SUCHE
Erweiterte Suche
NEUE REZENSIONEN
17.12.2017
Mech - Zjednoczone Siły Natury Mech
Jörg Sandner - Donut Desaster
Wobbler - From Silence To Somewhere
16.12.2017
Pauline Anna Strom - Trans-Millenia Music
Group 1850 - The Golden Years Of Dutch Pop Music
Heartfield - Follow
Lynhood - Septembre
15.12.2017
Mind Enemies - Revenge
Ringhausen - Lumen
Kaipa - In the Wake of Evolution
White Mountain - The Delta Sessions
Status Minor - Three Faces of Antoine
Trinity Xperiment - Anaesthesia
14.12.2017
Isproject - The Archinauts
Isildurs Bane - Off the Radar
PuzzleWood - Gates of Loki
13.12.2017
World Trade - Unify
Squartet - Adplicatio Minima
ARCHIV
STATISTIK
24189 Rezensionen zu 16534 Alben von 6441 Bands.
SITE MAP
STARTSEITE

Amplifier

The Octopus

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2011 (offizielle VÖ: 31.01.2011)
Besonderheiten/Stil: Konzeptalbum; HardRock; Independent / Alternative; New Artrock; Postrock; Spacerock
Label: Ampcorp
Durchschnittswertung: 13/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Sel Balamir guitar, vocals
Matt Brobin drums
Neil Mahony bass

Gastmusiker

Charlie Barnes piano
Mike Vennart backing vocals
Claire Lemmon backing vocals
Rose Kemp vocals ("The Sick Rose", "Golden Ratio")
Denise Johnson backing vocals
Kemal L. Freaktide Voice of Satan
Tom Knott trumpet

Tracklist

Disc 1
1. The Runner 3:38
2. Minion's Song 5:52
3. Intergalactical Spell 6:26
4. The Wave 7:00
5. The Octopus 9:18
6. Planet Of Insects 5:49
7. White Horses At Sea / Utopian Daydream 8:56
8. Trading Dark Matter On The Stock Exchange 11:34
Gesamtlaufzeit58:33
Disc 2
1. The Sick Rose 8:58
2. Interstellar 10:18
3. The Emperor 6:41
4. Golden Ratio 5:16
5. Fall Of The Empire 8:30
6. Bloodtest 5:18
7. Oscar Night / Embryo 7:44
8. Forever And More 9:23
Gesamtlaufzeit62:08


Rezensionen


Von: Thomas Kohlruß (Rezension 1 von 2)


Keine leichte Geburt dieser "Octopus"... alleine schon, dass man vier (fast schon fünf) Jahre warten musste seit dem letzten Studiowerk von Amplifier deutet schon an, dass hier nicht alles wie geplant gelaufen ist. Obwohl... wer weiß schon, was die Pläne von Bandcheffe Sel Balamir so waren.

Auf jeden Fall wurde Mitte 2008 an verschiedenen Stellen im Internet schon hoffnungsfroh gepostet, dass nun klar sei, dass Amplifier Ende des Jahres (also 2008!) zwei Alben namens "The Octopus" und "Mystoria" veröffentlichen würden. Etwas später hieß es dann, es würde eher ein Doppelalbum nur unter dem Namen "The Octopus" werden. Dann war viel von Verzögerungen die Rede, Amplifier trennten sich von ihrer Plattenfirma (oder umgekehrt, wie auch immer) und ich verlor ziemlich den Kontakt zu diesem ganzen Prozess. Letztlich hätte ich beinahe gar nicht mitbekommen, dass es nun kurz davor war, dass das ominöse Doppelalbum "The Octopus" nun tatsächlich erscheinen sollte.

Tatsache ist wohl, dass Amplifier mit ihrem zweiten Fulltime-Studioalbum "Insider" nicht so ganz glücklich waren und seinerzeit vor allem von ihrer Plattenfirma zu einer schnellen Veröffentlichung gedrängt wurden. Als dann von Sel Balamir ein ausgedehntes Konzeptalbum auf zwei CDs oder als Doppelalbum ins Spiel gebracht wurde, war die Plattenfirma wohl not amused. Amplifier und Sel Balamir im besonderen waren wiederum nicht begeistert, ihre künstlerischen Ambitionen erneut dem Kommerz-Diktat zu unterwerfen. Also suchten Amplifier ihren eigenen Weg und gründeten mit Ampcorp ein eigenes Label. Aber nun hatte man wenig Geld, keine Unterstützung mehr, die Band wurde bis an ihre Grenzen belastet und stand kurz vor dem Split, was der Sache natürlich nicht dienlich war. Daneben wurden noch Familien gegründet und Kinder gezeugt, so schleppte sich halt alles etwas dahin.

Aber nun ist er da, der "Octopus" und ich denke, man kann verstehen, das Sel Balamir auf einer Wolke der Euphorie schwebt und allerlei geschwurbelten Unsinn über dieses wunderbare Konzeptalbum von sich gibt. Balamir und die Band versuchen rund um das Symbol des Octopus so eine Art Kult aufzubauen und es gibt eine eigene Website dazu und allerlei Facebook-Aktivitäten. Sei ihnen der Triumph über die Widrigkeiten und die Besserwisser bei den Plattenfirmen gegönnt. Eines der Zitate von Balamir kann man allerdings vermutlich wörtlich nehmen: "...Es hat drei Jahre gedauert und ernsthaft, ich glaube nicht, dass wir diesen Aufwand jemals wiederholen können. Aber ich glaube auch, dass dies das Beste ist, was wir jemals machen werden..."

Aber hat sich denn nun wenigstens das Warten gelohnt? Oh ja! Es hat! Es hat wirklich! "The Octopus" ist ziemlicher heftiger Brocken nahezu monolithischer Rockmusik geworden. Sicherlich entwickelt "The Octopus" nicht diese überwältigende Urgewalt wie das Debüt, aber es hat eine subtile, unterschwellige Kraft, eine ständig mitschwingende Spannung, die den Hörer in Atem hält. Nach ein bisschen Introgewaber geht es eigentlich mit dem "Minion's Song", einem Monster, das sich nach fast verhaltenem Beginn und mit schönen Piano-Linien zu gewaltigem Bombast aufschwingt, erst so richtig los. Dann legen Amplifier mit "Intergalactic Spell" und "The Wave" zwei knallige Rocker in ihrem ureigenen Stilmix nach. Wer hier nicht schon begeistert ist, kann das Experiment "The Octopus" getrost abbrechen.

Amplifier sind ja ganz wesentlich Bandleader Sel Balamir und so stürzen gewaltige Gitarrenwände, durchzogen von Effekten, Verzerrungen, harten Riffs und melancholischen Passagen aller Art, auf den Hörer ein. Lärm trifft auf filigrane Passagen, sterbensschöne Melodien umschmeicheln den Hörer, bis ihn stoischer Hardrock wieder zu Boden schmettert. Aber über allem schwebt eine Stimmung der Euphorie, der großen Gesten und leichten musikalischen Wahnsinns. Für die Herren Brobin und Mahony bleibt da "nur" die Rolle einer extrem tighten, flott groovenden Rhythmusfraktion. Aber das machen sie mit Hingabe. Der in den Eingeweiden grummelnde Bass und das abwechslungsreicher Schlagzeug machen den Songs ordentlich Druck. Sel Balamirs mal cleaner, mal leicht verzerrter Gesang rundet das Klangerlebnis ab.

Mehr als auf ihren anderen Alben setzen Amplifier durchaus auf Abwechslung und Gimmicks. Da gibt es schon mal filigrane Pianolinien, ein überraschendes Trompeten-Intro, eine Kuckucksuhr, seltsame Gongs, gar auch mal leicht jazzige Passagen und so weiter. Leider fallen die musikalischen Gäste, vor allem Rose Kemp, kaum auf, so im Hintergrund finden ihre Beiträge statt. Na ja, was solls, Amplifier entwickeln als Mini-Orchester auch so genug Druck.

Gut zwei Stunden Musik lassen Amplifier viel Raum zur Ausarbeitung ihrer Songs, da wirkt es schon wieder passend, dass ausgerechnet einer der längsten Songs - "Interstellar" - als stioscher Grooverocker auf einem durchgehenden Grundrhythmus erweist. Trotzdem ist dieser unwiderstehliche Mitt-Wipper eines der Highlights des Albums. Einzelne Songs herauszustellen, macht wenig Sinn, denn irgendwie hat jeder so seine Spezialitäten, aber "The Wave" hat mich gleich mal ziemlich geplättet. Manchmal verirren sich Amplifier innerhalb ihrer Songmonster etwas und die eine oder andere Länge hat sich sicherlich auch eingeschlichen. Aber in der Summe liefern Amplifier eine tolle Sammlung epischer, ausladender, verspielter, leicht größenwahnsinniger Rocksongs ab, die glänzend unterhalten. Der Bogen spannt sich von grungigen Hardrock über doomiges Riffing, Alternative Rock bis hin zu epischem New Artrock. Klar, da schwingen Ahnungen von Pink Floyd, Porcupine Tree, Oceansize und vielleicht auch Muse mit, aber Amplifier sind mehr als die Summe ihrer Einflüsse und so ist die Identität von Amplifier immer spürbar, immer greifbar. Irgendwie muss man Sel Balamir dafür lieben, dass er so kompromisslos ?sein Ding? durchgezogen hat.

"The Octopus" gab es für die beinharten Fans in einer Art Digi-Book-Special Edition, die längst vergriffen ist. Die gleiche Musik gibt es aber auch als sehr hübsches Digipak im DVD-Format oder eben als normale Ausgabe im Gatefold-Digipak.

Anspieltipp(s): "The Wave", "Planet Of Insects", "Interstellar"... vieles, am besten das Album auf der Bandcamp-Seite der Band mal streamen...
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 23.1.2011
Letzte Änderung: 13.3.2013
Wertung: 13/15

Zum Seitenanfang

Von: Christian Rode @ (Rezension 2 von 2)


Wenn man sich in - sagen wir 20 Jahren - an die Zeit erinnern wird, die für uns im Jahre 2011 Gegenwart ist, dann wird man sich vielleicht auch noch an die Band Amplifier erinnern, die 2005 ein vielversprechendes Debütalbum veröffentlicht hatte, um dann aber zunächst von der Plattenfirma verheizt zu werden und anschließend ohne Plattenvertrag dazustehen. Ob man das Debüt noch kennen wird, weiß ich nicht. Die Chancen, dass man sich aber - zumindest als Geheimtipp! - noch an das opulente Doppel-Album The Octopus erinnern wird, stehen gar nicht so schlecht.

Mit The Octopus haben Amplifier ein zwar stilistisch relativ einheitliches, nämlich im New Artrock verhaftetes, in der kompositorischen Anlage aber ungeheuer vielschichtiges Album geschaffen. Die Band um Sel Balamir kann dabei besser als jemals zuvor ihrer Neigung zu lärmigem Klangbrei widerstehen. Den gibt es hier zwar auch, aber er ist nur ein Stilmittel und nicht mehr so dominant. The Octopus ist unter den Veröffentlichungen Amplifiers vielmehr durch eine Stimmung des rockigen Bombastes in einer Verspieltheit von bislang noch nicht gekannter proggiger Qualität gekennzeichnet. Und die Melodien kommen dadurch auch viel besser zur Geltung. Die Songs und das Album als Ganzes sind so facettenreich und kurzweilig gestaltet, dass die zwei Stunden Spieldauer einfach wie im Fluge vergehen.

Etwas Besseres als diesen kreativen Geniestreich werden Amplifier möglicherweise tatsächlich nicht mehr zustande bringen (können!). Wenn es ihnen aber gelingt, dieses Niveau auch nur annähernd zu halten, braucht es einem um die Zukunft dieser Band nicht bange werden. The Octopus ist das Beste im New Artrock seit Porcupine Trees Fear of a Blank Planet!

Anspieltipp(s): The Emperor, White Horses at Sea/Utopian Daydream
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 3.2.2011
Letzte Änderung: 8.3.2012
Wertung: 13/15

Zum Seitenanfang

Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Amplifier

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2005 Amplifier 10.50 2
2005 The Astronaut Dismantles HAL 9.00 1
2006 Insider 8.00 1
2009 Eternity 11.00 1
2011 Fractal 8.00 1
2013 Live in Berlin 11.00 1
2013 Sunriders EP 11.00 1
2013 Echo Street 12.00 2
2014 Mystoria 11.50 2
2014 Residue 10.00 1
2017 Trippin' with Dr. Faustus 8.50 2

Zum Seitenanfang

© 1999-2017; Das Copyright aller Texte liegt bei den jeweiligen Autoren; Haftungsausschluss
Site Map - Startseite - FAQ - Reviews - Leitfaden - Lesestoff - Kontakt - Links
RSS | Impressum