SUCHE
Erweiterte Suche
NEUE REZENSIONEN
17.12.2017
Mech - Zjednoczone Siły Natury Mech
Jörg Sandner - Donut Desaster
Wobbler - From Silence To Somewhere
16.12.2017
Pauline Anna Strom - Trans-Millenia Music
Group 1850 - The Golden Years Of Dutch Pop Music
Heartfield - Follow
Lynhood - Septembre
15.12.2017
Mind Enemies - Revenge
Ringhausen - Lumen
Kaipa - In the Wake of Evolution
White Mountain - The Delta Sessions
Status Minor - Three Faces of Antoine
Trinity Xperiment - Anaesthesia
14.12.2017
Isproject - The Archinauts
Isildurs Bane - Off the Radar
PuzzleWood - Gates of Loki
13.12.2017
World Trade - Unify
Squartet - Adplicatio Minima
ARCHIV
STATISTIK
24189 Rezensionen zu 16534 Alben von 6441 Bands.
SITE MAP
STARTSEITE

Crippled Black Phoenix

I, Vigilante

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2010
Besonderheiten/Stil: Independent / Alternative; New Artrock; sonstiges
Label: Invada
Durchschnittswertung: 10.5/15 (2 Rezensionen)

Tracklist

Disc 1
1. Troublemaker 8:33
2. We Forgotten Who We Are 10:47
3. Fantastic Justice 7:54
4. Bastogne Blues 12:02
5. Of A Lifetime   (Journey-Cover) 6:45
6. Burning Bridges   (hidden CD bonustrack) 2:31
Gesamtlaufzeit48:32


Rezensionen


Von: Andreas Hofmann @ (Rezension 1 von 2)


Crippled Black Phoenix haben Humor - anders kann man die Journey-Coverversion "Of a lifetime" sowie den (übrigens nur auf der CD enthaltenen) Bonustrack nicht erklären. Letzteren konnte ich fast wortwörtlich mitsingen, hatte aber zunächst keine Ahnung, von wem er stammt und woher ich ihn kannte. Zum Glück ist heute Google unser Freund, und so fand ich heraus, dass ich den Film, aus dem der Song "Burning Bridges" stammt, zwar schon länger nicht mehr, aber insgesamt wohl schon ungefähr 10x gesehen habe: Stoßtrupp Gold (im Original Kelly's Heroes) mit Clint Eastwood und Telly Savalas! Ich bin mir allerdings irgendwie nicht sicher, ob ich den Humor der Band wirklich teilen kann, und ich weiß auch gerade nicht, wie ich diesen Umstand in die Bewertung dieser EP mit der stolzen Spielzeit von mehr als einer Dreiviertelstunde einfließen lassen soll.

Fange ich also mal von hinten an, um das dort Gehörte schnell hinter mich zu bringen: natürlich bekommt "Burning Bridges" durch Stoßtrupp Gold einen sehr kultigen Anstrich, aber wer den Film und damit den Song nicht kennt, dürfte sich wohl eher in einer Schlagsendung oder in einem Musical wähnen. Kann man ja mal machen, aber bei "Of a lifetime" wird es irgendwie noch schlimmer, denn hier habe ich das Gefühl, auf dem Marktplatz einer deutschen Kleinstadt zu stehen, in der die lokale Coverband anlässlich des jährlichen Stadtfests und zu vorgerückter Stunde die mittlerweile besoffenen Provinzler dazu auffordert, nach dem bislang abgefeuerten Hit-Potpourri (inkl. "Verdamp lang her", "Smoke on the water", "Jump", "Davy's on the road again" u.v.a.) doch mal die Feuerzeuge rauszuholen. Der Drummer, der neben der Coverband noch eine weitere Band im Stile von Dream Theater am Start hat, übertreibt es wie sein großes Idol Mike Portnoy ganz gerne mit den Feinheiten; die beiden Gitarristen, die zwar alle Gitarrensoli von Yngwie Malmsteen, Eddie van Halen und Ritchie Blackmore nachspielen können, aber kompositorisch selbst nie was Gescheites auf die Reihe gekriegt haben, demonstrieren einmal, wie viel Mühe sie sich mit ihren Effektgeräten auf der Suche nach einem richtig geilen Solo-Sound gegeben haben; der Bassist sieht wie immer aus, als würde er gleich einschlafen; und die Sängerin singt mit geschlossenen Augen und träumt davon, entdeckt zu werden. Tut mir leid, aber bei sowas bekomme ich Brechreiz, und das liegt mitnichten am Song selbst, denn Journey habe ich früher oft gehört. Wer dies nicht getan hat, dem könnte es bei dieser Classic Rock-Nummer allerdings auch schlecht werden.

Puh, nachdem ich das also geschafft habe, begebe ich mich dann doch noch zum Beginn des Albums und sage noch ein paar Worte zu den vier richtigen Songs auf "I, Vigilante", denn die sind in der Tat wirklich gut. Und das sogar, obwohl Crippled Black Phoenix ihre Vorliebe für Classic Rock auch hier nur selten verleugnen können und dieses Genre heutzutage ungefähr so sexy ist wie Coverbands auf Stadtfesten in deutschen Kleinstädten. Hinzu kommt klassischer Prog, aber ebenso die Einsicht, dass der Band modernerer Postrock auch nicht fremd zu sein scheint. Sänger Joe Volk hat manchmal was von David Gilmour, und überhaupt muss ich wie schon bei ihrem letzten Album "200 tons of bad luck" manchmal an Pink Floyd denken. Die vier Eigenkompositionen sind ausladend, zwei davon knacken sogar die 10-Minuten-Grenze, aber langweilig klingt hier nichts, denn Arrangements und Instrumentierung sind wirklich durchgängig vom Feinsten und sollten auch Anhängern aus der Ecke um Porcupine Tree gefallen.

Angesichts der beiden letzten Tracks also eine irgendwie zwiespältige Sache, aber man braucht sich den "Burning Bridges"-Witz nach den vier wirklich großartigen Songs ja nur einmal zu geben und muss sich auch "Of a lifetime" nicht immer wieder anhören. Wenn sich jetzt 2-3 Leute dazu animiert fühlen, mal Stoßtrupp Gold nachzuholen, hätten Crippled Black Phoenix ja auch schon was erreicht. Nichtzuletzt aus diesem Grund möchte ich auch kein Miesepeter sein, die beiden Songs einfach beiseite lassen und mich darauf freuen, dass sie bald ein ernsthaftes Album im Sinne der vier anderen Songs folgen lassen.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit: Pink Floyd, Porcupine Tree
Veröffentlicht am: 23.9.2010
Letzte Änderung: 29.6.2011
Wertung: 10/15

Zum Seitenanfang

Von: Marc Colling @ (Rezension 2 von 2)


„200 tons of bad luck“ war, wie der Titel es bereits vermuten lässt, ein Werk mit viel Trauer und Melancholie. Sollte also der Nachfolger „I, Vigilante“ jetzt fröhlicher werden? Nun, wer CBP mittlerweile kennen gelernt hat, weiß die Antwort. In der Welt des Herrn Justin Greaves gibt es keine Heiterkeit.

So ist die Band in ihrer eigenen düsteren und von Schmerz erfüllten Welt gefangen. Die Musik strahlt so viel Schwere und Wehmut aus, dass diese förmlich aus den Boxen zu kriechen scheint. Es geht in ihren Liedern ausnahmslos um menschliche Tragödien, oftmals in der Geschichte der Menschheit zu finden, manchmal aber auch im privaten Umfeld von Justin Greaves. Bereits im Opener TROUBLEMAKER spielt die Gitarre ein schweres Riff und der Bass bestärkt diese Schwere noch mit seinem monotonen Spiel. Und der Gesang von Joe Volk klingt als habe er mit dem Ganzen nichts zu tun, so als habe er sich nur verirrt in diesem Labyrinth aus Katastrophen und Tragödien. Es ist schwer auch nur ein einziges Wort von ihm zu verstehen. Und es tut auch weh diese Kakophonie an Gitarrenklang zu ertragen, aber wer die Texte kennt weiß, dass die Welt schlecht ist. Da muss man eben manches ertragen.

Die ganze Bitterkeit von Greaves hört man denn auch in Songs wie WE FORGOTTEN WHO WE ARE deutlich. Ein minutenlang sich wiederholendes Klaviermotiv spielt sich in immer hypnotischere Höhen, begleitet von einem traurigen Cello. Die tiefer gestimmte Gitarre tut ihr übriges dazu, um nur keinen Anflug von Glück aufkommen zu lassen. Dass Cello oder Posaune Trauer und Unglück beschreiben können, ist ja bekannt. Wenn dann noch diese brachial gespielte Gitarre von Karl Demata dazu stösst, dann wird es zappenduster.

Mit einem schönen Klavierarpeggio beginnt dann FANTASTIC JUSTICE. Volk leiert in seinem eigenen Stil den Text runter und irgendwann erklingt die Posaune. Doch das Klavier ist allgegenwärtig und der Song bleibt gemäßigter als die beiden ersten.

BASTOGNE BLUES behandelt dann ein sehr dunkles Kapitel der Menschheitsgeschichte. In der Tat war die Ardennenschlacht um das kleine belgische Städtchen Bastogne kein Ruhmesblatt für die Kriegsherren dieser Welt. Bereits die beiden ersten Minuten dieses Longtracks sprechen dabei eine deutliche und anklagende Sprache. Ein Kriegsveteran erklärt seine Ängste in einer Art Sprechgesang und dass er lange Zeit nicht mehr richtig schlafen konnte. Hier wird mit Hilfe von Violine, Cello und Posaune erneut versucht, den Song möglichst ausweglos erscheinen zu lassen, wobei die bluesige Grundstimmung ihr Übriges tut. Der Gesang lässt sich mit der Musik in einen tiefen Abwärtsstrudel mitreißen und beweist, mit wie viel Subtilität sich CBP dem Thema genähert haben. Es gibt keine musikalischen Gewaltorgien hier, es ist alles nur total depressiv und die verlorene Jugend dieses Menschen wird regelrecht greifbar. So hören sich großartige Endzeitballaden an.

Das von Daisy Chapman gesungene OF A LIFETIME, es handelt sich um einen Song der amerikanischen Band Journey, beendet den regulären Teil der CD. Langsam beginnend steigert sich der Song immer mehr zu einem einzigartigen Gitarrenspiel. Gut gemacht und absolut gelungen. CBP haben hier ein schönes Werk geschaffen, das zwar tief-traurig klingt, dafür aber eine tolle Atmosphäre bietet. Daisy Chapman setzt mit ihrem Klavier dabei einen schönen Kontrast zu den fast schon gewalttätigen Gitarren, die hie und da auftauchen.

Anspieltipp(s): Bastogne Blues
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 12.3.2016
Letzte Änderung: 11.8.2017
Wertung: 11/15
Trauer, Resignation, Ausweglosigkeit

Zum Seitenanfang

Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Crippled Black Phoenix

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2009 200 tons of bad luck 11.00 1
2012 (Mankind) The Crafty Ape 10.33 3
2012 No Sadness Or Farewell 11.00 1
2013 Live Poznan 12.00 1
2014 White Light Generator 11.00 1
2015 New Dark Age 9.00 1
2016 Bronze 9.00 2

Zum Seitenanfang

© 1999-2017; Das Copyright aller Texte liegt bei den jeweiligen Autoren; Haftungsausschluss
Site Map - Startseite - FAQ - Reviews - Leitfaden - Lesestoff - Kontakt - Links
RSS | Impressum