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Anathema

We're here because we're here

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2010
Besonderheiten/Stil: ArtPop; Independent / Alternative; New Artrock
Label: K-Scope
Durchschnittswertung: 8.67/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Vincent Cavanagh vocals, guitar, keyboard
Danny Cavanagh guitar, vocals
Jamie Cavanagh bass
Lee Douglas vocals
Les Smith keyboards
John Douglas drums

Gastmusiker

Dave Stewart string arrangements, orchestrations

Tracklist

Disc 1
1. Thin air 5:59
2. Summernight horizon 4:13
3. Dreaming light 5:47
4. Everything 5:06
5. Angels walk among us 5:17
6. Presence 2:58
7. A simple mistake 8:14
8. Get off, get out 5:02
9. Universal 7:19
10. Hindsight 8:10
Gesamtlaufzeit58:05


Rezensionen


Von: Henning Mangold @ (Rezension 1 von 3)


In gleißend grellem Sonnenlicht steht ein Mensch inmitten einer endlosen Fläche, die wie ein Wattenmeer aussieht. Der Mensch sind wir alle und er ist stellvertretend für uns da, weil er nun mal da ist - gemäß dem Albumtitel. Aber wie kann ein Anathema-Album nur so sonnig hell verpackt werden?

Anathema ist eine Band, die ein Album herausbringen kann, ohne dass wir sicher sein können, was für Musik wir zu hören bekommen werden. So sollte es ja im Bestfall sowieso sein - auch und gerade der Fan will überrascht werden -, aber im Falle von Anathema kann sich der Fan vorher nicht einmal sicher sein, welches Musikgenre ihn erwartet: begann die Band mit finsterstem Doom- und Death-Metal, wechselte sie bald ins Indie-Fach und landete zugleich bei Gothic-geprägtem, etwas später bei leicht floydigem und immer wieder wavigem New Artrock. Vor sechs Jahren verabschiedete sich die Band vorläufig mit dem m.E. äußerst schwachen Resteverwertungs-Album "A Natural Disaster", um alsbald mit ein paar DVDs von Liveauftritten wiederzukommen. Eine davon habe ich gesehen und fragte mich auch damals schon im voraus, was die denn nun wohl spielen würden - da hatte ich allerdings zu kurz gedacht, denn immerhin hatten sie mit "Judgement" und "A fine Day to Exit" wahre Meisterwerke geschaffen, auf die sich im Zweifelsfalle immer zurückgreifen ließ. Der rote Faden, der blieb, war ein eher schwarzer Faden, denn eine gewisse Finsternis umgab das Image der Band seit ihrer Gründung vor etwa 20 Jahren. Aber wer sich das lichtdurchflutete neue Coverbild so anschaut, kann sich nicht einmal mehr dessen so ganz sicher sein.

Das Beste ist, wir hören einfach mal rein: eine spontan ansprechende Gitarrenlinie führt uns in den Opener ein, dann wird's schneller und so weiter - aber Moment: kommt das niemandem bekannt vor? Na, dann legt mal das Album "Judgement" ein und spielt nur den Opener an - Is there anybody listening? Auf "Judgement" klang das noch düster, jetzt nicht mehr, aber es ist die gleiche Grundidee. Und jetzt irgendwie noch gereifter.

Anathema sind wieder zurück - und fangen neu an: selten hat ein Comeback-Album so sehr nach Debütalbum geklungen - und nur die enorme Reife der Musik spricht gegen den Debüt-Eindruck. Die Band macht einen stimmigen Rundumschlag zwischen sonnigem New Artrock (ja, den gibt's), Wave, Indie, Pop und Prog, wobei die erste Hälfte des Albums bis "Angels walk among us" dem wavigen New Artrock gehört, z.T. mit Hochgeschwindigkeits-Rhythmen ("Summernight Horizon") und neu definierter Melancholie ("Dreaming light") bis hin zu tiefsinniger Kompositionsarbeit ("Angels walk among us"). Das kurze "Presence" stellt einen Übergang dar, und nur hier droht das Album langweiliger zu werden (Flüstergesang, konturlose Elektronik?), aber das täuscht gewaltig, denn ab "A simple mistake" hält der Prog des ganz großen Kinos Einzug - zunächst zurückhaltend, aber dann mit langsamen Riesenschritten kommen die gigantisch breiten Soundwände, zum Teil orchestral verstärkt, aufgelockert nur noch durch "Get off, get out", das sich noch einmal etwas luftiger gibt. Aber falls die Titelworte "Get off, get out" als Handlungs-Aufforderung der Band an sich selbst und den Hörer verstanden werden sollten, wird diese nicht befolgt, denn aus dem Mahlstrom der abschließenden Klanggewitter mit halsbrecherischen Soli gibt es kein Entkommen mehr: endlich hat mal wer ein Album aufgenommen, das es schaffen kann, die Partei der jungen Artrock-Wilden unter den Musikfans mit der Fraktion der Alt-Proggies zu versöhnen.

Ein wenig erinnert mich dieses Album-Konzept an "Adore" von Smashing Pumpkins: auch dort hat eine Band mit Untergrund-Hintergrund erfolgreich versucht, ihre Vergangenheit in ein Spannungsfeld aus griffigen Wave-Songs und pompösen Klangvisionen zu stellen. Damals wie heute bei Anathema erwuchs aus diesem Spannungsfeld die Botschaft, dass eine schwer berechenbare Band noch immer mit jedem neuen Album für Überraschungen gut sein kann und sollte - allerdings inzwischen mit einer stilistischen Sicherheit wie nie zuvor. Mitproduziert hat Anathemas Comeback-Album übrigens Steven Wilson - zweifellos eine Superleistung: wenn mit dem Fallenlassen dieses Namens vonseiten des Labels der Hinweis rüberkommen sollte, dass schon nichts schief gehen kann, weil alles ausgereift ist - der Hinweis kommt mit voller Berechtigung an!

Anspieltipp(s): Da alles enorm ausgereift ist, lässt sich alles ohne Reue antesten…
Vergleichbar mit: Es ist kaum Zufall, dass dieses Album zeitgleich mit dem neuen von Pineapple Thief erscheint – es dürfte den gleichen Hörerkreis ansprechen.
Veröffentlicht am: 18.6.2010
Letzte Änderung: 28.3.2012
Wertung: 12/15

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Von: Michael Hirle @ (Rezension 2 von 3)


Zugegeben, ich bin Fan erster Stunde und halte Crestfallen, Serenades, Pentecost III und Silent Enigma für die wahren Großtaten der Band. Mit "Eternity" löste man sich von den finsteren Wurzeln und statt Depression herrschte nun wohlige Melancholie, die bis heute anhält.

"Angels walk among us" erinnert wohl nicht zufällig an das Album mit dem Engel auf dem Cover. Überhaupt, steht "We're here because we're here" "Eternity" wesentlich näher als den letzten Studioalben. Das Schlagzeug und die verhuschten Feedback-Gitarren stehen wieder im Vordergrund, auf elektronische Spielereien, wie noch auf "A Natural Disaster" wird fast gänzlich verzichtet. Waren früher die weiblichen Vocals noch die Ruheinseln zwischen dem grimmigen Geknurre, fließen sie nun wie selbstverständlich in die Kompositionen ein. Alles fließt, sagt Heraklit. Leider plätschert es hier auch. Der einst kriechende Lavastrom, der sich durch eine dunkel-trostlose Landschaft fraß, ist einem plätscherenden Bächlein gewichen. "A Simple Mistake" lässt nochmal die Gitarren schleifen, aber die Melodien bleiben stumpf, schneiden nicht mehr ins Mark. Ein blauer Fleck, keine tiefe Wunde an der man noch ewig leidet..."Eternity" in positiv. Lichtdurchflutet aber ohne wirkliche Tiefe. Statt Abgrund, ein Schlagloch. Die Kompositonen sind so dicht gewebt, dass niemand mehr wirklich tief fällt. Wer braucht für 5cm über dem Boden, ein Netz?

"A Natural Disaster" suchte neue Wege und fand gerade in seiner Zerrissenheit überaus große Momente. "We're here because we're here" scheint geerdet und geordnet, winkt mal hinüber zu Porcupine Tree (Get off, get out) zu "Eternity" (Angels walk among us, Presence) und "A Natural Disaster" (Universal) und wäre "Dreaming Light" nicht, würde ich auch dem dünnen aber glitzernden Bächlein Anathema nicht mehr folgen wollen. Aber so bleibt ein Funken Hoffnung, dass aus dem Bächlein, vielleicht irgendwann einmal wieder, ein reißender Fluß wird.

Anspieltipp(s): Dreaming Light
Vergleichbar mit: Anathema, Porcupine Tree
Veröffentlicht am: 13.12.2011
Letzte Änderung: 12.12.2011
Wertung: 6/15

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Von: Marc Colling @ (Rezension 3 von 3)


Die Musikzeitschriften lobten dieses Album seinerzeit in den Himmel. Und Steven Wilson am Mischpult! Das kann doch nur gut sein....dachte auch ich und kaufte mir die Scheibe. Nun denn. Ich kannte zu dem Zeitpunkt nichts von Anathema, es war mein erster Kontakt. Und es wäre beinahe mein letzter gewesen.

Was Anathema hier an Wall of Sounds hinlegen ist zwar einerseits beeindruckend, andererseits aber auch störend. Denn auch wenn man etwas gut beherrscht, ist es dann wirklich notwendig das dauernd zu wiederholen? Ehrlich gesagt nervt es mich, wenn immer wieder auf dasselbe Rezept zurück gegriffen wird.

So startet das Album noch gut mit THIN AIR und SUMMERNIGHT HORIZON. Beide Songs fangen eigentlich relativ ruhig und richtig interessant mit Gitarre oder Klavier an, um dann nach jeweils ca. 2 Minuten in eine Wall of Sound zu gleiten die noch minutenlang nachhallt. Sogar die darauf folgende Ballade DREAMING LIGHT endet in einer solchen Wall. Bei diesem schönen und melodischen Song ist das aber nicht zu verstehen. Und es fängt (siehe oben) an zu nerven.

EVERYTHING folgt dem bekannten Anathema-Schema der aufsteigenden Soundwälle immer noch weiter. Das ermüdet mich jetzt und mir fehlt der überraschende Moment auf dem Album und die Abwechslung. ANGELS WALK AMONG US hat dann aber eine schöne Melodie und wirkt leicht und beschwingt. Zwar wird auch hier die Lautstärke wieder angezogen, doch kommt der Song anschließend wieder zurück auf den Boden.

Erst mit PRESENCE und diesem unwiderstehlichen Sprechgesang über Leben und Tod kriegt das Album endlich Aufwind. Dazu noch der Auftritt von Lee Douglas mit ihrer Stimme, was dem Song Eleganz verleiht und das wiederkehrende Thema von ANGELS WALK AMONG US. Endlich ein Lichtblick. Das leicht vertrackte A SIMPLE MISTAKE hat dann eine interessante Basslinie und erst nach über 5 Minuten steigert sich der Song zu einem Riffgewitter. Hier klingt das Ganze nicht so dick aufgetragen, weil auch mal die Gitarren zu Gehör kommen. Meist wird die Lautstärke ja nur durch Piano, Keyboards, Bass und Schlagzeug angehoben, was dem Sound eine eher atmosphärische Dichte verleiht. Hier jedoch bleibt es durchsichtiger.

Das nun folgende GET OFF GET OUT haut dem Hörer den Boden weg. Hektisch und wavig, mit schneller Gitarre voran schreitend überrollt dieser harte Brocken alles, was sich ihm in den Weg stellt. Großartig! Eine Überraschung erwartet uns noch mit UNIVERSAL. Elegische Gitarre und viele Streicher in einem sehr bedächtig fließenden Track, das hat was.

Zum Schluss noch ein 8 minütiger Song mit dem Titel HINDSIGHT. Dieser ist für das Album sicherlich keine Bereicherung, da relativ langatmig. Es passiert fast nichts.

Das Album hat ein bisschen Licht, aber mindestens genau so viel Schatten. Dass es bis zum 6. Song dauert bevor der Knoten platzt ist schwer zu akzeptieren. Und auch wenn Steven Wilson das Album abgemischt hat bedeutet das noch lange nicht, dass der Klang außergewöhnlich gut wäre. Da hab ich aber bessere Sachen in meinem Schrank stehen, sogar vom Meister Wilson selbst eingespielt.

Anspieltipp(s): Gett off get out
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 20.6.2016
Letzte Änderung: 20.6.2016
Wertung: 8/15
wer auf Wall of Sounds steht wird hier bedient

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Anathema

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1995 The Silent Enigma 12.00 1
1996 Eternity 12.00 1
1998 Alternative 4 10.50 2
1999 Judgement 9.50 2
2001 A fine day to exit 12.50 2
2003 A natural disaster 9.00 3
2006 A moment in time (DVD) 10.00 2
2008 Hindsight 10.00 1
2011 Falling Deeper 7.00 1
2012 Weather Systems 9.67 3
2013 Universal 10.00 1
2014 Distant Satellites 10.40 5
2017 The Optimist 7.67 3

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