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Big Big Train

Far Skies Deep Time (EP)

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2010
Besonderheiten/Stil: RetroProg
Label: English Electric Recordings
Durchschnittswertung: 11.67/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Nick D'Virgilio Drums, percussion, backing vocals
Dave Gregory 6 and 12 string electric guitars, E-bow
David Longdon Lead and backing vocals, flute, accordion, mandolin, banjo, vibraphone, keyboards, glockenspiel, percussion, theremin
Andy Poole Bass guitar, bass pedals, keyboards
Greg Spawton 6 and 12 string acoustic and electric guitars, bass guitar, keyboards

Gastmusiker

Jonathan Barry Guitar solo (2)
Danny Manners Double bass (3)
Tony Müller Piano (3)
Martin Orford Keyboard solos (2)

Tracklist

Disc 1
1. Master of Time 7:44
2. Fat Billy Shouts Mine 6:39
3. British Racing Green 3:59
4. Brambling 5:00
5. The Wide Open Sea

1. The Sea Is My Blood
2. From Cradle To Calvary
3. The Pleasures And The Dreams of Men
4. The Harbour Lights
5. Far Beyond The Cardinal Points
6. I'm So Very Far From Here
7. Let Us Speak Of Love
8. Calvary - The Sea Is My Blood (Reprise)

17:44
Gesamtlaufzeit41:06


Rezensionen


Von: Thomas Schüßler @ (Rezension 1 von 3)


Ein Jahr nach ihrem überschwänglich gefeierten Album "The Underfall Yard" veröffentlichten Big Big Train Ende Oktober diesen Jahres eine EP mit neuem Material. Diese ist mit 41 Minuten ziemlich üppig ausgefallen. Sie ist momentan für günstiges Geld nur für Mitglieder der BBT-Mailingliste direkt über die Band erhältlich (die Anmeldung ist aber kostenlos). Nicht-Mitglieder werden sich noch zwei Monate gedulden müssen, bis die EP auch regulär erhältlich sein wird.

So richtig verstehe ich nicht, warum "Far skies deep time" eine EP werden musste. Denn die Qualität des Materials ist wieder sehr hoch, also keine großartigen Stilexperimente, wie das andere Bands auf ihren EPs machen. Hätte man noch 2-3 Songs dazugepackt, dann wäre es ein "richtiges" Album geworden.

Nein, Big Big Train bleiben ihrem Stil weitestgehend treu. Im Vergleich zu "The Underfall Yard" ist der Yes-Anteil fast verschwunden und scheint allenfalls bei The wide open sea noch einmal durch. Dafür rückt Genesis wieder stärker in den Fokus, insbesondere Fat Billy shouts mine ist Genesis fast in Reinkultur, bis hin zu den Banks-inspirierten Keyboard-Soli. Des Weiteren, und da haben Big Big Train vielleicht doch der EP-Veröffentlichung Tribut zollen müssen, sind die Arrangements etwas zurückgenommener. D.h. die Bläser und das Cello des Vorgänger-Albums fehlen. Geblieben sind aber die hochkarätigen Gastmusiker, allen voran Nick D'Virgilio und Dave Gregory, die mit ihrem Spiel die Musik wieder veredeln. Und als ganz besonderen Gast gibt es Martin Orford, der hier seinen letzten Auftritt vor dem selbstgewählten Rücktritt hatte. Eine neue Klangfarbe bieten Big Big Train dann doch noch auf: ein Akkordeon hat mehrere, gut akzentuierte Auftritte.

Die Songs sind melancholisch und sentimental gehalten, die Geschichten spielen sich wieder in der Vergangenheit ab. David Longdon, der erst kurz vor den Aufnahmen zu "The underfall yard" zur Band stieß und somit damals noch keine Akzente beim Songwriting setzen konnte, ist nun bei vier der fünf Songs als Co-Autor genannt. Das fünfte Stück, Master of time, ist eine Coverversion eines Anthony Phillips-Demostückes, das bisher aber lediglich als Bonustrack bei der Wiederveröffentlichung von "The Geese & the Ghost" erschienen war. Das Original kenne ich nicht, es soll aber vom Gesang her etwas schwächlich sein. Big Big Train haben hingegen in die Vollen gegriffen und einen richtigen Kracher daraus gemacht.

British racing green ist ein sehr atmosphärisches Stück, das mir persönlich jedoch zu lahm geraten ist, da passiert einfach nichts. Ganz klar der Durchhänger des Albums. Zum Abschluss gibt es aber wieder einen 17-minütigen Longtrack auf die Ohren, der sich gewaschen hat. Thematisch beschäftigt er sich mit Jacques Brel, der selbstreflektierend während eines Bootstrips seinem Tod entgegensegelt. Das ist natürlich allegorisch, es werden keine Chansons zitiert, und das Akkordeon, das erklingt, ist das eines Seemanns, nicht das eines Chansonniers. Hier können sich Big Big Train wieder nach Belieben austoben, was dann in einem wahren Gänsehaut-Finale gipfelt.

Normalerweise sind EPs ja eher etwas für die richtigen Fanboys. Dies ist bei "Far skies deep time" nicht so. Es wird wieder erstklassiges, ausgereiftes Material geboten, so dass eigentlich jeder, dem bereits der Vorgänger "The Underfall Yard" gefallen hat, ganz einfach zuschlagen muss. Ganz am Ende im Booklet wird dann bereits der Nachfolger, "English Electric", angekündigt. Man darf gespannt sein, was uns da erwartet, wenn "Far skies deep time" nur eine EP für zwischendurch war...

Anspieltipp(s): Master of time, The wide open sea
Vergleichbar mit: Genesis
Veröffentlicht am: 6.11.2010
Letzte Änderung: 7.11.2010
Wertung: 11/15

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Von: Thorsten Gürntke @ (Rezension 2 von 3)


Es gibt so Bands, die machen nie was wirklich Schlechtes. Big Big Train aus England sind so eine Formation: Irgendwie berechenbar, auf gewohnt hohem Level und immer zeitgemäß, obwohl auch immer retro. Als mir der Newsletter ins Postfach flatterte, der die Vorbestellaktion für 6 britische Pfund ankündigte, war klar, dass ich die CD ordern werde.

Aber sie sind einfach auch verdammt gut. Angefangen mit dieser Band habe ich seinerzeit mit Bard, was noch zu meinen seligen Progressive Pages Zeiten war. Bard überraschte mich damals und wenn ich das recht erinnere, stellte der damalige Promo-Beipackzettel eine Art Hop oder Top Situation dar. Die Band wollte anhand des Erfolges von Bard bemessen, ob eine weitere Karriere als Band als sinnvoll galt oder nicht. Gott bewahre, was wäre wenn. Wir hätten Alben wie das große The Underfall Yard oder dieses als EP betitelte Werk gar nimmer zu hören bekommen. Besonders die Frischzellenkur in Form des neuen Sängers (obwohl der auf dem letzten Album gar nicht soooo viel Einfluss hatte), ließ mich wieder aufhorchen. Die Umstrukturierung auf instrumenteller Seite tut ebenfalls gut.

Und so ist diese EP mit über 40 Minuten Spielzeit schon ganz schön lang. Andere Bands schaffen in nicht einmal der Zeit ein ganzes Album für den vollen Preis zu machen. Value for Money mal wieder, was die Band frei macht vom Vorwurf der Abzocke. Und Big Big Train sind auch auf dieser EP wieder ganz groß beieinander.

Das ist wahnsinnig viel Gefühl in den Kompositionen. Unterstrichen wird das immer wieder durch viele Keyboardflächen, Mellotrons und dem butterzarten Gesang. Ein D'Virgilio trommelt druckvoll und solide und er scheint Spaß dran zu haben. Die Einlagen mit dem Akkordeon sind frisch und verdeutlichen die Persönlichkeit, mit der die Band ihren Retro Sound vorträgt. Der Sound ist selbstverständlich zeitgemäß und die Produktion glänzt auf wirklich hohem Niveau durch enorm viel Transparenz.

Die einzelnen Tracks sind insgesamt sehr verschachtelt angelegt und garantieren einige Zeit an Hörgenuss. Das einleitende Cover vom Anthony Phillips Stück Master Of Time reiht sich nahtlos in den Big Big Train Sound ein und macht neugierig auf die Phillips Variante. Mit Fat Billy Shouts Mine schafft die Band den Spagat zwischen Retro- und Neo-Prog im zeitgemäßen Sound. British Racing Green ist sowas wie eine Ballade mit viel Gefühl und vor allem zum Tagträumen zu empfehlen. Die Flötenpassagen sind zuckersüß vorgetragen und laden zum Abschalten ein. Insgesamt sehr ruhig, nicht minder schlecht deshalb. Brambling ist ohne Frage ein Stück, dass so auch auf The Underfall Yard hätte stehen können. Klassisch für die Band, mit Schweineorgel und Mellotron. Das Album, pardon, die EP zusammenfassend beenden tut The Wide Open Sea. Hier kommt der Genesis Faktor so richtig zum tragen. Wie ich finde, ein Stück Musik, welches locker auch auf Wind And Wuthering hätte stehen können. Teilweise klotzt (nicht gekleckert) hier der Bombast aus den Boxen.

Insgesamt eine wunderbare Veröffentlichung für wenig Geld, die Spaß auf das kommende Werk der Band macht. Unbedingt zulegen und The Underfall Yard gleich dazu. Fertig.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit: Genesis (75-77)
Veröffentlicht am: 8.11.2010
Letzte Änderung: 8.11.2010
Wertung: 12/15

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Von: Henning Mangold @ (Rezension 3 von 3)


Hier muss ich jetzt noch was zu loswerden:

Nicht, dass ich den bisherigen Rezensenten widersprechen würde, ganz im Gegenteil. Dieser Tonträger (der in alten Zeiten eine volle LP gewesen wäre und heute immer noch mehr als eine EP sein sollte, allein wegen des Longtracks) ist so gut, wie alle sagen, und er zeigt, wie seltsam die Zeiten sind, in der wir Proggies leben: zu oft hören wir lange Alben mit 79 Spielminuten, die kaum die Hälfte ihrer Spielzeit sinnvoll füllen, und dann wieder so was: ein so genanntes Mini-Album, das manches Maxi-Album in mancher Hinsicht zu übertreffen weiß.

Aber das ist es nicht, was ich hier loswerden muss. Es geht mir um Anthony Phillips. Die Coverversion seines "Master of Time" ist der Wahnsinns-Hit dieses Tonträgers. Von allen Coverversionen, die ich überhaupt kenne, ist dies die mit Abstand genialste! Und der Grund ist so einfach (wie überhaupt alles Geniale in seinem Kern einfach ist):

Anthony Phillips ist ein begnadeter lyrischer Komponist, der hypnotisierende Melodien und Themen zaubern kann wie kein anderer. Aber er ist kein Band-Musiker und war im Kern seines Wesens auch nie einer. Nur deshalb ist er so früh bei Genesis ausgestiegen. Geblieben ist angesichts seiner zahlreichen Soloalben aber die Frage: Was wäre, wenn? Was wäre, wenn eine richtige Band seine genialen Solo-Songs spielen würde? Also nicht nur er mit Gastmusikern und Freunden (das hatten wir oft), sondern eine echte Band im Geiste von Genesis, seiner eigentlichen Stammband, der er doch stilistisch immer treu blieb (bzw. sie ihm, denn auch sie hat noch lange nach seinem Ausstieg von seinen frühen Kompositionen gezehrt)?

Es hat lange gedauert, bis mal jemand eine Antwort auf diese nahe liegende Frage gewagt hat, aber jetzt wurde sie dafür so hinreichend beantwortet, dass für eine lange Zukunft festgelegt sein dürfte, was in dieser Hinsicht Standard sein sollte: Big Big Train nehmen sich 'nur' einen Bonustrack des Meisters zur Brust und führen an ihm vor, wie er geklungen hätte, wenn Genesis ihn gespielt hätten. Und sie tun das so kongenial, dass ich schon beim ersten Hören die Ohren angelegt habe wie in einem Orkan.

Im Unterschied zu den Vor-Rezensenten kenne ich nämlich Phillips' Original. Es ist als Bonustrack zu der CD-Ausgabe seines Debütalbums "The Geese and the Ghost" auf CD erschienen und klingt - wie vieles vom Meister - eher sparsam. Wenn man den Song vom Genie selbst gesungen und mit seiner Gitarre begleitet hört, ist man (als Fan) damit zufrieden, man staunt einmal mehr über die Überraschungen in Phillips? Kompositionskunst und hebt beim Quietschefinger die Augenbraue, aber man erwartet nichts als das, was man hört. Jedenfalls dann nicht, wenn man 'man' mit 'ich' gleichsetzt (und Phillips' Schaffen kontinuierlich verfolgt hat).

Aber Big Big Train haben darin mehr gehört, und das zeichnet die Größe dieser Band aus: sie haben "Master of Time" als Song von Genesis aus den 70ern gehört und sich gefragt, wie eine der besten Bands des klassischen Prog einen Song des besten Komponisten dieser Zeit gespielt hätte - und sie führen genau das vor: bei den ersten Tönen mag das noch nicht so auffallen - Big Big Train sind geschickt, sie beginnen ihr Projekt wie einen ihrer eigenen Songs, aber dann - nach etwas mehr als 3 Minuten - legen sie los und spielen den Song, wie Genesis ihn Anfang der 70er gespielt hätten (wie passend: schon so früh wurde er nämlich von Phillips geschrieben), und es ist alles dabei: von der Hackett-Gitarre über (perfekt nachgefühlte) Collins-Drums und Banks-Keyboards bis hin zu Gabriels Flöte ist alles da, was in diese Zeit gehörte. Wenn "Twilight Alehouse" die B-Seite zu "I know what I like" war, dann könnte diese Version von Big Big Train die C-Seite zur B-Seite darstellen.

Genial ist das vor allem deswegen, weil es zeigt, wie wenige Minuten man braucht, um einer Band eine echte Hommage zu zollen: Mögen auch The Watch den besseren Sänger haben und immer mal wieder zeigen, wie man aus 10 Genesis-Minuten ein ganzes Album machen kann, und mag es auch noch so viele Genesis-Schlicht-Klone geben: Big Big Train spielen einen einzigen Phillips-Song im Genesis-Stil und erinnern den Hörer daran, wie der echte Genesis-Stil eigentlich gewesen ist.

Und dann? Was die folgenden Songs dieser E.P. betrifft, so gebe ich den Vor-Rezensenten ebenfalls Recht: da klingen Big Big Train, wie sie selbst sind (und etwas Genesis-lastig sind sie eben und werden es hoffentlich immer sein), und jeder einzelne der Songs hätte es verdient gehabt, in ihr Album "The Underfall Yard" integriert zu werden (überhaupt scheint mir das Minialbum einen hintergründigen Hinweis zu enthalten, der anzudeuten scheint, dass die Band jederzeit ein Doppelalbum aufnehmen könnte, wenn sie es nur wollte).

Ich ahne schon: das kommt auch noch. Aber schon längst hat sich mit Big Big Train eine der besten denkbaren Retro-Progbands ins Leben gerufen: Dranbleiben, muss man gehört haben!

Anspieltipp(s): "Master of Time" und dabei an Genesis (und nichts anderes) denken!
Vergleichbar mit: Wenn ich jetzt "Genesis" schreibe, gähnen wahrscheinlich schon alle. Aber dabei hat's selten so gestimmt.
Veröffentlicht am: 25.1.2011
Letzte Änderung: 21.3.2012
Wertung: 12/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Big Big Train

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1994 Goodbye to the Age of Steam 8.00 4
1997 English boy wonders 7.50 2
2002 Bard 9.00 2
2004 Gathering Speed 9.00 1
2007 The Difference Machine 12.50 2
2009 The Underfall Yard 12.00 4
2012 English Electric Part One 9.17 6
2013 English Electric: Full Power 13.00 1
2013 English Electric Part Two 8.75 4
2015 Wassail EP 8.50 2
2016 Stone & Steel 11.00 1
2016 Folklore 10.00 3
2016 A Stone's Throw From The Line 12.00 1
2017 Grimspound 10.00 4
2017 The Second Brightest Star 9.00 1

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