische Instrumente musizieren hier mit- und gegeneinander, oft eingebettet in dichte Gewebe von elektronischen Tönen und Klangflächen (letztere mitunter auch vom Mellotron). Einiges, wie z.B. der größte Teil von "Cavedio", besteht nur aus prozessiertem, elektronischem Klang, wenn auch oft ergänzt um diverse, meist perkussive Akustiktöne oder -geräusche. Dem gegenüber stehen kurze, von nur einem Instrument (Piano, Akustikgitarre, Klarinette) bestrittene Miniaturen (die Stücke unter 2 Minuten). Der Rest besteht meist aus eher sparsam instrumentierten Duetten, Trios oder Quartetten, in denen die Mitspieler häufig wechseln. Das sind freiformatige Tondurcheinander, wirre Klang- und Geräuschpuzzle und anspruchsvolle Improvisationen, die nie wirklich wuest, laut oder heftig ausgefallen sind. Oft geht es auf "Kurai" eher ruhig zu, arbeiten sich hier filigrane Klangskulpturen von eigenartig karger Schönheit und angedüsterte Tongemälde aus den Boxen, letztere ganz in Schwarzweiß.

"Kurai" ist ein beeindruckendes Album mit zeitgenössischer Ensemblemusik, kein Rock, kein Jazz, kein Prog, schon gar kein Pop, aber eine sehr progressive und moderne Musik mit ganz eigener Atmosphäre. Ein Holzschrank kam hier aber wohl trotzdem nicht zum Einsatz. Es sind tiefe Rohrblattinstrumente, die "Peter was there too" bestimmen und das schrankartige Knarzen kommt vermutlich von einem leicht malträtierten Kontrabass. Aber vielleicht erweitert Francesco Zago sein Ensemble für die nächste Produktion um einen Möbelrücker?

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 8.2.2010
Letzte Änderung: 8.2.2010
Wertung: 12/15

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