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Zauss

überall in terra straniera borders beyond

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Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2011
Besonderheiten/Stil: improvisiert; instrumental; RIO / Avant
Label: Fazzul Music
Durchschnittswertung: 11.67/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Francesco Zago Gitarre, Loops
Markus Stauss Bass-, Sopran-, Tenorsaxofon

Tracklist

Disc 1
1. Hymn 6:51
2. Senza nessuna eleganza 6:30
3. Bewegung 5:27
4. Moods 4:28
5. Pastorale 5:29
6. Wendepunkt 3:35
7. Earthquake 5:16
8. Kontaktspiel 3:27
9. Quisquilia 4:43
10. Little Quakes 2:02
11. Strahlen 2:39
12. Migrazione 5:03
13. Meandering 6:20
Gesamtlaufzeit61:50


Rezensionen


Von: Siggy Zielinski @ (Rezension 1 von 3)


Als Erstes nahmen der elektrische Gitarrist Francesco Zago und der Bass-, Tenor-, und Sopran-Saxophonist Markus Stauss dreizehn ohne einschränkende Schöngeistigkeit, vorgegebene Rhythmen und nachvollziehbare Melodiebögen auskommende Instrumentals als Duo auf. Und nun soll der seltsame Vorgang erfolgen, bei dem ein Schreiberling die schon mal klanggewordenen Gedanken und Emotionen der Musiker in die bei ihm entstandenen Gedanken und Emotionen zurückverwandelt. Dabei können Fragen entstehen wie z.B. die folgenden: wenn ein Avantgarde-Musiker lauter, aggressiver und schneller spielt, ist er wütend, oder geniesst er nur seine Freiheit im Studio? Oder wenn er und sein Duopartner suchend und tastend ein Stück entstehen lassen, denken sie in Noten oder in dreidimensionalen Bildern? Muss das meist atonale und dissonante Musikgeschehen bei Zago und Stauss auf einen Europäer zwangsläufig unheimlich und schräg wirken, weil wir alle mehr oder weniger bewusst mit romantischer Tradition aufgewachsen sind? Die suchend wirkenden Passagen haben auf "Überall..." viel mehr Platz eingeräumt bekommen, als etwa aggressive Ausbrüche. Trotzdem unterstelle ich mal, dass die Musiker auch in den unkonventionellsten Momenten (wenn z.B. des Gitarristen schrullige Spielweise an einen Fred Frith in Bestform erinnert und der Saxophonist klingt, als wollte er durch sein Blasinstrument sein gesamtes Lungenvolumen jagen) keineswegs wütende Gedanken entwickelten, sondern sich über die Chance freuten, der romantischen Tradition eins überzubraten. So durchgehend wurde dieses imaginäre Ziel von "Überall..." doch nicht erfüllt: in Teilen von "Meandering" und "Hymn" (Ersteres mit frippigen Gitarrenklängen gefüllt) ist die Musik fast schon melancholisch.

Alle Avantgarde-Freunde werden sich freuen, wenn z.B. in "Quisquilla" der Saxophon in den höchsten Tönen pfeifft und der Gitarrist dazu einige abgrundtiefe Dark Ambient-Klänge elektronischen Ursprungs beisteuert. Mein Eindruck ist, der Saxophonist holt alles Denkbare und Mögliche aus seinem Instrument raus und des Gitarristen Spielweise versucht dem Rechnung zu tragen, zusätzlich noch um elektronische Komponente erweitert. Erfreulich finde ich an "Überall..." die Tatsache, dass tatsächlich musikalische Dialoge und Diskurse überwiegen, bei denen sich die Beteiligten aufeinander einlassen, selbst wenn es schon mal mit unterschwelliger Anspannung eines ambientartigen Stückes geschieht. Das CD-Heft bietet auch Fotos der beiden im Studio. Allerdings nicht beim Spielen festgehalten, sondern vor der Mixkonsole stehend. Es darf aber trotzdem angenommen werden, dass die Stücke als Live-Improvisationen entstanden sind. Denn wie über beliebige Entfernungen per Internet verschickte und dann nachträglich zu einem Stück zusammengesetzte Tonspuren wirken die Stücke wirklich nicht.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 11.6.2011
Letzte Änderung: 12.6.2011
Wertung: 11/15

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Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 2 von 3)


Als langjähriger Freakshow-Besucher hält man sich üblicherweise für ziemlich abgebrüht. Da hat man sich von so vielen Bands lustvoll die Gehörgänge malträtieren lassen, hat unter seligem Grinsen Musik ertragen, die wahlweise wie Presslufthämmer oder Kreissägen klingt - oder wie beides gleichzeitig. Hat sich das Hirn herausprügeln, von den Musikern zertrampeln und völlig verdreht wieder in den Schädel einsetzen lassen.

Und dann kommt dieses Duo, und manche Avantgardeformation, die einem fast unerträglich schien, kommt einem plötzlich wie akustische Zuckerwatte vor. Das mag den Eindruck erwecken, Zauss würden hier Krach ohne Ende fabrizieren; dies ist jedoch keineswegs der Fall. Die Herren Zago und Stauss machen in erster Linie Geräusche. Geräusche? Also keine Musik? Nun, viele würden wohl weite Teile dieses Albums als "Geräusche" bezeichnen. Kollege Achim hat in seiner Rezension zum Debüt der - personell und auch musikalisch verwandten - Kurai seine persönliche Definition des Unterschieds zwischen Geräusch und Musik dargelegt. Kurz zusammengefasst lautet diese: Geräusche, die um ihrer selbst Willen hervorgebracht werden, sind Musik. Wer sich diese Definition zu eigen machen kann, dürfte Gefallen an diesem Album finden.

Zauss bieten hier abstrakte Tongebilde, in denen man Rhythmen oder Melodien vergeblich sucht. Markus Stauss lässt verschiedene Arten von Saxofonen kreischen, quietschen, knarzen, brummen, in allen Variationen von schrill bis unterirdisch. Dazu liefert Francesco Zago neben schräg-komplexen Läufen auch Soundscapes-artige Gitarrenloops oder sonstwie elektronisch verfremdete Gitarrenklänge. Interessanterweise sind die meisten Stücke dabei von äußerst langsamem Tempo, tasten sich geradezu behutsam voran; auch wird die Musik nur selten laut oder gar wüst (Kontaktspiel z.B.), bleibt dennoch meist ohne erkennbare Struktur. So entstehen bisweilen Klangskulpturen von bizarrer Schönheit (Pastorale). Es überwiegen aber völlig freie Klanggebilde. Diese klingen jedoch nie beliebig (Marke "mal bekifft ins Studio gehen und kucken was bei rauskommt"), sondern stets wohl durchdacht, als wäre jeder Ton nach reiflicher Überlegung hervorgebracht worden.

Das ist wahrlich Musik, die vom Hörer erarbeitet werden muss. Wer sich darauf einlässt, wird mit einer besonderen Hörerfahrung belohnt.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 11.6.2011
Letzte Änderung: 11.6.2011
Wertung: 12/15

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Von: Nik Brückner @ (Rezension 3 von 3)


Ein unglaubliches Album, das die beiden Zaussl da wieder vorgelegt haben und eines, das ich als Steigerung gegenüber dem ersten empfinde. "überall in terra straniera borders beyond" geht in mehr und in unterschiedlichere Richtungen als "Neulich neben der Grenze", lotet mehr Möglichkeiten aus. Andauernd gibt es neue Stimmungen, neue Atmosphären, man hat das Gefühl, Zauss wollten wissen, wie weit sie als Duo derzeit gehen können. Da gibt es wunderschöne Passagen, zum Beispiel "Moods" oder "Quisquilia", denen Sachen wie "Earthquake" gegenüberstehen, bei denen dem Hörer starke Zweifel kommen können, dass hier wirklich ein Saxophon und eine Gitarre zu hören sind. Oder "Kontaktspiel", das einen Formfreak wie mich vor die Herausforderung stellt, hier noch Musik zu finden. Wie entstehen bloß solche Stücke? Wartet Zago, bis Stauss mal hyperventiliert und schiebt ihm dann ein Saxophon in den Mund?

Doch auch Zago tut sich hervor: Schön zu hören, wie er hier deutlich mehr aus sich herausgeht als auf dem ersten Album. Und weit mehr als bei Yugen. Ist er sonst eher weniger der Improvisateur, eher ein Planer, ein Kopfmusiker, entspannt er sich hier und leistet damit einen größeren - und sehr willkommenen - Beitrag zur Musikalität des Albums.

Dennoch dominiert auch hier noch Markus Stauss' Saxophon, selbst wenn er als gleichberechtigter Duopartner zum Gewebe von Gitarre und Saxophon beiträgt. Dann wieder liefert er die Melodien zu Zagos Unterlagen, stört sie gar auf, andauernd wechselt er Stimmungen, Stile und Spielweisen.

"überall in terra straniera borders beyond" ist endlich mal wieder eine Platte, die so klingt wie sie heißt (und darüber hinaus auch noch viel besser als die erste Auflage von Zauss) - und für mich neben Jakszyk, Fripp und Collins' "A Scarcity of Miracles" zur Zeit DAS Sax-Album im Prog-Bereich. Kaufen, lieben!

Anspieltipp(s): Tscheggedaut!
Vergleichbar mit: Vergleichen kann ich das mit vielem, aber vieles wird dabei schlecht abschneiden.
Veröffentlicht am: 24.6.2011
Letzte Änderung: 7.7.2011
Wertung: 12/15
Ab auf die Freakshow mit den beiden!

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Zauss

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2006 Neulich neben der Grenze 11.50 2
2012 notturno leise im Wind 12.00 4
2014 Diafonia Leitmotiv Waves 11.33 4
2017 Trittico Immer All Over 12.00 3

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