SUCHE
Erweiterte Suche
NEUE REZENSIONEN
28.5.2017
Ulver - The Assassination of Julius Caesar
FeatherWolf - FeatherWolf
Ed Bernard - Polydactyl
Golden Caves - Collision
27.5.2017
Secret Saucer - The Reset
Hominido - Alados
26.5.2017
Heron - You Are Here Now
Stefano Giannotti / Salvo Lazzara - La vostra ansia di orizzonte
Nad Sylvan - The Bride said No
25.5.2017
Thinking Plague - hoping against hope
Damanek - On Track
Mike Oldfield - Amarok
24.5.2017
Starchitect - Shift
Amorphis - Elegy
Fish - Sunsets on Empire
23.5.2017
Shamblemaths - Shamblemaths
Zauss - Trittico Immer All Over
Kaprekar's Constant - Fate Outsmarts Desire
ARCHIV
STATISTIK
23481 Rezensionen zu 16041 Alben von 6225 Bands.
SITE MAP
STARTSEITE

Emerson, Lake & Palmer

Love Beach

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1978
Besonderheiten/Stil: Klassikrock / Adaptionen; Klassischer Prog; Rock / Pop / Mainstream
Label: Manticore
Durchschnittswertung: 6.43/15 (7 Rezensionen)

Besetzung

Keith Emerson Klavier, Orgel, Synthesizer
Greg Lake Gesang, Gitarre, Bass
Carl Palmer Schlagzeug

Tracklist

Disc 1
1. All I Want Is You 2:34
2. Love Beach 2:44
3. Taste Of My Love 3:31
4. The Gambler 3:21
5. For You 4:27
6. Canario (from Fantasía Para Un Gentilhombre) 3:57
7. Memoirs Of An Officer And A Gentleman

1. Prologue / The Education Of A Gentleman
2. Love At First Sight
3. Letters From The Front c.
4. Honorable Company (A March)

20:15
Gesamtlaufzeit40:49


Rezensionen


Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 1 von 7)


Love Beach war ELPs letztes Studioalbum vor ihrer Trennung Ende 1979. Neben seinem Vorgänger "Works, Vol. 2" gilt es allgemein als ihr schlechtestes Werk. Und tatsächlich besteht die erste Hälfte aus übelstem Greg-Lake-Schrott mit dümmlichen Texten (von Peter Sinfield! Wie kann man so tief sinken, einen Mist wie "I want to dynamite your mind with love tonight" zu fabrizieren...). Hat man aber diesen Schrott geduldig ertragen, wird man dafür mit einer deutlich besseren zweiten Hälfte belohnt. Da ist zunächst "Canario", eine Bearbeitung eines Satzes aus der "Fantasia para un gentilhombre" des zeitgenössischen spanischen Komponisten Joaquin Rodrigo, sowie Emersons 20-minütige Suite "Memoirs of an Officer and a Gentleman". Überwiegend ruhig gehalten, von Klavier dominiert, zeigt sie ELP von einer ganz anderen Seite, weniger bombastisch als in früheren Werken dieses Ausmaßes (z.B. Tarkus), aber dennoch musikalisch anspruchsvoll.

Insgesamt ist Love Beach kein Höhepunkt in ELPs Schaffen (und schon gar nicht das scheußliche Cover). Wenn man die CD aber irgendwo billig bekommen kann, sollte man für "Canario" und "Memoirs..." sich die Anschaffung durchaus überlegen.

Anspieltipp(s): Canario, Memoirs of an Officer and a Gentlema
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 20.5.2002
Letzte Änderung: 20.5.2002
Wertung: 4/15

Zum Seitenanfang

Von: Siggy Zielinski @ (Rezension 2 von 7)


Alle drei Musiker zeigen sich hier, leider wohl zum letzten Mal, spieltechnisch in ausgezeichneter Form, auch wenn "Love beach" einige deutliche Schwachpunkte aufweist. Da wäre zum Beispiel das Cover, das wie eine Einladung zum Hohn anmutet. Greg Lakes Songtitel zeigen zum ersten Mal deutlich, dass seine Gedankenwelt möglicherweise doch stark eingeschränkt sein könnte. Wären ausserdem nicht die einfältigen Texte eines offenbar nur testosterongesteuerten Sängers, könnte "Love Beach" als ein würdiger Kompromiss zwischen AOR-Pop-Kommerz (die ersten 5 Stücke) und dem erstklassigen Progrock (die restlichen Stücke) angesehen werden. Bekanntlich haben die Musiker aber generell die Nase voll von ELP gehabt, so dass sie nur schleunigst die Scheibe an die Auftraggeber ablieferten und gar nicht merkten, dass sie auch viele gute Seiten hatte. Ich bin demjenigen gar nicht böse, der das Trio zu diesem Album genötigt hat, sonst würde womöglich "Works Vol.2" als die letzte einigermassen anhörbare ELP-Scheibe in die Musikgeschichte eingehen.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 21.3.2004
Letzte Änderung: 8.10.2011
Wertung: 8/15

Zum Seitenanfang

Von: Jürgen Gallitz-Duckar @ (Rezension 3 von 7)


Das letzte Album der 70er und insgesamt gesehen wahrlich keine Glanztat mehr. Dabei beginnts mit "All I want is you" gar nicht mal so schlecht. Der Titelsong und "The Gambler" sind dann aber Totalausfälle für mich, "Taste of my love" rein musikalisch nicht schlecht, mit Gesang aber sehr fad. "For you" ist dann das beste Lake Stück auf dem Album, was hier aber nix heißen will. Ebenso verzichtbar.

Wirklich gut und interessant ist das Instrumentalstück "Canario", das als Klassikadaption sich auch auf jedem anderen Album gut gemacht hätte. Am eigentlichen Ende dann, der ungewöhnlichste ELP Longsong. Ganz ohne Bombast, Showstückchen und Emersons Zaubereien, gibt es hier einen überwiegend ruhig gehaltenen und sehr schönen ELP Song, der diesmal vom Piano-Spiel des Meisters getragen wird. Grade nach zwei, dreimal anhören gefällt er ganz besonders, eben weil er anders als die gewohnten langen Stücke präsentiert wird.

Die Remastered Edition hat noch drei Bonustracks, allesamt Rehearsal, also Proben-Versionen. "Canario" (4.38 Minuten) gefällt, hört aber mittendrin auf, man hört im Hintergrund Geräusche und Gerede und dann gehts weiter. Proberaum halt. "Taste of my love" (3.01) ist dann hier in einer Instrumentalversion geboten und gleich besser als die normale Albumversion. "Letters from the past" (8.52), ein Auszug aus der "Memoirs-Suite" ist dann vollends Probenraum pur, mit teils mehr Pause als Musik. Alle drei Bonustracks sind nicht mal für den Fan von Nöten.

Das Cover, wie schon erwähnt, ist ein Fehlschlag ohne Gleichen, der einen an die Flippers auf Mallorca denken läßt. Hätten sie mal lieber das Backcover genommen, da sieht man nämlich die zauberhaften Farben des Himmels über den Bahamas bei Sonnenuntergang ohne die drei Grinsis.

Alles in allem für den Fan wegen Canario und Memoirs eine Anschaffung wert. Den Rest vergessen wir.

Anspieltipp(s): Canario, Memoirs of an officer and a gentleman
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 11.10.2005
Letzte Änderung: 11.10.2005
Wertung: 7/15

Zum Seitenanfang

Von: Markus Peltner @ (Rezension 4 von 7)


Es ist kaum zu glauben, was eine Band wie Emerson, Lake & Palmer, die bereits klasse Alben produziert hat, für Ausschussware produzieren konnte. "Love Beach", das letzte Werk der drei Musiker vor der Trennung, hat meiner Ansicht nach nichts mehr mit progressiver Rockmusik zu tun. Hier höre ich nur noch Popmusik und diese auch nur in ganz, ganz, ganz schlechter Qualität.

Mich würde interessieren, wie die drei Musiker dieses Werk heute sehen. Ob sie sich dafür schämen? Angebracht wäre es. Das beginnt bei dem blöden Titel des Albums "Love Beach" über ein absolut peinliches Cover und geht nahtlos auf die Musik über. Bei Titeln wie "All I want is you", "Love beach" und "Taste of my love" erwartet man auch nicht allzu viel. Und genau das erhält man auch: Billige Popnummern.

Aber auch wenn der Titel nicht gleich darauf schließen lässt, wie bei "The gambler" und "For you", so erhält man doch nur Nummern, die zum einen Ohr reingehen und zum anderen wieder entfleuchen. Und was die schlechte Musik vorgibt, wird durch hanebüchend schlechte Texte noch unterstrichen: Dieses Album scheint unter Zeitdruck und ohne jegliches Interesse am Ergebnis abgeliefert worden zu sein.

Und leider gilt das auch für die letzten beiden Titel, die wohl noch den Anspruch erheben wollen, irgendwie progressiv zu klingen. "Canario" klingt für mich nach Kirmesmusik und dem Stück haftet ein irgendwie "plastikmäßiger" Sound an. Anders kann ich dieses Lied nicht in Worte fassen.

Bliebe noch der Zwanzigminüter "Memoirs of an officer and a gentleman". Auch hier wirkt das Keyboardspiel Emersons billig und belanglos. Diese Art Fanfare, die im ersten Teil des Longtracks jeweils nach den Strophen gespielt wird, nervt nur noch. Der zweite Part "Love at first sight" fängt zumindest interessant und schön mit dem Piano an. Wenn Greg Lake dann allerdings dazu singt, verliert das Stück sofort an Glanz. Aber es bleibt festzuhalten, dass bei diesem Teil zumindest die Instrumentalparts überzeugen können. "Letters from the front" fängt auch ganz gut an und klingt zunächst wirklich etwas progressiv, aber auch hier gibt es wieder so einen vermaledeiten Fanfarensound, genau wie im letzten Part, der einem den ganzen Spaß nimmt.

Fazit: "Love Beach" ist für mich mit Abstand das schlechteste Album, welches ich von Emerson, Lake & Palmer kenne. Es wurde Zeit, dass die drei die Band auflösten. Eigentlich schade, wenn man bedenkt, was diese Musiker davor so alles geschaffen haben.

Anspieltipp(s): Höchstens das letzte Stück
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 8.10.2011
Letzte Änderung: 2.3.2012
Wertung: 3/15

Zum Seitenanfang

Von: Jörg Schumann @ (Rezension 5 von 7)


"Sehr schlecht: hier bleibt praktisch nichts Positives zu sagen."

Dies ist die Definition der Noten 1-3 im BBS-Wertungssystem. Ich weiß, man sollte nicht auf eine Rezension "antworten". Und ja: ich habe auch schon die Note 1 vergeben, mehrmals sogar. Wonach sich mancher vielleicht gefragt haben mag: "hat der sie noch alle?"

Aber nach der letzten Rezension zu "Love Beach", dem Vergleich mit billigem Pop und der erfolglosen Suche nach einem Anspieltipp glaube ich, dass dieses Album noch eine weitere Begutachtung verdient, welche einigen Aspekten seiner Entstehungsgeschichte und der Situation, in der sich ELP damals befand, Rechnung trägt.

Und ich möchte aufzeigen, warum vieles hier nicht bloß einfacher Pop ist und man durchaus Positives finden kann.

Nach der gigantischen Welt-Tournee der Jahre 1973/74 waren ELP auf dem Zenit ihrer Popularität angelangt, verkauften vor allem in Amerika Platten in rauen Mengen und füllten damals alleine Stadien mit an die 80000 Zuschauern. Die Tour der Jahre 1977/78 stellte dagegen den ersten Rückschlag für die Band dar, weil man sich mit einem teuren Orchester finanziell übernahm. Außerdem war man nach dieser Monstertour ausgelaugt und gab es innerhalb der Band Differenzen über die künstlerische Ausrichtung, was schließlich darin mündete, dass die Band einige Gänge zurückschalten wollte und erstmal keine Lust hatte, ein neues Album aufzunehmen.

Vertraglich war man jedoch noch zu einem weiteren Studioalbum verpflichtet. Und die Plattenfirma wollte ein "kommerzielles" Album. So traf man sich im Sommer 1978 auf den Bahamas (wo Emerson wohnte) und begann mit den Aufnahmen zu "Love Beach". Bis auf Emerson wollten alle anderen so schnell wie möglich wieder weg von dort, so dass dieser nach Abschluss der zum Teil noch unfertigen Stücke das Album alleine "fertigproduzieren" musste/durfte.

"Love Beach". Wie konnte eine Band wie ELP ein Album "Love Beach" nennen? Wie ein derartig bescheuertes Cover wählen? Beides geht auf das Konto von Atlantic Records. Emerson war mit beidem nicht glücklich, da es absolut nicht zu dem passte, was ELP gewesen war. Ändern konnte er es aber nicht. Und so erschien Ende 1978 ein Album, das unter ungünstigen Voraussetzungen entstanden war, ein neues Zielpublikum ansprechen sollte (was es nicht schaffte) und die alten Fans in Scharen vertrieb. "Love Beach" versenkte eine der großartigsten und innovativsten Bands der 70er Jahre.

Zur Musik. Seite A enthält mit Ausnahme der einzigen Gemeinschaftskomposition "The Gambler" und der Adaptation von "Canario" nur Lake-Nummern. Vom banalen, melodiösen "All I Want Is You" (bei einer TV-Performance des Stückes, die man im Internet finden kann, langweilen sich Emerson und Palmer sichtlich zu Tode), über den ebenfalls sehr dünnen Titelsong bis zum kein Jota besseren "Taste Of My Love" wird einem mit jeder Sekunde schmerzlich bewusst, was hier beinahe mutwillig verstümmelt wird: die eigene Legende.

"The Gambler" bringt gegenüber seinen älteren Brüdern "Jeremy Bender" und "Benny the Bouncer" keine neuen Erkenntnisse. "For You" zeigt im Einspiel ein paar elegante Gitarrenfiguren, zart unterlegt von perlenden Keyboardläufen. Das lässt zum ersten Mal Hoffnung auf mehr aufkommen; leider verkommt das Stück in der Folge zu einer weiteren beliebigen Lake-Ballade.

Das die erste Seite abschließende "Canario" macht Spaß. Emerson und Lake werfen sich in diesem technisch anspruchsvollen, wilden, folkig angehauchten, Instrumental die Leadstimme zwischen Gitarre und Keyboard schön hin und her. Das Stück steht deutlich über allem auf der ersten Seite. Und reicht dennoch nicht aus, Seite A von "Love Beach" vor dem vernichtenden Urteil zu bewahren, die bis dahin schlechteste ELP-Musik zu beinhalten. Bis hier kann man meiner Ansicht nach durchaus zu einer schlechten Bewertung gelangen.

"Memoirs of an Officer and a Gentleman" verbietet dies aber. Ich habe diese Suite immer als die Fortsetzung von "Pirates" empfunden, als eine Komposition, die sich nach "Kolonialzeit" anhört, nach "weitgereist". Es erzählt die Geschichte eines jungen britischen Offiziers von seiner Ausbildungszeit vor den zweiten Weltkrieg über seine große Liebe, die später stirbt, die Zeit an der Front bis zu der Zeit nach dem Krieg, wo er mit Bedauern und nostalgischem Blick zurückschaut.

Unterteilt in 4 Abschnitte enthält "Memoirs" viele typische Emerson`sche Kompositionsmerkmale: starke Melodien, die vielfach variiert und ausgebaut oder von verschiedenen Instrumenten weitergeführt oder transponiert als Gegenmelodie gespielt werden, komplexe Harmonien, verschiedene Metren, epische Parts, lyrische Parts (selten schön der nur von Piano und Lakes reifer Stimme bestrittene Anfang), militärisches drumming, erhabene Keyboard-Fanfaren, wunderschöne Pianoarpeggios, zarte Akustikgitarre, Wechsel zwischen verschiedenen Modi und vieles mehr.

Das ist eine ganze Seite erstklassiger Musik. Musik, die mehr Ideen enthält, als andere auf mehreren Platten zusammenkriegen, die komplexer und farbiger ist, als andere es überhaupt verstehen zu komponieren. "Memoirs" versprüht ein Gefühl von Nostalgie, von Wehmut, steht qualitativ weit über dem Rest des Albums und ist für mich eine der schönsten und unterbewertetsten Kompositionen von Keith Emerson.

Anspieltipp(s): Memoirs of an Officer and a Gentleman
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 8.10.2011
Letzte Änderung: 8.10.2011
Wertung: 8/15
"Memoirs" 12

Zum Seitenanfang

Von: Horst Straske @ (Rezension 6 von 7)


"Love Beach" ist ein schwieriges Album im Repertoire von ELP, das den kritischen Hörer gerne dazu veranlasst, es in Grund und Boden zu verdammen, wozu sicherlich der kitschige Titel und das ebensolche Cover beitragen. Dem deutschen Hörer werden beim Betrachten der gut gelaunten Herren sicherlich die diversen Mallorca-Specials mit den Flippers im TV in den Sinn kommen, welche man sich an verregneten Wochenenden nun mal so ansieht, um sich auf den nächsten Familienurlaub unter südlicher Sonne einzustellen. Zu Sommer, Sonne und Strand gehört nun mal auch der Faktor Liebe, was ELP nach dem Niedergang der Hochphase des Progressive Rocks auch gerne mal in ihren kompakten Titeln zum Ausdruck bringen wollten. Die Drei waren im Jahr 1978 nun mal auch Herren in den besten Jahren, dazu noch erfolgreich und berühmt. Warum sollten sie sich hinter einem düsteren Giger-Cover verbergen?

Mit dem Opener "All I Want Is You" haben die Mannen um Keith Emerson ihren hymnischen Bombast in ein Easy-Listening-Gewand gehüllt und klingen selbst im schmachtenden Popsound typisch nach ELP. "All I Want Is You" im Refrain klingt nach einem unverblümten Liebesbeweis. An die Fans oder an eine fesche Blondine im sexy Outfit der späten-70er-Jahre? Wohl eher nicht an die Fans, welche man mit dem Cover möglicherweise schon im Vorfeld vergrault hatte und mit einem puren Love-Song auch nur schwer versöhnlich stimmen konnte. Wer die Cover der Band Charlie kennt, weiß zu genau, wie sexy ein Girl der Zeit aussah, welches das Trio wohl eher anschmachtete als zottelige Fans mit rauschenden Bärten. Stilistisch hätten Songs wie "Love Beach" oder "The Gambler" auch in einer Serie wie "Drei Engel Für Charlie" auftauchen können. Farrah Fawcett dazu in Aktion zu sehen, wäre eine Augenweide gewesen. Ein Duett mit Olivia Newton-John wäre auch nett gewesen.

Mit "Taste Of My Love" zeigt sich der abgespeckte ELP-Sound auch in unverblümten Macho-Lyrics sogar recht passabel und bietet einen griffigen Mainstream-Sound, der aber lieblos dargeboten wirkt und wie die anderen Songs schnell ausgeblendet wird. Neben zwei peinlich-schlechten AOR-Songs ("Love Beach" und "The Gambler") wird der erste Teil des Albums mit der hübschen Schmachtballade "For You" abgeschlossen.

Jeder Besucher einer sehenswerten Großstadt muss erst einmal wenig einladende industriell geprägte Außenbereiche über sich ergehen lassen, um in die dann umso sehenswertere Altstadt zu gelangen. Genauso verhält es sich im Fall des Albums "Love Beach". "Canario" stellt hier gleichsam die ornamentreich verzierte Pforte dar, hinter der sich die zur Kathedrale führenden verwinkelten Gassen anschließen. Erhaben auf einer sanften Anhöhe gelegen, befindet sich nun der sakrale Prachtbau. Genauso haben sich ELP vor ihrem Split mit "Memoirs Of An Officer And A Gentleman" noch einmal ein pompöses Denkmal gesetzt. Nie klang der Bombast des Trios dramaturgisch durchdachter und geschmackvoller umgesetzt. Vordergründige Tastenklänge sind hier nicht vertreten, sondern ein für Keith Emerson untypisch geschmeidiger Keyboardeinsatz, der sich selbst in einem Longtrack von rund 20 Minuten ganz dem pathetischen Songfluss unterzuordnen weiß und herrlich perlendes Klavierspiel aufweisen kann. Ein eleganter Songaufbau lässt diesen Titel zu einem der seltenen Überraschungsmomente beim Anhören eines zuvor insgesamt eher lauen Albums avancieren.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 2.12.2011
Letzte Änderung: 1.12.2011
Wertung: 8/15

Zum Seitenanfang

Von: Nik Brückner @ (Rezension 7 von 7)


„Love Beach“ ist trotz einiger zweifellos schlechterer Veröffentlichungen bis heute das meistgehasste Album ELPs. Woran liegt das?

Nun, „Love Beach“ kann einem wirklich den Tag versauen. Das beginnt schon bei der Verpackung: Unter einem blau-rosa Himmel stehen ein knollenhosiger Emerson, ein knotenhemdiger Lake und ein föngewellter Palmer am Love Beach von Nassau (der heißt wirklich so) und strahlen den geplätteten Betrachter an, als wollten sie für die Rechte von Männern mit zumindest zweifelhafter Heterosexualität eintreten. Eintreten tun sie aber nur ihren Ruf als herausragende Exponenten des Progressive Rock. Und das kommt so:

Das Album beginnt mit “All I Want Is You” seltsam abrupt. Das würde vielleicht weniger so wirken, wäre die Melodie nicht eins zu eins aus der Mitte von “Pirates” (von „Works I“) herauskopiert („Our sails swell full“). Lakes übertrieben exaltiert vorgetragene romantisierende Lyrics werden fast schon konterkariert durch die Begleitung Emersons und Palmers, deren musikalische Ideen (Fanfaren, Marschgetrommel) eher dem Bereich der Militärmusik entstammen. Fast scheint es, als wollte die Band sich über den Song lustig machen. Das Gleiche gilt für „Love Beach”, ein musikalisches (und inhaltliches) Leichtgewicht, das Lake aber mit ähnlich ekstatischer Passion vorträgt wie einst „Jerusalem“. Es folgt „Taste Of My Love” und das ist er: Der schlechteste Song, den ELP je aufgenommen haben! ELP wurden irgendwann einmal eine Verschwendung von Talent und Elektrizität genannt – hier sind sie es. Und da an anderer Stelle schon einzelne Passagen zitiert wurden, verdeutliche ich das nun anhand des gesamten Texts. Man muss ihn nämlich vollständig genießen, in seiner ganzen intellektuellen Pracht:

"Ohhh, you look so hungry, woman,
how come you strayed in here with your eyes so bright
on this long hot night?
Could it be for a taste of my love?
Down on your knees with your face to the wall!
Saying please please please.

My friend said I should call,
well I do feel lonely woman.
And to tell the truth, I could use some company
to come closer to me.
Help yourself to a taste of my love.

Call up room service, order peaches and cream.
I like my desert first - if you know what I mean.
Yeah, taste it , taste it, taste it!
Around the maze of pleasure to the gates of pain,
you're driving me insane.

Take all you need from the taste of my love.
I want to love you like nobody ever loved you.
Get on my stallion and we'll ride!
I want to hold you and enfold you beyond reason,
I want to dynamite your mind with love tonight.
Go down gently with your face to the east [Anmerkung: Emersons “Kung-Fu Fighting”-Zitat: ironisch gemeint?!?]
The sun may be rising but we haven't finished the beast.

Ohhh, you still look hungry woman,
I'm glad your came in here with your eyes so bright,
on this long hot night.
You need love - I need love, here it comes, the taste of my love.

I'm gonna love you like nobody ever loved you.
Climb on my rocket and we'll fly.
Over the moon, past the sun, till we find
the gates of heaven open wide for lovers.
I'm gonna love you like nobody ever loved you,
climb on my rocket and we'll fly."

Mit diesem Text ist jeglicher Zweifel an der sexuellen Orientierung der drei Männer - besser: Mönner - hinweggewischt. Es handelt sich nicht mal um Lakes ersten Fellatio-Song, allerdings fehlt ihm alles, was „Brain Salad Surgery“ interessant machte: Drive, Aggression, Qualität. „Climb on my rocket and we'll fly“? Yep, wer wissen will, welchen Teil seines Körpers Lake "My Stallion", "My Rocket" und "The Beast" nennt und warum er heute so drauf ist wie er heute drauf ist, sollte sich "Taste of my Love" anhören und dann mal versuchen, nachzuempfinden, wie es sich anfühlt, für solche Songs auf „Love Beach“ – und damit für das Schicksal dieser Band verantwortlich zu sein.

„The Gambler“ steht in der Tradition von „Jeremy Bender“ und „Benny the Bouncer“ – kein erinnernswürdiger Beitrag zum ELP-Kanon, aber der beste Song auf „Love Beach“ bis hierher. Dafür geht die Qualität mit „For You“ wieder so richtig in den Keller: Eine Sci-Fi-Flamenco-Passage leitet über zu einer typischen, allerdings von der ganzen Band gespielten Lake-Ballade.

Bis hierher steht einem als Hörer schon der Mund offen: Ist es wirklich so, dass der weltbeste Rock-Keyboarder bisher ausschließlich Begleitung spielen durfte? Instrumentale Melodiepassagen, Soli, Fehlanzeige. Das ändert sich glücklicherweise mit “Canario”, und prompt schießt die Qualität der Musik in den Himmel. “Canario” ist die für lange Zeit letzte gelungene Klassikadaption Emersons. Rodrigos Stück wird von ELP souverän in den Rockkontext übersetzt, überraschend ist vor allem, wie viel Anteil Lakes E-Gitarre an dem Arrangement hat. Ohnehin ist die erste Seite von „Love Beach“ für ELP-Verhältnisse sehr gitarrenorientiert, hier allerdings zum ersten Mal mit Erfolg. Einzig das etwas Formelhafte des Stücks kann man kritisch sehen: Es ist schon sehr nah an ELPs Adaption von „Hoedown“.

Während die erste Seite praktisch eine totale Katastrophe ist, wird das auf Seite zwei mit einem Schlag anders. Kamen ELP eben noch als abgehalfterte Rockband auf der Suche nach einem Radiohit rüber, präsentieren sie sich nun als künstlerisch immer noch integere Musiker, die nicht nur jenseits des radiofreundlichen Drei-Minuten-Formats agieren, sondern auch einen ganz neuen Schritt wagen: weg von aufwändig technoid arrangierten, dissonanten Dystopien a la „Tarkus“ oder „Karn Evil 9“ hin zu einer stillen, von Akustikinstrumenten bestimmten Suite, die eine tragische Liebesgeschichte zum Thema hat: Ein Offizier lernt kurz vor Ausbruch des zweiten Weltkriegs die Liebe seines Lebens kennen, zieht in den Krieg und muss erleben, wie nicht etwa er, der als Frontkämpfer eine besonders gefährliche Mission hat, sondern seine große Liebe stirbt – bei einem Luftangriff. Die lebenslange Trauer des Offiziers rahmt das Stück ebenso wie die aufrechterhaltende Kraft, die die errungenen militärischen Ehrungen dem Kriegsveteranen verleihen - Bezüge zum damals aktuellen Falklandkrieg sind seltsam und vermutlich beabsichtigt.

Schon „Prologue/The Education Of A Gentleman” gehört zu Emersons schönsten Kompositionen. Diesmal bedient er sich nicht in der Spätromantik oder im Barock, die Bezüge, die er mit seinem zurückhaltenden Klavierspiel herstellt, reichen in den Impressionismus. Vergleichbares gab es im Werk ELPs bis dato nur am Beginn des Stückes "Trilogy". Lake hat einen der Gänsehautmomente seiner Karriere, und wenn Palmers Schlagzeug einsetzt und das Arrangement dichter wird, ist das gewohnte ELP-Feeling wieder voll da. Schon die ersten zwei, drei Minuten können die gesamte erste Seite des Albums vergessen machen.

Der erste Teil der Suite endet leider ziemlich abrupt, dann setzt „Love At First Sight“ mit einigen romantisierenden Pianoläufen ein. Emerson zitiert immer wieder verschiedene Stücke Chopins, was den Inhalt der Geschichte, die in „Love At First Sight“ erzählt wird, auch musiklisch in dem sozialen Milieu verortet, in dem sie sich abspielt. Ein instrumentaler Mittelteil verwebt Emersons zunehmend fantasievolles Spiel mit einer Gitarrenmelodie Lakes und leisen Tönen, die Palmer auf einem Glockenspiel beisteuert, bis der Gesang wieder einsetzt und „Love At First Sight“ zu seinem Ende kommt. “Letters From The Front” erzählt im Anschluss davon, wie der Offizier in den Krieg zieht und zitiert mehrfach aus Briefen an die Geliebte. Dementsprechend wird die Musik dramatischer, der Teil ist dichter instrumentiert und die typischen Quarten und Dissonanzen Emersons scheinen auf. Dennoch wird die Musik an keiner Stelle so aggressiv und gewalttätig wie etwa auf „Tarkus“: Trotz der mittlerweile deutlich elektrifizierteren Sounds herrscht immer noch ein an akustischen Instrumenten orientierter Gesamtsound vor, vermutlich vor allem bedingt durch Emersons E-Piano, das er hier erstmals überhaupt verwendet. Schön, wie die Strophen aus den Briefen des Offiziers zitieren und der Refrain immer von der hoffnungsfrohen Zeile „see you soon“ gebildet wird. Wenn dann die Nachricht vom Tod der Geliebten an der Front eintrifft, ändert sich der Charakter der Musik vollständig: Percussion steht im Vordergrund, dann wird die Musik pathetischer, wenn sich der Offizier an seine Ehre als Militär gemahnt. „Memoirs Of An Officer And A Gentleman“ endet schließlich mit „Honorable Company”, einem jener für ELP so typischen Rockmärsche, sehr nah an „Abaddon’s Bolero“, aber ohne seinen Effekt dadurch zu schmälern. ELP holen aus einer im Grunde einfachen Idee alles heraus, indem sie sie durch alle möglichen Tonarten jagen und so endet „Love Beach“ mit einem absolut positiven Eindruck.

Der allerdings nicht für das gesamte Album gelten kann. Einmal abgesehen von den miesen Songs auf Seite eins: Wieso musste sich Emerson auf den ersten Stücken so zurückhalten? Wo ist Lakes Bass? Als die Band in Nassau die Aufnahmen beendet hatte, verließen Lake und Palmer fluchtartig die Insel und überließen es Emerson, das Album zu mischen. War es späte Rache an seinem Intimfeind, dass Emerson den Bass so stark in den Hintergrund mischte? „Love Beach“ klingelt nur so vor lauter Höhen! Und dann das peinliche Cover, das Atlantic gegen den Willen der Band durchsetzte: wollte Ahmet Ertegün ELP loswerden, um Platz für junge, hippe Bands zu schaffen? Plattenfirmen tun solche Dinge. Und doch: Da ist „Memoirs Of An Officer And A Gentleman“, eines der absoluten Highlights in ELPs Spätsiebzigerphase. Also warum ist „Love Beach“ bis heute das meistgehasste Album ELPs? Wenn man es aufmerksam von vorne bis hinten hört, kommt einem der Verdacht, dass die meisten die Scheibe nach dem Hören von Seite 1 einfach aus dem Fenster geschmissen haben. Man kann’s ihnen nicht verdenken...

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 2.6.2012
Letzte Änderung: 22.4.2015
Wertung: 7/15
Seite eins: 2 Punkte, Seite zwei: 12 Punkte

Zum Seitenanfang

Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Emerson, Lake & Palmer

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1970 Emerson, Lake & Palmer 11.60 6
1971 Tarkus 10.75 5
1971 Pictures at an Exhibition 12.00 5
1972 Trilogy 12.00 4
1973 Brain Salad Surgery 12.00 4
1974 Welcome Back My Friends To The Show That Never Ends 12.50 2
1977 Works, Volume 2 5.11 9
1977 Works, Volume 1 7.25 4
1979 In Concert 6.00 1
1992 The Atlantic Years 12.00 1
1992 Black moon 4.50 4
1993 Works Live 10.00 1
1993 The Return of the Manticore 12.00 3
1993 Live At The Royal Albert Hall 10.50 2
1994 In The Hot Seat 1.60 5
1997 Live in Poland 8.00 1
1999 Pictures at an Exhibition. Collectors Edition (DVD) 12.67 3
2001 The Original Bootleg Series From The Manticore Vaults Vol.Two 12.00 1
2001 The Original Bootleg Series From The Manticore Vaults Vol.One 11.00 1
2002 Re-Works 7.00 1
2002 Best of the Bootlegs 9.00 1
2002 The Original Bootleg Series From The Manticore Vaults Vol.Three 8.00 1
2002 Works Orchestral Tour, Olympic Stadium, Montreal 1977 / The Manticore Special (DVD) 10.00 1
2002 Live at the Isle Of Wight Festival 1970 7.00 2
2004 Inside Emerson Lake & Palmer. 1970 - 1995. An independent critical review (DVD) 10.00 1
2004 Welcome Back (DVD) 9.00 1
2004 Masters From The Vaults (DVD) 10.00 1
2005 Beyond The Beginning (DVD) - 1
2005 Live at Montreux 1997 (DVD) 6.00 1
2006 The Birth Of A Band - Isle of Wight Festival Sat August 29th 1970 (DVD) 10.00 1
2006 The Original Bootleg Series From The Manticore Vaults Vol.Four 5.00 1
2007 From the Beginning - 1
2009 Works Deluxe Edition - 1
2010 High Voltage - 1
2010 Live High Voltage 10.00 1
2011 Live At The Mar Y Sol Festival '72 12.00 1
2011 Live At Nassau Coliseum '78 11.00 1
2011 ...welcome back my friends High Voltage Festival 2010 40th Anniversary 9.00 1
2013 Live in Montreal 1977 8.00 1

Zum Seitenanfang

© 1999-2017; Das Copyright aller Texte liegt bei den jeweiligen Autoren; Haftungsausschluss
Site Map - Startseite - FAQ - Reviews - Leitfaden - Lesestoff - Kontakt - Links
RSS | Impressum