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Wobbler

Rites at Dawn

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2011
Besonderheiten/Stil: RetroProg
Label: Termo Records
Durchschnittswertung: 10.8/15 (6 Rezensionen)

Besetzung

Morten Andreas Eriksen electric & acoustic guitars
Lars Fredrik Frøislie keyboards, marxophone, backing vocals
Kristian Karl Hultgren bass, saxophone, glockenspiel
Martin Nordrum Kneppen drums
Andreas Strømman Prestmo vocals

Gastmusiker

Ketil Vestrum Einarsen flute
Hanne Rekdal bassoon

Tracklist

Disc 1
1. Lucid 1:40
2. La Bealtaine 7:52
3. In Orbit 12:30
4. This Past Presence 6:14
5. A Faerie's Play 5:19
6. The River 10:04
7. Lucid Dreams 2:19
Gesamtlaufzeit45:58


Rezensionen


Von: Thomas Kohlruß (Rezension 1 von 6)


Mit „Rites of Dawn“ legen die Norweger Wobbler – einst die Hoffnungsträger des Retroprog schlechthin – ihr immerhin schon drittes Studioalbum vor. Damit sind sie schon mal weiter als die großen Vorbilder Änglagård. Die Band ist im wesentlichen unverändert, man hat aber mit Andreas Strømman Prestmo einen neuen Sänger, ein nicht unwichtiges Detail.

Wobbler wirken auf „Rites of Dawn“ wie befreit. Die Last der großen Erwartungen ist verblasst und so spielen die Norweger frisch, fromm, fröhlich, frei auf. Flehende Mellotronchöre, flirrende Synthies, jubilierende Gitarren, bollernder Bass und wuseliges Schlagzeug beherrschen die Szenerie, alles klingt wie die Originale aus den 70ern. Fast möchte man eher an ein verschollenes Album der Ära des klassischen Progressive Rock glauben. Wobbler haben wieder peinlich genau darauf geachtet möglichst Original-Equipment zu verwenden, was im Booklet auch ausführlich dargestellt ist. Fender-, Gibson- und Martin-Gitarren, natürlich ein Rickenbacker-Bass und Yamaha-Drums. Und Minimoog, Mellotron, ARP Pro Soloist, Hammond Orgel, Hohner Clavinet, Fender Rhodes und so weiter und so weiter...

Die hohe, melodische, teilweise etwas dramatische Stimme von Andreas Strømman Prestmo fügt sich perfekt in diesen Rahmen ein. In den Chorpassagen klingt es dann sehr selig nach den klassischen Yes.

Auch wenn immer mal wieder Änglagård um die Ecke lugen, Wobbler begeben sich auf „Rites of Dawn“ noch viel weiter in die Vergangenheit. ELP und Gentle Giant schwangen ja schon immer ein bisschen mit, nun gibt es auch noch einiges an lyrischen Passagen, die gerne mal an Genesis oder PFM erinnern. Aber vor allem zu Beginn des Albums – in „La Bealtaine“ und „In Orbit“ dominieren ganz deutlich yessige Strukturen, seien es das Bassspiel, die Howe'schen Gitarren, das moderat verzwirbelte Bruford-Drumming oder eben der Chorgesang. Dabei stellen sich die Norweger geschickter an als die amerikanischen Kollegen im Geiste von Glass Hammer. Allerdings können Wobbler aus diesen ganzen Inspirationen und Vorlagen auch einen ganz eigenen Sound kreieren, wie sie mit „The River“ beweisen, welches erstaunlich eigenwillig und eigenständig aus den Boxen dröhnt.

Hier wirkt nichts bemüht oder gewollt. Die Kompositionen sind nicht hohl, sondern durchdacht, packend und gehaltvoll. Wobbler beleben den Retroprog mit einem ebenso so schönen, wie eleganten, wie mitreißenden Album. Fans dieser Richtung werden auf's Beste bedient und sollten sich schon mal auf den Bestellweg machen.

Anspieltipp(s): In Orbit, The River
Vergleichbar mit: siehe Rezitext...
Veröffentlicht am: 20.5.2011
Letzte Änderung: 21.5.2011
Wertung: 11/15

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Von: Ralf J. Günther @ (Rezension 2 von 6)


Nun gibt es das neue Yes-Album schon, bevor die Gruppe selbst es in die Läden gebracht hat. Wobbler legen mit Rites at Dawn eine über weite Strecken chamäleonartige Nachahmung klassischer Yes-Musik vor. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden sie in dieser Disziplin die echten Yes des Jahres 2011 weit übertreffen.

Rites at Dawn hat offiziell sieben Tracks. Genau genommen sind es aber nur fünf, denn vorne und hinten kleben zwei unwesentliche Klangspielereien dran. Von den fünf eigentlichen Stücken tragen zwei die Hauptlast des Albums: In Orbit und The River, die drei anderen ergänzen die Sache, wobei La Bealtaine eine Art Auftakt zum eigentlichen Geschehen bildet. Insgesamt wirkt das Album ziemlich wie aus einem Guss und angesichts des unverhohlenen Yes-Recyclings könnte man auch sagen: wie aus einem Aufguss.

Ich war beim Hören erstmal schwerstens irritiert. Yes-Aufgüsse gibt es eine Menge, auch solche mit penetranter Nachahmung typischer Yesgesänge. Man kann sich daran nur selten freien Herzens freuen, denn es hat doch immer etwas Doofes, wenn eine Gruppe auf Eigenständigkeit völlig verzichtet, um sich stattdessen dem reinen Stilreplikat zu widmen. Das tun Wobbler auf "Rites at Dawn" mehr denn je. Was etwas heißen will, denn die Gruppe war ja schon immer sehr aufs Nachahmen versessen, wenn auch noch nie so sehr aufs Yes-Nachahmen.

Andererseits kann das Album mit einigen Qualitäten punkten: Es hat eine große Leichtigkeit, läuft flott und munter ab, versteht sein Handwerk bis ins Einzelne und ist insgesamt eher amüsant und unterhaltend als prätentiös und auftrumpfend. "Warum nicht"? scheint die Musik zwischen den Notenlinien ständig zu fragen. Ist es etwa verboten, ein gut gemachtes Album im klassischen Yes-Stil zu veröffentlichen - angereichert um ein paar gentle-gianteske, italoproggige und sonstige Progreminiszenzen (gegen Ende von This Past Presence z.B. an den berühmten Court of the Crimson King)?

Das ist natürlich nicht verboten, verhindert allerdings zuverlässig Hochachtung vor kreativer Autonomie. Gelangweilt habe ich mich aber auch nicht, und so bleibt am Schluss das Gefühl einer sehr gut gemachten Nettigkeit.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 22.5.2011
Letzte Änderung: 6.3.2012
Wertung: 10/15

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Von: Wolfram Ehrhardt (Rezension 3 von 6)


Die norwegischen Retroprogger wandeln mit ihrer dritten Veröffentlichung ebenfalls wieder auf den Pfaden der progressiven Musikszene der Zeit zwischen 1969 bis 1974. Sie spielen auf den 46 Minuten von "Rites of Dawn" in so einer überzeugenden und erfrischen Art und Weise, als wenn der musikalische Zeitgeist jener Epoche ganz natürlich auch ins Jahr 2011 gehört.

Zur wesentlichen Qualitätssteigerung ihrer aktuellen Veröffentlichung tragen neben einer abwechslungsreichen und ausgewogenen Kompositionsgüte vor allem die Stimme des neuen Sängers Andreas Strømman Prestmo bei. Ergänzend zur instrumentalen Darbietung treten Wobbler nun auch gesangstechnisch in die Spuren von Yes zu Beginn der 70er Jahre. Und dies auf eine äußerst unterhaltsame Art und Weise. Ich kann mir kaum vorstellen, dass der für Juli 2011 erwartete Yes-Output "Fly From Here" nur annähernd an die Qualitäten von "Rites of Dawn" heranreichen kann.

Meine Vorlieben für sinfonische, leicht vertrackte Kompositionen mit einem vollen Paket an analogen Keyboardinstrumenten wird hier bestens bedient, sodass der dritte Wobbler-Output zu den hörenswerten Retroprog-Veröffentlichungen des Jahres 2011 zu zählen ist.

Anspieltipp(s): auf nach MySpace
Vergleichbar mit: Yes, Starcastle, Änglagard, Gentle Giant
Veröffentlicht am: 4.6.2011
Letzte Änderung: 28.2.2012
Wertung: 12/15

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Von: Michael Büttgen @ (Rezension 4 von 6)


Ich bin kein wirklicher Freund von RetroProg, das ist mittlerweile kein Geheimnis mehr. Der große Yes-Fan war ich ebenfalls noch nie, wobei ich jedoch der 80er Phase einiges abgewinnen konnte. Keine guten Voraussetzungen also, um das neue Album von Wobbler zu bewerten.

Der erste Yes-Eindruck überkommt einen unmittelbar beim ersten Einsetzen des Gesangs, der zwar an Jon Anderson erinnert, jedoch nicht im Entferntesten an ihn heranreicht. Muss er auch nicht, denn die Band schafft es immerhin mit recht schönen Gesanglinien und mehrstimmigem Gesang hier einiges heraus zu holen.

Auch instrumental ahmen die Norweger (leider) mehr als penetrant ihren großen Vorbildern nach. Die selben Gitarrensoli, die selben Bassläufe, die selbe Grundstimmung. Allein vom Keyboard her hält man sich etwas mehr zurück, bzw. lässt ein wenig mehr Eigenständigkeit zu.

Für meinen Geschmack leider zu wenig. Zwar klingt der Kram sehr melodisch, locker, flockig und wird auch mit der nötigen Leidenschaft dargeboten, doch fehlt mir einfach eine Portion Kreativität und eigene Ideen. Ich persönlich brauche einfach kein Album einer Yes-Coverband.

Das heißt natürlich noch lange nicht, dass „Rites of Dawn“ nicht den ein oder anderen (Yes)Fan aus den Trekkingsandalen hauen wird. Eine altbekannte Wohlfühlatmosphäre versprüht das Album sicherlich.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 17.7.2011
Letzte Änderung: 17.7.2011
Wertung: 8/15

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Von: Gunnar Claußen @ (Rezension 5 von 6)


Ohne Zweifel weist "Rites At Dawn" so einige Yes-Einflüsse auf. Dennoch denke ich, dass es hier bei Einflüssen bleibt und Wobbler auf ihrem eigentlichen Zweitwerk diese und die Merkmale dutzender anderer Bands zu einem recht eigenständigen und markanten Stil innerhalb des Retroprog-Bereiches und überhaupt zusammengefügt haben. Dass der Yes-Eindruck dabei dennoch im Vordergrund steht, liegt wohl daran, dass damit die ohrenfälligsten Schlüsselstellen (v.a. Gesangsharmonien und Bass) besetzt wurden.

Vor Augen führen sollte man sich in diesem Zusammenhang nämlich, dass Yes ihrerzeit (wie beispielsweise King Crimson und ELP auch) einen im Prinzip ziemlich artifiziellen Stil gespielt haben, was schon bei den instrumentalen Spielweisen und Sounds anfing: Da waren der röhrende bis bohrende, eigentlich völlig unrockige Gitarrensound von Steve Howe, die überkandidelten und technokratischen Keyboards von Rick Wakeman und Patrick Moraz und der staubtrocken hervorstechende Squire-Bass. "Natürlich" waren lediglich Jon Anderson (wobei da die Meinungen auch divergieren dürften) und Teile der Schlagzeugarbeit von Bruford und White. Die damit dargebotenen Songs klangen zwar zumeist wie aus einem Guss (was auch die größte kompositorische Leistung der Band war), boten aber vom Gesamtsound her oftmals, bei aller Anderson-Esoterik, ein ziemlich abgehobenes Gesamtbild aus Postmoderne und Science Fiction (höre "Heart Of The Sunrise", "The Gates Of Delirium", "Ritual"). Selbst die harmonischeren Passagen ("Seasons Of Man" z.B.) klangen bei aller Klasse angesichts dessen immer etwas schrill.

Und nun kommen also Wobbler und fahren einen Sound, der gerade diesen letztgenannten Punkt überwiegend verneint. Stattdessen gibt es über weite Strecken von "Rites At Dawn", vor allem natürlich in "In Orbit" und "The River", eine ganze Menge pastorale Romantik und mystischer Schwelgerei. Das sind nun Attribute, die mich im 70er-Zusammenhang eher an Bands wie Gryphon ("Ein klein Heldenleben", und Bläser gibt's hier auch), Focus ("House Of The King"), Ñu ("Cuentos De Ayer Y De Hoy") sowie natürlich noch an Camel zu "The Snow Goose"-Zeiten denken lassen und dabei ähnlich raffinierte, aus verschiedenen Parts zusammengefügte Songs ergeben. "In Orbit" mit diesem folkigen Zwischenspiel nach ca. 4 Minuten und dem ausladenden locker-beschwingten Schlusspart spricht da Bände, gemeinsam mit der schon auf "Hinterland" und "Afterglow" erprobten Tendenz zu polyphonen Einsätzen mit leichtem Gentle-Giant-Einschlag. Aber auch die kürzeren Nummern wie "This Past Presence" wissen in dieser Hinsicht zu überzeugen.

Die eingangs geschilderte Eigenständigkeit des Stils manifestiert sich indes vor allem in der luftigen und transparenten Begleitung der Stücke. Bass und Schlagzeug rücken hier Gesang, Gitarre und Keyboards in ein wohlgefälliges Licht, ohne - bei aller spielerischen Kompetenz und schnellen und/oder krummtaktigen Passagen - zu straff oder "unentspannt" zu spielen. Ebenfalls gut ins Bild passt da das variantenreiche Spiel von Lars Fredrik Frøislie, der mal den Hochgeschwindigkeits-Wakeman gibt und dann wieder den abwechselnd schwelgenden und jubilierenden Stil von Richard Harvey (Gryphon) und Tony Banks drauf hat, was natürlich das gekonnte Neben-, Über- und Hintereinander von Mellotron, Hammondorgel und Synthies einschließt.

Bliebe nun die Frage nach dem "Wert" solcher musikalischer Klasse, wenn man mal wieder den Blick auf den Wortpartikel "retro" wirft. Hier bietet sich folgendes Analogon an: Yes, Genesis, Gentle Giant & Co. sind die Entdeckungsreisenden, die vor Jahrzehnten mal einen neuen Kontinent bereist haben, Trampelpfade in den Dschungel schlugen und nach der Rückkehr von Wunderdingen zu berichten wussten. Die Retroprogger sind nun die Reisenden, die im erschlossenen, postkolonialen Land auf den Spuren der Entdecker wandeln und nach ihren Spuren suchen. Und Wobbler wandeln nun entlang der einstigen Trampelpfade, um mit moderner Ausrüstung und dem Gespür für die Historie Landschaftsbilder im Hochglanzformat zu schießen, deren Anblick bei jedermann Fernweh weckt. Eine Zeitreise also? Ja, aber eine höchst angenehme, und damit wiederum auch zeitlos.

Anspieltipp(s): The River, In Orbit
Vergleichbar mit: Den genannten Bands in unfassbar lockerer und schwelgerischer Darbietung
Veröffentlicht am: 14.6.2012
Letzte Änderung: 20.8.2012
Wertung: 13/15
Ein spät bemerktes Highlight des Jahres 2011

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Von: Gunnar Claußen @ (Rezension 6 von 6)


Was, noch ein Text zu "Rites At Dawn"? Ja, denn wieder mal liegt mit diesem Album - wie sich freilich erst im Nachhinein herausgestellt hat - ein Kuriosum vor: Ursprünglich wurde das Album ja im Frühjahr 2011 auf verschiedene Weisen veröffentlicht. Ich persönlich bin damals den günstigsten Weg gegangen und habe bei einem überaus bekannten, ähnlich wie ein großer südamerikanischer Fluss oder ein legendäres Volk von Kriegerinnen heißenden Anbieter einen MP3-Download für exakte 5,82€ erworben. Irgendwann neulich packte mich dann das Verlangen, im Regal auch noch einen physischen Tonträger neben "Afterglow" stellen zu können. Und da stellte sich Folgendes heraus: Im Jahr 2013 erschien tatsächlich ein Remix von "Rites At Dawn". So weit, so interessant, so merkwürdig, denn tatsächlich wurde auf dem zugehörigen CD-Digipack bis auf einen Aufkleber auf dem Cover ("Remixed And Remastered In 2013") nichts dergleichen vermerkt. Die genauen Umstände und Details dieser Neuabmischung bleiben also vorerst im Dunkeln.

Neu abgemischt wurde das Album aber tatsächlich, und das wiederum könnte diese Version für Liebhaber dieses Albums noch einnmal interessant machen. Das liegt nicht unbedingt daran, dass in allen Songs das Schlagzeug höhenlastiger klingt und prominenter im Mix vertreten ist und auch der Bass nun lauter, wenn auch weniger akzentuiert klingt, wohingegen die flächigen Keyboardsounds und der Gesang nun nicht mehr so sehr im Vordergrund stehen. Nein, diese Verschiebung der Komponenten selber macht per se noch nicht den Reiz dieser Ausgabe aus, trägt aber dazu bei. Denn auf diese Weise entsteht ein Raum, in dem in praktisch jedem Song nun bislang ungehörte Details zutage treten. So fragt man sich: Waren diese Gong- und Windspiel-Sounds am Ende von "Lucid" vorher auch schon da? Warum hat man diese schnarrenden bläser-artigen Sounds um 1:50 von "La Beáltaine" damals nicht gehört, wieso war dieser schneidende Synthesizer gute 40 Sekunden später früher so leise? Und warum war das Mellotron bei 3:00 von "In Orbit" damals noch nicht so mächtig wie hier?

Nun, das mögen vielleicht nur Details sein, die Konsequenz dessen ist aber, dass "Rites At Dawn" hiermit den Anschein erweckt, dass Wobbler in dieses Album noch viel mehr gesteckt haben, als der umfassende und flächige Wohlklang der Originalveröffentlichung je vermuten lassen hätte. Das ist überdies nur die eine Seite des Effekts, den diese Abmischung hat, denn andernorts sorgt der "neue" Klang noch für ganz andere Wirkungen. So geht das Akustik-Intro von "This Past Presence" diesmal nach zwei Minuten nicht in einen eher locker-beschwingten Part über, sondern diesmal in handfesten und erdigen Rock - ein dramatischer, auf seine Weise völlig umwerfender Kontrast! Und auch das ehedem eher verspielte "A Faerie's Play" klingt diesmal mit einem ungleich voluminöseren Schlagzeug ebenfalls rockiger und kräftiger.

Insgesamt ist damit also auch die "neue" Fassung von "Rites At Dawn" nicht minder empfehlenswert als das Original und wäre umgekehrt sogar für jene Leute interessant, die dem Album damals zu viel süßlichen Yes-Wohlklang vorgeworfen haben - die zeitweise deutlich kräftiger angelegte Musik dürfte so einiges von diesem Verdikt aushebeln. Zwei Dinge seinen allerdings letzten Endes doch noch angemerkt: Einerseits unterscheidet sich kurioserweise gerade das abschließende "The River" mit Ausnahme einiger hübscher Spinett-Arpeggien im Hintergrund kaum vom Original. Und zum anderen hätte eventuell das rasend schnelle Schlagzeug im Mittelteil von "In Orbit" besser herausgearbeitet werden können, wo sich in diesem Remix tatsächlich mal einige Spuren gegenseitig kannibalisieren - aber das wäre dann wohl ein Detail für den 5.1-DVD-Mix dieser Platte, nicht wahr, Herr Wilson?

Anspieltipp(s): Mit Blick auf die Veränderungen hauptsächlich "In Orbit" und "This Past Presence"
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 5.8.2016
Letzte Änderung: 8.11.2016
Wertung: keine In beiden Versionen uneingeschränkt hörenswert!

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Wobbler

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2005 Hinterland 9.00 6
2009 Afterglow 11.00 3
2017 From Silence To Somewhere 12.00 2

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